Auch in Deutschland bieten viele Vereine Kendo Training an. Erfahre hier mehr zu den Grundlagen des japanischen Fechtens sowie den Vorteilen für Fitness, Konzentration und Selbstverteidigung.

Was ist Kendo?

Kendo, auch Kendō geschrieben, ist eine japanische Schwertkampfkunst, die sich aus den traditionellen Samurai-Techniken entwickelt hat. Trainiert wird mit einem Bambusschwert, dem Shinai, und einer Schutzrüstung, der Bōgu.

Das Ziel des Zweikampfes ist nicht nur, den Gegner zu treffen, sondern dies mit korrekter Technik, kontrollierter Bewegung, Treffgenauigkeit und Haltung zu tun. Im Kendō spielen außerdem Disziplin, Respekt und geistige Konzentration eine zentrale Rolle.

Wie entstand die Kampfsportart?

Kendō entwickelte sich aus den japanischen Schwertkampfschulen, dem sogenannten Kenjutsu. Diese Schulen entstanden vor allem im Mittelalter und wurden von den Samurai genutzt, um den Umgang mit dem Schwert für den bewaffneten Kampf zu trainieren. Dabei bildeten sich unterschiedliche Stilrichtungen mit eigenen Techniken und Lehrmethoden.

Ab dem 17. Jahrhundert, während der Edo-Zeit, wurde das Training zunehmend systematisiert. Weil Übungskämpfe mit scharfen Schwertern sehr gefährlich waren, setzte man zunächst Holzschwerter, sogenannte Bokken, ein. Später wurden Bambusschwerter, Shinai, und Schutzrüstungen, Bōgu, entwickelt. Dadurch konnten Kämpfer realistischer und zugleich sicherer gegeneinander üben. Als wichtiger Wegbereiter gilt unter anderem Naganuma Shirōzaemon Kunisato, der im 18. Jahrhundert moderne Formen von Shinai und Schutzrüstung weiterentwickelte.

Nach der Abschaffung des Samurai-Standes und der Modernisierung Japans in der Meiji-Zeit verlor der traditionelle Schwertkampf zunächst an gesellschaftlicher Bedeutung. Er wurde jedoch als Teil japanischer Kultur, Disziplin und körperlicher Erziehung neu interpretiert. 1895 entstand die Dai Nippon Butoku Kai, eine Organisation zur Förderung und Vereinheitlichung traditioneller Kampfkünste. In dieser Zeit setzte sich zunehmend die Bezeichnung Kendō – „Weg des Schwertes“ – durch.

Im 20. Jahrhundert wurden Ausrüstung, Techniken, Wettkampfregeln und Lehrformen weiter standardisiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Kendō in Japan vorübergehend verboten. 1952 wurde die All Japan Kendo Federation gegründet, die maßgeblich zur Wiederbelebung und internationalen Verbreitung des Kendō beitrug.

Heute ist Kendō keine praktische Kriegskunst mehr, sondern eine moderne japanische Budō-Kunst. Sie verbindet Schwerttechniken mit körperlichem Training, geistiger Konzentration, Disziplin, Respekt und persönlicher Entwicklung.

Die Kleidung und Ausrüstung im Kendo

Für Kendō braucht man je nach Trainingsstufe unterschiedliche Ausrüstung.

Anfänger

  • Shinai: Bambusschwert für Übungen und Kämpfe
  • Bokken oder Bokutō: Holzschwert für Formenübungen, etwa Kata
  • Kendōgi: Trainingsjacke
  • Hakama: traditionelle, weite Trainingshose
  • Tasche oder Hülle: zum sicheren Transport von Shinai und Bokken

Am Anfang stellt der Verein häufig Shinai oder Bokken leihweise zur Verfügung. Kendōgi und Hakama werden meist angeschafft, sobald die Grundlagen sitzen.

Für Fortgeschrittene

Die Schutzrüstung heißt Bōgu und besteht aus:

  • Men: Kopfschutz mit Gesichtsgitter und Schulterschutz
  • Kote: gepolsterte Handschuhe mit Schutz für Handgelenke und Unterarme
  • Dō: Brust- und Rumpfschutz
  • Tare: Schutz für Hüfte und Unterbauch

Zum Bōgu gehört außerdem häufig ein Zekken, ein Namensschild auf dem Men, sowie ein Himo, mit dem die Ausrüstung befestigt wird.

Zusätzlich wichtig

  • Kendō-Socken oder Zehenschutz können je nach Dojo erlaubt sein, sind aber nicht überall üblich.
  • Das Shinai muss regelmäßig auf Risse, Splitter und andere Schäden kontrolliert werden.
  • Die Ausrüstung sollte nach dem Training getrocknet, gepflegt und ordentlich aufbewahrt werden.

Für den Einstieg reichen normalerweise bequeme Sportkleidung und ein geliehenes Shinai. Welche Ausrüstung wann benötigt wird, entscheidet der jeweilige Verein oder die Lehrkraft.

Die wichtigsten Techniken im Kendō

Kendō-Techniken bestehen nicht nur aus dem Schlag selbst. Entscheidend sind auch Körperhaltung, Fußarbeit, Distanz, Timing, Kiai und Zanshin.

Grundhaltung: Chūdan-no-kamae

Die häufigste Ausgangsstellung ist Chūdan-no-kamae:

  • Das Shinai zeigt ungefähr auf den Hals oder die Kehle des Gegners.
  • Die rechte Hand befindet sich am Griffende, die linke Hand bildet den Schwerpunkt der Führung.
  • Die Füße stehen leicht versetzt.
  • Der Körper bleibt aufrecht und jederzeit bewegungsbereit.

Andere Haltungen wie Jōdan-no-kamae mit erhobenem Shinai werden ebenfalls verwendet, sind aber anspruchsvoller.

Fußarbeit: Ashi-sabaki

Die Fußarbeit ist die Grundlage fast jeder Kendō-Technik.

  • Suriashi: Gleitende Schritte, bei denen die Füße nahe am Boden bleiben.
  • Okuri-ashi: Der vordere Fuß bewegt sich zuerst, der hintere folgt.
  • Fumikomi-ashi: Ein kraftvoller Schritt nach vorn, häufig verbunden mit einem Treffer.
  • Ayumi-ashi: Normales Schreiten, das vor allem bei größeren Positionsveränderungen verwendet wird.

Besonders wichtig ist, dass der Körper trotz schneller Bewegung stabil bleibt.

Men

Men ist ein Schlag auf den Kopfschutz des Gegners. Er kann auf die Mitte des Kopfes oder auf eine seitliche Trefferfläche ausgeführt werden.

Ein sauberer Men-Schlag verbindet:

  • eine kontrollierte Bewegung des Shinai,
  • einen Schritt oder Fumikomi,
  • den Ausruf „Men!“,
  • korrekten Treffpunkt und ausreichende Reichweite,
  • sowie Zanshin nach dem Treffer.

Men gilt als eine der wichtigsten Grundtechniken im Kendō.

Kote

Bei Kote wird das Handgelenk beziehungsweise der Unterarm des Gegners getroffen, meist der rechte Kote.

Die Technik wird besonders wirksam, wenn der Gegner sein Shinai hebt oder seine Hände öffnet. Der Schlag muss präzise und kontrolliert erfolgen, da die Trefferfläche kleiner ist als beim Men.

Dō

Dō bezeichnet einen Schlag auf die seitliche Rumpfpartie der Rüstung. Der Schlag erfolgt diagonal und erfordert eine gute Koordination von Körperdrehung, Armen und Fußarbeit.

Dō ist technisch anspruchsvoll, weil der Kämpfer den gegnerischen Bereich seitlich erreichen muss, ohne die eigene Deckung zu verlieren.

Tsuki

Bei Tsuki wird die Kehle mit der Spitze des Shinai gestoßen. Diese Technik ist besonders gefährlich und wird deshalb in der Regel nur von entsprechend erfahrenen Kendōka ausgeführt.

Sie verlangt:

  • sehr genaue Kontrolle,
  • sichere Distanz,
  • gute Körperhaltung,
  • sowie besondere Rücksicht auf den Trainingspartner.

Suburi

Suburi sind wiederholte Grundschläge ohne direkten Gegnerkontakt. Sie dienen dazu, Bewegungsabläufe, Kraftübertragung und Treffhöhe zu verbessern.

Typische Formen sind:

  • Men-Suburi,
  • Kote-Suburi,
  • Dō-Suburi,
  • große und kleine Schlagbewegungen.

Übungen aus der Bewegung

In Partnerübungen werden Grundtechniken mit Schritten und festgelegten Abläufen verbunden. Dazu gehören etwa:

  • Kirikaeshi: eine Übung mit wiederholten Men-Schlägen und seitlichen Schlägen;
  • Kihon-waza: grundlegende Schlagtechniken;
  • Uchikomi-geiko: wiederholtes Angreifen eines Partners;
  • Kakari-geiko: intensives, entschlossenes Angriffstraining.

Diese Übungen verbessern Technik, Ausdauer, Rhythmus und Entschlossenheit.

Angriffstechniken: Debana, Nuki und Kaeshi

Fortgeschrittene Techniken beruhen stark auf dem richtigen Zeitpunkt:

  • Debana-waza: Man trifft den Gegner in dem Moment, in dem er gerade zum Angriff ansetzt.
  • Nuki-waza: Man weicht einem gegnerischen Schlag aus und trifft anschließend die frei gewordene Trefferfläche.
  • Kaeshi-waza: Man nimmt den gegnerischen Schlag mit dem Shinai auf, lenkt ihn ab und kontert sofort.
  • Harai-waza: Man öffnet die gegnerische Deckung, indem man das Shinai kontrolliert zur Seite lenkt.

Maai, Kiai und Zanshin

Diese drei Elemente sind für die Wirksamkeit jeder Technik entscheidend:

  • Maai: die richtige Distanz zum Gegner;
  • Kiai: der kraftvolle Ausruf und die geistige Entschlossenheit;
  • Zanshin: die aufmerksame Haltung nach dem Treffer, bei der man weiterhin bereit bleibt.

Ein Treffer zählt deshalb nicht allein wegen des Kontakts. Erst das Zusammenspiel aus korrekter Technik, passendem Timing, Kiai, Körperhaltung und Zanshin macht ihn zu einem möglichen gültigen Punkt.

Die wichtigsten Regeln im Kendo

kendo mit hg

Die wichtigsten Regeln im Kendō betreffen sowohl den Kampf als auch den respektvollen Umgang miteinander.

Im Kampf

  • Gültige Trefferflächen: Gewertet werden Treffer auf:
    • Men (Kopf)
    • Kote (Unterarm beziehungsweise Handgelenk)
    • Dō (Rumpf)
    • Tsuki (Kehle, meist nur für fortgeschrittene Kämpfer)
  • Ein Treffer zählt nur vollständig: Ein gültiger Treffer, der Yūkō-datotsu, erfordert unter anderem:
    • die richtige Trefferfläche,
    • einen korrekten Auftreffwinkel,
    • ausreichende Kraft und Kontrolle,
    • eine passende Körperhaltung,
    • einen präzisen Schlag mit dem richtigen Teil des Shinai,
    • einen entschlossenen Ausruf, den Kiai,
    • und Zanshin, also die aufmerksame Haltung nach dem Treffer.
  • Nicht jeder Kontakt ist ein Punkt: Ein bloßes Berühren mit dem Shinai reicht nicht aus. Technik, Timing, Haltung und Entschlossenheit müssen zusammenpassen.
  • Punktesystem: In einem klassischen Wettkampf gewinnt, wer zuerst zwei gültige Punkte erzielt. Je nach Turnier gelten unterschiedliche Zeit- und Verlängerungsregeln.
  • Sicherheitsabstand und Kontrolle: Kämpfer dürfen nicht unkontrolliert schlagen, schieben oder gefährlich in den Gegner hineinlaufen. Absichtliches Fehlverhalten kann bestraft werden.
  • Shinai-Regeln: Das Bambusschwert muss den vorgeschriebenen Maßen und Sicherheitsanforderungen entsprechen. Beschädigte Shinai dürfen nicht verwendet werden.

Kendō bewertet nicht einfach die Anzahl der Berührungen. Ein Punkt entsteht aus dem Zusammenspiel von korrekter Technik, richtigem Zeitpunkt, angemessener Distanz, Kiai, Körperhaltung und Zanshin. Darum kann ein kräftiger Kontakt ohne saubere Ausführung ungültig sein, während ein präziser und kontrollierter Treffer als Punkt zählt. Details können je nach Verband, Altersklasse und Turnierordnung abweichen.

Etikette und Verhalten

  • Vor und nach dem Training sowie vor und nach dem Kampf verbeugt man sich.
  • Der Gegner wird respektvoll behandelt; Provokationen und übertriebene Siegesgesten sind unangebracht.
  • Ausrüstung und Trainingsort werden sorgfältig und sauber gehalten.
  • Anweisungen der Lehrkraft und der Kampfrichter werden befolgt.
  • Während des Trainings gelten Disziplin, Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme.
  • Man greift den Gegner nicht unkontrolliert an und unterbricht den Kampf bei Gefahr.

Die genauen Wettkampfbestimmungen können je nach Verband und Turnier leicht variieren.

Weitere wichtige Regeln

Ablauf eines Wettkampfs

  • Der Kampf findet auf einer quadratischen Fläche, dem Shiai-jō, statt.
  • Die Kämpfer beginnen und beenden den Kampf mit einer formellen Verbeugung.
  • Vor dem Start nehmen sie die vorgeschriebene Grundhaltung, Chūdan-no-kamae, ein.
  • Der Kampf beginnt und endet erst auf das Kommando des Hauptkampfrichters: Hajime beziehungsweise Yame.
  • In der Regel gewinnt, wer zuerst zwei Punkte erzielt. Wird nur ein Punkt erzielt, kann der Kämpfer mit dem höheren Punktestand gewinnen, wenn die Kampfzeit abläuft.
  • Bei Gleichstand kann eine Verlängerung, Enchō, stattfinden. Dabei entscheidet normalerweise der nächste gültige Punkt.

Aufgaben der Kampfrichter

  • Üblicherweise stehen drei Kampfrichter am Rand der Kampffläche.
  • Ein Punkt wird angezeigt, wenn mindestens zwei Kampfrichter die entsprechende Fahne heben.
  • Die Kampfrichter achten auf gültige Treffer, Regelverstöße und die Sicherheit der Kämpfer.
  • Ihre Entscheidungen werden respektiert und nicht lautstark kommentiert.

Regelverstöße

Ein Verstoß kann mit einer Verwarnung beziehungsweise einem Hansoku geahndet werden. Dazu gehören beispielsweise:

  • absichtliches Verlassen der Kampffläche,
  • gefährliches oder rücksichtsloses Verhalten,
  • Festhalten oder Stoßen ohne zulässige Technik,
  • absichtliches Verzögern des Kampfes,
  • unerlaubtes Berühren oder Manipulieren der Ausrüstung,
  • das Fallenlassen des Shinai,
  • unsportliches Verhalten.

Zwei Verwarnungen führen normalerweise zu einem Punkt für den Gegner. Die genaue Anwendung hängt von der jeweiligen Wettkampfordnung ab.

Umgang mit dem Shinai

  • Das Shinai darf nur mit kontrollierten und regelgerechten Bewegungen eingesetzt werden.
  • Schläge mit dem Griff, der Spitze oder einer ungeeigneten Stelle des Shinai zählen nicht.
  • Ein beschädigtes Shinai muss sofort ausgetauscht werden.
  • Das Shinai darf nicht absichtlich weggeworfen oder benutzt werden, um den Gegner zu gefährden.
  • Fällt das Shinai zu Boden, kann dies als Regelverstoß gewertet werden.

Verhalten während des Kampfes

  • Der Kämpfer bleibt aufmerksam und reagiert kontrolliert auf die Bewegungen des Gegners.
  • Nach einem Treffer wird der Kampf nicht eigenmächtig fortgesetzt oder gefeiert. Man wartet auf das Signal der Kampfrichter.
  • Der Gegner darf nicht verspottet, provoziert oder absichtlich verletzt werden.
  • Ein Treffer soll mit Entschlossenheit ausgeführt werden, aber niemals aus Wut oder Kontrollverlust.
  • Auch bei Erschöpfung bleiben Haltung, Konzentration und Respekt erhalten.

Was sind die Vor- und Nachteile von Kendo im Vergleich zu ähnlichen Sportarten?

Kendō ist nicht grundsätzlich besser als Fechten oder Stockkampf. Die Vorteile hängen davon ab, was du suchst. Kendo eignet sich besonders für Menschen, die intensiven Zweikampf, klare Regeln, japanische Tradition und mentale Disziplin verbinden möchten. Für reine Beweglichkeit ist Fechten oft passender, für ein breiteres Waffenspektrum oder Selbstverteidigungsbezug eher ein geeignetes Stockkampfsystem.

AspektVorteil von Kendō
GanzkörpertrainingKendo trainiert Beine, Rumpf, Schultern, Arme und Ausdauer. Die schnellen Vorwärtsbewegungen fördern außerdem Explosivität und Koordination.
Geistige KonzentrationDurch Kiai, Zanshin und das Arbeiten unter hohem Druck werden Aufmerksamkeit, Reaktionsfähigkeit und mentale Belastbarkeit geschult.
Realistisches TimingWie beim Fechten kommt es stark auf Distanz, Tempo und den richtigen Moment an. Ein bloßer Kontakt reicht nicht aus.
Sicheres VollkontakttrainingSchutzrüstung und Shinai ermöglichen intensive Trefferübungen, ohne mit scharfen Waffen zu trainieren.
Klare Struktur und EtiketteVerbeugungen, feste Abläufe und der respektvolle Umgang mit dem Gegner sind feste Bestandteile des Trainings.
Tradition und persönliche EntwicklungKendō verbindet sportliches Training mit japanischer Budō-Tradition. Fortschritt wird nicht nur an Siegen, sondern auch an Haltung, Disziplin und Technik gemessen.
Langfristige AusübungDie Techniken lassen sich über viele Jahre weiterentwickeln. Erfahrung, Timing und Präzision können teilweise körperliche Nachteile ausgleichen.

Im Vergleich zum Fechten

Fechten ist meist schneller, beweglicher und stärker auf Beinarbeit, Winkel sowie taktische Einzelaktionen ausgerichtet. Kendō arbeitet dagegen mit größeren, entschlosseneren Bewegungen, kräftigem Körpereinsatz und einem ausgeprägten Ritual- und Haltungssystem. Wer traditionelles Training und intensive Zweikämpfe sucht, findet im Kendō möglicherweise mehr Tiefe; wer maximale Beweglichkeit und sportlich-technische Variation bevorzugt, könnte Fechten attraktiver finden.

Im Vergleich zu Stockkampf

„Stockkampf“ umfasst viele verschiedene Systeme, etwa Arnis, Escrima, Kali oder historische Stockkampfkünste. Diese können stärker auf unterschiedliche Distanzen, mehrere Waffen, Entwaffnungen oder Selbstverteidigung ausgerichtet sein. Kendō bietet dafür ein besonders einheitliches Regelwerk, eine standardisierte Ausrüstung und ein sehr kontrolliertes Wettkampfsystem. Es ist daher weniger auf praktische Selbstverteidigung mit Alltagsgegenständen ausgelegt.

Mögliche Nachteile von Kendō

Kendō kann körperlich fordernd sein, besonders für Knie, Füße und Achillessehnen. Die Ausrüstung ist vergleichsweise teuer, und die ersten Fortschritte erfordern Geduld, weil Haltung, Fußarbeit und Schlagtechnik genau gelernt werden müssen. Außerdem vermittelt Kendō keine umfassende Selbstverteidigung gegen moderne Waffen oder mehrere Angreifer.

Eignet sich Kendo zur Selbstverteidigung?

Kendoka beim Training

Kendō eignet sich nur eingeschränkt zur Selbstverteidigung. Es trainiert zwar Fähigkeiten, die hilfreich sein können, wie

  • schnelle Reaktionen und gutes Distanzgefühl,
  • Beweglichkeit, Koordination und Ausdauer,
  • Konzentration unter Druck,
  • entschlossenes Handeln und körperliche Präsenz,

aber der direkte Transfer auf reale Situationen ist sehr begrenzt, zumal man in Alltagssituationen kein Schwert mit sich führt.

Nachteile von Kendo gegenüber Techniken für die Selbstverteidigung

Im Kendō kämpft man nach festen Regeln, trägt eine Rüstung und übt meist gegen einen einzelnen, bewaffneten Gegner. Reale Konflikte können dagegen überraschend entstehen und unübersichtlich sein, auch mit mehreren Personen oder mit Waffen wie Messern. Kendō vermittelt außerdem normalerweise keine systematische Abwehr von Schlägen, Griffen, Würfen oder Messerangriffen.

Für Selbstschutz sind zusätzlich Gefahrenvermeidung, Deeskalation, Fluchtverhalten und das frühzeitige Holen von Hilfe besonders wichtig. Wenn Selbstverteidigung dein Hauptziel ist, solltest du einen seriösen Kurs wählen, der realistische Szenarien, rechtliche Grundlagen und verhältnismäßiges Handeln einbezieht oder wähle eine Sportart wie Krav Maga, die speziell für die Selbstverteidigung entwickelt wurde. Kendō kann dazu eine gute Ergänzung sein, ersetzt ein Selbstverteidigungtraining aber nicht. Hier findest du eine Übersicht mit den wichtigsten Kampfsportarten, falls du eine Entscheidungshilfe brauchst.

  1. Was ist Kendō?

    Kendō ist eine japanische Budō-Kunst, die aus traditionellen Schwertkampftechniken der Samurai hervorgegangen ist. Trainiert wird mit einem Bambusschwert, dem Shinai, und einer Schutzrüstung. Im Mittelpunkt stehen Technik, Disziplin und Respekt.

  2. Welche Ausrüstung wird im Kendō verwendet?

    Zur Grundausstattung gehören Shinai, Kendōgi und Hakama. Fortgeschrittene tragen zusätzlich die Schutzrüstung Bōgu mit Men, Kote, Dō und Tare. Für Formenübungen wird außerdem ein Holzschwert, das Bokken, verwendet.

  3. Welche Treffer zählen im Kendō?

    Gültige Treffer werden auf Men, Kote und Dō erzielt. Auch ein Stoß zur Kehle, Tsuki genannt, kann zählen. Voraussetzung sind korrekte Technik, passende Distanz, ein kräftiger Kiai, gute Körperhaltung und Zanshin nach dem Treffer.

  4. Ist Kendo für Anfänger geeignet?

    Kendō kann ohne Vorkenntnisse begonnen werden. Zu Beginn stehen Körperhaltung, Fußarbeit, Shinai-Führung und einfache Schlagbewegungen im Vordergrund. Die Schutzrüstung wird meist erst nach einer Einführungsphase und ausreichender technischer Sicherheit getragen.

  5. Wie anstrengend ist Kendo?

    Die Sportart ist körperlich anspruchsvoll und verbindet Ausdauer, Koordination und Schnelligkeit. Besonders Beine, Rumpf und Schultern werden beansprucht. Durch intensive Übungsformen steigt die Belastung schrittweise mit dem Trainingsfortschritt.

  6. Gibt es im Kendō Wettkämpfe?

    Ja, es gibt im Einzel- und Mannschaftswettbewerbe. In einem klassischen Kampf gewinnt meist, wer zuerst zwei gültige Punkte erzielt. Drei Kampfrichter bewerten Treffer und Regelverstöße nach festgelegten Wettkampfbestimmungen.

  7. Ist Kendō eine Form der Selbstverteidigung?

    Kendo vermittelt Reaktionsfähigkeit, Distanzgefühl, Konzentration und entschlossenes Handeln. Der direkte Nutzen für die Selbstverteidigung ist jedoch begrenzt, da mit Shinai, Rüstung und festen Regeln trainiert wird. Flucht und Deeskalation bleiben besonders wichtig.

  8. Was bedeuten Kiai und Zanshin?

    Kiai ist der kraftvolle Ausruf, der einen Angriff begleitet und Entschlossenheit ausdrückt. Zanshin bezeichnet die aufmerksame Haltung nach einer Technik. Beide Elemente zeigen, dass ein Treffer nicht nur körperlich, sondern auch geistig ausgeführt wurde.

  9. Wie unterscheidet sich Kendo vom Fechten?

    Fechten legt besonderen Wert auf schnelle Beinarbeit, präzise Stöße und flexible Winkel. Kendō arbeitet stärker mit entschlossenen Vorwärtsbewegungen, klaren Trefferflächen, kraftvollen Schlägen und traditionellen Ritualen. Beide Sportarten trainieren Timing und Distanzgefühl.

  10. Wie oft sollte Kendō trainiert werden?

    Für erste Fortschritte ist regelmäßiges Training entscheidend. Ein bis zwei Einheiten pro Woche ermöglichen den Aufbau grundlegender Bewegungen. Häufigeres Training verbessert Technik, Ausdauer und Timing schneller. Erholung und eine sorgfältige Ausrüstungskontrolle bleiben wichtig.

Maike Kurz

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