Ein Kommentar

Wer ist sie, die Identifikationsfigur des TSV 1860 München? Und wer war sie in der Vergangenheit? Ist es aktuell Daniel Bierofka, der aus allen Fanlagern in gleichem Maße als derjenige gefeiert wird, der trotz des Abstieges den Kampf aufgenommen hat? Den Kampf gegen Windmühlen und tausende Baustellen? Ist es Robert Reisinger, der den e.V. als Präsident übernommen hat? Oder am Ende doch Hasan Ismaik, den manche noch immer als die Zukunft sehen? War es einst Wildmoser? Oder Lorant? Oder der König von Giesing?

157 Jahre gibt es den Verein nun. Viele Menschen haben seine Geschichte mitgeprägt. Und in der Tat spielen einige Leute eine gewichtigere Rolle in der Historie. Die einzig wahre Identifikationsfigur, die wohl allezeit überlegt und übersteht, die steht nicht auf dem Platz und schießt Tore. Die steht auch nicht hinter einem Rednerpult oder wird von Reportern umringt.

Bayerische LöweDie einzig wahre Identifikationsfigur ist der bayerische Löwe, der sich auch im Wappen des TSV 1860 München wiederfindet. Ins Wappen kam der Löwe im Jahr 1880. Und er hat ab da alles überstanden. Den Nationalsozialismus und die Nachkriegszeit, Aufstieg in die Bundesliga und Lizenzentzug. Magere Jahre in der Bayernliga. Immer und immer wieder die mühsame Stadionfrage. Mittelmaß in der 2. Liga. Wildmoser, Ismaik und viele mehr. Viele wollten die Geschicke dieses Vereins mitbestimmen und mitgestalten. Einige haben es getan, anderen blieb diese Chance verwehrt. Sie kommen und gehen, was bleibt ist der Löwe.

“Der bayerische Löwe steht als einziger für Beständigkeit!”

Viele müssen lernen, dass es vor allem um eines geht: Um den Erhalt eines Traditionsvereins und den Erhalt des Löwen in Giesing und auch in München. Alle, die heute diesen Artikel lesen, werden irgendwann einmal nicht mehr da sein. Einmal Löwe, immer Löwe – das stimmt. Und dennoch ist unser Leben vergänglich. Der Löwe aber bleibt hoffentlich und überdauert uns alle. Jegliche Selbstprofilierung ist Fehl am Platz. Es geht eben um mehr als nur um einzelne Personen. Es geht um ein geschichtliches Ereignis in München, das über Jahre Bestand hat.

Wenn man sich überlegt, was es der Stadt München wert ist, das Müller’sche Volksbad zu erhalten. Und auch das neugotische Regierungsgebäude oder das neugotische Rathaus, das 1905 entstand. Viele weitere Gebäude aus dem 19. Jahrhundert oder die auch älter sind. Es ist schön, solche Gebäude zu erhalten. Wie viele Gemälde gibt es, die man schützt und bewahrt? Warum nicht auch einen Verein, der über viele Jahre die Menschen mitgeprägt und Geschichte geschrieben hat? Es ist unsere Pflicht ihn zu erhalten. Der TSV 1860 München ist freilich nicht so greifbar wie ein Gebäude oder eine Gemälde. Aber sein ideeller Wert ist vermutlich größer als der eines Müller’schen Volksbades. In diesem Verein kommen Menschen und sie gehen. Der Löwe bleibt. Wir alle sind nur ein kleiner Teil dieser Geschichte.

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Tante Tornante
Leser

Ich finde, man kann es drehen und wenden wie man will: es sind zwei Umstände oder Tatsachen, die es dem TSV momentan so schwer machen zu reüssieren. Einen Umstand kann man ändern, den anderen leider nicht… Nicht änderbar ist, dass die Roten mit Ihrem Erfolg (fast) alles in der Stadt zukleistern, ja beinahe ersticken. In der Sicht von außerhalb (auch international) gibt es nur die Unaussprechlichen: Wirtschaftsfaktor und Touristenmagnet, „Aushängeschild“ (aus Sicht der Stadt), der brave und wohlgeratene Sohn, Everybody`s Darling, den auch die toll finden, die vom Fußball gar nix wissen, aber Hauptsache es ist irgendein Event Scheiß. Im Schatten der Übermacht gedeiht es sich normalerweise nicht leicht und einfach. Das können wir nicht ändern… Auf der anderen Seite das „Schmuddelkind“, das sich in jahrelanger Konstanz selbst zerfleischt und in der überwiegenden Zeit nicht gerade durch Kompetenz ausgezeichnet hat. Im Schatten des „großen Bruders“ hast aber imho nur dann eine Chance, wenn du der Gegenentwurf, der andere Weg bist. Der andere Weg wäre der sympathische – von mir aus – „Stadteilklub“, der fern ab von der Lachsschnittchen-Prosecco-Gesellschaft (ein Klischee, gewiss) mit seinen Fans die Alternative geht – um das Klischee zu vollenden, mit Bier und Leberkassemmel. Dazu müsste aber zunächst einmal die Anhängerschar geeint werden und davon sind wir wohl meilenweit entfernt. Es wird im Verein imho eine große und der Integration fähige Führung benötigt, denn auch wenn wir der sympathische Stadtteilklub sein wollen, auch unsere Anhängerschar ist von einer nicht unbeträchtlichen Heterogenität geprägt. Wir benötigen eine Führung, die Führung an sich reißt, die im ständigen (!) Kontakt steht zu allen Gruppen, von den Ultras bis zu den reinen Fußball-Anhängern, die es eben auch bei 60 gibt, weil für die das großkotzige Verhalten der Roten eben keine Alternative ist. Führen und integrieren, visionär sein und querdenken können und wollen, das wird der Schlüssel zu langfristigem Erfolg sein. Es nutzt nichts, wenn beispielsweise die Protagonisten jeweils auf DIE KGaA oder DIE Gesellschafter verweisen. Sorry, für mich ist das herumeiern… Wir werden auf Dauer in den unteren Ligen verbleiben, wenn nicht jetzt begonnen wird die Zukunft zu gestalten. Dazu gehört zunächst einmal, die zerstrittene Anhängerschar zu einen, hinter sich zu bringen und dann die Zukunft zu entwerfen und zu gestalten. Ja, zurzeit ist alles eine große Party, das 60ger funzt ideal, Erfolg ist da und die geschundene Seele bei vielen Fans (einschließlich mir!) ist quasi balsamiert. Ich wäre auch bereit noch länger in der IV oder III Liga zu bleiben, die komplette Bayernliga habe ich auch überstanden, nur irgendwann dann will ich schon mal wieder zumindest die Option auf Profifußball sehen. Ich weiß nicht wirklich was da gerade passiert, aber mit den abspeisenden Worten „wir sind in guten Gesprächen“ und das seit Wochen und Monaten, will ich mich nicht mehr lange zufriedengeben. Ich will auch kein „Scheich schlei di“ oder die „blöden e.V. Deppen“ mehr hören, das kotzt mich beides nur noch an. Ich will Leute, die Ideen haben und in der Lage sind, diese auch umzusetzen. Das sind dann Petitessen,… Weiterlesen »

BruckbergerLoewe
Leser

1860% Zustimmung !
Bis später im G-Block in Burghausen !

Sechzig_Ist_Kult
Leser

Schöner Beitrag! Wenn man sich das einmal wirklich bewusst macht, sind sämtliche Diskussionen um einzelne Personen eigentlich eh für die Katz… Äh… für den Löwen! Viel wichtiger sind doch die Strukturen, die geschaffen werden um unseren Verein langfristig und so positiv wie möglich zu erhalten!

Und trotzdem meinen wir Fans, alles dreht sich nur um uns. Da will ich mich gar nicht ausnehmen. Wir haben eben unsere eigenen Ziele und Vorstellungen und wollen in der uns zur Verfügung stehenden Zeit das Maximum davon realisieren. Jeder auf seine Weise… Oft auf Teufel komm raus… Leider vergessen wir dabei oft, dass der Verein eigentlich über allem steht. Auch über Konflikten zerstrittener Lager.

Ich werde versuchen, es mir zu Herzen zu nehmen! Auch wenn ich bereits jetzt weiß, dass das schwierig wird. Zu sehr kleben wir an unseren eigenen Überzeugungen…