Das Löwenmagazin sprach mit Willi Rieber, dem Abteilungsleiter der Bergsportabteilung beim TSV München von 1860 über das Angebot der Abteilung, die Hallenprobleme, die Kosten im Rechtsstreit Kirmeier und über die Gemeinnützigkeit des e.V.. Ein interessantes Interview für alle, die sich für den e.V. interessieren.

Herr Rieber, erzählen Sie uns als erstes ein wenig über die Bergsportabteilung, die eine der ältesten Abteilungen im Verein ist. Was wird angeboten?

Bergsportabteilung TSV
Klettergruppe der Bergsportabteilung

Fangen wir doch mit den neueren Angeboten an – Klettern und Bouldern für Kinder von 6-12 Jahren. Das Angebot gibt es seit April diesen Jahres. Die Kletterhalle ist das Kletterzentrum vom SV Neuperlach. Sie ist angemietet, kostet dementsprechend auch Eintritt. Wir haben mit einer kleinen Gruppe von 5-6 Kindern angefangen. Inzwischen ist die Gruppe mit 8 Kindern voll. Jetzt haben wir eine zweite Gruppe aufgemacht. Sie trainieren 1x am Montag und 1x am Mittwoch. Die zweite Gruppe besteht momentan aus 5 Kindern, wobei uns im Moment Anfragen vorliegen, so dass wir sagen können, auch sie wird voll. Wir sind mit der Entwicklung zufrieden und die Kinder haben Freude daran und es macht ihnen viel Spaß.

Können Kinder mitmachen, die in einer anderen Abteilung Mitglieder sind?

Bergsportabteilung TSV
Bouldern mit Spaß und Freude

Ja, sie müssen aber mindestens Zweitmitglied in der Bergsportabteilung sein. Für die Kinder ist der Jahresbeitrag 35 Euro (als Zweitmitglied 17,50 Euro) und ein Zusatzbeitrag von 216 Euro für das Klettern und Bouldern. Dafür wird die Ausrüstung von uns gestellt, wie Seile und Gurte, die uns die Unternehmer für Sechzig gespendet haben, wofür wir sehr dankbar sind. Wir hätten gerne noch eine ältere Gruppe für 12-16Jährige, haben auch schon 2-3 Anfragen, aber dafür fehlt uns der Trainer. Der jetzige Trainer hat nur einen Trainerschein für Kinder. Das Klettern ist ein teurer Spaß. Wir verlangen Sonderbeiträge, da die Halle und der Trainer eben bezahlt werden müssen. Dennoch sind wir damit im niedrigen Bereich. Pro Einheit sind es also um die 18-20 Euro. Andere Veranstalter/Vereine verlangen da schon eher 30 Euro.

Ist das Klettern nur auf die Halle reduziert oder gibt es Möglichkeiten, in der freien Natur zu klettern?

Das haben wir vor. Mit den ganz jungen Teilnehmern kann man das nicht machen, aber wenn wir eine ältere Gruppe haben, ist es geplant, in die Natur zu gehen, also in die Berge und auf die Hütte und natürlich auch Outdoor-Klettern.

Und was passiert in der Abteilung Bergsport?

Bergsportabteilung TSV
Ausflug nach Serfaus

Wir machen jeden Mittwoch Fitness-Gymnastik und einmal im Jahr einen 3-Tages-Ausflug. Meistens in Richtung Dolomiten. Heuer waren wir ein wenig abseits in Serfaus in Tirol, was sehr schön war. Solche Touren machen wir seit 15-20 Jahren. Sie sind sehr begehrt. Heuer waren 26 Mitglieder dabei.

Wo findet denn das Fitnessprogramm statt?

Momentan sind wir im Asam-Gymnasium und hier haben wir leider ein großes Problem. Die Halle wird nächstes Frühjahr abgerissen. Wir kämpfen mit der Stadt München seit ein paar Monaten darum, eine neue Halle zu bekommen, doch es ist nichts zu machen. Wir machen seit 25 Jahren die Fitness-Gymnastik ab 18 Uhr – und nun möchte uns die Stadt München den Zugang zu städtischen Hallen erst ab 20 Uhr in Ausnahmefällen ggf. (mit viel Glück) ab 19 Uhr genehmigen.

Verstehe ich ganz ehrlich nicht. Sind das irgendwelche neue Regeln oder eher Ausreden?

Die Regel kennt eigentlich niemand. Sie wollen bis 20 Uhr die Hallen für die Kinder vorhalten. Was ja auch verständlich wäre, wenn sie auch die Belegung hätten. Aber das ist nicht bei jeder Halle der Fall und dennoch geben sie uns keine Möglichkeit, diesen Termin weiterzuführen. Der Schuh drückt hier sehr. Wir müssen dringend eine Alternative finden.

Sind Sie lokal auf bestimmtes Stadtviertel festgelegt oder schauen Sie sich auch weitläufiger um?

Wir sind bzw. waren schon festgelegt. Wir möchten da bleiben, wo der Verein auch ist – also in Giesing. Doch wegen der Hallensituation wären wir bereit nach Harlaching, Thalkirchen, Sendling oder auch Fürstenried o.ä. zu gehen. Leider fällt Stadtmitte aus, da wir viele Mitglieder haben, die außerhalb der Stadt wohnen und mit dem Auto reinkommen.

Die Bergsportabteilung besitzt ja die Hütte, die als Übernachtungsmöglichkeit den Mitgliedern (gegen Gebühr) zur Verfügung gestellt wird. Da gibt es sicher viel zu tun?

Berghütte TSV 1860 e.V.Das kann man wohl sagen. Wir gehen auf die Hütte und machen viel Arbeitsdienst, ehrenamtlich natürlich und auch meistens die Gleichen. Man muss Holz machen, das man den Gästen zur Verfügung stellt. Wir bringen die Getränke rauf und die Bettwäsche, die gewaschen und gewechselt werden muss. Letzten Sommer mussten wir z.B. einen neuen Holzunterstand bauen. Das Dach wurde auch neu gedeckt. Solche Instandhaltungen werden über die Übernachtungsgebühren und über die Mitgliedsbeiträge finanziert. So eine Hütte ist eben mit viel Arbeit verbunden.

Wie lange sind Sie eigentlich schon Abteilungsleiter?

Nächstes Jahr werden es 35 Jahre. Das ist für einen Verein wie 1860 schon eine sehr lange Zeit. Also jede Abteilung muss jährlich eine Mitgliederversammlung abhalten und alle 3 Jahre sind Neuwahlen für die Posten des Abteilungsleiters, stellvertretenden Abteilungsleiters und des Kassiers. Na ja, und ich wurde halt immer wieder gewählt.

Wie war es vor der Ausgliederung des Profifußballs in die KGaA? Wie hat es damals im Verein und den vielen Abteilungen funktioniert und gibt es Unterschiede zu heute?

Also wir waren komplett ein e.V. Da hat es die KG noch nicht gegeben. Wenn es den Fußballern gut ging, dann mussten wir keine Verwaltungsabgaben zahlen, da hat uns Karl-Heinz Wildmoser die Beiträge unserer Mitglieder zur 100% zurückgegeben. Heute ist es so, dass wir von den Beiträgen, die unsere Abteilungsmitglieder bezahlen, 40% für die Verwaltung abgeben müssen.

Ein ziemlicher Nachteil für Sie alle…

Ja schon, aber die Verwaltung des e.V. muss ja auch finanziert werden und hinzu kommen die immensen Kosten z.B. für den Rechtsstreit “Kirmeier”, die ja alle zu Lasten des gesamten e.V. (also aller Abteilungen) gehen.

Wir sprachen ja über Euer Hallenproblem. Ein Problem, mit dem sich ja auch die Turner, Boxer oder Basketballer rumschlagen müssen. Dabei hatte der Verein die Halle in der Auenstraße 19, die wegen den finanziellen Problemen der Fußballer an die Stadt verkauft wurde. Aus der Sache wurde sogar das Problem der Gemeinnützigkeit. Wie war das und was bedeutet das heute genau?

Also die Halle in der Auenstraße wurde in 2 Teilen verkauft. Das war nicht-versteuertes gemeinnütziges Geld des e.V. und das musste einer Verwendung zugeführt werden, sonst wäre es steuerpflichtig geworden. Es war im Grunde eine Leihe des e.V. an die KGaA. Man hat sich daraufhin verpflichtet, aus den Rücklagen eine Sporthalle für die Amateurabteilungen zu bauen. Wir hatten an der Grünwalder Straße sogar bereits eine Grube für die Turnhalle ausgehoben. Leider wurde die Turnhalle nie gebaut. Stattdessen wurde das NLZ gebaut. Daraufhin verpflichtete sich die KG die Summe von heute 2,4 Millionen Euro in jährlichen Zahlungen dem Hauptverein (nach wirtschaftlicher Möglichkeit) zurückzuführen und sich um die Realisierung einer Sporthalle zu kümmern. Bis heute ist nichts davon passiert. Dann kam das Finanzamt und meinte, „dass gemeinnützige unversteuerte Gelder an einen steuerpflichtigen Wirtschaftsbetrieb gegangen sind“ und das geht natürlich nicht. Dem könnte man im Grunde Abhilfe verschaffen, indem man entweder das Geld zurückzahlt oder aber eine dringliche Sicherheit am Teil des Gebäudes oder des Fußballplatzes o.ä. einräumt. Auf jeden Fall muss an den e.V. irgendein Gegenwert in Höhe von 2,4 Millionen Euro zurückgehen, damit die Gemeinnützigkeit erhalten bleibt. Das ist nun eine andauernde Diskussion, die seit 5 oder 6 Jahren läuft und einen Gesellschafterbeschuss beider Seiten bedarf, dem Herr Ismaik bis zum heutigen Zeitpunkt leider noch nicht zugestimmt hat.

Danke für die Aufklärung und das angenehme Gespräch. Wir hoffen, dass Sie zumindest in Bezug auf eine Halle Glück haben.

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HHeinz
Leser

Sehr interessantes Interview. Vielen Dank.
Bei den 40% Verwaltungsabgaben musste ich doch ein wenig schlucken.

ArikSteen

Sehr gutes Interview. Danke Tami