Jemand hat dem Sportmagazin kicker Informationen aus dem Verwaltungsrat zugesteckt. Es geht vor allem um den Inhalt einer Mail von Dr. Markus Drees an seine Verwaltungsratskollegen. Die sind streng vertraulich. Doch der TSV München von 1860 weiß angeblich, wer der “Maulwurf” ist. Man nennt keine Namen, spricht jedoch davon, dass nicht auszuschließen ist, “dass die vom November 2017 stammende E-Mail von der damaligen Besetzung des Verwaltungsrats an Dritte verbreitet wurde”. In den Medien wird nun ein Name diskutiert: Athanasios “Saki” Stimoniaris. Doch der Grieche wehrt sich gegen die Vorwürfe, so die Abendzeitung: “Ich distanziere mich in aller Deutlichkeit von den Vorwürfen, dass ich möglicherweise vertrauliche Unterlagen aus dem Verwaltungsrat des TSV 1860 München an das Fußball-Magazin kicker weitergereicht hätte”.

Es kehrt so schnell keine Ruhe in der Grünwalder Straße 114 ein. Dass Stimoniaris mit rechtlichen Schritten droht, ist verständlich. Er ist Betriebsrats-Chef bei MAN und hat einen Ruf zu verlieren. Hinzu kommt die Tatsache, dass er möglicherweise von Investor Hasan Ismaik als Aufsichtsrat bestellt werden soll. Stimoniaris trat kurz vor Weihnachten erst als Verwaltungsrat im e.V. zurück.

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Sebastian Waltl
Redakteur

Wenn man darüber nachdenkt lässt diese Stellungnahme durchaus noch Raum für Spekulationen. Die Frage ist, ob er sich absichtlich nur davon distanziert, dass er “vertrauliche Unterlagen aus dem Verwaltungsrat des TSV 1860 München an das Fußball-Magazin kicker weitergereicht hätte.”
Er betont also streng genommen lediglich, dass er die Mail nicht an den Kicker weitergegeben hätte.
Als Betriebsratsvorsitzender von MAN und VW und Aufsichtsratsmitglied von VW denke ich, dass er ganz genau weiß, wie er so eine Stellungnahme wasserdicht formuliert.
Ich frage mich also, wieso er lediglich betont, die Mail nicht an den Kicker weitergeleitet zu haben. Wieso sagt er nicht, dass er vertrauliche Unterlagen an niemanden weiter geschickt hätte?
Handelt es sich hierbei lediglich um eine unglückliche Formulierung oder steckt da mehr dahinter? Möchte er vermeiden, dass ihm hinterher eine Falschaussage vorgeworfen wird, falls er die Mail doch weitergeben hat, allerdings nicht an den Kicker?
Fakt ist doch, dass Stimoniaris vor kurzem in Abu Dhabi war. Zumindest schreiben diverse Medien davon. Man kann also zu dem Schluss kommen, dass er mit Ismaik oder seinen Vertrauen in Kontakt steht. (Was allerdings nicht zu 100 Prozent bewiesen ist.)
Nun könnte man aufgrund der Formulierung seiner Stellungnahme auch zu dem Schluss kommen, dass die Mail über andere Wege zum Kicker gefunden hat. Der Reporter des Kickers, der diesen Artikel verfasst hat, hat zumindest schon mehrere Interviews mit Hasan Ismaik geführt.
Ist es selbst wenn man der Stellungnahme glauben möchte zwangsläufig ausgeschlossen, dass Stimoniaris das Leck ist? Wenn man ihn ganz genau beim Wort nimmt und lediglich das beachtet, was er geschrieben hat, dann bleibt weiterhin die Möglichkeit offen, dass er die Mail weitergeleitet hat. Es ist ja durchaus möglich, dass die Mail erst über Umwege zum Kicker gekommen ist.

Ich bin mir selbst nicht zu 100 Prozent sicher, was ich von der Stellungnahme halten soll. Aber sie lässt durchaus Raum für Spekulationen offen. Für mich schließt diese Stellungnahme nicht komplett aus, dass er die Unterlagen weitergegeben hat.

HHeinz
Leser

Ich halte es zumindest nicht für völlig ausgeschlossen dass die Nachricht nicht von ihm dem Kicker gesteckt wurde. Es gibt ja theoretisch auch so etwas wie eine Unschuldsvermutung bis zum Beweis des Gegenteils, aber das ist zugegeben schon etwas aus der Zeit gefallen.
Insgesamt mal wieder eine richtige Scheiss Situation.

Banana Joe
Leser

Ich mag ihm da jetzt nix unterstellen, die Wahrheit kennt nur derjenige Maulwurf selbst…

Aber Stimoniaris ist Betriebsratsvorsitzender bei MAN. Was glaubt ihr würde passieren, wenn er “nur” im Verdacht stehen würde, interne und vertrauliche Informationen an Dritte weiter zu leiten? Er hätte wohl bei der Arbeiterschaft bei MAN jegliches Vertrauen auf einen Schlag verloren, denn er könnte ja auch vertrauliche Informationen an die Konzernleitung weiterleiten und so denjenigen, die ihm bei MAN zu dem gemacht haben, was er ist, das Messer in den Rücken stechen.

Klar, dass er auf jeden Fall dementieren bzw. sich distanzieren MUSS, zumindest bis nix gegenteiliges bewiesen wurde. Und da spreche ich auch von Beweisen und nicht von Verdacht oder Mutmaßungen, es gilt die Unschuldsvermutung!

Er wäre aber nicht der erste… Schäuble weiß z.B. bis heute nicht, wie damals die 100.000 DM in den abgeschlossenen Kofferraum seines Wagens gelangten.

Jetzt wäre mMn der Verein am Zug, wenn man schon angeblich weiß, wer die Mail geleakt hat, dann soll man jetzt entweder mit offenen Karten spielen, Ross und Reiter nennen und nie notwendigen Schritte einleiten oder man hält auf gut Deutsch gesagt sein Maul, ansonsten ist die Glaubwürdigkeit bald dahin und zumindest von Herrn Dr. Drees bin ich jetzt auch nicht der allergrößte Fan.

Und die Pressemitteilung von gestern war jetzt auch nicht gerade glücklich formuliert, denn es bleiben nur zwei Verdächtige, bei dem man dem einen nachsagt, er ist deutlich auf Kurs der Vereinsführung. Da merkt man schon, im Krisenmanagement liegt noch vieles im Argen, überhaupt.

Einbegga_Loewe
Leser

In der Position die “Saki” in der öffentlichen Wirtschaft verkörpert, kann er sich einen solchen Vertrauensbruch gar nicht leisten. Mit einer solchen Aktion würde er seinen kompletten Werdegang und seine Zukunft aufs Spiel setzen. So blöd ist er nicht. Der “Maulwurf” sitzt ganz wo anders. Es wäre halt jetzt ein gelungener Schachzug ihm das anzulasten nachdem er ja eventuell für den Aufsichtsrat der KGaA (für viele auf der dunklen Seite) vorgeschlagen werden soll.

Stepanek
Leser

Es ist ja sein gutes Recht alles zu dementieren und solange der Beweis nicht erbracht ist…

Irritierend wäre für mich nur der Begriff “Distanzieren” und nicht “Dementieren”, das ist für mich schon ein Unterschied. Hat er diesen Begriff bewusst so gewählt?

1860 forever
Leser

Sagt ja niemand, dass die Information auf direkten Weg zum Kicker gegangen sein muss. Nur davon distanziert er sich, komischerweise.