Karsten Wettberg, ein Fußballtrainer, der bei über 15 Fußballvereinen als Trainer aktiv war und dennoch mit dem TSV 1860 am stärksten in Verbindung gebracht wird. Im Grunde war er nur 2 Jahre Trainer bei den Löwen, jedoch wurde er durch seine Verdienste in der kurzen Zeit zum “König von Giesing”… Aber der Reihe nach.

In der Saison 1989/90 befand sich der TSV 1860, nachdem dem Verein wegen Überschuldung im Sommer 1982 die Lizenz entzogen wurde, immer noch in der Bayernliga. Zu dem Zeitpunkt war Wettberg Trainer bei der SpVgg Unterhaching, mit der er aus der Bayernliga in die 2. Liga aufstieg und direkt wieder als Tabellenletzter zurück in die Bayernliga abstieg.

Der TSV 1860 München befand sich in der Saison in einer schweren Lage. Viele wichtige Spieler verließen vor dem Saisonbeginn den Verein, so dass an 8 Positionen verändert werden musste. Die Vorgabe für den damaligen Trainer Willi Bierofka war klar: Aufstieg. Und obwohl es anfangs noch gut aussah, hielt sich der FC Schweinfurt 05 fest an der Tabellenspitze. Und nicht nur das. Die von Werner Lorant trainierten Unterfranken sicherten sich im Spiel gegen den TSV 1860 mit einem 3:0 die Herbstmeisterschaft. Dazu kam noch eine große Verletzungsserie in den Wintermonaten und Ausfall des kompletten Sturms. Bei einem Rückstand von 7 Punkten auf die Tabellenspitze entschied der Verein, frühzeitig die Weichen für die darauffolgende Saison zu stellen und verpflichteten Karsten Wettberg, der im Sommer den Löwen-Coach Willi Bierofka ablösen sollte. Die Unterhachinger fanden das jedoch nicht sehr lustig und entließen Wettberg wenige Stunden danach. So übernahm Wettberg bereits am 21. Februar 1990 die Löwenmannschaft und Bierofka durfte gehen.

“Krönung einer jeden Trainerlaufbahn”

Karsten Wettberg
Foto: www.karsten-wettberg.de

Bereits als Kind war Wettberg ein Löwen-Fan und für ihn war der Trainerposten die Erfüllung aller Träume. Seine Begeisterung für den TSV 1860 München und seinen grenzenlosen Optimismus wusste er auf Spieler und Fans zu übertragen, was ihn zum Publikumsliebling machte. In der Tat konnten die Löwen – trotz des Verletzungspechs – eine beeindruckende Aufholjagd hinlegen. Keines der 11 Punktspiele gingen unter seiner Regie verloren, Sechzig war zurück im Titelrennen und Wettberg arbeitete fieberhaft auf das “Endspiel” gegen den FC Schweinfurt hin.

Und dieses Spiel hatte es in sich. Das Grünwalder Stadion war bis zum letzten Platz ausverkauft. 32000 Zuschauer wollten sich das Spektakel bei strömendem Regen nicht entgehen lassen. Das Spiel entwickelte sich zu einem Drama … Vor der Halbzeitpause gingen die Löwen per Foulelfmeter mit 1:0 in Führung und übernahmen die Tabellenspitze. In der 63. Minute glich Schweinfurt aus, nachdem das Spiel davor minutenlang unterbrochen war, weil Schweinfurts Stürmer Albert mit Schien- und Wadenbeinbruch vom Platz getragen wurde. In der 71. Minute dann die Führung durch den Hackentreffer vom “Magic” Kneißl und der Ausgleich Sekunden später. Bereits 3 Minuten danach gingen die Gäste in Führung und obwohl die Löwen noch den Ausgleich zum 3:3 schafften, war die Meisterschaft verloren. Die Löwen und ihr Trainer Wettberg wurden jedoch von den Fans wie Helden gefeiert. Die Polizei lieferte sich nach dem Spiel eine “Schlacht” mit den Löwenfans, bei der auch Unschuldige verletzt und die Spieler Roland Kneißl und Bernhard Meisl von Polizeihunden gebissen wurden.

“Nie mehr Bayernliga”

In die Saison 1990/91 stiegen die Löwen mit viel Geld vom neuen Sponsor “Hacker-Pschorr” und 13 Neuzugängen ein und dennoch sah sie keiner als Favoriten. Unterhaching war es, die groß gehandelt wurden. Doch Wettberg kommentierte die Prognosen mit einem kühlen “Ein Löwe kennt keine Angst” und ließ die Löwen auf dem Spielfeld antworten. Und das taten sie. Sie blieben bis zum letzten Spieltag ungeschlagen und qualifizierten sich für die Aufstiegsrunde, in der sie sich gegen starke Gegner Hessen Kassel, Borussia Neunkirchen und 1. FC Pforzheim durchsetzen mussten.

Karsten Wettberg
Interview in Unterhosen mit Edgar Endres, nachdem ihm die Fans die Klamotten vom Leib gerissen haben, als der Aufstieg feststand.

Die Spiele wurden zu Publikumsmagneten und tausende Löwen-Fans pilgerten mit. Die ersten 3 Begegnungen gingen jeweils mit 1:1 aus. Die Löwen waren zwar immer noch ungeschlagen, doch die Zeichen standen eher auf ein weiteres Jahr Bayernliga. Im Rückspiel gegen Pforzheim platzte dann der Knoten und der TSV 1860 übernahm mit einem 4:1-Sieg die Tabellenführung. Im 5. Spiel in Kassel brachen bei den 5000 mitgereisten Löwen-Fans nach dem 2:0-Sieg alle Dämme und das Auestadion verwandelte sich in eine Partymeile. Spieler und Fans feierten gemeinsam auf dem Spielfeld, Alkohol und Tränen flossen im Überfluss. Auch die Fans in München, die die Radioübertragung in Kneipen und Biergärten verfolgt haben, feierten noch lange in die Nacht hinein.

Natürlich war auch das letzte Spiel zu Hause gegen Borussia Neunkirchen ausverkauft. 32000 Zuschauer feierten bereits vor dem Anpfiff und die Mannschaft zog mit. Löwen gewannen mit 2:0. “Nie mehr Bayernliga” hallte durch Giesings Höhen. 9 Jahre nach dem Lizenzentzug war der TSV 1860 von München dank Karsten Wettberg zurück in der Profiliga.

Sturz des “Königs von Giesing”

KArsten Wettberg
Feier in der Kabine mit Champagner nach neun Jahren Bayernliga.

Im folgenden Jahr wurde Wettberg kurz vor Saisonende entlassen, weil die Mannschaft auf einem Abstiegsplatz stand und in den Relegationsspielen der Abstieg drohte. Doch das Zerwürfnis zwischen dem Trainer und dem damaligen Präsidium begann schon viel früher. Für die Präsidentin Lilo Knecht und ihre Gefolgschaft war der kleine Karsten zu groß geworden. Bereits bei der Aufstiegsfeier brachten die Präsidiumsmitglieder andere Trainernamen ins Gespräch, was an Wettberg nicht vorbei ging. Auch die neuen Vizepräsidenten Karl-Heinz Wildmoser und Fredi Heiß konnten die Wogen nicht mehr glätten oder die Intrigen im Verein stoppen. Die Spaltung übertrug sich auch auf die Mannschaft und der Weg zurück in die Bayernliga war geebnet.

Karsten Wettberg blieb dem Verein und den Löwen bis heute treu. Er setzt sich engagiert für den Erhalt des Grünwalder Stadions in München ein und unterstützt die Freunde des Sechz’gerstadions. Außerdem war er zwischen dem 28. März 2007 und dem 26. Mai 2008 Vizepräsident vom TSV 1860 München und wurde auch regelmäßig als Scout eingesetzt. Heute noch geht er als Fan zu den Löwenspielen. Nach dem Motto “Einmal Löwe, immer Löwe”.

Heute feiert Karsten Wettberg seinen 76. Geburtstag. Wir gratulieren von Herzen und wünschen ihm weiterhin eine gute Gesundheit und noch viele Jahre erfüllt mit Freude und Spaß an seinen Sechzigern.


Quellen: “Geschichte eines Traditionsvereins” von Claudius Mayer und “Die Löwen – Die Fußball-Geschichte des TSV München von 1860” von Hardy Grüne und Claus Melchior


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