In memoriam: Manni Wagner

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Manni Wagner

Einer der treuesten Spieler, den die Münchner Löwen je hatten – Manfred Wagner. Bereits als Jugendlicher für 1860 aktiv gehörte er von 1958 bis 1971 zur 1. Mannschaft und ist damit neben Hans Reich der einzige Spieler, der vor und nach den 7 Bundesligajahren für den TSV 1860 spielte. Der Verteidiger wurde mit den Löwen 1963 Süddeutscher Meister, schaffte damit die Qualifikation zur Bundesliga, feierte 1964 den Sieg im Pokalfinale (2:0 gegen Eintracht Frankfurt), stand 1965 im Europacup-Endspiel im Wembley-Stadion (0:2 gegen West Ham) und wurde 1966 zum Meisterlöwen. 1970 stieg Wagner mit den Sechzigern in die Regionalliga ab und bemühte sich dort noch eine Saison lang vergeblich um den Wiederaufstieg. Da er mit Trainer Tilkowski nicht zurechtkam, verzichtete er 1971 auf ein weiteres Regionalligajahr und beendete mit 32 Jahren seine Karriere. Er war später lange Zeit als Koordinator der Traditionsmannschaft des TSV 1860 tätig.

Manni Wagner
Autogrammkarte Manfred Wagner

Der Meisterlöwe Manni Wagner verstarb vor genau 3 Jahren, im Alter von 76, an den Folgen eines Herzinfarkts. Mit insgesamt 364 Pflichtspieleinsätzen ist er Rekordspieler des TSV 1860. Heute wollen wir ihn für seine Verdienste würdigen und seiner gedenken.

Weg nach Wembley

Hans Hipp war der Trainer, der Manni Wagner entdeckte und von der Jugend des Sendlinger Vereins FC Neuhofen zum TSV 1860 in die Oberliga Süd holte. 2 Jahre spielte Wagner unter Hipp, bis Max Merkel kam und die Erfolgsjahre einleitete. Einer der großen Highlights war das Europacup-Endspiel in Wembley am 19. Mai 1965 gegen West Ham United, bei dem auch Wagner dabei war. Auch der Weg dahin war einmalig.

Der Weg nach Wembley

So auch das Europacup-Halbfinale 1965 gegen den AC Turin. Manni Wagner sagte eins dazu: “Wir haben im ausverkauften Grünwalder Stadion 3:0 geführt, dann kriegten wir noch ein Gegentor und mussten ein Entscheidungsspiel machen (1860 gewann 2:0/Anmerk. der Red.). Das war eine Schlacht, das war eine Stimmung… Ich kenne viele Zuschauer, die heute noch sagen: „Wir haben nie wieder so etwas erlebt.“

In einem Zeitungsartikel wurde folgendes festgehalten: “Alle 11 Löwen waren von einem Kampfgeist beseelt, der Berge versetzen konnte. Und am Spielrand saß ein Trainer, der bei seinen Jungen alle körperlichen und seelischen Kräfte entfacht hatte, der ebenso wie der TSV 1860 in der stürmischen, dramatischen Züricher Nacht den größten Erfolg seiner Laufbahn feiern konnte. In der Kabine, in der nach dem Sieg Freudentränen flossen, derer sich keiner zu schämen brauchte, sagte Max Merkel: “Diese Leistung meines Teams war unwahrscheinlich, einmalig. Ich bin stolz auf diese Burschen. Radenkovic hat sein bisher bestes Spiel geliefert. Wir sind stolz auf ihn; er kann aber auch stolz auf uns sein.” […] Der sympathische Wagner hielt Simoni wieder sicher in Schach. In dieser Form kann die Löwen-Elf nicht auf ihn verzichten! […] Weniger fair verhielt sich die italienische Presse, die sich in gehässigen Kommentaren überbot. Von “rauhbeinigen” und “rohen” Deutschen ist die Rede; auch davon, dass die Münchner gedopt gewesen seien. Stopper Cella wird sogar zitiert: “Sie hatten alle Schaum vor dem Mund…””

Skandal gegen Dortmund

Manfred Wagner war einer der Spieler, der beim “Skandalspiel” gegen Dortmund am 8. Oktober 1966 den Kürzeren gezogen hat. Die Tageszeitung fasste es damals so zusammen: “Ein schwarzer Tag für Münchens Fußball! Randalierende Zuschauer; Flaschen und Büchsen flogen auf das Spielfeld; ein großes Polizeiaufgebot bewahrte den Mainzer Schiedsrichter Spinnler davor, von der erbosten Menge gelyncht zu werden. Mit 1:2 Toren erlitt der Meister 1860 die erste Niederlage gegen Borussia Dortmund und die erste Heimniederlage nach 18 Monaten. Wagner und Konietzka erhielten Platzverweise, Patzke soll nachträglich bestraft werden und darüber hinaus droht dem TSV 1860, der auf den vorletzten Tabellenplatz zurückgefallen ist, auch noch eine Platzsperre!”

Was war geschehen?
Nachdem die Löwen durch Rudi Brunnenmeier mit 1:0 in Führung gegangen waren, erkannte Spindler 2 Tore der Dortmunder an, die er als einziger im Stadion als regulär betrachtet hatte. Vor dem 1:1 durch Emmerich in der 81. Minute hatte er Einwurf für die Dortmunder gegeben, obwohl deren Spieler den Ball auf die Stehhalle gedroschen hatte. Kurz vor Schluss erzielte dann Sigi Held den Siegestreffer, wobei der den Ball mit der Hand stoppte. Manni erinnerte sich: “Beim zweiten Treffer hatte sogar der Linienrichter ein Handspiel von Sigi Held angezeigt. Ich bin zum Schiri gelaufen und wollte ihn darauf aufmerksam machen. Dabei habe ich ihn angelangt. Der Timo Konietzka hat dem Schiri dann im Getümmel wohl die Pfeife abgenommen.” Wagner und Konietzka wurden des Platzes verwiesen und das Spiel eskalierte ganz. Der Schiedsrichter Spindler konnte erst Stunden nach dem Spiel von der Polizei aus dem Grünwalder Stadion gebracht werden, da die wütenden Fans vor dem Stadionausgang warteten.

Der DFB bestrafte den TSV 1860 hart… Konietzka bekam 6 Monate Spielsperre, Wagner 3 und Bernd Patzke eine 500-Mark-Geldstrafe wegen Beleidigung. Das hat Manni dann die Teilnahme am Europacupspiel gegen Real Madrid gekostet. Nach einem 1:0-Sieg im Hinspiel gab es ein 1:3 bei Real und die Löwen schieden aus.

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[…] das Spiel gegen Konietzkas alten Arbeitgeber Borussia Dortmund sein Schicksalsspiel. Er und Manni Wagner protestierten heftig gegen den Schiedsrichter Spinnler, der dem BVB durch die Anerkennung zweier […]