Blick zurück …

Der Löwe hatte es irgendwie noch nie leicht, doch das Jahr 2017 war eines der Schwersten oder Kompliziertesten in der jüngeren Vergangenheit des TSV 1860 München. Sportlicher Abstieg mehrerer Mannschaften, Chaos im Verein, gespaltene Fangemeinde, aber auch ein Neuanfang und Aufbruchstimmung haben das Jahr gezeichnet.

Wir wollen einen Blick zurück wagen und uns detaillierter sowie chronologisch an die Geschehnisse des fast vergangenen Jahres erinnern. Nicht alles kann erwähnt werden, doch das Wichtigste. Da sehr viel geschehen ist, wird daraus eine „Trilogie“.

Späte Neuzugänge im Januar

Foto: TSV 1860

Zum 3. Mal in Folge kämpfte der TSV 1860 gegen den Abstieg. Die Löwen überwintern auf dem 14. Rang mit gerade mal 16 Punkten aus 17 Spielen und damit nur 2 Punkte über dem Relegationsplatz. Die Sechziger fühlten sich gezwungen, noch mehr Geld in die Hand zu nehmen und Neuzugänge ranzuschaffen. Gestartet wurde mit der Veränderung des Trainerteams. Zum 1. Januar übernahm der neue Chefcoach Vitor Pereira (der damit Kosta Runjaic ablöste), der bei seiner Vorstellung im Dezember 2016 mit „We go to the top!“ großes Versprechen gab. Er brachte sein Trainerteam gleich nach München mit. 3 Co-Trainer, in persona Luis Miguel, Pedro Ribeiro und Filipe Almeida. Ergänzt wurde das Team durch Torwart-Trainer Andreas Menger und Fitness-Coach Michael Sulzmann. Danach ging es ins Trainingslager nach Portugal, wo einige Testspiele absolviert wurden.

In der Zwischenzeit gewannen die U19-Junglöwen beim renommierten Brass Cup in Aschaffenburg das Hallenturnier. Dies sollte eine der wenigen Erfolge in der laufenden Saison bleiben.

Medienboykott

Nach dem Medienboykott war das Verhältnis zwischen den Münchner Medien und den Löwen weiterhin zerrüttet und die Berichterstattung kritisch. Der TSV 1860 musste zu einer Berichterstattung zur Transferlage, in der es hieß, dass ein Fristversäumnis der Auslöser sei, dass 1860 in Transferaktivitäten nicht mehr eigenständig handlungsfähig sei und sich nun die DFL zwischengeschaltet haben soll, die Gegendarstellung bringen. „Die Darstellung entbehrt jeder Grundlage. Es gibt weder Ärger noch einen Lizenz-Verstoß. Wir distanzieren uns mit aller Deutlichkeit von dieser tendenziösen Berichterstattung. Richtig ist, dass alle Transfers – wie immer – mit der DFL abgesprochen werden“, erklärte Geschäftsführer Anthony Power. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zur DFL.“

Vitus Eicher verließ die Löwen. Der 26-jährige Torhüter, der seit 2000 beim TSV 1860 München zwischen den Pfosten stand, wechselte zum Zweitligisten 1. FC Heidenheim.

Winter-Neuzugänge

Ende Januar ging es dann los. Der erste Winter-Neuzugang stand fest. Abdoulaye Ba wurde ein Löwe. Der Innenverteidiger, siebenfacher Nationalspieler aus dem Senegal, sollte die Abwehr von Vitor Pereira verstärken. Er kam bis zum Saisonende auf Leihbasis vom portugiesischen Traditionsklub FC Porto. Zudem erhielt der TSV 1860 München eine Option, Ba darüber hinaus zu verpflichten. Und Milos Degenek wechselte nach Japan.

Amilton Lumor
Präsident Peter Cassalette und Geschäftsführer Anthony Power übergaben Lumor und Amilton zur Begrüßung ein 1860-Trikot. (Foto TSV 1860)

2 weitere Verstärkungen folgten hinterher. Der TSV 1860 München verpflichtete Amilton und Lumor vom portugiesischen Zweitligisten SC Portimonense. Amilton unterschrieb einen Vertrag bis 2020 und Lumor sollte bis Sommer auf Leihbasis bei den Löwen bleiben. Eine Kaufoption wurde auch hier gesichert.
Kurz vor Anpfiff der Rückrunde war es dann perfekt. Der dänische Nationalspieler Christian Gytkjær sollte für die Löwen auf Torejagd gehen. Er unterschrieb einen Vertrag bis 2019.

Auch Ricardo Filipe Rodrigues Matos kam zum Trainerteam von Vitor Pereira dazu. Der ehemalige Torhüter, der in seiner aktiven Karriere u.a. für den portugiesischen Erstligisten Vitória Setúbal und FC Porto B aktiv war, sollte in Zukunft die Löwen-Keeper betreuen. Stefan Mugosa dagegen wechselte auf Leihbasis zum Karlsruher SC.

Kurz vor Schluss des Winter-Transferfensters hatten die Löwen noch einmal zugeschlagen. Der TSV 1860 München verpflichtete Frank Boya.

Ian Ayre unterschrieb im Februar bei den Löwen

Am 1. Februar glänzten die Ski-Löwen. Der für den TSV München von 1860 startende Linus Straßer gewann sensationell den Weltcup-Parallel-Slalom in Stockholm.

Bei den Fußballern ging es zeitgleich weiter mit der Umstrukturierung. Andreas Menger und die Löwen haben sich auf eine einvernehmliche Lösung geeinigt. Der Vertrag mit dem Torwart-Trainer wurde aufgelöst. Auch der bis zum Sommer laufende Vertrag mit Goran Sukalo wurde vorzeitig aufgelöst.

Dann wurden die Spekulationen offiziell und die Fußballwelt staunte nicht schlecht. Der Investor Hasan Ismaik bekam seinen Wunschkandidaten als Geschäftsführer von TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA. Ian Ayre, CEO des FC Liverpool, sollte in die Niederungen der 2. Bundesliga wechseln und sich großen Herausforderungen stellen.

Foto: TSV 1860

Im Team aber scheint nicht alles zu funktionieren, denn Stefan Aigner trat als Kapitän zurück.

Für die Löwen war der DFB-Pokalwettbewerb 2016/17 nach dem Achtelfinale beendet. Mit 0:2 verlor das Team von Vitor Pereira bei den Sportfreunden Lotte. Jaroslaw Lindner hatte den Drittligist in der 28. Minute in Führung gebracht, Kevin Freiberger traf aus stark abseitsverdächtiger Position zum Endstand (58.). In der Nachspielzeit sah Ribamar noch die Rote Karte.

Erneut fühlte sich der TSV 1860 gezwungen, eine ausführliche Gegendarstellung zum Artikel der Sport-Bild „1860 München. Wer ist wer im Komödienstadl?“ zu veröffentlichen.

Löwen-Legende Bernhard Winkler wurde Teamchef und übernahm die Organisation rund um die Profi-Mannschaft während Daniel Bierofka als Assistenzcoach ein weiterer Teil des Trainerteams von Vitor Pereira wurde. Zudem blieb er Cheftrainer des U21-Teams. Der bis zum Sommer laufende Vertrag mit Rodnei wurde jedoch vorzeitig aufgelöst.

Foto: TSV 1860 München

Eine 30-köpfige Löwen-Delegation (darunter auch Vizepräsident Hans Sitzberger und Fanbeauftragte Jutta Schnell) blieb ihrer jährlichen Tradition treu und reiste nach Vatikan zur Generalaudienz von Papst Franziskus, der ein Löwen-Trikot mit seinem Namen überreicht bekam. Den Segen von oben hatten die Löwen allemal nötig, denn auch nach 22 Spielen hatten sie sich vom Rang 14 nicht wegbewegt.

Endlich kam auch Afrika-Cup-Sieger Frank Boya in Giesing an. Das Mittelfeldtalent aus Kamerun reiste verspätet nach München, da der ursprünglich anvisierte Flug kurzfristig verschoben werden musste.

Zum Schluss gab es noch den Wirbel um Karim Matmour wegen seiner Degradierung von Trainer Pereira, der nun in der U21 trainieren musste. Matmour ließ verlauten, dass er arbeitsrechtliche Schritte dagegen unternehmen werde – denn jeder Lizenzspieler hat das Recht, am Training der Profis teilzunehmen.

Negative Medienpräsenz der Löwen im März

Je schlechter es bei der Profimannschaft lief, umso besser lief es bei den Ama-Löwen. Die U21 gewann beim Punktspiel-Auftakt 2017 mit 1:0 beim FC Memmingen und überholte damit vor dem Derby den FC Bayern in der Tabelle und kletterte auf Rang 2.

Der nächste Skandal bahnte sich an der Grünwalder Straße an. Beim Heimspiel gegen den FC St. Pauli ließ Hasan Ismaik die vor ihm auf der Tribüne sitzenden Gästefunktionäre angeblich verbannen, weil die es gewagt hatten, den 2:1-Siegtreffer zu bejubeln. „Wenn auf dem Altar des vielen Geldes Meinungs­freiheit und respektvoller Umgang mit ­Mitarbeitern, Medien und anderen Clubs auf der Strecke bleiben, dann gute Nacht Fußballdeutschland“, schimpfte St. Paulis Manager Andreas Rettig. Und auch die „Bild“-Zeitung wollte dem Treiben des „1860-Wüstlings“ nicht länger zuschauen: „Wie lange wird dieser Mann im deutschen Fußball noch sein Unwesen treiben?Das Löwen-Bild in der Öffentlichkeit wurde leider nicht besser.

Zwischen den Medien und den Löwen kam es endlich zum Frieden. Der TSV 1860 München war an einer professionellen Zusammenarbeit und einem fairen und von gegenseitigem Respekt geprägtem Umgang mit den Medien interessiert. Auf diese Art der Zusammenarbeit hat sich Sechzig mit den betroffenen Zeitungen bei dem in den Medienrichtlinien der Deutschen Fußball Liga (DFL) vorgesehenen, offiziellen Schlichtungstermin mit dem Verband Deutscher Sportjournalisten geeinigt.

#gemeinsam

Präsident Peter Cassalette und Gesellschafter Hasan Ismaik teilen wie die gesamte Löwen-Familie eine Vision. (Foto: TSV)1860

Unter dem Hashtag #gemeinsam erklärte der TSV 1860, dass er einen Weg eingeschlagen hat, um den Klub mittelfristig auf das Niveau zurückzuführen, dass sich Mitglieder und Fans sowie Mitarbeiter und Verantwortliche für die Löwen wünschen. „Dazu waren und sind einschneidende Veränderungen notwendig. Ermöglicht werden sie durch unseren Gesellschafter Hasan Ismaik“, erklärte Peter Cassalette und bekannte sich: „Wir – und damit spreche ich nicht nur für den e.V., sondern für all die Mitglieder und Fans, die diesen Weg unterstützen – stehen zu Hasan Ismaik.
Hasan Ismaik würde diesen Kurs nicht nur durch seine Zusage mittragen, den Klub finanziell wieder auf eigene Beine stellen zu wollen: „Es geht nicht um mein Investment.“ In diesem Zusammenhang möchte der Aufsichtsratsvorsitzende der KGaA noch einmal klarstellen: „Ich habe nicht vor, die 50+1-Regel anzufechten, wie in der Vergangenheit schon mehrmals betont. Unsere Mitglieder haben im Januar 2016 mit einer Mehrheit von 99 Prozent darüber entschieden, dass der Verein keine weiteren Anteile verkauft. Das akzeptiere ich selbstverständlich.“

Die Löwen-U21 setzten ihre positive Derby-Bilanz unter Trainer Daniel Bierofka gegen den FC Bayern II fort und gewannen hochverdient mit 2:0 gegen den Rivalen von der Säbener Straße. Am Ende des Monats März waren es dann 4 Siege in Folge ohne Gegentor.

Die Stadt München erteilte Ende März dem TSV 1860 eine Absage bezüglich des Stadion-Baus in Riem, worauf Hasan Ismaik dem OB Dieter Reiter mangelnde Kompromissbereitschaft attestierte und weiter von einer Löwenheimat träumte.

Durch das Tor von Aigner gewannen die Löwen mit 1:0 in Düsseldorf und Pereira war sich sicher, dass der Knoten nun geplatzt war. Und tatsächlich machen die Löwen einen kleinen Sprung auf Rang 12 (22. Spieltag, 31 Punkte).

Ian Ayre trat im April an

Foto: TSV 1860

Ian Ayre trat nun Anfang April seinen Posten an: „Es gilt, den TSV 1860 München weiter zu professionalisieren, auf finanziell gesunde Beine zu stellen und in allererster Linie, sportlich erfolgreich zu machen. Das ist eine echte Herausforderung, die wir gemeinsam hart arbeitend meistern werden“.
Präsident Peter Cassalette stimmten die jüngsten Entwicklungen ebenfalls sehr positiv: „Es ist ein großes Geschenk für 1860, dass Hasan Ismaik es ermöglicht hat, solch eine Persönlichkeit an die Grünwalder Straße zu lotsen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir als Löwen-Familie mit Ian Ayre an der Spitze der Organisation und unserem Top-Trainer Vitor Pereira endlich wieder zurück in die Erfolgsspur finden.“

In der Liga tat sich die U19 schwer, aber auch in der 3. Runde des BFV-Pokals war Endstation. Das Steinberger-Team unterlag beim FC Ingolstadt mit 1:3. Die U21-Löwen hingegen marschierten weiter durch.

Bei der Wahl zum besten Stadionheft belegte „SECHZIG – das Löwenmagazin“ den 4. Platz unter den Spieltagspublikationen der 2. Bundesliga. Punktemäßig rangierten die Löwen unter allen 56 deutschen Profiklubs auf Rang 6 – erstklassig. Na immerhin etwas.

Bei den Profis sah es wieder düster aus. Ende April waren nur noch 3 Spieltage übrig und die Löwen waren auf den Relegationsplatz abgerutscht. 33 Punkte aus 31 Spielen und Pereira meinte immer noch eine Entwicklung in der Mannschaft zu sehen und hoffte, dass das Glück irgendwann zurückkehrt. Keiner hatte den Schuss gehört.

Fortsetzung am morgigen 1. Weihnachtstag

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Sechzig_Ist_Kult
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Tami, das hast Du gut gemacht! Ich hatte gestern Abend ja wirklich so meine Bedenken (😜), aber ist klasse geschrieben!

Rückblickend muss man doch das ein oder andere Mal ein bisschen schmunzeln… Gut, dass dieser Katastrophen-Kurs (zumindest meine Meinung) ein Ende gefunden hat und wir uns inzwischen auf das zurückbesonnen haben, was uns Löwen wirklich ausmacht… Heimat, Identifikation, Fannahe! Ich hoffe bloß, wir haben nachhaltig aus den Fehlern gelernt. Dann wird sich auch früher oder wieder der Erfolg einstellen. Ganz bestimmt.

Frohe Weihnachten!