“Hier in München muss man erst einmal mit der Machete einen Pfad durch den Fußball-Urwald schlagen”, war der medienwirksame Satz, mit dem Max Merkel sein Amt als Trainer des TSV 1860 München im Jahre 1961 angetreten hat.

Heute, vor genau 11 Jahren, starb die Löwen-Legende Max Merkel, mit dem die Giesinger den Pokal und die Meisterschaft gewannen und sich damit ein Denkmal errichteten. Heute wollen wir Max Merkel für seine Verdienste würdigen und seiner gedenken.

Max MerkelEr kam, sah und siegte

Eigentlich ist der FC Bayern schuld, dass Max Merkel zu den Löwen kam… Der damalige Präsident Adalbert Wetzel wollte den Dortmunder Ex-Trainer Helmut Schneider haben, die Bayern aber auch. Schneider verhandelte gleichzeitig mit beiden und FCB bekam die Zusage. So musste sich Wetzel erneut auf die Suche machen und landete über den Ex-Löwen Karl Fey bei dem Wiener Max Merkel, der damals Borussia Dortmund trainierte. Für 3.000 Mark Gehalt und eine Mansardenwohnung in Waldperlach unterschrieb Merkel und kam nach München.

In seiner ersten Oberliga Süd-Saison erreichte Merkel – auch dank des 4:0-Sieges gegen den von Schneider trainierten FC Bayern – Platz 7 der Tabelle.

Am 28. Juli 1962 entschied der DFB-Bundestag, ab der Saison 1963/64 mit 16 Vereinen die Bundesliga einzuführen. Doch wer wird zum Gründungsmitglied dieser Eliteklasse? 46 Klubs hatten sich beworben, auch der TSV 1860, der jedoch durch sportlich eher bescheidene Vergangenheit wenig Erfolgschancen auf einen Teilnehmerplatz hatte. “Es gibt nur eine Möglichkeit”, erklärte Merkel zu Wetzel. “Wir müssen in der Oberliga Süd Erster werden. Den Süddeutschen müssen die Herren vom DFB in die Bundesliga aufnehmen. Das ist doch logisch.” Und sein Plan ging auf.

Max MerkelEr mistete erst richtig aus, indem er 11 Spielern den Laufpass gab und sich neue Spieler holte. Er unterwarf alles dem Fußball und verlangte eiserne Disziplin, Gehorsam und profihafte Einstellung. Er entfachte einen Konkurrenzkampf und brachte die Spieler mit harten Methoden schon im Training an ihre körperliche Grenzen.
Die Löwen wurden nach einer aufregenden Saison Süddeutscher Meister und konnten hoffen, dass sie in die Bundesliga aufgenommen werden.

Die Löwen haben die Qualifikationskriterien des DFB ja erfüllt, wie auch der zweitplatzierte FC Nürnberg und der drittplatzierte FC Bayern. Am 6. Mai fiel dann die endgültige Entscheidung des DFB und der TSV 1860 wurde erstklassig. FC Bayern hingegen nicht. Mit der Begründung, dass nur ein Klub aus einer Stadt in der Bundesliga mitmachen kann, wurden die Löwen zur Nummer 1 in München.

Die goldenen Löwen-Jahre

“Meine Mannschaft wird, da bin ich überzeugt, in der Bundesliga tüchtig mitmischen.” Mit dieser Zuversicht startete Max Merkel in die Bundesliga und holte sich weitere Verstärkung mit Berti Kraus von Offenbach, Otto Luttrop aus Herne und Peter Grosser vom FC Bayern.

Max Merkel
Wetzel, Brunnenmeier und Merkel nach der Rückkehr aus Stuttgart.

Die erste Bundesligasaison beendeten die Löwen auf dem 7. Tabellenplatz, doch im Pokal waren sie gut im Rennen. Im Halbfinale gegen Altona 93 lagen sie 5 Minuten vor Schluss mit 1:0 hinten. Berti Krauss gelang noch der Ausgleich. In der Verlängerung vernichteten sie den Gegner mit Toren von Luttrop, Brunnenmeier und Küppers und gewannen mit 4:1. Das Finale gegen die favorisierte Eintracht Frankfurt, die seit 6 Monaten ungeschlagen war, fand am 13. Juni 1964 im Stuttgarter Neckarstadion statt. 15.000 Löwenfans waren dabei und sangen die Frankfurter nieder. Bei brütender Hitze gewannen die Löwen mit 2:0 und holten den Pokal nach Hause.

Die Zuschauereinnahmen aus der Bundesliga und der Pokal-Erfolg spülte die Kassen voll, so dass die Spieler ihre Berufe aufgeben konnten und zu Vollprofis wurden. Die zweite Bundesliga-Saison 1964/65 endete für die Löwen auf dem 4. Rang und der FC Bayern hatte schon wieder den Aufstieg verpasst.
Die Löwen waren auch in Europa angekommen – im Europapokal der Pokalsieger. Über US Luxemburg, FC Porto, Legia Warschau und AC Turin erreichten sie das Finale. Am 19. Mai 1965 fanden sich Max Merkel und seine Löwen im berühmten Wembley Stadion in London wieder. Vor 90.000 Zuschauern (davon 12.000 Löwenfans) kämpften sie gegen den West Ham United um den Europapokal, den sie mit 2:0 verloren und dennoch als Helden zurück nach München kamen.

Max Merkel
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Dritte Bundesliga-Saison 1965/66… Der Stadtrivale FC Bayern schaffte den Aufstieg in die Bundesliga und mischte nun mit und die Löwen werden am Ende Deutscher Meister.
Diesmal waren sie nicht mehr der “Giesinger Knabenchor”, wie sie davor verspottet wurden, sondern der Meisterfavorit. Und dennoch kriselte es im Löwenkäfig. Durch Merkels harsche Art und harte Trainingsmethoden rumorte es in der Mannschaft. Merkel kritisierte und beleidigte seine hoch bezahlten Spieler nach jedem Spiel, die Harmonie war weg… Und auch wenn nicht glorreich, wurden die Löwen am 28. Mai 1966 verdient Deutscher Meister. Die Spaltung zwischen Trainer und Mannschaft war jedoch so groß, dass Merkel auf dem Siegerbild fehlte.

Max Merkel
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Fans feierten und der Untergang der Löwen schritt voran. Die internen Querelen und der Schuldenberg, der angesichts der immens hohen Zuwendungen an den Meisterkader auf 3 Millionen Mark angestiegen war, zerstörte die Idylle. Die Saison 1966/67 brachte den vollkommenen Bruch. Merkel ging ausgiebig einkaufen und traf damit die Meisterlöwen mitten ins Herz. Die Mannschaft, angeführt von Grosser und Radenkovic, führte Revolte gegen den Trainer und verkündete dem Präsidenten, dass sie unter Merkel keine Sekunde mehr spielen würden. Mit 16:1 Stimmen, forderte die Mannschaft eine Kündigung des Trainers, der am 17. Dezember 1966 den Verein auch verlassen musste. Für Wetzel eine harte Zeit, die ihn als Präsidenten auch fast das Amt gekostet hatte.

Der TSV 1860 München wurde noch Vizemeister, doch die goldene Zeit war vorbei. Am Ende der Saison 1969/70 stieg Sechzig in die Regionalliga Süd ab.

Man sieht sich immer zwei Mal im Leben

Es war eine Sensation, als im Sommer 1974 verkündet wurde, dass Max Merkel zurück zum TSV 1860 kommt. Ehrenpräsident Wetzel und Fußball-Chef Walter Kraus konnten denn 55-jährigen Wiener zum Comeback überreden. Sie hofften, dass er sie aus der neu gegründeten 2. Bundesliga zurück in die Erstklassigkeit führen kann.

Merkel machte mit seinen harten Trainingsmethoden und Kaderplanung so weiter, wie er Jahre davor aufgehört hat. Er mistete wieder aus, obwohl er durch die finanzielle Misere eher Amateure holen konnte, als Bundesliga-Spieler. Dennoch verlief die Saison ganz gut. Nach einigen gewonnenen Rückrunden-Spielen kletterten die Löwen am 8. März 1975 auf den 2. Platz und die Hoffnung war zurück. 2 Wochen später dann der überraschende Rücktritt von Merkel, wegen angeblicher Differenzen mit Präsident Riedl. Der wahre Grund müsste aber ein Angebot vom FC Bayern gewesen sein. Zu dem Engagement kam es jedoch nie. 4 Spiele saß Merkel noch auf der Bank, bis er sich dann am 19. April 1975 von den Löwen für immer verabschiedete.


Herzlichen Dank an Siegfried Nagelstutz, der uns aus seiner beeindruckenden Sammlung alte Zeitungsartikel aus den Jahren 1964-1968 für die Recherche zur Verfügung gestellt hat: www.tsv-1860-museum.de

Weitere Quellen: “Geschichte eines Traditionsvereins” von Claudius Mayer und “Die Löwen – Die Fußball-Geschichte des TSV München von 1860” von Hardy Grüne und Claus Melchior

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