Der Meisterlöwe Friedhelm “Timo” Konietzka, der seinen Spitznamen einer gewissen Ähnlichkeit mit dem russischen General Timoschenko verdankte, stand in den Jahren 1965-1967 beim TSV 1860 München unter Vertrag. Mit seinen 26 Treffern war er an der Deutschen Meisterschaft 1966 maßgeblich beteiligt.

Vor genau sechs Jahren setzte Timo Konietzka, angesichts einer unheilbaren Gallenkrebserkrankung, unterstützt von einer Schweizer Sterbehilfeorganisation, seinem Leben ein Ende. Heute wollen wir Timo Konietzka für seine Dienste beim TSV 1860 München würdigen und seiner gedenken.

Immer der Erste

Timo Konietzka hat sich nicht nur in die Geschichtsbücher der Löwen eingeschrieben, sondern auch in die DFB-Annalen. Er schoss nämlich das erste Tor der Bundesligageschichte, im Dress von Borussia Dortmund.
Max Merkel war es, der Timo entdeckte und ihn “aus dem Bergwerk” holte und im Jahre 1960 in die Oberligamannschaft des BVB einbaute, bevor er selber die Borussen verließ und 1961 zu Sechzig kam. 1963 gewann Konietzka mit dem BVB gegen den favorisierten 1. FC Köln die Deutsche Meisterschaft. Es war das letzte ausgetragene Endspiel vor Einführung der Bundesliga. Insgesamt bestritt Konietzka 11 Spiele in der Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft, in denen er acht Tore schoss.

So war es kein Wunder, dass sich Max Merkel mit dem TSV 1860 um eine Verpflichtung von Konietzka stark bemühte und in einen kleinen Streit mit dem BVB geriet. Ab dem 15. Juni 1965 war es den Vereinen erlaubt, aus fremden Vereinen Spieler zu verpflichten. Die Transferperiode dauerte einen Monat und der BVB verweigerte zuerst Konietzka die Freigabe für den TSV 1860. So brach ein kleiner Hype in der Münchner Tagespresse aus, als es endlich hieß: “Konietzka kommt”. Und das mit Recht.

Timo Konietzka
von Links: Grosser, Beckenbauer, Konietzka

Gleich im ersten Spiel der Saison 1965/66, gegen den Stadtrivalen FC Bayern, traf Konietzka in der 1. Minute vor 44.000 Zuschauern zum 1:0-Sieg und legte damit den Grundstein zum Meistertitel. Auch dieses Tor war das Erste der Bundesligasaison. In einem Zeitungsartikel wurde der Treffer so beschrieben: “1:0: Danzberg liegt, von einem Schuß Konietzkas an der Stirn getroffen, benommen außerhalb des Spielfeldes. Bayern-Abwehr noch nicht davon informiert, als Grosser und Konietzka kombinierten. Drescher verfehlt und Konietzka schießt an Maier vorbei ein.” So gab Radenkovic damals zu, dass er in der Bundesliga vor Timo die meiste Angst hatte, denn in Deutschland würde keiner so unberechenbare Tore schießen, wie Konietzka. “Tore von Uwe Seeler sind andere Sache. Uwe macht mit Wucht, Sprungkraft und Energie. Timo dagegen ist viel größeres Schlitzohr”, meinte Radi.

Bereits beim nächsten Spiel gegen Hannover 96 netzte Konietzka dreimal ein. Der Mann mit dem Gesicht eines Pokerspielers und schlaksigen Bewegungen hat damit die Münchner Fußballherzen im Sturm erobert.

Timo Konietzka
Zeitungsbericht vom Spiel gegen SV Werder (zum Vergrößern klicken)

Konietzka war Profi durch und durch. Als das Spiel gegen seine ehemalige BVB-Kameraden anstand, meinte er trocken: “Da kenne ich keine Hemmungen. Für den Verein, der mich bezahlt, für den schieße ich die Tore. Das werden auch meine alten Freunde aus Dortmund zu spüren bekommen. […] Und wenn mir Dortmund drei Mann auf die Fersen setzt, ich werde kämpfen wie ein Löwe. […] Es gibt für einen Fußballer nichts Schöneres, als in München spielen zu dürfen. Es gibt in Deutschland kein Publikum, das so aufopfernd hinter seiner Mannschaft steht. Das ist schon fast südländische Begeisterung, die jeden Gegner mürbe machen kann. Das werden auch die Dortmunder am Samstag spüren”.

Sechs Monate Sperre und Abschied aus München

Timo Konietzka
zum Vergrößern klicken

In der darauffolgenden Saison, am 8. Oktober 1966 – nach dem Titelgewinn – wurde ausgerechnet das Spiel gegen Konietzkas alten Arbeitgeber Borussia Dortmund sein Schicksalsspiel. Er und Manni Wagner protestierten heftig gegen den Schiedsrichter Spinnler, der dem BVB durch die Anerkennung zweier irregulärer Tore zum Sieg verhalf. Beide wurden des Feldes verwiesen und vom DFB bekam Konietzka eine 6-monatige Sperre. Dies war die bis dahin längste Sperre für einen Platzverweis in der Bundesligageschichte. Womöglich kostete sie den TSV den nächsten Meistertitel.

Nach der Saison wechselte Timo überraschend in die Schweiz, wo er einer erfolgreichen Spielerkarriere eine ebensolche als Trainer folgen ließ. In 100 Bundesligaspielen für den BVB und den TSV erzielte Konietzka 72 Tore.


Herzlichen Dank an Siegfried Nagelstutz, der uns aus seiner beeindruckenden Sammlung alte Zeitungsartikel aus den Jahren 1965-1968 für die Recherche zur Verfügung gestellt hat:
www.tsv-1860-museum.de

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Queeg
Leser

Im 3. Absatz sind offensichtlich die DFB-Annalen gemeint. Solche Fehler müssen nun wirklich nicht sein.