Es ist schon ein paar Tage her, aber es beschäftigt mich noch immer. Daniel Bierofka übte in dieser Woche Kritik an der Klubführung des TSV 1860 München. Auf Anfrage der tz München schweigt die Geschäftsführung. Weder Michael Scharold als Geschäftsführer Finanzen, noch Günther Gorenzel als Geschäftsführer Sport möchten sich äußern. Man nutzt also nicht die Chance, ein mögliches Missverständnis aus dem Weg zu räumen oder die Kritik abzumildern. Ob das gut ist?
Die Kritik von Daniel Bierofka kommt nicht bei jedem gut an und sorgt für Diskussionen. Manch einer fordert sogar eine Abmahnung. Aktuell läuft es sportlich nicht so, wie es sich einige wünschen. Die bittere Niederlage gegen den SV Waldhof Mannheim hat das eine oder andere Fragezeichen hinterlassen. Zum Beispiel im Hinblick auf die Weiterentwicklung einzelner Sportler während der vergangenen zwei Jahre. Und auch im Bezug auf die taktischen Entscheidungen auf dem Platz. Die Kritik des Trainers klingt deshalb wie eine Schutzbehauptung. Eine Vorsichtsmaßnahme, um die eigene Person zu schützen und eine Ausrede parat zu haben, wenn es auch weiterhin nicht läuft. Denn Daniel Bierofka wird sich an den Punkten messen lassen, die auf dem Platz erspielt werden. So schlecht, wie manche Horrorszenarien vor der Saison, ist der Kader nicht.
Über die aktuelle sportliche Lage kann man diskutieren. Genauso wie über die Taktik, die Fitness der Spieler und über ihre Entwicklung. Das gehört zum Sport dazu. Blendet man diesen Punkt jedoch aus und betrachtet die Kritik von Bierofka genauer, dann muss man feststellen, dass sie durchaus ins Schwarze trifft. Es ist klubpolitisch angenehm ruhig im Moment. Niemand möchte da in irgendein Wespennest stechen. Doch wer im Laufe oder spätestens zum Ende der Saison keine bösen Überraschungen erleben möchte, der darf nicht die Augen verschließen.
Da ist zum einen das Löwenstüberl. Das mag nicht direkt mit Daniel Bierofka und seinem Team zu tun haben, wohl aber hinterlässt es ein dickes Fragezeichen. Rund 1.500 Euro möchte die KGaA als Pacht pro Monat. Seit Januar diesen Jahres steht das Löwenstüberl leer. Heißt im Endeffekt, dass die KGaA monatlich auf 1.500 Euro „verzichtet“. Mag sein, dass die Medien recht haben und Anthony Power Druck im Hinblick auf die Verträge gemacht hat. Doch deshalb auf die Einnahmen verzichten? Ist das im Sinne der KGaA? Hier muss man klare Kante zeigen. Auch einem Anthony Power und auch einem Hasan Ismaik. Wenn es denn stimmt, dass sie hier Einfluss nehmen.
Da sind zum anderen Sponsorenverträge, die auf dem Schreibtisch des Geschäftsführers Finanzen liegen und bis heute nicht unterschrieben wurden. Von Sponsoren, die seit Jahren ein Sponsoring beim TSV 1860 München haben. Allgemein hört man bei einigen Sponsoren, dass der Umgang mit ihnen eher spärlich ist. Nun, vielleicht sind die Erwartungen mancher Sponsoren zu hoch, ich weiß es nicht. Ein richtig gutes Signal ist es jedoch nicht, wenn sich Unternehmer nicht wirklich gut betreut fühlen und Verträge sich zäh wie Kaugummi in die Länge ziehen. Zumal Scharold nichts daraus macht. Oder ist tatsächlich in den vergangenen Wochen nur ein Wasser-Lieferant als Sponsor hinzugekommen? Auch hier gehört ein entsprechendes mediales Pushen dazu.
Wo wir beim Thema sind. Da ist die mediale Außendarstellung. Günther Gorenzel haute in der vergangenen Saison alle paar Tage kräftig Interviews raus. Um ihn ist es ruhig geworden. Im Moment ist in der Medienpolitik des TSV jedoch Schmalhans der mediale Küchenmeister. Das mag durchaus in manchen Bereichen angenehm sein. Weil wir immer Angst haben, dass zu viel politisiert wird. Im Hinblick auf Liveübertragungen von Pressekonferenzen zum Beispiel, könnte sich der TSV durchaus ein Vorbild bei anderen Drittligisten nehmen. Auch eigene Interviews mit Spielern vermisst man, bei anderen Klubs ist das vor und nach Spielen gang und gäbe. Die Löwen verkaufen sich denkbar schlecht. Zumal man hier auch Sponsoren präsentieren kann. Oder neue einbinden kann. Spricht man die Geschäftsführung an und gibt Tipps, kommt eine wenig freundliche Antwort. Das habe keine Priorität.
Daniel Bierofka hat Recht was die beiden letzten Spielerverträge anbelangt. Sie gingen „über seine Schulter“. Er hat mit potentiellen Geldgebern gesprochen. Hätte er nicht ausgiebig mit Privatiers gesprochen und verhandelt, wäre ein Aaron Berzel nie zur Unterschrift gekommen. Geschäftsführer Günther Gorenzel arbeitete fast schon dagegen. Er machte keinen Hehl daraus, dass er Berzel nicht wollte. Dass er ihn als „nice to have“ bezeichnete, war nicht wirklich die feine Art und taktisch wenig klug. Allgemein schwingt bei Gorenzel immer eine gewisse Negativität mit. Das war beim Abgang von Grimaldi schon so. Er hatte ihn schnell abgeschrieben. Dass das den Preis gedrückt hat, mag Spekulation meinerseits sein. Gewundert hat man sich allemal. Beim Deal „Berzel“ machte er ebenfalls keine gute Figur und ließ vor allem eines durchsickern: Bei 1860 ist man sich nicht in allen Punkten einig. Auch seine Beförderung hinterlässt bei mir einen faden Beigeschmack. War die notwendig? Was hat sich denn im positiven Sinne getan seitdem?
Der Kader ist gut. Manch einer sieht sogar einen besseren Kader als in der vergangenen Saison. Ich gehöre dazu. Mich schmerzt der Verlust von Simon Lorenz. Ich behaupte, dass Dennis Erdmann ihn nicht ersetzen kann. Dennoch ist die Mannschaft an sich intakt geblieben. Mit der Weiterverpflichtung von Berzel und der Wiederverpflichtung von Timo Gebhart hat man sich durchaus mehr Spielraum geschaffen. Doch die Geschäftsführung darf eines nicht aus den Augen verlieren: die aktuellen Verträge. 22 Spielerverträge laufen zum Ende der Saison aus. Nur 6 Spieler sind bis 2021 verpflichtet. Dass private Gönner erneut einspringen, ist eher zweifelhaft. Zumindest darf man es nicht einberechnen. Der Spieleretat wird kommende Saison zudem deutlich niedriger ausfallen. Das sind keine guten Voraussetzungen. Und da ist durchaus die Geschäftsführung gefragt, frühzeitig zu reagieren und Verträge zu verlängern. Um Perspektiven zu schaffen.
Es kann zudem nicht sein, dass man immer mehr Kosten auf den e.V. überträgt. Der gemeinnützige Verein entlastet die KGaA schon maßgeblich beim Nachwuchsleistungszentrum. Er bekommt im Gegenzug jedoch zum Beispiel nicht das Löwenstüberl übertragen. Weil die Geschäftsführung den Investor nicht brüskieren möchte? Eines ist sicher – hätte der e.V. das Löwenstüberl übernehmen dürfen, dann wäre es längst offen.
Der TSV 1860 München muss konsolidieren. Das heißt aber nicht, dass man sich in sein Schneckenhaus zurückziehen sollte. Es bedarf einem strategischen Plan. Es bedarf eine gute Öffentlichkeitsarbeit und eine gute mediale Außendarstellung. Es bedarf attraktiver Sponsoring-Verträge. Und man muss vielleicht auch das eine oder andere Gehalt hinterfragen.
Auch nach einigen Tagen frage ich mich, ob sich Daniel Bierofka nicht zu weit aus dem Fenster lehnt. Im Grunde hat er jedoch Recht – viele reden und getan wird nichts. Man kann darüber diskutieren, ob alle Entscheidungen auf dem Platz richtig sind. Ob Daniel Bierofka als Trainer alles richtig macht. Eines ist jedoch klar – er macht seinen Job. Bei dem einen oder anderen muss man das eher hinterfragen. Warum man einen Geschäftsführer Sport benötigt, das erschließt sich mir zum Beispiel bis heute nicht. Aber vielleicht belehrt mich ja einer eines Besseren. Gerne dürft Ihr darüber diskutieren. Wie gesagt – es ist nur ein Kommentar. Vielleicht liege ich ja falsch.

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