Daniel Bierofka hat aktuell noch einen Vertrag bis 2019. Dennoch werden mögliche Vertragsverhandlungen mit dem Trainer durchaus zum Politikum. Von Respekt und Anerkennung seiner Leistung ist die Rede. Die lässt der Verein vermissen. Es wäre längst angebracht gewesen, mit Bierofka in Vertragsverhandlungen zu treten. Und dabei tritt man auch gerne nach. Gegenüber Markus Fauser, dem Interims-Geschäftsführer des letzten Jahres. Denn wenn überhaupt, dann wäre es seine Aufgabe gewesen.

BierofkaDie Identifikationsfigur Bierofka wird gerne dazu hergenommen, politisch zu werden. Dabei vermischt sich häufig die Kritik, die eigentlich an die KGaA gerichtet ist, mit der am eingetragenen Verein. An manchen Stellen reichen lediglich Schlagwörter, um Diskussionen auszulösen, damit in den sozialen Netzwerken oder Foren gegen Reisinger, Beer und Drees geschimpft wird. Die man auch gerne in Personalunion setzt: Der sogenannte Dreesbeerreisinger. Für manchen Verschwörungstheoretiker das ultimative Böse im Verein. Gut ist das zweifelsohne nicht. Versucht man in Diskussionen den Verein und die KGaA voneinander zu trennen, dann kommt schnell der Diskussionskiller: Es spielt keine Rolle, ob die KGaA oder der e.V. verantwortlich ist. Am Ende ist es immer der e.V., wegen 50+1. Der habe am Ende das Sagen an der Grünwalder Straße. Doch damit macht man es sich zu leicht. Selbstverständlich gibt es die Regelung und damit bleibt die Stimmhoheit in der Geschäftsführer-GmbH beim Verein. Die vertraglichen Verhandlungen mit Daniel Bierofka sind jedoch ganz klar Aufgabe der KGaA. Und damit aktuell von Michael Scharold. Das Schwarz-Weiß-Denken ermüdet. Für einige gibt es immer nur zwei Seiten. Den e.V. und den Investor.

“Viele im Verein werden das nicht gerne hören, aber für ihn würde ich auch ein weiteres Darlehen aufnehmen”

Karsten Wettberg gegenüber der AZ

Auch Karsten Wettberg äußert sich zu dieser Thematik. Ob es hilfreich ist, muss man bezweifeln. Man hätte es gar nicht so weit kommen lassen dürfen, dass darüber debattiert wird, sagt er gegenüber der Abendzeitung. Er fragt sich, warum nichts passiert im Verein. Und er spricht aus, was aus seiner Sicht viele ungern hören. Er würde als Verein auch ein Darlehen aufnehmen, um Bierofka zu halten. Da ist es wieder, das Wort Darlehen. Die KGaA ist hoch verschuldet. Und soll noch mehr Schulden machen, laut Wettberg. Allerdings ohne, dass Wettberg aktuelle Zahlen kennt. Er weiß nicht wie hoch das Budget der KGaA ist. Fausers Ziel war, dass man finanziell auch für die 3. Liga gerüstet ist. Das ist man. Es gibt einen Plan für die 3. Liga und optional auch für die Regionalliga. Und der rechnet natürlich auch ein Trainergehalt ein. Alles andere wäre absurd.

Fakt ist: Vertragliche Verhandlungen gehen immer von beiden Seiten aus. Vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Es ist Bierofkas gutes Recht, mehr Geld zu verlangen und vertraglich bessere Konditionen auszuhandeln. Das kann er jederzeit tun. Und der Verein muss darauf reagieren. Er muss abschätzen, wie viel ihm der Trainer wert ist. Ob das aktuell allerdings sinnvoll ist? Noch ist man in der Regionalliga. Noch ist man nicht aufgestiegen. Könnte es nicht sein, dass Daniel Bierofkas Verhandlungsbasis deutlich besser wird, wenn er mit der Mannschaft in die 3. Liga aufgestiegen ist? Warum also jetzt aus seiner Sicht einen neuen Vertrag aushandeln, der seinen aktuellen Vertrag um 1 oder 2 Jahre verlängert? Wo doch die Zukunft ungewiss ist. Nicht nur für den Verein, auch für den Trainer. Erzwingt er jetzt Vertragsverhandlungen, dann wird man ihm im Sommer sagen, dass die Verträge bereits verhandelt sind. Mit der Option 3. Liga und der Option, weiterhin in der Regionalliga zu verbleiben. Diese beiden Optionen müssen gegenseitig ausbalanciert werden.

Es wird von Wertschätzung gesprochen. Wertschätzung gegenüber der Arbeit des Trainers. Beim TSV München von 1860 ist das so eine Sache. Du kannst dir den sprichwörtlichen “Arsch für den Verein aufreißen” und bekommst keine Wertschätzung. Ehrenamtliche Funktionäre können Tag für Tag ein Lied davon singen. Daniel Bierofkas Arbeit wird wohl aktuell und auch rückblickend auf die Vorrunde am Meisten wertgeschätzt. Von allen Ämtern, egal ob ehrenamtlich oder hauptberuflich. Und sein Wert steigt. Vor allem dann, wenn er mit der Mannschaft in die 3. Liga aufsteigt.

Das Interview mit Karsten Wettberg in der Abendzeitung findet Ihr hier:

http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.trainer-diskussion-bei-sechzig-wettberg-ohne-bierofka-waere-nur-fasching-bei-1860.689fa3e3-8e4b-4106-95f7-fa7835a86746.html

13
Hinterlasse einen Kommentar

Bitte Anmelden um zu kommentieren
  Abonnieren  
neueste älteste meiste Bewertungen
Benachrichtige mich bei
HHeinz
Leser

Mir kommt der Trainer bei der Diskussion zu gut weg. Er hat nicht den passenden Schein, wird nächste Saison an etlichen Tagen fehlen (Sporthochschule Köln) und der Aufstieg ist auch noch nicht ausgemacht.

Und dass er keine Wertschätzung erhält empfinde ich ebenfalls als Unsinn. Wir sind ein Regionalligist und als Solcher muss es Abstriche gegenüber einem notorisch im Defizit fahrenden 2. Liga Verein geben. Es soll aber auch Trainer gegeben hgaben welche “für kein Geld der Welt” bei uns verlängern wollten.

Ich sehe das ganz entspannt, sowohl mit Daniel Bierofka als notfalls auch ohne. Ich hoffe einfach dass die Presse auch eine gehörige Portion “Interpretation” beimischt.

Ein Darlehen würde ich jedenfalls nicht aufnehmen.

LNHRT
Leser

Ich habe immer mehr das Gefühl, dass es Kreise gibt, die sich wünschen, dass die Verhandlungen mit Biero scheitern, um ordentlich austeilen zu können. Ich selbst versteh die Aufregung nicht. Der Vertrag läuft noch ne ganze Zeit und das Thema Aufstieg wirkt sich definitiv auch auf einen Vertrag aus. In welche Richtung auch immer. Und ein Trainingslager dürfte wohl auch ein ungünstiger Ort für so ein Thema sein. Einfach mal locker durch die Hose atmen und die Leute ihren Job machen lassen.

tomandcherry
Leser

@ LNHRT

“Ich habe immer mehr das Gefühl, dass es Kreise gibt, die sich wünschen, dass die Verhandlungen mit Biero scheitern, um ordentlich austeilen zu können.”

Davon kannst Du ausgehen. Alles – wirklich absolut alles – was man an Negativen hervorkramen und künstlich aufbauschen kann, um den bisherigen Weg zu torpedieren, würde diesen “echten Fans” in den Kram passen.

Ich bin ebenfalls der Meinung, dass man erstmal diese Saison zu Ende spielen sollte und abwarten, was am Ende dabei rumkommt.

Biero wird sicherlich ebenfalls lieber einen Dritt- als einen Viertligisten trainieren wollen? Umso besser, wenn es ab Sommer diesen Jahres der TSV 1860 München sein sollte.

Konterhoibe
Leser

Wenn es nichts zu schreiben gibt gräbt die AZ eben Wettberg aus, ich orakel mal, als nächstes kommt der “Edelfan” Franz Hell und gibt seinen Senf dazu warum der Verein Blöd ist. Dann gibt es nochmal einen “Ungekämmt” Artikel im Blog und da sind dann wieder unsere Ehrenamtlichen daran Schuld weil ja eh alles blockiert wird und wir ja viel lieber noch länger in der 4. Liga bleiben würden. Die Ruine fällt demnächst ja eh auseinander und der Hasan hat mit dem Ulli schon geklärt das wir wieder ins Gummiboot dürfen.

Ich komm mir vor als erleben wir hier eine Realsatire bei dem manchen keiner erklärt hat was Satire bedeutet.

tomandcherry
Leser

@ Konterhoibe

Grosser, Radi, Lorant.

Die drei Löwen-Legenden werden mit 100 %-iger Sicherheit demnächst wieder ihre fachkundige Meinung zum aktuellen Stand der Dinge in den Medien breit treten dürfen.

Und ich wette jetzt schon, dass mindestens von einem der drei Herren etwas über “die Fehlentscheidung ins GWS zurückzukehren, anstatt weiterhin in der AA zu spielen” zu lesen sein wird.

Mich langweilen diese immer gleichen substanzlosen Plattitüden nicht mal mehr. Oder anders ausgedrückt: “Die sollte man nicht mal ignorieren”. 😉

ICFPFALZ
Leser

Der Obstbrandl Didi und die Christel sind auch noch in der Verlosung.
Zu DB er wird meiner Meinung zu sehr in den Vordergrund gestellt. Er sollte nicht über dem Verein gestellt werden sondern auf gleicher Höhe. Er hat Vertrag und wird am Ende dieser Runde am Ergebniss gemessen werden. Als Trainer aktuell die richtige Entscheidung.

tomandcherry
Leser

@ ICFPFALZ

“Obstbrandl Didi”… 😉

Zu Deiner Aussage bezgl. DB stimme ich Dir absolut zu. Er ist ein Sympathieträger und ganz bestimmt 110 %-iger Löwe, aber zur Heiligsprechung besteht derzeit kein Anlass.

Die noch zu absolvierenden Rückrundenspiele bzw. die Endplatzierung am letzten Spieltag werden der Gradmesser sein.

Konterhoibe
Leser

Also den Didi darf man da schon ausnehmen, der haut eigentlich immer gut einen raus, aber mit Sinn dahinter. Der fällt für mich nicht in die “Altherrengruppe” um Grosser&Co 😀

Sebastian Waltl
Redakteur

Irgendwie wird mir aus Bierofkas Aussage zu viel gemacht. Er meinte ja, dass im Trainingslager Zeit gewesen wäre für Vertragsgespräche und dass er jetzt keine Zeit mehr dafür hätte. Manche Medien machen daraus sofort die Meldung, dass Bierofka keine Lust mehr hätte und spätestens im Sommer weg wäre.
Ich sehe das allerdings etwas anders. Grundsätzlich wäre es zwar sinnvoll gewesen, bereits jetzt mit Bierofka zu sprechen. Andererseits hat er noch eineinhalb Jahre Vertrag. Und bei immerhin elf im Sommer auslaufenden Verträgen (laut der Seite Transfermarkt.de) ist es absolut verständlich, dass erst mit diesen Spielern verhandelt wird und dann mit dem Trainer, der noch ein Jahr länger Vertrag hat.
Oft wird sich daran aufgehängt, dass in seinem Vertrag steht, dass er die U21 trainiert. Wie Bierofka selbst schon erwähnt hat verdient er trotzdem genug. Und wenn man seinen Vertrag anpassen würde wäre wahrscheinlich für die vierte Liga auch nicht viel mehr drin. Also wird lediglich aus einem Satz in seinem Vertrag ein Politikern gemacht.
Dass Bierofka so schnell die Lust an 1860 verliert glaube ich definitiv nicht. Er hätte bereits im Sommer als Co-Trainer in der Bundesliga oder bei manchen Drittligisten als Cheftrainer anfangen können.
Trotz der zu diesem Zeitpunkt völlig ungewissen Zukunft ist er geblieben. Selbst als er im letzten Jahr über weite Strecken keine Unterstützung hatte hat er auf mich in keinem einzigen Moment den Eindruck gemacht, er hätte keine Lust mehr.
Inzwischen hat er ja Unterstützung bekommen und muss jetzt wahrscheinlich nicht mehr rund um die Uhr arbeiten, was ihm sicherlich gut tut.
Auf allen Bildern vom Training im Trainingslager und z. B. auch beim letzten Testspiel vor dem Trainingslager, als ich ihn zum letzten Mal live gesehen habe, hatte ich durchaus den Eindruck, dass ihm der Job Spaß macht.

Ich glaube, dass die Medien aus einem einzigen Satz viel zu viel machen. Daniel Bierofka gibt nicht so schnell auf. 😉

DonZapata
Leser

Wettbergs Meinung interessiert niemanden.

Baum
Leser

Wohl wahr. Wobei aber Wettberg durchaus auch immer kritische Worte bezüglich des Investors gefunden hat, ganz im Gegensatz zu manch anderer Prominenz die gerne ihre Meinungen in die Notizbücher der Presse diktieren.
Abgesehen davon gibts im Umfeld von Sechzig immer noch genug Leute, die das mit dem “nicht mehr ausgeben als man einnimmt” noch nicht so ganz verinnerlicht haben. Früher wurde halt das Geld zum Fenster rausgeworfen sei es für die Arena und den Traum von 1. Bundesliga und Championsleague oder sei es für Mietpflanzen. Weil irgendwoher wird scho wieder neues Geld herkommen. Im schlimmsten Fall verkauft man halt “ein paar” Anteile an einen dubiosen Investor. Aber wirklich nur im schlimmsten Fall! *hust*
Zum Glück wird zumindest jetzt endlich vernünftig gearbeitet obwohl es jetzt eh schon fast zu spät ist.

Konterhoibe
Leser

Dann hat Wettberg aber mittlerweile ne ganz schöne Kehrtwende gemacht. Bisher höre ich von dem Herrn immer nur das jetzt alles schlecht ist, keiner im Verein gut arbeitet und das GWS ja eine Katastrophe ist. Sorry, aber Wettberg ist genau wie die ganzen alten Spieler die es immer noch nicht kapiert haben was letzte Saison passiert ist.

Baum
Leser

Naja, kann durchaus sein das er sich auch dreht je nach dem woher der Wind weht. Mir waren nur ein paar Interviews im Hinterkopf die ich eher positiv empfunden habe:
https://www.tz.de/sport/1860-muenchen/tsv-1860-muenchen-wettberg-haelt-neuanfang-fuer-moeglich-8491658.html

https://www.tz.de/sport/1860-muenchen/tsv-1860-ex-trainer-karsten-wettberg-im-interview-zur-situation-in-regionalliga-bayern-8578503.html

Aber du hast durchaus recht. Ich habe gerade noch ein paar ältere Interviews von ihm gefunden, da ist der Tenor noch ein anderer. Was solls, wie DonZapata ganz richtig sagt, eigentlich interessierts eh nicht was er sagt.