Bernd PatzkeIm Jahre 1964 holte Max Merkel den gebürtigen Berliner Bernd Patzke von Standard Lüttich, mit dem er belgischer Meister wurde, zum TSV 1860 München. Fünf Jahre blieb er bei den Löwen, wo er als begnadeter Verteidiger überzeugen konnte. 1965 würde er von Bundestrainer Helmut Schön in die Nationalmannschaft berufen, für die er 18 Länderspiele absolvierte. Im September 1983 kehrte Patzke als Trainer zum TSV 1860 zurück und erreichte die Meisterschaft in der Bayernliga. Die Löwen scheiterten jedoch in der Aufstiegsrunde zur 2. Liga. 1984 wurde er als Trainer während der laufenden Spielzeit wieder entlassen.

Wir haben in alten Zeitungsartikeln aus der damaligen Zeit gestöbert. Ein paar davon wollen wir Euch zeigen, Euch in die damalige Zeit entführen und Bernd Patzke an seinem 75. Geburtstag ehren. Wir wünschen ihm noch viele gesunde Jahre und alles Gute zum Geburtstag.

Explodierender Verteidiger, mit mühelosem Schlag …

… war eine der Beschreibungen, die die Münchner Presse über Patzke zu schreiben wusste.

Bernd Patzke
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Von Beginn an fügte sich Patzke in die Mannschaft gut ein und war schnell nicht mehr aus der selbigen wegzudenken. Ob in der Bundesliga oder im Europapokal, Patzke war ein wichtiges Glied der Abwehrkette. So wurde der Bundestrainer Helmut Schön schnell auf ihn aufmerksam und nahm ihn zur WM nach England mit.

Am 24. April 1965 verletzte sich Patzke im WM-Qualifikationsspiel gegen Zypern, das im Karlsruher Wildparkstadion ausgetragen wurde. Der Zyprer Crystallis wollte ein Tor schießen. Patzke war dagegen und sprang dazwischen. Torwart Manglitz lief raus und warf sich gegen Crystallis und Patzke. Der Leidtragende war Patzke, der von mehreren Seiten einiges abbekam und mit Wadenbein- und Nasenbeinbruch ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Er fiel für etwas mehr als drei Monate aus. So stand er seinem Verein für das Londoner Endspiel um den Europapokal der Landesmeister gegen West Ham United nicht zur Verfügung.

Bernd Patzke
Artikel über die Verletzung (zum Vergrößern klicken)

Nachdem seine Verletzung auskuriert wurde und er zu seiner alten Stärke zurückfand, überschlug sich die Tagespresse erneut mit Lobeshymnen auf ihn: “Der Berliner Bernd Patzke ist der Prototyp eines modernen Verteidigers. Patzke ist ausgesprochen giftig, schnell und von einer kompromisslosen, aber fairen Härte. Seine Gegenspieler haben selten etwas zu lachen, zumal der Wahlmünchner auch technisch sehr gewandt ist und jede Gelegenheit ergreift, sich in die Eingriffe seiner Mannschaft einzuschalten. […] Seither gehört er wieder fest zum Stamm der Nationalmannschaft und beweist Samstag für Samstag seinen Ruf als einer der besten deutschen Verteidiger.”

Sing contra Patzke

Bernd PatzkeNach der Meisterschaft brach beim TSV 1860 München, wie soll es anders sein, Chaos aus. Die internen Querelen und der Schuldenberg, der angesichts der immens hohen Zuwendungen an den Meisterkader auf 3 Millionen Mark angestiegen war, zerstörte die Idylle. Die Saison 1966/67 brachte den vollkommenen Bruch. Merkel ging ausgiebig einkaufen und traf damit die Meisterlöwen mitten ins Herz. Die Mannschaft, angeführt von Grosser und Radenkovic, führte Revolte gegen den Trainer und verkündete dem Präsidenten, dass sie unter Merkel keine Sekunde mehr spielen würden. Mit 16:1 Stimmen, forderte die Mannschaft eine Kündigung des Trainers, der am 17. Dezember 1966 den Verein auch verlassen musste. Im Sommer 1967 übernahm dann Albert Sing und für Patzke und seine Kollegen wurde es nicht besser.

In einem Zeitungsartikel von damals wird berichtet: “Vielleicht trug auch der Ärger von Liverpool* dazu bei, dass Albert Sing am Donnerstag beim Training in Karlsruhe** seinen Spieler Patzke zurück nach München schickte, obwohl Patzkes Form seit Wochen eine ausgezeichnete ist. Als er bei einem Nachlaufspielchen nicht schnell genug hinter seinem Mannschaftskameraden Rebele herrannte (Patzke: “Ich hatte Rebele ja schon abgeschlagen” – Sing: “Er hat Rebele gar nicht berührt”), schickte ihn der Sechzig-Trainer nach Hause. Patzke ist Berliner, Sing Schwabe. Ich fürchte, dass beide auf verschiedenen Wellenlängen sprechen. […] Patzke fuhr am Freitag zur Säbener Straße, wo die Übungsplätze von 1860 liegen, und trainierte dort freiwillig, mit sich und seinem Gram allein.”

Am 31. Oktober 1968 nahm der Spuk zwar sein Ende, als Sing beim TSV 1860 seinen vorzeitigen Abschied bekannt gab, doch auch Patzke hielt es nur noch bis zum Saisonende bei den Löwen aus. Die nächste Station hieß Hertha BSC. Die Berliner wurden Dritter (Saison 1969/70) und die Löwen mussten den Gang in die Regionalliga Süd antreten.

Bernd Patzke
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Die AZ hat zu seinem 75. Geburtstag ein Interview mit ihm geführt und veröffentlicht: Meisterlöwe Patzke schonungslos: Das muss beim Aufstieg in die 3. Liga passieren.


* Am 07.11.1967 verlor der TSV 1860 gegen den FC Liverpool im Messepokal mit 0:8. Für Sing eine “Schande für den deutschen Fußball”.

** Abschlusstraining vor dem Ligaspiel gegen Karlsruher SC am 11.11.1967.


Herzlichen Dank an Siegfried Nagelstutz, der uns aus seiner beeindruckenden Sammlung alte Zeitungsartikel aus den Jahren 1964-1968 für die Recherche zur Verfügung gestellt hat:
www.tsv-1860-museum.de

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Dr. Klothilde Rumpelschtilz
Leser

Unglaubliches Interview von Patzke auf DB24.

Er der sich bestechen hat lassen, redet über Geld als sei es Spielgeld.

….komme aus dem kopfschütteln gar nicht mehr raus…..unwürdig für einen Löwen.