Der DFB hat eine Verschärfung der Eigenkapitalauflage und ein verändertes Financial Play für die 3. Liga auf den Weg gebracht. Die Regelungen gelten ab der Saison 2023/24. In einer Diskussionsrunde diskutieren Tom Eilers, Vorsitzender des Ausschuss 3. Liga, Andreas Rettig, Vorsitzender beim FC Viktoria Köln und Dr. Markus Merk, Beiratsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern.
Die 3. Liga hat Stärken und Schwächen. „Die sportliche Ausgeglichenheit ist das größte Faustpfand der 3. Liga. Und ich stelle eine große Nähe zwischen den Vereinen und ihrem jeweiligen Umfeld fest“, meint Andreas Rettig vom FC Viktoria Köln. „Ich nehme die 3. Liga als offen, ehrlich, attraktiv und unberechenbar wahr. Im wirtschaftlichen Bereich ist es in der 3. Liga schon schwer – vor allem, wenn man wie der FCK von der Bundesliga bis in die 3. Liga durchgereicht worden ist“, ergänzt Markus Merk. Und Tom Eiler unterstreicht die Ausgeglichenheit: „Das hat auch damit zu tun, dass die 3. Liga weniger einnimmt als höhere Ligen und darüber hinaus die Gelder gleichmäßig verteilt werden. Das stärkt den sportlichen Wettbewerb.“
Gravierende Fehlleistungen im Management mancher Drittligisten
Rettig kritisiert vor allem die immensen und gravierenden Fehlleistungen im Mangement mancher Klubs. Als Beispiel nennt er den KFC Uerdingen, der durch Misswirtschaft und Abhängigkeit von einem Investor die Insolvenz anmelden musste. Das sei in der 3. Liga festzustellen, sei jedoch kein exklusives Problem: „Der Hang, in leitender Position nur während der eigenen Vertragslaufzeit glänzen zu wollen und nicht darüber hinaus zu blicken, um keinen Scherbenhaufen zu hinterlassen, sieht man auch in Politik und Wirtschaft. Als Manager in einem Fußballverein pfeffert man dann eben im Winter nochmal Geld raus, weil man denkt: Steigen wir ab, werde ich sowieso entlassen. Doch es geht auch anders und besser, das zeigen Beispiele wie der FSV Mainz oder SC Freiburg.“ Merk unterstreicht diese Aussage: „Es ist ein riesiges Problem, wenn man nicht in die Zukunft schaut. Dann wird jedes Jahr an allen Konstrukten gedreht und an jedem Vertrag geschraubt, bis die Zitrone so weit ausgepresst ist, dass sie keinen einzigen Tropfen mehr hergibt.“ Man benötige Instrumente um derartigen Fehlentwicklungen stärker und früher einen Riegel vorzuschieben, so Eiler in der Diskussion.
Mache ich das, was aus meiner Sicht perspektivisch das Beste für den Verein ist? Oder gebe ich dem Druck von Fans nach, die emotional eher an die nächsten Spiele denken?
Andreas Rettig
Managementqualität in der Dritten Liga ist gefragt
Warum fällt manchen Fußballklubs die Vernunft so schwer? Rettig sieht vor allem die hohe Emotionalität, die zwar grundsätzlich im Fußball positiv sei, jedoch durchaus auch den Blick „auf das Morgen und Übermorgen“ verneble. Als Beispiel nennt Rettig seine Zeit beim 1. FC Köln: „Wir hatten damals eine Mitgliederversammlung mit 8000 Leuten und standen auf einem Abstiegsplatz. Ich habe das Credo der wirtschaftlichen Vernunft gepredigt. Dann kommt ein Mitglied ans Mikro und fordert unter dem großen Beifall des Publikums, ich solle endlich mal Geld ausgeben, der FC sei schließlich kein Sparverein. Man steht als Verantwortlicher also immer vor der Frage: Mache ich das, was aus meiner Sicht perspektivisch das Beste für den Verein ist? Oder gebe ich dem Druck von Fans nach, die emotional eher an die nächsten Spiele denken? Da bin ich wieder beim Thema Managementqualität.“
Die komplette Diskussionsrunde gibt es hier: „Die Klubs zur Vernunft zu zwingen, ist der richtige Weg“
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Titelbild: (Photo by Matthias Hangst/Getty Images)


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