Pipinsried, diesen Ort kannten vermutlich nur wenig Löwen-Fans vor dem Sturz der Sechzger in die Regionalliga. Doch plötzlich findet man das Pfarrdorf im oberbayerischen Landkreis Dachau in der gleichen Liga wieder.

Präsident Höss – ein Patriarch seit 50 Jahren

Von 1967 bis heute …

Im Jahr 2013 stieg der FC Pipinsried in die Bayernliga Süd auf und 2017 schaffte man das fast Unmögliche: den Aufstieg in die Regionalliga Bayern. Für einen Ort mit 566 Einwohnern durchaus eine Leistung. Im Moment kämpft man ein wenig mit finanziellen Problemen. Aber davon lassen sich die Pipinsrieder herzlich wenig die Laune in der Regionalliga verderben. Der FC Pipinsried ist unglaublich wichtig im Ort.

1967 wurde der Verein gegründet. Von einem Mann, der bis heute die Geschicke des Fußballclubs lenkt: Konrad Höss. Damals war das Dorf so gut wie tot. Der fußballbegeisterte Präsident stand damals noch selbst auf dem Platz. Als Funktionär führte er den FC Pipinsried dann von 1975 bis 1979 in die Bezirksliga. Glaubt man den Geschichten in dem kleinen Ort, dann krallte sich Höss damals das örtliche Feuerwehrauto und raste mit Blaulicht durch die Straßen. Vor Freude. Lange ist es her.

In der Zwischenzeit hat er den Verein in die Regionalliga geführt. „Schlichtweg Wahnsinn, was das für eine Arbeit war und mancher im Ort, der sich nun über die Regionalliga freut, vergisst das oder ist sich dem zumindest nicht wirklich bewusst!“, meint der Mann, den viele als Fußball-Patriarchen sehen. Nicht jeder Trainer hatte es mit ihm einfach. Höss ist knallhart, redete Trainern in der Vergangenheit auch gerne mal rein. Ein emotionaler Präsident, der von Anfang an dabei war und auch noch heute den Verein führt. Seit 50 Jahren.

Das Spiel gegen die Löwen ist für uns Pipinsrieder wie ein Märchen

Regionalliga – ein Traum für Pipinsried

Man ist in der Regionalliga. Ein Traum für viele Pipinsrieder. Aber das Highlight gibt es am Freitag: Dann geht es zum TSV 1860 München und ins Grünwalder Stadion. Letzteres zum zweiten Mal in dieser Saison. Es war eine der Überraschungen dieser Regionalliga, als der FC Pipinsried den FC Bayern München II besiegte. „Ja, das war verrückt. Unsere Spieler sind über sich hinausgewachsen. Das war wirklich aufregend. Aber Sechzig ist einfach eine andere Hausnummer und für mich der absolute Favorit in dieser Liga“, sagt Konrad Höss: „Der Sieg über den FC Bayern München II war eine tolle Sache. Aber Sechzig, das wird ein ganz anderes Spiel.“

Welche Erwartung hat Höss vom Spiel? Er lacht, als hätte ich ihn gefragt, ob er sich dieses Jahr noch eine Mondlandung vorstellen könne. Nein, eine Erwartung hat er nicht. Er selbst wird nicht einmal beim Spiel sein. Eigentlich überraschend, nachdem er 50 Jahre lang diesen Verein bis in die Regionalliga geführt hat. Allerdings hat er eine würdige Vertretung. Er grinst und meint: „Ich bin nicht da. Aber meine Frau wird beim Spiel sein.“ Sie wird im Grünwalder Stadion für ihn die Daumen drücken: „Die Jungs geben sicherlich ihr Bestes. Aber Sechzig ist für uns nicht besiegbar.“

Den Fans ist es egal. Die Freude vor dem Spiel ist unglaublich. Höss weiß: „Viele Pipinsrieder sind treue Sechzger. Und die Gelegenheit, nach München zu so einem Event zu fahren, das lassen sie sich nicht entgehen.“ Seiner Aussage nach wurden 800 Karten verkauft. Das übersteigt bei Weitem die Einwohnerzahl des kleinen Ortes. Die ist offiziell in diesem Jahr mit 566 Einwohnern angegeben. Und der Präsident des FC Pipinsried gönnt es seinen Fans, auch wenn er immer wieder betont wie viel Arbeit in diesen 50 Jahren steckten: „Das Spiel gegen die Löwen ist für uns Pipinsrieder wie ein Märchen, ein absoluter Traum. Und ich freue mich für die Fans und den ganzen Verein“.

Die Fans kommen also nach Giesing. Es gibt einen Fanbus. Viele wollen sich, so der Präsident, zuvor beim Paulaner treffen. Andere werden beim Giesinger Bräu sein. Nach dem Spiel gehen alle dann hoffentlich gleich nach Hause. Der Präsident: „Ich glaube nicht, dass nach dem Spiel irgendjemand der Fans noch Kraft hat zu feiern.“ Ja, für die Pipinsrieder wird es ein Fest von Anfang bis Ende.

Fanbegegnung: Stehempfang vor dem Spiel TSV 1860 vs FC Pipinsried

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BruckbergerLoewe
Leser

Sympathischer Verein, sympathisch Spieler !
Sorry Pipi,aber morgen schliessen wir Euch aus Giesing raus !