Norbert Steppe ist Geschäftsführer einer Baufirma und hat eine abgeschlossene Ausbildung zum Betriebswirt. Er ist Gründungsmitglied der Unternehmer für Sechzig. Bei den Profis ist er langjähriger Dauerkartenbesitzer und besucht regelmäßig Auswärtsspiele.

Er möchte an der Zukunft des e.V. mitwirken. Seine Arbeitsschwerpunkte könnten zum Beispiel die Sponsorensuche für den Hauptverein und wirtschaftliche Stabilität des e.V. sein. Auch für ein besseres Erscheinungsbild in der Presse würde er sich gerne stark machen.

Das Löwenmagazin traf den Unternehmer im Giesinger Bräu.

Das Interview

Der Verwaltungsrat nimmt viel Zeit in Anspruch. Welche Motivation hast Du, für das Amt eines Verwaltungsrates zu kandidieren?

Ich möchte meine Kompetenzen und meine Fähigkeiten dem e.V. zur Verfügung stellen. Ich bin der Meinung, dass ich durch meine wirtschaftliche Ausbildung helfen kann, den aktuellen IST-Zustand im e.V. zu festigen und weiterzuentwickeln.

War es Deine persönliche Entscheidung zu kandidieren oder hat Dich jemand gefragt?

Eigentlich war es meine eigene Entscheidung, aber letztendlich war es Sebastian Seeböck, mit dem ich sehr guten Kontakt habe, der mich gefragt und vorgeschlagen hat.

Ihr kennt Euch von den Unternehmern für Sechzig?

Richtig.

Du hast vor drei Jahren auch kandidiert. Dass Du da nicht gewählt worden bist, hat Dich nicht entmutigt?

Nein, das entmutigt mich nicht. Vor drei Jahren waren es die alteingesessenen Verwaltungsräte, die überwiegend wiedergewählt worden sind. Es waren bekannte Gesichter und sie haben sich auf der Mitgliederversammlung gut präsentiert. Aufgrund der gesamten Entwicklung seitdem habe ich viele Kontakte geknüpft und mich deshalb nochmals aufstellen lassen.

Hast Du spezielle Themen oder persönliche Anliegen, die Du im Verwaltungsrat umsetzen willst?

Der Verwaltungsrat ist ja kein Gremium, das agieren soll. Er ist da, um zu überwachen. Ich weiß nicht, inwieweit ich da alleine Sachen anpacken kann bzw. umsetzen kann. Selbstverständlich gibt es Themen, die es gilt durchzusetzen, aber das geht nur im Team. Alleine hat da keiner die Fähigkeit oder die Macht, dies zu tun. Die Bezeichnung Verwaltungsrat ist – wenn man sich die Satzung und die Aufgaben durchliest, eigentlich falsch. Im Grunde ist es ein Aufsichtsrat. Denn er beaufsichtigt letztendlich das Präsidium.

Hast Du von außen den Einblick in die Abteilungen bzw. weißt Du, wo im e.V. der Schuh drückt?

Offensichtlich und allgemein bekannt ist es ja bei dem Thema Halle. Durch die „Unternehmer für Sechzig“, wo ich Gründungsmitglied bin, habe ich den Einblick. Wir haben einen guten Kontakt mit der Vereinsmanagerin Viola Oberländer, die uns immer wieder erzählt, wo der Schuh drückt und wo sie finanzielle Unterstützung brauchen. Sie teilt uns immer wieder mit, dass z.B. die Boxer, Ringer oder Ski-Löwen sehr gute Arbeit leisten.

In welcher Form unterstützt Du den e.V. und seine Abteilungen bereits jetzt oder in der Vergangenheit?

Über „Unternehmer für Sechzig“ hauptsächlich. Zum Beispiel haben wir für die Löwen-Fußball-Schule den Kleinbus finanziert, wo ich von meiner Firma aus zusätzlich Geld gegeben habe. Vier Firmen von uns übernehmen noch die KFZ-Versicherung.

Als Mitglied im e.V. und mögliches zukünftiges Mitglied im Verwaltungsrat: Wie wichtig ist Dir die 50+1-Regelung?

Sehr wichtig. Da gibt es kein Für und Wider, sondern nur ein „50+1 muss bleiben“.

In diesem Zusammenhang geht es natürlich auch um unseren Investor, der die 50+1-Regel gerne kippen würde. Wie siehst Du die Zukunft mit Herrn Ismaik?

Mit seinen populistischen Aussagen in den letzten Jahren, wie zum Beispiel, dass wir in ein paar Jahren auf einer Ebene mit dem FC Barcelona spielen, wir ein neues Stadion bekommen mit Löwenkäfig und so weiter, damit hat er einige auf seine Seite gezogen. Doch letzten Endes war alles Stimmungsmache. Er ist im Grunde kein Investor. Er gibt letztendlich nur Kredite. Und er ist, wie immer wieder berichtet wird, sehr unzuverlässig und unberechenbar. Ich habe ihn vor ungefähr drei Jahren zweimal persönlich in kleineren Gruppen erlebt und wurde aus ihm einfach nicht schlau. Wir durften Fragen stellen und den meisten davon ist er ausgewichen.

Gibt es denn Alternativen?

Die richtige Alternative hätten wir erst, wenn Herr Ismaik aussteigt.

Soll sich der Verwaltungsrat und das Präsidium des e.V. in das Tagesgeschäft der KGaA einmischen?

Nein. Der Verwaltungsrat sowieso nicht. Seine Aufgaben sind Überwachungs- und Kontrollfunktionen. Das Präsidium hingegen kann über die GF-GmbH und den Aufsichtsrat in Richtung KGaA agieren und so die grundlegende Geschäftspolitik mit gestalten. Für das Tagesgeschäft hingegen ist ausschließlich der Geschäftsführer zuständig.

Robert Reisinger als gewählter Präsident ist im Endeffekt ja auch Vertreter des e.V. als Gesellschafter. Sollte sich der Präsident medienwirksamer als Gesellschafter des Profifußballes äußern?

Nein. So, wie er es gerade macht, ist es richtig. Die Ruhe bewahren und nicht jeden Tag in der Presse auftreten.

Gut, aber der Mitgesellschafter nutzt die Medien. Ist das bei Saki Stimoniaris als Vertreter von HAM International denn der richtige Weg?

Das geht gar nicht. Nehmen wir nur mal das Beispiel nach dem Spiel in Pipinsried. Da wurde der TSV Meister. Man hat sich in der Öffentlichkeit präsentiert und von Möglichkeiten gesprochen, die es gibt. In der Aufsichtsratssitzung hatte man dann nichts zu präsentieren. Das ist der falsche Weg.

Als zukünftiger Verwaltungsrat kannst Du die nächsten Kandidaten für das Amt des Präsidenten vorschlagen. Welche Persönlichkeit wäre Dein Kandidat?

Die Wahlen sind ja nächstes Jahr und sollte ich in den Verwaltungsrat gewählt werden, dann habe ich erst die Möglichkeit, die Arbeit von Robert Reisinger anders zu betrachten als jetzt. Aus einem anderen Blickwinkel. Wie die Arbeit intern läuft, bekommen wir von außen ja nicht mit. Aktuell ist er für mich der richtige Präsident. Was mir allerdings momentan fehlt, sind die Zukunftsvisionen für den e.V. und auch für die KGaA. Aber es ist klar festzuhalten: Er hat in der ganz schwierigen Zeit das Amt übernommen. Auch die zwei Vizes sind geblieben, das darf man nicht vergessen, während Herr Cassalette bei Nacht und Nebel abgehauen ist. Für mich gibt es aus aktueller Sicht keinen Änderungsbedarf.

Du bist ja selber in einem Fanclub. Nun gibt es den Antrag, dass die Fanbetreuung im e.V. angesiedelt werden sollte. Wie siehst Du das?

Ein Dachverband macht definitiv Sinn. Aber nicht so, wie er in den letzten Jahren geführt wurde. Das war und ist nicht gut.

Mal angenommen, bei der ARGE gibt es einen Führungswechsel. Kann man es unter den Namen ARGE weiterlaufen lassen, denn bei vielen Fans ist der Name schon verbrannt?

Man müsste einen neuen Weg gehen, mit einem neuen Namen. Es gibt genügend Leute, die das vernünftig machen wollen, ohne Politik zu betreiben. Klar ist aber, dass es neue Leute braucht und auch einen neuen Namen. Unter dem Begriff ARGE wird es wohl keine neutrale Zukunft geben.

Macht es aus Deiner Sicht Sinn, als Interessensgruppe gemeinsam zur Wahl anzutreten?

Nein. Vor drei Jahren bin ich selber in einer Interessensgruppe angetreten. Mit Richard Ostermeier. Ich hatte es genutzt, um bekannter zu werden, aber es machte am Ende keinen Sinn. Auch für den Wähler nicht. Man meint, man muss sie ganz oder gar nicht wählen. Aber eigentlich werden Einzelpersonen gewählt.

Welche Bedeutung hätte für Dich als Verwaltungsrat die Stadionfrage?

Das ist eine Frage, die man aus der Sicht eines möglichen Verwaltungsrates nicht beantworten kann, da es nicht im Wirkungsfeld liegt. Ich kann sie nur als Privatperson oder als Fan beantworten. Ich bin definitiv für das Grünwalder und für den Ausbau. Ich habe mir auch Gedanken dazu gemacht, wie man es machen könnte. Durch die Tätigkeit in meiner Baufirma habe ich an zwei Stadionprojekten mitgearbeitet. Die Aussage: „Ein Stadion in der Stadt, geht nicht“ ist komplett falsch. Wir haben auch in Deutschland Stadien direkt in der Stadt. Und es funktioniert. Es geht auch in Giesing, wenn der Wille da ist.

Das Team Profifußball will bis Ende des Jahres eine Aussage von der Stadt zum Stadion bekommen. Meinst Du, es ist sinnvoll, der Stadt die Pistole auf die Brust zu setzen?

Natürlich nicht. Die Stadt lässt sich sicher nicht erpressen. Die Gespräche werden ja geführt, sonst hätten wir ja jetzt keine Kapazität-Erhöhung auf 15.000. Und es ist auch Thema bei den Parteien, wie wir jetzt erfahren haben. Da muss man behutsam vorgehen. Dass hier Informationen über die Gespräche mit der Stadt nicht in der Öffentlichkeit ausgetragen werden, ist richtig. Der Stadt die Pistole auf die Brust zu setzen, etwa mit der Forderung von 30.000 Zuschauern, bewirkt eher, dass die Stadt abblockt und damit ist das Grünwalder-Thema gleich vorbei. Dann käme der Plan B mit Neubau, was bedeutet, dass die Stadt, der man die Pistole auf die Brust gesetzt hat, jetzt ein Grundstück zur Verfügung stellen muss. Außerdem muss man sich nur den Zuschauerschnitt der letzten 20 Jahre anschauen. Da würden auch 25.000 Zuschauer als Kapazität ausreichen.

Was wünschst Du Dir für die Versammlung am 22. Juli 2018 im Zenith?

Eine faire Versammlung.

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Baum
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Hört sich sehr vernünftig an. Wäre ebenfalls ein Mann dem ich meine Stimme geben würde. Ich will mich ja nicht wiederholen, aber dank Team Profifussball werde ich jedoch nach der Liste von PRO1860 wählen, sollte es denn eine solche geben. Grund ist, denke ich, bekannt.

Serkan
Leser

Der Mann klingt für mich nicht schlecht. Ruhig und realitätsbezogen.

United Sixties
Leser

Diesen Aussagen von Norbert STEPPE ist nichts hinzuzufügen und völlig verständlich wie richtig. Seine Kompetenz und Einstellung wird dem neuen Verwaltungsrat gut tun. Meine Stimme bekommt er, auch weil ich ihn kenne und schätze als klugen Löwen durch und durch.

DaBianga
Leser

Das ist mit eines der besseren Interviews. Der wandert auf den Merkzettel.