In Giesing hängen seit dem Wochenende überall Zettel, die zum Protest gegen einen weiteren Ausbau des Grünwalder Stadions aufrufen. Anwohner sollen sich per Mail melden. „Jetzt wird es Zeit, sich zusammen zu tun und sich zu wehren!“, steht auf den Flugblättern, die man überall im Stadtteil aufgehängt hat.

„Vor einem Jahr erst wurden überraschend regelmäßige Großveranstaltungen mit 12.500 Zuschauern im Grünwalder Stadion angekündigt, ohne die Bedenken der Anwohner zu beachten“, schreibt der Verfasser. „Kurz darauf wurde im Schnellverfahren beschlossen, da sind jetzt 15.000 Zuschauer erlaubt sind“. Weiter steht im Text: „Mit der so genannten Salamitaktik wollen vergleichsweise kleine Gruppen peu á peu die Zuschauerkapazität auf Steuerkosten erhöhen lassen, bis die gewünschten 25.000 bis 30.000 Zuschauer ins Stadion dürfen“.

Bei der Stadt und dem Verein soll es sogar zu Bedrohungen und Nötigungen gekommen sein. Mit „So ist das halt in der Stadt“ oder „Dann zieh doch weg aufs Land“, wären die überwiegenden Reaktionen, „wenn man als Anwohner von seinen Sorgen und Problemen berichtet“.

Nicht bekannt ist, wer tatsächlich hinter der Aktion steckt.

 

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swaltl
Redakteur

Ganz ehrlich: Ich kann es durchaus verstehen dass es Protest von den Anwohnern gibt. Oft heißt es, dass das Stadion schon seit über 100 Jahren steht. Allerdings muss man eines zugeben: Das Stadion wurde von 2005 bis 2017 nur von den zweiten Mannschaften, der Frauenmannschaft von Bayern und den Jugendmannschaften genutzt. Wer in dieser Zeit neben das Stadion gezogen ist hat außer bei den beiden Amateurderbys kaum Lärm und sonstige Belästigung gehabt. Dass jemals wieder regelmäßig 12.500 oder 15.000 Zuschauer im Stadion sein würden war in der Zeit nun wirklich nicht absehbar.
Seit letztem Jahr gibt es nun 20 ausverkaufte Spiele im Jahr. Und 15.000 Menschen machen nun mal deutlich mehr Lärm als 100 – 1.000. Da hätte ich mich wahrscheinlich auch erstmal beschwert.

Allerdings ist der Protest auch eine Chance für Sechzig. Spätestens seitdem die Sanierung des Olympiastadions beschlossen wurde dürfte auch der Stadt klar sein dass es für Sechzig die nächsten Jahre keine andere Alternative gibt als das Grünwalder Stadion. Ich sehe die Chancen, dass das Stadion vollständig überdacht wird, durch den Protest sogar höher wie wenn es keine Beschwerden gäbe.

Alexander Schlegel
Leser

Das mit der Chance sehe ich auch so. Es gibt einfach keine Alternative dazu. Wo sollen wir denn sonst hin? Oly fällt aus – und sonst gibt es nichts. Für einen Neubau in irgendeinem trostlosen Industriegelände fehlt uns (für mich: zum Glück) das Geld und der Investor hat auch keines (mehr), da bin ich mir ziemlich sicher. Also, wohin?

Was in dem Zusammenhang auch für das Grünwalder spricht: man könnte diese Umbaumaßnahmen peu a peu bewerkstelligen, es muss ja nicht gleich alles auf einmal gemacht werden.

Alexander Schlegel
Leser

Man mag es drehen oder wenden, wie man mag, im Endeffekt gibt es nur eine befriedigende Lösung für die Situation: den Um- bzw. Ausbau des Grünwalder-Stadions. Denn es ist im Prinzip ziemlich wurscht, ob da jetzt 12.500, 15.000 oder 18.600 Löwen versammelt sind: ohne umfassende Lärmschutzmaßnahmen wird die Geschichte nicht befriedet werden können. Und sollte man einen großen Betrag in so einen Umbau investiert, kann man den Bereich auch gleich noch modernisieren bzw. – maßvoll – erweitern. Auch was den Zu- und Abgang von den öffentlichen Verkehrsmitteln angeht: da ließe sich sicherlich einiges untertunneln. Auch damit wird man es nicht jedem recht machen können, aber man nimmt dem Protest etwas den Wind aus den Segeln.

Übrigens: die neue Tonanlage im Stadion kann man meinetwegen gerne auch etwas zurückdrehen, die finde ich selbst im Stadion zu laut. Und ob man da jetzt ununterbrochen irgendwelche Lieder abspielen muss, lasse ich jetzt auch mal dahingestellt. Es ist ja schon irgendwie witzig: ein Hauptargument der Stadt gegen den Ausbau ist der Hinweis auf den Lärmschutz und selber integriert man beim erstbesten Umbau eine doppelt so laute Anlage wie vorher und weist auch noch ganz stolz darauf hin. Schon manchmal alles a bisserl seltsam … 😉

BruckbergerLoewe
Leser

Noch dazu steht die Tonanlage mitten im Sichtfeld, geht gar nicht !

Serkan
Leser

Die Urheber solcher Proteste können unterschiedlich motiviert sein. Anwohner, die tatsächlich etwas Ungutes erlebt haben. Deren Anliegen gilt es anzuhören und Lösungen dafür zu finden. Dahinter können sich aber auch Investoren verstecken, die ihre Maximalrendite gefährdet sehen, weil ein Fußballstadion ihr Investitionsobjekt weniger gewinnträchtig macht und die deshalb „Anwohnerproteste“ anzetteln.

HHeinz
Leser

Dann müssen irgendwann diese Anwohner aus der Deckung und dann kann man miteinander reden. Ob man dann Lösungen findet wird man sehen. Immerhin haben sie schonmal die Kehrmaschinen zur Kenntnis genommen.

tomandcherry
Leser

In der Artikel-Überschrift schreibt Ihr übrigens Grünwalder Station (also mit „t“ statt „d“)… 😉 Dass sich Bürger bzw. Anwohner in den Zeiten der „(a)sozialen Medien“ nicht gerne in die vorderste Reihe stellen, um ihren (un)berechtigten Forderungen Nachdruck zu verleihen, kann ich nachvollziehen. Wer möchte schon über „FB“ oder ähnliche Plattformen bedroht werden? Zudem sind heutzutage die persönlichen Daten von Mitbürgern sehr schnell veröffentlicht und es gibt leider viel zu viele „geistig Armselige“, die sich dann mit anderen Gleichgesinnten zusammenrotten und kriminelle Dinge anstellen. Generell kann ich meine Argumente der Vergangenheit noch x-mal wiederholen: – Wer in der Nähe des GWS wohnt, hat nach meiner Auffassung wesentlich gravierendere Belästigungen durch den dortigen Verkehrslärm (Kfz, Bus und Tram) zu akzeptieren, als ein paar Fußballspiele pro Monat, die mit An- und Abreise keine 5 Std. „Belästigung“ mit sich bringen. – Diese Münchner Bürger, die sich durch max. 1 Spiel pro Woche (bei einer Auslastung von 60 I und II, FCB II und FCB Damen) oder ca. 4 pro Monat (in den Sommer- und Winterpause-Monaten wird überhaupt nicht gespielt!) in ihrer Wohn- und Lebensqualität beeinträchtigt fühlen, wohnen – Überraschung! 😉 – in einer Millionenstadt in Deutschland. Dort herrscht nun mal keine Ruhe wie auf dem Land und selbst dort gibt’s „Lärmquellen“ unterschiedlichster Art (Kirchen-, Kuhglocken, Frösche im Teich, Vögel, Hofhunde, Hähne die Frühmorgens krähen…). Absolute Ruhe und keinerlei störende Geräuse wird’s evtl. in einer menschenleeren Wüste geben. Und selbst da bin ich mir nicht sicher. – Werden diese Mitbürger eigentlich auch bei geschlossenen Fenstern/Türen belästigt? Wenn nicht, dann könnte man mit ein bisschen gutem Willen in der Zeit, in der im GWS Spielbetrieb herrscht, die Fenster/Türen einfach schließen. Dann bliebe die ungeliebte Geräuschkulisse außerhalb der bewohnten vier Wände. – Dass das GWS in seiner derzeitigen Form keinerlei speziellen lärmmindernde Vorkehrungen besitzt, dürfte eigentlich jedem, der sich für dieses Thema interessiert, vollkommen klar sein. Also sollte man die unter den derzeitigen Gegebenheiten und in Hinblick auf einen – wenn auch zur Zeit schwer vorstellbaren… – möglichen Zweitliga-Aufstieg umsetzbaren Alternativen aufzeigen. Wäre z.B. eine Komplett-Überdachung der Zuschauerränge eine Option? Oder verstärkt sich dadurch der Lärmpegel sogar? Kann bei der Beschallung durch die Lautsprecher etwas optimiert werden? Ist die Belästigung durch die An- und Abreise der Fans so groß? Letzten Endes ist bei nahezu jedem Neu-/Umbau-Vorhaben mit Protesten seitens der „alteingessenen Anwohner“ zu rechnen. Das war schon immer so und wird sich vermutlich auch in hundert Jahren nicht ändern. Andererseits ist es halt auch nicht immer zu vermeiden, dass aufgrund der Veränderungen, die sich im Laufe von Jahren/Jahrzehnten innerhalb einer Gemeinde/Stadt beinahe zwangsläufig ergeben, jeder betroffene Bewohner mit dem Endergebnis glücklich sein wird. Ich persönlich – wohnhaft „auf dem Land“, aber früher ein „Stadterer“ – muss mich immer wundern, dass Leute, die seit x Jahren in einer Großstadt mit all‘ ihren Vor- und Nachteilen leben/arbeiten, grundsätzlich nur solche Veränderungen zu akzeptieren bereit sind, bei denen sie ganz persönlich lediglich Vorteile erlangen können oder – falls dies nicht der Fall sein sollte – anderen den Vorteil nicht vergönnen… Weiterlesen »

Tami Tes
Redakteur

… weil Du auf Froschgequacke kommst. Ich hatte mich mal für 5 Jahre in/nach Markt Indersdorf (Landkreis Dachau) verirrt. Ich habe es gehasst. Die Wohnung war neben 4 Fischweihern. Von April/Mai bis August/September war bei offenem Fenster an Schlaf nicht zu denken. Die machten so ein Lärm, dass ich mich nach dem Stadtlärm richtig sehnte.

Ich kann die Anwohner verstehen, die nicht amused sind, aber wie Du sagst, finde mal ein ruhiges Plätzchen in der Großstadt. Ich lebte jahrelang neben der Wies’n und musste 16 Tage am Stück jährlich den Lärm, die Pinklerei und Kotzerei und so manches mehr ertragen – von vormittags bis teilweise in die Morgenstunden hihein (Gesänge in Dauerschleife wie „eeeeh Baby – Uh – Ah – I wonna knoooooow, if you’ll be my girl“). Am Stück. Da gab es kein Entkommen.

Wie würde die Stadt wohl reagiert haben, wenn ich damals auf die Idee gekommen wäre eine Petition zu starten, die Wies’n abzuschaffen. Und was hätten die anderen Münchner oder Bayer dazu gesagt? Die Wies’n gehört zur bayerischen und Münchner Kultur und zu der Geschichte – und das ist Fußball und 1860 aber auch.
Und wie Du sagst, es ist zumindest verteilt – 17 Mal im Jahr (+ 1-2 Pokalspiele) – für einige Stunden. Gut planbar und leicht ausweichbar, wenn man sich dem Lärm entziehen will

Alexander Schlegel
Leser

Das war klar: hat der Wutbürger wieder was gefunden um sein Mütlein zu kühlen. War ja auch in „Quer“ ein allzu armeseliges Häufchen, dass sich da zeternd zu Wort meldete. Wäre doch gelacht, wenn sich bei der Gelegenehit nicht noch seine „15 minutes of fame“ abholen ließen …

Landshuter Löwe
Leser

Eine gewisse Feigheit ist nicht zu übersehen. Man sollte schon auch öffentlich zu seinem Anliegen stehen.

Wäre nicht eine Idee, die Betroffenen mit Freikarten zum Teil des Happenings zu machen? 😉

United Sixties
Leser

Gute Idee…Anwohner zum Spiel einladen oder für Antifusballer alternativ Karten anbieten für die Alm am TG , Museumsbesuch/ Botanischen Garten/ Gutschein Hallenbad/Therme oder in den Giesinger Bräu auf a deftige Brotzeit und a Sechzger-Hoibe .

tomandcherry
Leser

Das wird wohl bei keinem „lärmgeplagten Anwohner“ einen Umdenkprozess bewirken.

Oder glaubst Du wirklich, dass sich Jemand, der einen „Pick“ auf 60 bzw. die im GWS stattfindenden Spiele hat, sich mit Freikarten für die von Dir genannten Alternativen umstimmen lässt?