Grünwalder Stadion: Kein Tagesgeschäft für OB Reiter

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DFB-Pokal - TSV 1860 vs. FC Ingolstadt
Ehrenrunde TSV 1860 - Danke an die Fans

1860 gg. Greuther Fürth IIEin Kommentar

Am Freitagabend war es soweit: Nun habe ich in dieser Saison alle Kurven durch. Das war mein Ziel. Ich war in der Stehhalle, der Ostkurve, der Westkurve und nun auch auch auf der Haupttribüne. Für mich war es wichtig, überall mit dabei zu sein und die Mannschaft aus jeder Perspektive mal kennenzulernen. Vor allem aber wollte ich mir während der Spiele auch einen Eindruck vom Grünwalder Stadion machen. Dem traditionsreichsten Stadion der Stadt.

Für mich ist das Grünwalder Stadion in gewisser Weise ein Schandfleck der Stadt München. Und damit meine ich nicht die Tradition und den Wert des Stadions an sich, sondern wie man mit ihm umgegangen ist. Im Schatten der Bestrebungen ein Olympiastadion zu errichten und später die Bestrebungen beider Vereine im Norden von München eine Arena zu bauen, hat die Stadt das Stadion am Rande von Untergiesing kaputt saniert.

Die Stadt ist stolz auf aufwändige Sanierungsarbeiten im Müller´schen Volksbad, das nur wenige Jahre vor dem Grünwalder Stadion entstand. Und natürlich ist das Volksbad ein beeindruckendes und erhaltenswertes Gebäude. Aber ist das Grünwalder Stadion nicht genauso erhaltenswert? Zweifelsohne, das Volksbad mit seinem neubarocken Jugendstilbau ist etwas Besonderes. Im Grünwalder Stadion steckt jedoch eine Geschichte, die man niemals vergessen sollte.

Über 100 Jahre Sportgeschichte, die sowohl die Höhen als auch die Tiefen des wohl wichtigsten Sportvereins Münchens erzählt. Nicht des aktuell marketingtechnisch wichtigsten Vereins, das ist richtig. Diese Rolle hat der FC Bayern München übernommen. Das Logo des FC Bayern findet man nicht nur auf den Shirts von Fans und den Aufdruck nicht nur auf Handtüchern von Fußball-Enthusiasten. Es ist eine Marke. Zweifelsohne, auch der FC Bayern München hat seine Geschichte. Aber die interessiert kaum jemanden mehr. Der Verein ist gut in Fröttmaning aufgehoben. Dort kann er Fußball als Event zelebrieren. Seine Trikots kann er auf der ganzen Welt verkaufen. An Menschen, die mit ihm so gut wie gar nichts zu tun haben. Die wahre Sportgeschichte im Fußball schreibt bis heute der TSV 1860 München. Mit Höhen und Tiefen. Das Grünwalder Stadion ist Teil davon.

DFB-Pokal - TSV 1860 vs. FC Ingolstadt
DFB-Pokal – TSV 1860 vs. FC Ingolstadt – Choreo Löwen-Ultras

Und nun? Der TSV 1860 München ist zurück im Grünwalder Stadion. Mit einer aktuellen Zuschauerzahl von maximal 12500 Zuschauern. Leere Ränge in einem von der Stadt kaputt sanierten Stadion, Probleme mit den Toiletten für Behinderte und viele weitere Baustellen. Die Stadt zeigt sich bürokratischer als jemals zuvor. Keiner will sich zu weit aus dem Fenster lehnen. Vor allem nicht Oberbürgermeister Dieter Reiter, der gestern im roten Sakko die Wiesn eröffnet hat. Sieht man die Löwen spielen, dann ist im Stadion eigentlich jedem klar, dass man etwas tun muss, um die leeren Ränge endlich zu füllen. Es müssen Baugutachten her und die Stadt muss mit anpacken was weitere Sanierungsmöglichkeiten angeht. Eine durchaus politische Verantwortung, die man übernehmen muss.

Leider ist die Zeit dafür wirklich äußerst schlecht. Denn im Amt ist aktuell ein Bürgermeister, der sich einem solchen Projekt überhaupt nicht widmen will. Zumindest ist das mein Eindruck. Reiter kümmert sich nicht gerne um große Projekte und Pläne, das hat die bisherige Amtszeit bewiesen. Er ist der Mann des Tagesgeschäftes. Dort kann er sich verstecken. Er ist ein Mann, der Angst davor hat, etwas falsch zu machen. Deshalb widmet er sich kleinen Dingen. Er möchte, dass München bezahlbar bleibt. Er will, dass die U-Bahnen nicht überfüllt sind. Ja, das wollen wir alle. Aber für uns ist es selbstverständlich. Eben tatsächlich einfach “nur” Tagesgeschäft.

OB Reiter war offen, als Hasan Ismaik von einem eigenen Stadion sprach. Sehr offen sogar. Weil es sein aktuelles Tagesgeschäft nicht beeinflusste. Ein großes Projekt, dem er erst einmal zustimmte, weil es gedanklich noch weit weg war. Und er im Prinzip nicht viel tun musste. Ein Investor aus Abu Dhabi versprach alles zu bezahlen. Er musste nur genehmigen. Wenn es um das Grünwalder Stadion geht, dann versteckt er sich gerne hinter seiner 2. Bürgermeisterin Christine Strobl. Die muss klarstellen wo die Grenzen sind. Bei 15000 ist Schluss, sagt sie. Mehr Zuschauer wird es nicht geben. Dieter Reiter kann sich weiterhin auf sein Tagesgeschäft konzentrieren. Das ist politisch weitaus weniger gefährlich. Eigentlich Schade. München braucht einen starken Bürgermeister. Der sich auch an große, mutige Projekte wagt. Das Grünwalder Stadion wäre ein solches Projekt.

 

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Tante Tornante
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Tante Tornante

Man könnte ja mal versuchen einen Perspektivwechsel vorzunehmen und um das Ganze ein wenig zu vereinfachen, persönlich in die Haut eines OB schlüpfen.

Da haben wir also vor ca. 12 Jahren den beiden Vereinen ein Stadion ermöglicht und die Infrastruktur dafür geschaffen. Damit hatten wir die „Stadionfrage“ für die jeweils ersten Mannschaften erledigt. Gut, am GWS haben wir dann noch ein bisserl herumgedoktert, hätten wir besser machen können, aber war ja eh nur für die Damen und die Jugendteams, dafür reicht es doch locker.

Ausgerechnet vor der Eröffnung der AA steigt der TSV ab, blöd glaufen. Aber, erstens kann man wieder aufsteigen und zweitens hättens doch die Verträge so gestalten können, dass bei einem zwischenzeitlichen Abstieg das ganze „bezahlbar“ bleibt. Weder das Eine noch das Andere ist geschehen. Ihre Hälfte habens verschleudern müssen und holen sich außerdem genau so einen Investor ins Boot mit dem man alles kann, nur net gescheit zsamm arbeiten.

Jetzt sinds ganz unten in der 4. und kommen wieder zu mir, weils am Liebsten des Grünwalder überdacht und mit 20.000 hätten und wir sollen des bezahlen, weil sie ja kein Geld haben. Und wenn ma dann doch alles so hinbekommen sollten, dass es passt, steigens dann wieder in die II. oder I. auf und dann beginnt das gleiche Spiel mit dem Oly wieder oder noch besser, wir suchen denen an Platz für a eigenes Stadion und dürfen die Infrastruktur auch wieder bezahlen.

Ganz zuaspitzt, in 15-20 Jahren brauchen die 3 Stadien und mir sollen hupfen, wenn die schreien. Dabei schreiens sich a no selber an, Oaner gegen den Nächsten….

Mia ham in München ganz andere Probleme: stetig wachsender Zuzug, Wohnraum is knapp, Verkehr bricht zsamm, kommunale Dienstleistung, da brennts an allen Ecken und Enden und i woaß grad ned wo ich zuerst hi langa soll.

Wenn ich jetzt OB in München wäre, ganz gleich ob rot, gelb, grün oder schwarz und auch ganz gleich ob sportlich rot oder blau, die 60ger mit ihrem Stadion- und Kapazitätsproblem, die kämen schon auf die Liste, aber gaaaanz weit hinten.

Die Situation, in der wir jetzt sind, die haben wir uns ganz alleine zuzuschreiben und vielleicht bringen wir unseren Laden mal alleine in Ordnung oder müssen halt damit leben, wie es ist.

Landshuter Löwe
Editor
Landshuter Löwe

Sehr interessante Sichtweise, auf den ersten Blick auch schlüssig. Allerdings wird dabei die Rolle des OB damals vergessen, der (ohne die Mitverantwortung des e.V. zu vergessen) damals alles dazu getan hat, 60 in dieses Stadion zu “zwingen”. Und ich lehne mich so weit hinaus, dass alle gewusst haben, dass 60 das Projekt in dieser Form nicht stemmen kann. Oder sehe ich das falsch?

ELIL
Frank

jr1860
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jr1860

zur Zeit der Planung der AA träumten wir von CL… da hätte das geklappt;
denke das die Vision vom Wildmoser nicht 4. Liga war…

Landshuter Löwe
Editor
Landshuter Löwe

Nicht einmal 2. Liga, kein Plan B!

Tante Tornante
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Tante Tornante

Es ist ein bisserl schwierig, nun nachträglich schlüssig zu “beweisen”, wie es denn gekommen wäre. Der denkbar schlechteste Fall war natürlich der Abstieg vor Eröffnung.

Auch ich kann nichts “beweisen”, dennoch glaube ich, dass wenn der TSV damals in der Buli verblieben wäre, hätten auch wir 2-3 Jahre von den “Stadiontouristen” prächtig leben können. Wir haben es ja in der II.Liga auch immer wieder mal erlebt, dass wir bei Gegnern, die ein hohes Mitreise-Fan-Aufkommen haben, das Stadion doch füllen können.

Natürlich hätte sich der Stadion-Hype nach 3 Jahren wieder gelegt, dennoch, die zur Deckung immer kolportierten 35.000-40.000 hätten wir als Bundesligist schon hinbekommen.

Und ein bis zwei Jahre II. Buli kann man auch in der AA überstehen…

Landshuter Löwe
Editor
Landshuter Löwe

Wir haben im Oly die Jahre davor keine Rücklagen geschaffen somit war die AA im nachhinein Harakiri.

Tante Tornante
Mitglied
Tante Tornante

Ich will Dir da gar nicht widersprechen, die Alternative wäre aber nur gewesen, die Bayern bauen ihr Stadion auf die grüne Wiese und wir bleiben im Oly. Hm…war wohl zu verlockend der Gedanke, Mit-Eigentümer einer neuen und modernen Arena zu sein.

Nicht zu vergessen, 2001, zum Zeitpunkt des Bürgerentscheids, standen die Löwen in der Buli nicht so schlecht da.

Jeder kann sich ja selbst fragen, wie er denn damals entschieden hätte als Präsident. Ich glaube, ich hätte es auch riskiert…

Landshuter Löwe
Editor
Landshuter Löwe

Da widerspreche ich Dir in keinem Punkt 🙂
Ich war damals auch dafür **duck und weg***.

Tante Tornante
Mitglied
Tante Tornante

Dann sind wir schon zu zweit…:-)

Landshuter Löwe
Editor
Landshuter Löwe

Die Frage ist natürlich, wie man etwas erreichen will, wenn die Fans untereinander dermaßen verstritten sind wie bei uns. Wenn nicht alle an einem Strang ziehen, wird das eh nichts.

Banana Joe
Mitglied
Banana Joe

Wann ist wieder Wahl in München? Die Sozis disqualifizieren sich doch nicht nur bundesweit, nein, sogar auf kommunaler Ebene immer mehr! Der Taucher Reiter, der wie oben schön geschrieben steht, lieber im Tagesgeschäft abtaucht, so dass ihn niemand findet, der rote Wolbergs aus Regensburg, der – kaum in Amt und Würden – dem unsäglichen polititschen Filz und der Korruption, zum beträchtlichen Teil auch im Zusammenhang mit einem Sportverein, “verfallen” ist… Sind wir mal gespannt, wo der Weg des Reiter noch so hinführt, aber wer im AR des FCB sitzt und letztendlich auch politisch nur dessen Interessen vertritt, ist als Bürgermeister denkbar unqualifiziert. Gut, der Masse der Wähler, die entweder nix mit Fußball am Hut haben oder sich im Glanz der Roten sonnen, mag das egal sein, aber wird Wohnraum in München günstiger, obwohl massiv gebaut wird? Nein! Entlasten ÖPNV-Konzepte den Verkehr in der Landeshauptstadt? Nein! Gibt es ein breites Netz an Radwegen und Radautobahnen von Nord nach Süd und Ost und West? Nein! An diesen Dingen wird er sich messen lassen müssen und da scheint’s nicht wirklich gut auszusehen.

Das GWS ist da nur eine Randnotiz, die uns Löwenfans betrifft und die Anwohner im Viertel. Erst- oder Zweitligafußball wird dort höchstwahrscheinlich nicht mehr möglich sein, d.h. da werden wir in (ferner) Zukunft tatsächlich über ein eigenes Stadion am Stadtrand oder auf der grünen Wiese sprechen müssen, aber nicht mal da scheint er irgendeinen Diskussionsbedarf zu haben. Der Verein bzw. der Investor sollen erstmal was suchen und er sagt dann, geht’s oder geht’s nicht. Ja so funktioniert das aber auch nicht! Da versteckt er sich wieder, so dass ihm niemand ans Bein pissen kann. Politiker halt.

Ich persönlich halt’s mit dem Drees: 19.000 sollten in diesem Stadion für die 3. und gar 2. Liga absolut ausreichend und auch möglich sein! Ein professionelles Sicherheitskonzept dazu, so dass sich Erfurter, Chemnitzer oder Magdeburger Hooligans hier nicht aufführen können dazu, sollte alles machbar sein. Aber wenn seitens der Stadt nur das eigene Interesse zählt… was sollst machen? Es scheint überall zu funktionieren, wo es innerhalb der Stadt ein Stadion gibt, nur nicht in der Weltstadt mit Herz? Unglaubwürdig!

Landshuter Löwe
Editor
Landshuter Löwe

Weiß nicht, ob das ein Problem der “Sozis” ist. Schließlich gibt es andere Fraktionen und einen 2. Bürgermeister (“schwarz”), von denen auch noch nichts Positives gekommen ist.

Mich würden mal die wahren Gründe, nicht nur die vorgeschobenen, für den damaligen Stadtratsbeschluss interessieren.

jr1860
Mitglied
jr1860

da hat generell die Stadt kein Interesse… aber der Sozi ist halt der Vortänzer und sehr rot 😉
Zumindest ists im Gerede …

LNHRT
Mitglied
LNHRT

Sehr guter Artikel mit ordentlich Würze. Ich denke, dass wir was das Thema Stadion angeht, aktuell unter großer Beobachtung stehen. So wie es momentan läuft, ist es ja absolut perfekt. Friedlich, gemütlich und keinerlei negative Vorkommnisse. Doch wie sieht das aus, wenn wir mal wieder in Liga 3 spielen? Da kommen dann wieder Mannschaften aus Städten, wo es bekanntlich rauher zugehen wird. Da ist dann wohl auch rasch ein Argument gegen einen Ausbau gefunden. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie es weitergeht mit dem Thema Ausbau/Erweiterung des Sechzgers und freue mich auf weitere Artikel dazu.

jr1860
Mitglied
jr1860

sehr guter Artikel, Arik (eigentlich wie immer ;-))
Man muss schauen dass das Thema in den Medien bleibt, dann kann sich die Stadt irgendwann nicht mehr dem Thema verschliessen. Aber selbst Sozi-Spezis wie der Kandidat für München Süd hatte 20.000 ins Gespräch gebracht.
Denke, wenn die Fans weiter so brav sind wird bald die Erhöhung auf 15.000 Plätze drin sein und vielleicht auch eine Planung (wie zB vom Drees (?) zur Aufstockung auf mehr, und (jetzt träum ich…) Neubau/Umbau einer überdachten Westkurve… So, dass es halt für die 2. Liga auch reichen würde.
War im Sommer am Millerntor… So ein Stadion in der Stadt hat halt nen besonderen Reiz.

… denke die Zeit spielt für uns
Löwengrüße
Jürgen

Landshuter Löwe
Editor
Landshuter Löwe

@Arik: Wieder ein sehr guter Artikel von Dir, mit viel Zündstoff. Die aktuelle Beschränkung ist wohl nur politisch motiviert und (nach einer Aussage eines Users hier) auch nur mit einer Stimme Mehrheit im Stadtrat beschlossen worden ist.

Ich sehe derzeit nur die Möglichkeit, auf den Stadtrat politischen Druck auszuüben. Man könnte mal alle Stadtratsfraktionen und auch alle Stadträte persönlich anschreiben und nach deren Meinung zum Ausbau des 60er fragen. Und deren Antworten hier und auf anderen Medien veröffentlichen. Zeitgleich eventuell eine Online-Petition starten. Es muss klar gemacht werden, dass dieses Thematik schon Einfluß auf eine zukünftige Wahlentscheidung haben kann (leider darf ich nicht wählen).

ELIL
Frank