“Informieren wir uns nur, diskutieren wir bereits mit, oder sind wir schon beim hetzen?”

Als in München ein Amokläufer im Olympiaeinkaufszentrum für Angst und Schrecken gesorgt hat, da liefen die sozialen Netzwerke heiß. Jeder wusste etwas, jeder vermutete etwas und jeder hatte irgendwo oder irgendwie etwas gesehen. Panik brach aus. Von einem terroristischen Akt war die Rede und plötzlich sah man überall Täter oder hörte sogar Explosionen. Das soziale Netzwerk zeigte auf erschreckende Weise, wie gut man es für Panikmache nutzen kann. In einer Zeit, in der viele Menschen einen großen Teil ihres Lebens eigentlich nur virtuell verbringen, möchte jeder mitreden. Ungefiltert werden Videos und Bilder verbreitet. Das Internet: Perfekt, um eine ganze Gesellschaft in Angst und Schrecken zu versetzen. Im Minutentakt wird gepostet. Ein Facebook-User sah mindestens drei Schützen, die in der Innenstadt unterwegs seien, am Olympiazentrum habe ein Täter “Allahu Akbar” gerufen. Bilder von blutüberströmten Leichen werden geteilt. Bilder die eigentlich schon viele Jahre alt sind. Und auch ein Fahndungsfoto muss herhalten: Von einem Mann, der nie in München war und auch zu diesem Zeitpunkt nicht in München ist. Die Folgen: In der Innenstadt fliehen die Menschen. Weit weg vom eigentlichen Tatort. Aber die sozialen Netzwerke haben für Panik gesorgt. Die Polizei reagiert mit einem Großaufgebot.

Der Amoklauf in München hat uns klar gemacht: So richtig umgehen können wir mit dem sozialen Netzwerk nicht. Eigentlich könnte es uns als perfekte Informationsquelle dienen. Wenn die Nutzer zum Beispiel vor allem die Mitteilungen der Polizei geteilt hätten. Die rief über das soziale Netzwerk zur Besonnenheit auf. Die Polizei bittet die Bevölkerung, keine Videos oder Bilder zu veröffentlichen. Doch es bringt nichts.

Ein extremes Beispiel, zweifelsohne. Aber es verdeutlicht relativ gut, wohin uns das soziale Netzwerk auch führen kann: in eine vollkommen unkontrollierbare, manipulative Flut an Falschmeldungen. Der Amoklauf von München ist ein heftiges Beispiel, wie soziale Netzwerke uns verunsichern und sogar in Panik versetzen können.

“Manch einer tippt schneller, als er denkt.”

Wir diskutieren, teilen, liken. Und das kann nicht nur in solch extremen Ausnahmesituationen Folgen für unsere Gesellschaft haben. Auch im Hinblick des TSV 1860 München müssen wir uns immer wieder fragen: Wie ist unser Nutzungsverhalten im sozialen Netzwerk? Informieren wir uns “nur”, diskutieren wir bereits mit oder sind wir schon beim Hetzen? Spricht man im sozialen Netzwerk über den Traditionsverein, dann geht es nicht um große Massenpanik und um Tote und Verletzte. Aber es sind die gleichen Menschen. Es sind die gleichen Nutzer: Es sind Münchner im sozialen Netzwerk. Manch einer tippt schneller, als er denkt.

Sind wir wirklich in der Lage, das soziale Netzwerk für uns sinnvoll zu nutzen? Informieren wir uns tatsächlich über unseren Traditionsverein, tauschen unsere Erfahrungen aus, bieten Hilfe an, oder sind wir bereits dabei, jeden Mist zu politisieren? Es ist erstaunlich wie viel Hetze, Verleumdungen und persönliche Angriffe im Internet zu finden sind, wenn es um die Fans des TSV 1860 München geht. Gegenüber Hasan Ismaik genauso wie gegenüber Robert Reisinger oder Dr. Markus Drees. Ganz ehrlich, da kommt ein Bericht über Fußball und drunter sind 50 Prozent der Kommentare mit einem politischen Seitenhieb in eine Richtung. Das macht keinen Spaß.

Meinungsfreiheit ist ein wichtiges Gut. Aber man muss damit auch umgehen können. Eigentlich bräuchten wir ein extra Schulfach für den Umgang mit sozialen Netzwerken. Eigentlich bräuchten wir eine eigene Ethik und ein gewisses Moralverständnis für die soziale Internetwelt. Viele vergessen, dass es keine absolute Anonymität im Netz gibt. Aber mancher Blogger, Forenbetreiber oder Administrator bietet für anonyme Hetze sogar regelrecht eine Plattform. Nein, das darf nicht sein. Dagegen müssen wir uns wehren.

Die Fans des TSV 1860 München müssen wieder mehr zueinander finden. Im Stadion, auf der Straße, in der Stadt und eben auch im sozialen Netzwerk. Wir müssen Themen sachlich angehen. Auch wenn unsere Emotionen manchmal hochkochen. Das gehört zum Fußball dazu. Manipulieren wollen wir uns nicht lassen.

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1 Kommentar auf "Das Internet: Fluch und Segen für 1860"

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Hombre248
Mitglied

Sehr guter Artikel, Fluch und Segen…..

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