ARGE setzt klare sportpolitische Akzente und kritisiert e.V.-Vorstand

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Die ARGE ist eine Interessengemeinschaft von zahlreichen Fanclubs rund um die Fanszene des TSV München von 1860. Nicht alle Fanclubs gehören der ARGE als Mitglied an, man kann jedoch davon ausgehen, dass traditionsbedingt ein Großteil der Fanorganisationen Mitglied in der ARGE sind.

Bei der vergangenen Mitgliederwahl positionierte sich die ARGE klar für die Investorenseite. Der Wunschkandidat des ARGE-Vorstandes für den Verwaltungsrat war Yahya Ismaik. Der jedoch versäumte es, eine Vita abzugeben und so blieb bei der Vorstellungsrunde sein Blatt leer. Gewählt wurde er nicht. Nach der Wahl wurde es etwas ruhiger bei der ARGE. Erst mit Franz Hell, der neu in den Vorstand kam, rückte die ARGE wieder vermehrt in die Öffentlichkeit. Franz Hell kündigte bereits im Gespräch mit dem Löwenmagazin an, eine Befragung der ARGE-Mitglieder vornehmen zu wollen. Ein derartiger Schritt ist durchaus positiv. Denn es ist wichtig, dass man als Interessenvertreter zahlreicher Fanclubs auch nach der Meinung seiner Mitglieder fragt. Zwei Fragen stellt die ARGE nun ihren Mitgliedern. Wobei man natürlich klarstellen muss, dass nicht einzelne Fans Mitglieder sind (natürliche Personen) sondern die Fanclub-Vereine (juristische Personen).

Die Fragen

a) Wie denken die ARGE-Mitglieder über die Notwendigkeit eines Investors im Profifußball generell?

b) Welche Stadionlösung soll der Verein für die angestrebte Rückkehr in den Profifußball präferieren?

Leider positioniert sich der Vorstand der ARGE in dem Rundschreiben an die Löwen-Fanclubs bereits im Vorfeld. Zwar betont man, dass man eigentlich nicht sportpolitisch eingreifen wollte, man dies jedoch überdenke, da die Organisation Pro1860 in das Vereinsgeschehen aktiv eingreife. Dass die ARGE ihre politische Neutralität aufgegeben hat, ist bekanntermaßen bereits in der vergangenen Mitgliederversammlung deutlich zu spüren gewesen. Und auch in dem Rundbrief wird man politisch. Bevor man die oben genannten Fragen stellt, kritisiert man den Vorstand des TSV München von 1860 e.V. und dessen Nähe zu Pro1860. Die ARGE warnt vor der Amateurfalle und stellt klar, dass der Eindruck entstehe, die Vereinsverantwortlichen wollen einen Weg ohne die Mithilfe des Mehrheitsgesellschafters Hasan Ismaik.

Es bleibt abzuwarten, ob die einleitenden Worte auf das Ergebnis der Umfrage Einfluss haben werden. Es wäre sicherlich sinnvoll gewesen, die Fragen neutral zu stellen. Zudem macht es natürlich Sinn, dass die indirekten Mitglieder der ARGE, also die Fans selbst, ihre Meinung kundtun dürfen. Eine Umfrage nur unter den Vorständen der Fanclubs könnte durchaus ein anderes Bild abgeben. Man kann nur hoffen, dass die ARGE vor allem das Stimmungsbild des eigentlichen Fans wiedergeben möchte und nicht die von Funktionären innerhalb der ARGE.


Der Rundbrief der ARGE

Vorsicht: Amateurfalle !

Wir möchten zukünftig stärker die Meinung der Fanbasis, der einzelnen Anhänger des TSV 1860, in unser Wirken mit einbeziehen. Deshalb haben wir uns entschlossen, in den kommenden Wochen eine Befragung unter allen Mitgliedern der Arge durchzuführen, aus der wir dann Rückschlüsse ziehen können, wohin der Weg des Vereins aus Sicht der Arge führen soll. Bei uns ist der Eindruck entstanden, dass die derzeitigen Vereinsverantwortlichen den zukünftigen Weg auf jeden Fall ohne die Mithilfe des Mehrheitsgesellschafters in der KGaA, Hasan Ismaik, gehen wollen. Die Fanvereinigung Pro1860, der die meisten der derzeitigen Vereinsverantwortlichen angehören, hat in ihrer Satzung festgehalten, dass man Wert darauf legt, dass 1860 ein bodenständiger Verein bleibt und seine Verwurzelung im Stadtteil Giesing heraushebt. Des Weiteren sieht diese Fanorganisation die Kommerzialisierung des Profifußballs kritisch und will – soweit möglich – negativen Auswüchsen entgegenwirken. Auch wenn wir hinsichtlich der Bodenständigkeit des Vereins derselben Meinung wie Pro1860 sind und auch wir dessen Verwurzelung durchaus in Giesing sehen, sehen wir als Euere Vertreter die Kommerzialisierung des Profifußballs bei weitem in einem anderen Licht:

Die in den letzten Wochen ans Licht der Öffentlichkeit gelangte Vorgehensweise der Politik der kleinen Nadelstiche durch Teile des Vereins kann von unserer Seite in keinem Fall mitgetragen werden.

Wir sorgen uns ernsthaft darum, dass 1860 in eine „Amateurfalle“ geraten könnte, aus der es ohne professionelle Bedingungen kein Entkommen mehr gibt. Nach unserer festen Überzeugung ist sportlicher Erfolg ohne finanzielle Hilfe von außen heute nicht mehr machbar. Das Überleben eines Vereins über einen begrenzten Zeitraum ist zwar durchaus möglich. Eine Rückkehr der Profis in die 2. Liga bzw. der Jugend in die Bundesliga ist ohne den Einsatz von finanziellen Mitteln nur schwerlich zu erreichen. Dass diese Mittel dann auch – im Gegensatz zu den vergangenen Jahren – sinnvoll eingesetzt werden müssen, versteht sich für uns von selbst. Wir haben das vollste Vertrauen in unseren Trainer Daniel Bierofka, der es auch in dieser Saison mit überschaubarem finanziellen Aufwand geschafft hat, eine schlagkräftige erfolgreiche junge Truppe zusammen zu stellen, die auf jeden Fall um den Aufstieg in die 3. Liga kämpfen wird. Um aber den Weg zurück in die zweite Liga zu finden, müssen Daniel Bierofka unserer Auffassung nach unbedingt die erforderlichen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Unser Ziel und wie wir hoffen und glauben, auch das Ziel eines Großteils unserer Mitglieder ist es, Spiele unserer Mannschaft baldmöglichst wieder im bezahlten Fußball, mindestens in der 2. Bundesliga zu sehen. 10 Jahre im Amateurbereich wie in den 80er-Jahren in der Bayernliga sollen sich nicht wiederholen. Darum sollten wir alle dafür kämpfen, dass unser Verein sich aus dieser Amateurfalle befreit und so bald wie möglich wieder Punktspiele gegen den Club, St. Pauli, Fortuna Düsseldorf, um nur einige Traditionsvereine zu nennen, bestreiten darf. Neben den fehlenden Mitteln, unserer Meinung nach dringend erforderlichen Verstärkung der Mannschaft, würde spätestens bei einem Aufstieg in die 2. Liga, vielleicht aber auch schon bei sogenannten „Problemspielen“ gegen andere Traditionsvereine in der 3. Liga das Problem der fehlenden Alternative zur derzeitigen Spielstätte akut werden. Um nachhaltig erfolgreich wirtschaften zu können, erscheint uns eine Kapazität von 12.500 bzw. nach dem geplanten Ausbau von 15.000 Zuschauern im Städtischen Stadion an der Grünwalder Straße ohne Möglichkeit der Vermarktung von Business-Seats einfach nicht für ausreichend. Der Münchner Oberbürgermeister Reiter hat erst kürzlich in einem Interview klar zum Ausdruck gebracht hat, dass es aus Bau- und Lärmvorschriften keinen großen Um- oder Neubau in Giesing geben wird.

Befragung der Arge-Mitglieder – Eure Meinung zählt

Die mit diesem Schreiben angekündigte Befragung über die weitere Ausrichtung der ARGE für die Zukunft werden wir in Kürze ausarbeiten. Die Befragung selbst werden bei den Regionsversammlungen auf die Tagesordnung setzen und abstimmen lassen. In den Protokollen wird das Ergebnis für jeden nachvollziehbar festgehalten. Ansonsten hoffen wir auf eine rege Beteiligung an unserer kommenden Befragung, um uns und auch Euch als ARGE-Mitgliedern ein möglichst repräsentatives und transparentes Bild über die Wünsche und Vorstellungen im Hinblick auf die künftigen Ziele der ARGE zu ermöglichen. Das Ziel ist dabei, die Reihen der ARGE wieder zu schließen, um künftig nach außen wieder eine Richtung zu vertreten und mit einer Sprache sprechen.

Wie ihr alle wisst, wurde die ARGE vor über 40 Jahren als Dachverband aller damaligen Fanclubs der Löwen mit dem Ziel gegründet, die Mannschaft zu unterstützen, um größtmöglichen sportlichen Erfolg erzielen zu können. In späteren Jahren hat sich der Vorstand der ARGE selbst auferlegt, beim TSV München von 1860 e.V. nicht mehr politisch tätig sein zu wollen. Nachdem es beim TSV München von 1860 e.V. aber insbesondere mit Pro1860 eine Fanorganisation gibt, die in den letzten Jahren mit ihren Mitgliedern sehr stark in das Vereinsgeschehen eingegriffen hat und auch immer noch eingreift, gilt es auch, diese früher einmal getroffene Entscheidung jetzt zu überdenken. In den Jahren seit der Gründung ist die Anzahl der unter dem Dachverband der ARGE organisierten Fanclubs auf derzeit höchsten Stand seit 1977 von offiziell 516 angewachsen. Anhand der vielen in den letzten Wochen geführten Gesprächen, Versammlungen und Telefonaten sind wir der festen Überzeugung, dass sich die Mehrzahl der ARGE-Mitglieder die Rückkehr in den Profibereich zum Ziel setzt.

In der anstehenden Befragung über die künftige Ausrichtung der ARGE erscheint uns insbesondere auch die Meinung der ARGE-Mitglieder zur derzeitigen Situation beim TSV München von 1860 e.V. für sehr wichtig. Dabei interessieren uns vor allem 2 Themen:

a) wie denken die ARGE-Mitglieder über die Notwendigkeit eines Investors im Profifußball generell?

b) welche Stadionlösung soll der Verein für die angestrebte Rückkehr in den Profifußball präferieren?

Des Weiteren werden wir euch in der anstehenden Befragung auch bitten, eure Meinung über das von beiden Seiten vergiftete Verhältnis zwischen den Verantwortlichen des e.V. und dem Investor, die damit im Zusammenhang stehende Nichtaufnahme von weiteren Darlehen sowie die sich daraus ergebenden Auswirkungen auf den sportlichen Bereich abzugeben. Nach Auswertung der Fragebögen könnte es deshalb auch zu einer Neuausrichtung der ARGE, was die politische Einflussnahme auf den Verein betrifft, kommen.

Einmal Löwe, immer Löwe

Die Vorstandschaft der ARGE

Quelle: Rundbrief der ARGE an die Vorstände der Fanclubs

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[…] kündigte die ARGE eine Befragung ihrer Mitglieder an. Das Ziel: man will herausfinden wie politisch die ARGE vor allem im Hinblick auf die kommende […]

Sechzga
Mitglied
Sechzga

Erst wird ellenlang mit Unterstellungen gearbeitet, nebenbei wird der Biero für die eigenen Vorstellungen vereinnahmt und zuletzt wird “erklärt” wie heutzutage angeblich Profifussball nur noch funktionieren kann und dann soll in 2 Suggestivfragen darüber abgestimmt werden. Durch wen eigentlich????

Eine an und für sich erst mal neutrale und unpolitische FanOrganisation soll gekapert werden und für vereinspolitische Spielchen in Stellung gebracht werden. Das ganze Manöver ist durchsichtig und lächerlich.
Völlig ausgeblendet wird, in welchem Desaster der Investorenfussball mit H.I. geendet ist.

p.s.Das ist die Sicht eines Außenstehenden, der nirgends Mitglied ist. Wenn ich bei der Arge wäre, würde ich mir einige Fragen stellen…

Stepanek
Mitglied

Und durch welche demokratische Abstimmung bekommen die jeweiligen Fanclub-Vertreter das Votum aller ihrer Mitglieder?

Gibt es dann auch OSZE-Beobachter bei den Versammlungen?

3und6zger
Mitglied
3und6zger

Ach die ARGE ist jetzt auch aufgewacht. 8 Monate hat man nix gehört, auf der Mitgliederversammlung hatten sie keinen Bock und jetzt will man einbeziehen, was die Fanbasis denkt. Bravo!
Und lasst es Euch gesagt sein, nicht nur dir Mehrzahl der ARGE-Mitglieder wollen einen Rückkehr in den Profifussball, sondern wir alle. Insbesondere die, die sich auch mit Mühe eine Karte kaufen (keine Freikarten) und ins Stadion gehen und Biero und die Mannschaft bedingungslos unterstützen.
Ja, im Profifussball brauchts Geld von außen, aber bitte von Leuten die ein Minimum an Fußballverstand haben.
Und eine Stadionlösung brauchts auch noch a geh weida! Wenn die 50000 Mitglieder haben, warum hatte man dann nicht wenigstens 25000 Zuschauerschnitt in der AA. Entweder ist die Mitgliederzahl nur heisse Luft oder man ist nur aufm Papier Fan und kommt nur ins Stadion, wenn alle Freikarten bekommen.
Wenn man die Spielerlöse von 2012 bis 2016 (aus den Geschäftberichten im Bundesanzeiger) durch die Zuschauerschnitte teilt, dann sieht man, daß pro Zuschauer nur 9-11€ Einnahme hatte. Ich hab die letzten 10 Jahre immer zwischen 25 und 35 € auf der Gegengeraden gezahlt und ein Stehplatz hat auch 12 bis 15€ gekostet. Heisst hier die Antwort ARGE?

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Tami Tes
Editor

Für mich hört sich das irgendwie nach einem internen Kampf zwischen ARGE und Pro1860. Es steht doch jedem TSV 1860 Mitglied, der auch in einem “ARGE-Fanclub” ist, frei, für eine Funktion beim TSV zu kandidieren. Das mit Yahya und Stimoniaris ist irgendwie in die Hose gegangen, aber in diesem Jahr gibt es ja wieder viele Posten zu vergeben. Also ran an den Speck…

Es ist so Einiges, das mich hier stört…
-Wieder das Ausspielen der Biero-Karte – ob Saki oder jetzt ARGE, man bringt seinen Namen absichtlich ins Spiel, weil die Fans darauf zünden.
-Die Unterstellung, der e.V. wäre an keinem Profi-Fußball interessiert. Warum behaupten das alle immer? Nur weil der Verein im Sommer letzten Jahres keine andere Wahl hatte, als den Gang ins Amateurfußball anzutreten, heißt es nicht, dass sie keinen Profifußball wollen.
-Die Einmischung in die politische Themen – das ist zur Wildmoser-Zeiten schon in die Hose gegangen.

ARGE sollte endlich ihre Mitglieder darin stärken, dass sie Mitglieder beim TSV 1860 München e.V. werden. Sie brüsten sich damit, dass sie 50.000 Mitglieder unter sich haben, aber der TSV hat “nur” 23.000 (und davon eine ganze Menge, die nicht in der ARGE sind). Damit würden sie nämlich viel mehr erreichen und den Verein finanziell stärken.

Und am Ende verstehe ich die Umsetzung der Umfrage nicht ganz. Die Befragung wird zwar in der Regionsversammlungen besprochen, aber am Ende können doch nur die 516 Vertreter des jeweiligen Fanclubs an der Umfrage teilnehmen?? Wie repräsentativ ist das dann?

bluwe
Mitglied
bluwe

Das die jetzigen Vereinsvertreter keinen Profifussball, sondern dauerhaft RL in der Ruine haben wollen, wird ihnen ja gebetsmühlenartig von einem spez. Blogger unterstellt…

Leider ist das Schlimme, dass sehr viele Löwenfans mit diesem Gedankengut unterwegs sind und sich die ARGE das jetzt zunutze machen will.
Ob sie damit was erreichen sei dahin gestellt.
Im LF gibt’s ne interessante Zusammenstellung über die geleisteten Transkationen des HI. Das wäre mal eine Grundlage um Frage a) klar zu beantworten.
Leider ist es andersrum:
Nur wenige von den Befragten kennt Details über HI und seinen Invest, er stimmt aber ab!
Meine Meinung ist klar:
Man braucht keine Investoren im Fußball, schon gar nicht derartige – schönes Bsp. die Regensburger, Go to the top ohne Hasan! 😉

Serkan
Mitglied
Serkan

Die lernen es auch nicht mehr. Ich bin in einem Fanclub. Aber die ARGE geht mir sowas von am Arsch vorbei.