Wer ist der Milliardär und welche Chancen hat 1860?

Klar sollte jedem sein: Die Löwen sind tief getroffen. Die Wunde, die Investor Hasan Ismaik gerissen hat, ist tief. Bei den Fans herrscht Uneinigkeit. Das Präsidium wurde zermürbt. Sponsoren beleidigt. Spieler und Funktionäre wurden zu Schachfiguren eines Investors. Millionen wurden in den Sand gesetzt. “Investor” wurde fast schon zum Unwort der vergangenen Saison. Jetzt betritt ein neuer Mann die Bühne der Münchner Löwen. Obwohl er noch nicht offiziell eingestiegen ist und bislang nur Interesse bekundet hat, ist er schon längst Teil dieses Schauspiels. Ein Mann, der bislang als seriöser Geschäftsmann und Milliardär kaum in der Öffentlichkeit stand, sondern auf eine gewisse bescheidene Art seine Unternehmen geführt hat, ist nun in aller Munde: Gerhard Mey.

Ich möchte den Fans unseres wunderbaren Vereins einen kleinen Einblick geben. Erläutern, wer Gerhard Mey ist. Ich als Fan habe versucht, einen möglichst unabhängigen Eindruck zu gewinnen. Die Presse hat ja einiges bereits geschrieben. Der Blick geht mir jedoch nicht tief genug. Wer ist dieser Mey?

Webasto – die Firma von Gerhard Mey

Um den möglichen Investor kennenzulernen, lohnt sich ein genauer Blick auf seine Arbeit als Unternehmer. Gerhard Mey gehören 50 Prozent der Firma Webasto. Der Weltmarktführer für Autodächer, Cabrio-Systeme und Klimaanlagen. Webasto ist in Stockdorf bei München. Das liegt im Landkreis Starnberg und hat einen Jahresumsatz von 3,2 Milliarden Euro. Der Umsatz soll mittelfristig auf fünf Milliarden gesteigert werden, sagte die Firma noch 2014 dem Handelsblatt. Damals lag der Umsatz bei 2,5 Milliarden Euro. Sie sind also auf einem guten Weg.

Ein sehr altes Unternehmen

Bereits 1901 entwickelte Wilhelm Baier, ein Vorfahre von Gerhard Mey, Zubehörteile für die mobile Industrie. Zuerst waren es Fahrradhersteller. Angefangen hat mit Webasto alles in Esslingen am Neckar. Wobei die Firma damals noch nicht Webasto hieß. 1908 zog Wilhelm Baier jedoch nach Stockdorf um. Der Standort in Esslingen war ihm zu klein.

1932 rückte das Auto in den Mittelpunkt. Wilhelm Baier konstruierte ein Sommerfaltdach. Mit wenigen Handgriffen konnte man, je nach Wetter, dieses öffnen. Und auch die Soldaten des Zweiten Weltkrieges profitieren von Erfindungen des Tüftlers. Die sogenannte “Flüstertüte” war eine Frischluftheizung, die in Autos verbaut wurden. Für die Einsätze mit Fahrzeugen eine wesentliche Erneuerung.

Später übernahm Walter Baier, noch später dann Werner Baier die Firma. 1970 wurde nach Werner Baier die Firma auch benannt. Werner Baier Stockdorf AG Fahrzeugtechnik. Kurz: Webasto. Werner Baier ist im Übrigen der Onkel von Gerhard Mey. Beiden gehören 50 Prozent.

Webasto ist ein Hidden Champion

Webasto ist ein sogenannter Hidden Champion. Das heißt: Es ist eine Firma, die in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt ist, aber an der Spitze ihrer Branche steht. Oft mit unauffälligen Produkten, mit der eigentlich jeder in Berührung kommt, ohne es zu wissen. Eigentlich klar. Jeder weiß, wer sein Auto hergestellt hat. Aber wer weiß schon, wer das Schiebedach gebaut hat? Gerhard Mey gehört die Hälfte dieser Firma. Durch die Exporte nach China erlebt er und seine Firma einen großen Aufschwung. Gerhard Mey steht also wirtschaftlich auf sehr sicheren und soliden Beinen.

Mey – die Privatperson

Gerhard Mey war in der Liste der Top 500 der reichsten Deutschen im Jahr 2016 auf Platz 202. Durch den wirtschaftlichen Erfolg seiner Firma könnte er in diesem Jahr bereits unter die Top 200 gelangt sein. Aber hierzu gibt es noch keine Daten. Laut Presse wird er aktuell auf 650 Millionen geschätzt. Das entspricht übrigens dem Privatvermögen von Michael Schumacher. Das nur als Randnotiz.

Als Geschäftsmann ist er erfolgreich. Als Privatmann vermutlich nur in Stockdorf bekannt. Dort schätzt man das Unternehmen, das von Mitarbeitern übrigens gute Noten bekommt. Auf einem Forum für Bewertungen des Arbeitsklimas schneiden Mey und seine Firma gut ab. Mey wirkt nicht so, als würde er sich in die Öffentlichkeit drängen wollen. Man sieht ihn auf Bildern gerne im Bierzelt und auch bei Fußballspielen. Allerdings immer sehr bescheiden. Vollkommen anders als Ismaik. Zumindest aus meiner Sicht.

Der Einstieg bei 1860 – eine Chance

Steigt Gerhard Mey bei 1860 München ein? Die Initiative ging von ihm aus. Seit frühester Kindheit fühlt er eine Nähe zum Traditionsverein. Die wirkliche Nähe muss er meines Erachtens jedoch erst noch erlernen. 1860 ist kein einfacher Verein. Ob er will oder nicht: Er wird in der Öffentlichkeit stehen. Ob er das will? Es bleibt zu hoffen, denn ich sehe in ihm eine große Chance. Sechzig muss offen sein gegenüber einem neuen Investor. Zweifelsohne sind einige nun wieder kritisch. Unser bisheriger Investor hat verbrannte Erde hinterlassen, wieso sollen wir uns gleich auf einen neuen Geldgeber einlassen? Diese Frage kann ich für mich beantworten: Weil wir allgemein an der 50+1-Regel festhalten, aber dennoch offen gegenüber Investoren sein müssen. Sicherlich, einige werden sagen, dass wir aus der Vergangenheit nichts gelernt haben. Doch ich glaube, dass Investoren ein wesentlicher Bestandteil des deutschen Fußballs sein müssen. Mey ist eine Chance. Weil er solide auftritt. Weil er mit Bayern und unserer Kultur verwurzelt ist. Seine Familie ist dies seit 1908.

Gerhard Mey wird viel lernen müssen. Im Umgang mit dem Präsidium, mit den Medien und mit den Fans. Denn einfach nur investieren und sich dann komplett heraushalten, das geht nicht. Er muss einen gesunden Mittelweg finden. Er muss dem Präsidium klar machen, dass er ein professionelles Management verlangt. Der Grad zwischen sich zu viel einmischen und zu wenig, ist schmal. Auch im Hinblick der Worte in der Öffentlichkeit. Zweifelsohne möchte Gerhard Mey, wenn er tatsächlich investiert, nach oben. In die Bundesliga. Aber die Fans wollen keine leeren Versprechungen. Sie wollen im Moment keine Träumereien von der Champions League. Deshalb ist auch hier jede Aussage eine Gradwanderung. Die Fans wollen in den Ligen hinauf. Aber sie wollen kein Luftschloss. Ich traue Mey durchaus zu, dass er mit seiner bodenständigen Art dies hinbekommt.

Fans müssen offen sein

Verbrannte Erde. Das ist es, was wir im Moment vor uns haben. Und noch immer geistert Investor Hasan Ismaik über unserer Welt. Da ist es natürlich nicht so einfach, offen für neue Investoren zu sein. Alleine das Wort “Investor” muss erst einmal wieder gesunden. Aber ich denke, wir Fans sollten der Option Gerhard Mey offen gegenüber treten. Wir brauchen Investitionen. Und wir brauchen eine solide bayerische Antwort in Richtung Abu Dhabi.

Hinterlasse einen Kommentar

1 Kommentar auf "Ist Gerhard Mey die Zukunft der Löwen?"

Benachrichtige mich zu:
avatar
 
Foto und Bilder-Dateien
 
 
 
Audio und Video-Dateien
 
 
 
Andere Dateien
 
 
 
Sortiert nach:   neuste | älteste
trackback

[…] ist noch nicht allzu lange her, da schrieb ich einen Artikel über Gerhard Mey. Für mich war er zu dem Zeitpunkt und ist er auch noch heute eine große Chance für […]

wpDiscuz