Gerhard Mayer gehört zur Skiabteilung des TSV München von 1860 und ist im Golf aktiv. Zudem ist er seit vielen Jahren ein großer Löwenfan. Seine Dauerkarte hat er in der Westkurve. Seine bevorzugten Medien sind neben den Tageszeitungen sowohl das Löwenmagazin als auch das Löwenforum. Eine Online- oder Briefwahl lehnt er ab. Lediglich bei Teilbereichen könnte man ein Online-Verfahren einführen, die dann aber einen Empfehlungscharakter hätten. Grundsätzlich möchte er an der Mitgliederversammlung festhalten.

Der 56-Jährige ist Mitglied bei den Freunden des Sechzger Stadions und bei PRO1860.

Interview

Herzlichen Dank, dass Du gekommen bist und uns für ein Interview zur Verfügung stehst. Unsere erste Frage an Dich: Welche Motivation hast Du, für das Amt eines Verwaltungsrates zu kandidieren?

Ich bin, seit ich kleiner Bub war, ein Löwen-Fan. Ich bin jetzt Stadtrat und befinde mich in einer Position, bei der ich meine, den Verein unterstützen zu können. Dazu ist es wichtig, im Verwaltungsrat stabile Menschen zu haben und als so einen sehe ich mich. Mich haut so schnell nichts um und ich bin einer, der versucht, mit Menschen zu sprechen und einen gemeinsamen Weg zu finden. Ich stehe für Dialog und Kommunikation.

Hast Du das selbst entschieden, also war es auch Deine eigene Idee, oder hat Dich dazu jemand ermutigt?

Sowohl als auch. Von Ralph Drechsel wurde ich direkt gefragt, aber mit dem Gedanken habe ich mich selber schon beschäftigt. Parallel hatte mich Werner Hochreiter gefragt, der mich ebenfalls vorgeschlagen hat.

Gibt es denn bestimmte Themen oder Anliegen, die Du bei einer möglichen Wahl Deiner Person gerne für Dich in den Vordergrund stellen möchtest?

Man muss ja immer vorausschicken, dass der Verwaltungsrat ein Verwaltungsrat des Vereins ist, der über die Überwachung des Präsidiums schon auch Auswirkungen auf die KGaA hat. Aber im Verein gibt es auch gewichtige Themen, wie die Halle, das für mich ein ganz wichtiges Anliegen ist, da was beizutragen. Das Nächste ist die Begleitung der Entwicklung des Vereins. Wir wissen ja wie schwierig die Situation bei der KGaA ist und das kann ja immer auf den e.V. zurückwirken. Sportlich stehen wir zwar wieder gut da, aber damit es langfristig trägt, muss man schauen, dass die Strukturen tragfähiger werden. Denn jedes Jahr eine neue Zitterpartie um die Finanzierung ist nicht gut. Das wird zwar ein langer Weg, aber dazu möchte ich beitragen.

Welche Abteilungen liegen Dir besonders am Herzen, außer der Fußballabteilung, für die Du Dich engagieren möchtest?

Ich bin Mitglied der Ski-Abteilung und da ist mir auch wichtig, dass sie weiter so gut funktioniert und Sportler wie Linus Strasser gefördert werden und die Jugendarbeit ebenfalls. Auch die Jugendarbeit der Fußballabteilung liegt mir am Herzen. Wir waren ja jahrelang in dem Bereich richtig gut und das hat nun nachgelassen und gehört wieder stärker gefördert.

Solltest Du nicht gewählt werden, in welcher Form willst Du Dich für den e.V. dann engagieren oder den e.V. unterstützen?

Selbstverständlich. Ich höre ja nicht auf, Löwen-Fan zu sein, bloß weil ich nicht gewählt werde. Es sind 31 Kandidaten und 9 VR-Posten, da ist es bei einer demokratischen Wahl normal, dass welche auf der Strecke bleiben und auch mich das treffen kann.

Als Mitglied im e.V. und mögliches zukünftiges Mitglied im Verwaltungsrat: Wie wichtig ist Dir die 50+1-Regelung?

Für mich ist der Erhalt der 50+1 sehr wichtig. Für einen Traditionsverein wie Sechzig mit seinen 20.000 Mitgliedern und mit der Geschichte, ist es wichtig, dass der Verein weiterhin entsprechend die Möglichkeit hat, die Geschicke zu beeinflussen. Logischerweise braucht man im Profifußball heutzutage hohe Einnahmen, Sponsoren, Investoren oder Teilhaber, aber so, dass durch die 50+1 der Verein das letzte Wort hat.

Wie siehst Du die Situation um/mit Hasan Ismaik bzw. findest Du, er ist der richtige Partner für die Zukunft?

Ich glaube, dass das nicht die richtige Frage ist … Die Situation ist so, wie sie nun ist. Er hat 60% der Anteile und diese Anteile haben auch ihre Geschichte. Und in dieser Geschichte ist es nicht immer so gewesen, dass man fair mit Hasan Ismaik umgegangen ist. Natürlich ist er in meiner Wahrnehmung ein schwieriger Geschäftspartner, dennoch muss man mit ihm sprechen und kommunizieren und schauen, dass man einen gemeinsamen Weg findet. Natürlich gibt es da auch NoGo’s. Die Frage, ob man sich für ein Darlehen erpressen lassen muss, ist so eine ganz schwierige Geschichte.
Was ich strukturell schwierig finde, so kommt es zumindest bei mir an, dass die Entscheidungen immer erst am Schluss gefällt werden. Eigentlich kann ich ja jetzt schon die verschiedenen Szenarien – was passiert bis Ende der Saison – überlegen und besprechen, was wir dann machen. Die Szenarien liegen ja eigentlich klar auf der Hand, die es geben kann. Das wäre für beide Seiten wesentlich planbarer und auch für Herrn Ismaik und sein Investment klarer.

Was meinst Du, woran es in der Vergangenheit gelegen ist, dass es nicht so professionell abgelaufen ist?

Ich glaube, dass es auf einer Seite ein kulturelles Problem ist, da dadurch zwei unterschiedliche Herangehensweisen da sind. Da müsste man sich ggf. Hilfe und Unterstützung holen, um ein gegenseitiges Grundverständnis auszuhandeln – beidseitig. Ich denke aber, dass es in der Vergangenheit Versuche gegeben hat. Anfangs noch im Sinne „Hauptsache, er gibt das Geld her und man macht irgendwas damit“, dann gab es das Gegenteil „er darf jetzt als Ausgleich bestimmen“, ohne dass man die weiteren Folgen beachtet hat und das hat natürlich auch zu Verletzungen geführt. Und diese muss man natürlich beachten und miteinbeziehen in die Kommunikation. Klar ist nur, wenn man keinen gemeinsamen Weg findet, gibt es im Grunde gar keinen.

Siehst Du Alternativen?

Wenn jemand bereit wäre, Herrn Ismaik seine Anteile abzunehmen, zu welchem Preis auch immer, und als Investor zuverlässig und transparent kommuniziert, dann ist mir das lieber. Den Eindruck habe ich derzeit nicht, dass zuverlässig und transparent kommuniziert wird.

Soll sich der Verwaltungsrat und das Präsidium des e.V. in das Tagesgeschäft der KGaA einmischen?

Die KGaA hat einen Geschäftsführer und er muss das Tagesgeschäft machen. Also sehe ich es nicht, dass sich das Präsidium oder der Verwaltungsrat in das Tagesgeschäft einmischen sollte.

Findest Du, dass sich das Präsidium transparenter darstellen sollte bzw. sollte sich der Präsident medienwirksamer als Gesellschafter des Profifußballes äußern?

Jein. Die Frage kann man so nicht klar beantworten. Natürlich ist Transparenz wichtig und dass man kommuniziert, was passiert oder passieren wird. Aber da gab es schon Fälle, dass Verwaltungsräte vorzeitig Informationen an die Presse rausgegeben haben und damit für Unruhe sorgten. Es soll möglichst transparent sein. Wenn man aber in Verhandlungen mit dem Investor ist und noch nicht sagen kann, wie es ausgeht, finde ich es schwierig, wenn vorher darüber nach außen kommuniziert wird.

Es gibt den Antrag, dass die Fanbetreuung im e.V. angesiedelt werden sollte. Wie siehst Du das?

Grundsätzlich kann ich mir das vorstellen, doch da müssen die Rahmenbedingungen geklärt werden. Ob es tatsächlich notwendig ist, kann ich im Moment nicht beurteilen. Eine Experten-Gruppe zu gründen, die das prüft, finde ich richtig. Doch gleich etwas festzuklopfen wäre falsch, denn da braucht es richtige Vereinbarungen.

Macht es aus Deiner Sicht Sinn, als Interessens-Gruppe gemeinsam zur Wahl anzutreten? Team Profifußball tut das ja …

Auch wenn man als Gruppe antritt, sind es trotzdem Einzelkandidaten und die Mitglieder müssen entscheiden, welche Einzelkandidaten sie wählen. Ich halte so eine Gruppe, die sich gemeinsam präsentiert und für sich wirbt, für schwierig, weil es die Kommunikation behindert. Es kommt zum reinen Schwarz-Weiß-Denken und das halte ich nicht für richtig.

Welche Bedeutung hätte für Dich als Verwaltungsrat die Stadionfrage?

Das ist eine Frage, die eher bei der KGaA angesiedelt ist, aber sie beschäftigt natürlich alle Fans und die zentrale Frage, was passiert, wenn wir in die 2. Liga aufsteigen sollten. Da wissen wir, dass es die DFL-Rahmenbedingungen sind, dass es im Grünwalder nicht mehr geht. Mir wäre es am Liebsten, wenn man das Grünwalder ausbauen könnte, halte es aber derzeit objektiv für schwierig. Angesichts der heute geltenden Rahmenbedingungen. Den Lärmschutz halte ich sogar für handelbar, durch eine entsprechende Überdachung. Aber die Zu- und Abfluss-Wege und die Verkehrslage bei An- und Abreise könnte zum Problem werden. Wenn man von 30.000 Zuschauer ausgehen würde, sind das 17.500 mehr als jetzt und das wird schwierig, dies unter den Rahmenbedingungen umzusetzen.

Du bist ja im Stadtrat. Bekommst Du zu dem Thema was mit?

Da gibt es im Moment keine Aussagen dazu. Es wird aber am Ende keine politische Entscheidung sein, sondern eine, die anhand von Baugesetzen getroffen werden muss.

Ist es möglich, bis zum Ende des Jahres von der Stadt hier eine Aussage zu bekommen oder kann der Stadtrat oder eine andere Instanz da einen Antrag stellen, damit eine Prüfung stattfinden kann?

Hier gibt es verschiedene Ebenen. Das Sportamt verwaltet das Stadion, aber eine Prüfung, ob das genehmigungsrechtlich geht, muss die Lokalbaukommission vornehmen. Lokalbaukommission macht das im übertragenen Wirkungskreis. Das heißt, sie handelt nach den Landesgesetzen. Und da kann die Stadt nicht direkt eingreifen. Und die Lokalbaukommission handelt dann, wenn z.B. jemand einen Antrag auf Vorbescheid stellt. Damit es diesen Vorbescheid gibt, muss der Eigentümer ihn stellen – also die Stadt.
Jetzt kann man sich überlegen, mit der Stadt auszuhandeln: „Passt auf, wir liefern euch so einen Antrag auf Vorbescheid, ihr stellt den bitte“ und erfahren dann, was planungsrechtlich möglich ist. So, und der Antrag auf Vorbescheid muss bereits enthalten, welche Kapazität will ich, wie gehe ich mit Lärmschutz um, wie gehe ich verkehrstechnisch und mit der Sicherheit um, damit sie das überhaupt prüfen können. Wenn es jemanden gibt, der sich dessen annimmt und es der Stadt übergibt, dann kann man auch politisch auf die Stadt einwirken, dass sie dies bei der Lokalbaukommission zur weiteren Prüfung einreicht.

Eine Ergänzung meinerseits: Im Vorfeld so eines Vorbescheids kann die Stadt natürlich auch im Rahmen des vorhandenen Stadions prüfen, ob Ausweitungen möglich sind, das war ja auch schon bei der Erweiterung von 12.500 auf 15.000 so.

Also heißt das, dass zur Stadt zu gehen und zu sagen: „Ich will eine Aussage“ nicht realistisch ist. Man muss mit einem konkreten Konzept erscheinen?

Es gibt da schon Rahmenbedingungen, dadurch dass der Stadt der Besitzer ist. Also muss der Stadtrat schon irgendwann zustimmen. Es gab ja ein Konzept, wo sie die Fluchtwege in die zweite Ebene gelegt haben, also über die Straßenbahn-Leitungen drüber. Doch das war etwas, das nicht durchsetzbar war. Man muss schon darauf achten, eine Lösung zu finden, ohne das ganze Viertel umzubauen.

Macht es Sinn, der Stadt das Stadion abzukaufen? Auf Erbpacht und natürlich zu einem eher „symbolischen Preis“? Dann lägen die Verantwortung und alle weiteren Kosten beim TSV und nicht mehr bei der Stadt.

Man würde eine Erbpacht zahlen müssen, die angemessen ist. Da ist die Stadt nicht ganz frei. Das legt das Bewertungsamt fest, aber da kann auch das Sportamt eine gewisse Amortisation für die Investitionen, die sie in den letzten Jahren ins Stadion reingelegt haben, verlangen. Das käme auf die Erbpacht drauf. Also wäre diese Option denkbar, denn dass die Stadt den kompletten Ausbau selber zahlt, dafür gibt es im Stadtrat im Moment keine Mehrheit. Also müsste die Kosten der Nutzer zahlen – sprich die Löwen – und es muss mit dem anderen Nutzer, dem FCB, geklärt werden. Da gibt es ja inzwischen Möglichkeiten, dass die komplett an die Ingolstädter Straße wechseln.

Wie siehst Du das Olympia-Stadion als Alternative?

Angenommen, wir steigen in zwei Jahren auf. Da wird zu dem Zeitpunkt nirgendwo ein Stadion für uns stehen. Da wird es eine Alternative geben müssen und da ist tatsächlich das Olympia-Stadion eine Alternative. Aber das wird langsam kritisch, weil das Olympia-Stadion nun saniert werden sollte und da wird aufgrund der Baustelle länger kein Fußball möglich sein. Dann muss man erwähnen, dass das Dach unter Denkmalschutz steht und das Ensemble (also alles drunter) unter Urheberschutz des Architekten. Also ist, so wie es Christian Waggershauser vorgestellt hat, dass eine Stahlrohr-Tribüne aufgebaut werden sollte, denkbar, aber nicht so einfach möglich. Wie auch andere Vorschläge, die es bereits gegeben hat.

Was wünschst Du Dir für die Versammlung am 22. Juli 2018 im Zenith?

Ich wünsche mir, dass alle Vereinsmitglieder, die gewählt werden, auch gewillt sind, zum Wohle des Vereins zusammenzuarbeiten und dies auch tun. Und falls unterschiedlich Richtungen gewählt werden, sie alle Vorurteile über Bord werfen und geschlossen zusammenarbeiten.

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HHeinz
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Vermutllich sind Stadträdte generell nicht verkehrt, immerhin haben wir kein Geld aber viele Wünsche. Da kann der Herr Mayer jetzt mittelbar nichts dafür aber da wir im Stadtrat auch Mehrheiten brauchen kommt mir eine SPD Front strategisch etwas ungelegen.

Seine Vorstellung am Freitag war solide. Ich würde mir wünschen dass wenn Mitglieder aus anderen Abteilungen kommen diese auch mal etwas darüber erzählen. Das betrifft jetzt aber nicht nur den Gerhard Mayer. Ich wünsche ihm viel Erfolg.

Baum
Leser

ArikSteen Kann es sein das mit “Christian Wackershauser” der Christian Waggershauser gemeint ist?

ArikSteen

Richtig. Danke.