Das Löwenmagazin hat ihn gewagt: Den Blick hinter die Kulissen des Grünwalder Stadions. Warum müssen Fans für das Bier so lange anstehen? Wer betreibt die Gastronomie? Und warum müssen manche Schankflächen nach jedem Sechzger-Spiel wieder abgebaut werden?

Stadion-Bistro – geleitet von zwei gekündigten Pächtern

Als der TSV 1860 München in die Regionalliga abstieg und es schließlich sicher war, dass die erste Mannschaft im Grünwalder Stadion spielt, machte die Brauerei Paulaner erst einmal eins: Sie feuerte die Pächter Markus Schönmann und Gabi Hacker im Stadion-Bistro. Nach vier Jahren. Zu groß wäre die Aufgabe für die beiden. Man liebäugelte, so Schönmann, mit einem Wiesn-Wirt.

Bis heute hat niemand anderes die äußerst schwierige Aufgabe übernommen. Und die beiden Pächter sitzen immer noch im Grünwalder Stadion. Sie geben ihr Bestes. Und manchmal, so Schönmann, ist es wie ein Kampf gegen Windmühlen. Er würde gerne investieren. Er würde gerne in die Zukunft schauen. Doch wie, wenn man eigentlich gekündigt wurde und nicht weiß, wie es weitergeht? Niemand investiert in etwas, wo er nicht weiß, dass er bleiben darf.

“1860 versteht nicht, dass die Stadt keine weiteren Schankflächen genehmigt”

“Bier to go?” Lange Schlangen bei Sechzger-Spielen

Ausschank Grünwalder StadionEs läuft ein Spiel der Frauen des FC Bayern München gegen Chelsea. Champions-League im Grünwalder Stadion. Die Schlange vor dem Verkauf in der Stehhalle ist nicht allzu groß. Verständlich, so viele Fans sind nicht da. Bei Spielen des TSV 1860 München ist das freilich anders.

Lange müssen Fans im Grünwalder Stadion anstehen, wenn sie ein Bier möchten. Wir konfrontieren den Geschäftsführer des Bistros mit dieser Kritik. Und er lächelt müde. Ja, das weiß er natürlich. Und er stellt sich jeden Tag die Frage, wie er es ändern kann. “Auch vom TSV 1860 München kommt immer wieder Kritik. Nach dem ersten Spiel wurden wir in die Geschäftsstelle des Vereins zitiert. Zu Markus Fauser. Wir standen da wie Schuljungen”, erklärt mir der Geschäftsführer des Bistros. Er hat uns zurecht gewiesen. Man hatte bei den Sechzgern Angst, dass die Fans gleich von Anfang an unzufrieden sind.

In der Zwischenzeit kommt von Sascha Färber nach jedem Spiel eine Beschwerde, dass die Schlangen vor den Bierständen zu lange sind. Färber ist für das Event-Management bei den Löwen zuständig. “Und ich erkläre jedes Mal, dass wir nichts tun können. Die Stadt genehmigt uns keine weiteren Schankwägen. Lediglich drei Wägen lässt die Stadt zu”, meint Schönmann: “Wir könnten Personal einsetzen wie wir wollen, dadurch wird sich das Problem nicht lösen.” Ein Gutachter, der vom TSV 1860 München beauftragt worden war, meinte, dass man mindestens 160 Leute für das volle Stadion brauche. “Leute kann ich natürlich einstellen, das hilft mir aber nicht dabei, weitere Schankflächen zu bekommen”, erklärt Schönmann.

Ostkurve Grünwalder Stadion
Die Ostkurve im Grünwalder Stadion

Warum ist das so? Warum erlaubt die Stadt nicht mehr Schankwägen, will ich wissen. Doch Schönmann hat darauf keine Antwort. Er sagt mir lediglich, dass er sich die Finger wund schreibt: “Meine Hauptaufgabe hier ist das Verfassen von Beschwerden und Anträgen. Aber die Räder bei der Stadt drehen sich langsam.” Er führt mich durch das Stadion und zeigt mir, dass er eigentlich viele andere Herausforderungen hat, die es zu meistern gilt: “Siehst Du die Verkaufsflächen auf der Osttribüne? Wir müssen die 50 Liter-Fässer von Hand dort über die Zuschauertreppen schleppen. Weil es keinen Aufzug gibt.” Das sind Herausforderungen, auf die sich das Team eigentlich konzentrieren müsste. Weil sie so schnell nicht lösbar sind.

Schankwagen muss ständig abgebaut werden

Drei Schankwägen gibt es. Einer steht in der Stehhalle und zwei in der Westkurve. Der Schankwagen in der Stehhalle muss vor jedem Spiel hergebracht werden und nach dem Spiel wieder weg. Warum das so ist? Weil der FC Bayern München genau dort bei ihren Spielen die Einlasskontrollen durchführen möchte. “Seltsam, oder?”, meint Schönmann: “Für so etwas gibt es doch viele Möglichkeiten. Bei Spielen des TSV hat man ja auch Einlasskontrollen”. Aber die Stadt München macht klar, dass es eben so ist und fertig. Der Schankwagen darf ausschließlich bei Spielen des TSV 1860 München dort stehen. In der Westkurve ist das nicht der Fall. Die interessiert auch keinen.

“Büroräume statt Schankflächen. Stadt München zeigt sich wenig kooperativ.”

Gesperrte SchankflächenEr zeigt mir die verschlossenen Rollläden unter der Stehhalle: “Das könnten Schankflächen sein. Auch die werden uns nicht genehmigt von der Stadt”, meint Schönmann. Ich bin verwundert. Die Problematik mit den Schlangen wäre schlagartig gelöst, wenn man hier öffnen könnte. Und ich frage nach: “Was ist da jetzt drinnen?” Die Antwort überrascht mich kaum: “Büroräume für die Stadt München. Für das Personal im Grünwalder Stadion”. Ein sehr großes Büro, wie ich finde. Und er zeigt mir weitere Verkaufsmöglichkeiten unter der Westkurve. Dort gab es einen Wasserschaden. Die Stadt hat notdürftig alles überstrichen. Im Endeffekt sind auch diese Verkaufsmöglichkeiten nicht nutzbar.

 

“Wenn man sich vorstellt, was Paulaner am Bierverkauf verdient …”

Ich schaue in so einen gesperrten Verkaufsbereich. Eigentlich ausrangiertes Inventar. Provisorisch hat man hier eine Theke auf zwei Paulaner-Kästen gestellt. Irrwitzig. “Paulaner müsste hier in eine ordentliche Investition tätigen”, meint Schönmann: “Dann könnte man hier richtig was draus machen. Wenn man sich vorstellt, was Paulaner am Bierverkauf verdient, wäre das mehr als eine gute Investition.” Und auch Schönmann wäre bereit zu investieren, wenn er hier eine Zukunft sieht. Allerdings sind die Schankflächen von der Stadt eh nicht freigegeben.

Vip Lounge an der Grünwalderstraße
Vip Lounge an der Grünwalderstraße

Vor allem Richtung 1860 geht hier auch ein wenig Kritik: “Man versteht einfach nicht, dass wir hier machtlos sind. Du willst gar nicht wissen, was hier anfänglich alles von Sechzig geplant und gefordert wurde.” Doch! Das möchte ich wissen. Und Schönmann plaudert aus dem Nähkästchen: “Man wollte ein extra VIP-Zelt für Hasan Ismaik und seine Leute auf der Terrasse vor dem Bistro. Ein weiteres unten, wo die Spieleingänge sind. Schließlich hat man jedoch auf eine externe VIP-Hütte am Trainingsgelände gesetzt.” Die Bistro-Besitzer wären gerne mit 1860 ins Geschäft gekommen. Doch so verrückt es klingt, aber im Grünwalder Stadion gibt es nicht einmal eine Küche. Das wurde von Paulaner nicht genehmigt.

Zusammenarbeit mit der Stadt München ist mehr als schwer

Schönmann klagt auch über die Zusammenarbeit mit der Stadt München. Vor allem mit dem Personal des Grünwalder Stadions kann man kaum gemeinsam Lösungen finden. “Man sperrt vor uns einfach Türen zu, gibt uns keine Lagerflächen, obwohl sie vorhanden wären und schon häufiger wurde uns vom Betriebsleiter gedroht. Mitarbeiter des Bistros bestätigen: Drohungen, Beleidigungen und Handgreiflichkeiten sind fast schon an der Tagesordnung. Die Stadt München möchte hier weder große Veranstaltungen, noch ein Bistro.

Die Stadt München, sie antwortet auf viele Fragen nicht. So ging es auch uns im Hinblick auf die Rollstuhlfahrer-Thematik. Wir vom Löwenmagazin haben an die Bürgermeisterin geschrieben. Wir bekamen nach einer Woche eine Antwort: “Im Auftrag der Bürgermeisterin habe ich Ihre Anfrage an das Referat für Bildung und Sport weitergeleitet und gebeten, Ihnen direkt zu antworten.” Seitdem hört man nichts mehr. Weder von Frau Bürgermeisterin Strobl, noch vom Referat für Bildung und Sport.

Die Rollstuhlfahrer, mit denen wir in Kontakt sind, sind einigermaßen enttäuscht. Ein Stück weit auch von uns, vom Löwenmagazin. Weil wir keine Antworten liefern können. Dabei können wir gar nichts dafür. Gerhard Schembera ist einer der Fans, die im Rollstuhl sitzen. Und auch er hat an die Stadt geschrieben: “Ich habe nach einem Monat eine äußerst unbefriedigende Antwort erhalten. Es gäbe genügend Rollstuhl-Toiletten, um die Kapazität für Rollstuhlfahrer zu erhöhen. Alles andere sei Sache des Vereins”. Nein, die gibt es nicht. Das bestätigt auch Schönmann. “Der Stadt München scheint es ziemlich egal zu sein, was mit den Rollstuhlfahrern ist”, meint Schembera. Klare Antworten zu den Fragen bekommt man in jedem Fall nicht.

Zukunft? Hängt vor allem von der Stadt ab

1860 gg. Greuther Fürth IIMarkus Schönmann und Gabi Hacker würden gerne im Grünwalder Stadion als Unterpächter der Paulaner-Brauerei bleiben. Obwohl es so viele Probleme gibt. Weil da viel Herzblut drin steckt. Im Moment sind sie gekündigt.

Schönmann würde gerne investieren. Hat sogar jemand, der mit investieren würde. Aber erst einmal müsste die Stadt mehr Schankflächen freigeben. “Mehrere mobile Schankwägen würden erst einmal ausreichen, um den Bierdurst zu stillen. Rund 5000 Liter trinken die Sechzger-Fans bei ausverkauften Spielen. Das sind 100 Fässer.

Die Stadt München macht im Grünwalder Stadion das, was sie die ganzen Jahre immer gemacht hat: Löcher stopfen. Diskussionsbedarf? Besteht nicht. Dabei sollte die Stadt München, der Verein, die Bistro-Pächter und die Paulaner-Brauerei sich mal wirklich an einen Tisch setzen. Und alles besprechen. So jedenfalls bleibt das Stadion ein Fass ohne Boden. Das ohne Sinn und Verstand Steuergelder auffrisst.

 

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Stepanek
Leser

Mir als Fan und jetzt wieder regelmäßiger Besucher im GWS ist es eigentlich ziemlich egal wer an was Schuld hat. Ich kann nur anmerken, dass die IST-Situation einfach nicht akzeptabel für uns Zuschauer ist. Für mich hat schon immer zum Stadionbesuch eine Wurscht und ein Getränk (es muss nicht immer Bier sein!) gehört. Aber derzeit ist das im GWS nicht möglich ohne 1 Stunde vorher im Stadion zu sein, oder einen Teil des Spieles zu verpassen.

Wenn ich so beobachte, was alles vor dem Stadion getrunken wird, dann verschenken die Betreiber ordentlich viel Umsatz. Und das kann doch weder im Interesse der Brauerei, noch des Verpächters sein, oder?

Gerne würde unser “Fanclub” auch mal während des Spiels ein Bierchen trinken, aber dann versäumt einer immer wieder ganz entscheidende Momente (für die er eigentlich gezahlt hat).

Also hier muss dringend Abhilfe (mehr Verkaufsstellen !!!) her, der Umsatz ist doch fast garantiert. Nur das Angebot ist derzeit nicht einmal viertklassig.

HHeinz
Gast
HHeinz

Es hat Gründe dass den Pächtern gekündigt wurde und die kommen leider kaum zur Sprache.

Klar, jetzt wo die Verdienstmöglichkeiten besser werden möchte man gerne investieren. Ich muss leider sagen dass gerade Frau Hacker zu Zeiten als ausschließlich die Amateure im Grünwalder Stadion gespielt haben quasi ein Minimalprogramm gefahren hat.
Wenn zum Beispiel vor den Augen des Käufers 0,1l Bier in den Ausguss gekippt werden weil das Alkoholfreie 0.5l Flaschen sind aber der Becher nur 0.4l groß ist dann verursacht das gerade beim älteren Publikum Magenschmerzen.

Und auch die Stadt kommt mir zu schlecht weg. Es ist nur wenige Monate her da hat sich in der KGaA fast jeder einen Scheissdreck um dieses Stadion gekümmert. Ich habe auch keinen Aufschrei vernommen als man mit dem Umbau die Kapazität noch einmal deutlich reduziert hat. Man hatte sich mit einem Rückbau in eine reine Amateurstätte längst engagiert. Es war ja auch Augenhöhe mit Barcelona angesagt.

Wahrnehmbare Reaktionen gab es fast immer nur vom Verein Freunde des Sechz’ger Stadions e.V. und von Einzelstimmen aus dem e.V. Das hat leider nicht gereicht.

Wenn im Grünwalder Stadion etwas passieren soll dann müssen sich alle Parteien bewegen. Die KGaA muss mal sagen was sie die kommenden Jahre plant und an Hand dessen kann man dann überlegen was man machen kann. Vor allem braucht man mal Geld denn wenn immer alles der Steuerzahler regeln soll wird es schwierig.
Und wenn die Stadt immer nur auf die Fresse bekommt weil sie angeblich nicht antwortet, blockiert und Mitarbeiter angeblich mit Handgreiflichkeiten drohen dann könnte ich als Politiker auch auf die Idee kommen dass man sich das nicht antun muss.
Damit will ich die Stadt nicht nur in Schutz nehmen aber diese ist am Wenigsten auf Profifußball in Giesing angewiesen. Politiker brauchen eben Heldengeschichten.