Kaum einer hat die Fachzeitschrift kicker wirklich gelesen. Doch im Internet kreisen bereits die dort veröffentlichten Zahlen. Und werden natürlich heiß diskutiert. Wer sich ein tatsächliches Bild machen möchte, der sollte natürlich die Ausgabe lesen. Allerdings ist sie aktuell nur als Printausgabe für 2,80 Euro erhältlich.

Allzu sehr überraschen die Zahlen nicht. Fakt ist, um die Insolvenz abzuwenden, musste die KGaA tief in die Tasche greifen. Fausers Kanzlei verdiente lauf dem kicker von Juni bis Ende September rund 301.000 Euro. Die Beträge sind für Dienstleister in diesem Gewerbe durchaus üblich und überraschen nicht. Der Aufsichtsrat, zu dem sowohl der e.V. als auch Hasan Ismaik gehört, genehmigte kurz nach Fausers Übernahme des Geschäftsbereiches 505.000 Euro. Hier waren sich beide Gesellschafter einig und diese Summe war also von Anfang an geplant. Die KGaA konnte diese festgelegte Summe jedoch nicht einhalten. Insgesamt, so die Informationen des kickers, betrugen die Kosten aufgrund der Komplexität der Verhandlungen bis September 613.000 Euro.

Unverständnis löst dabei sicherlich die dabei eingerechnete Summe von 100.000 Euro aus. Die bekam die Kanzlei Andersch für ein zweites Gutachten im Hinblick auf die Vermeidung der Insolvenz. Das zweite Gutachten wurde in Auftrag gegeben, da Investor Ismaik dem ersten Gutachten kein Vertrauen schenkte. Laut kicker sollen die beiden Gutachten identisch sein.

Ebenfalls für Unmut sorgt unter den Fans die Zahlung von 7.000 Euro pro Monat aus der Kasse der KGaA an den arabischen Dolmetscher, den Investor Hasan Ismaik im Verein installiert sehen wollte. Zweifelsohne macht es Sinn, in der KGaA einen Dolmetscher zu haben, der dem Arabischen mächtig ist. Ob man für ein derartiges Amt jedoch 7.000 Euro zur Verfügung stellen muss, ist fraglich. Die Spieler des TSV München von 1860 bekommen überwiegend um die 2.000 Euro Brutto an Grundgehalt. Ob hier für einen Regionalligisten die Verhältnismäßigkeit gewahrt ist, muss man bezweifeln.

Nicht zu verwechseln darf man diese Zahlen mit den Kosten des Antrags im Hinblick auf die Kündigung des Kooperationsvertrages, der bei der vergangenen Mitgliederversammlung beschlossen wurde. Diese Kosten haben nichts mit der KGaA zu tun, sondern sind Kosten, die der e.V. des TSV München von 1860 zu tragen hat.

Titelbild: TSV München von 1860

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Buergi
Gast
Buergi

“Kooperationsvertrag dem e.V. nahestehenden Wochenanzeiger zugespielt wurde”

wie ist eure Meinung hierzu?

Sebastian Waltl
Redakteur

Mir ist ehrlich gesagt nach wie vor nicht ganz klar, welche der beiden Seiten durch diese Veröffentlichungen einen Vorteil haben soll:
Der e. V. steht wegen der Mail vom Drees schlecht da, Ismaik wegen den hohen Kosten, die zu großen Teilen durch ihn entstanden sind.
Deshalb frage ich mich, welche Seite ein Interesse daran haben sollte, dass diese Dinge öffentlich geworden sind.

Kohlhuber
Gast
Kohlhuber

Mit den geleakten Infos schießt sich Ismaik doch selbst ins Knie?! Der Mann ist mir immer rätselhafter.

3und6zger
Leser

Was mich wundert bei den ganzen “geheimen” Zahlen sind die öffentlichen Zahlen, welche niemand erwähnt. Der Prozess von Eichin vor dem Arbeitsgericht wurde am 27.06. verloren und kostete an rückständigen Gehältern 370.000 €, ganz zu schweigen die Lohnfortzahlung bis August und das gleiche noch mal in Höhe von 160.000 bei Runjaic und 100000 bei Jäkel. Wenn der Toni Power und seine 130.000€-Personalchefin nicht in der Lage sind, rechtlich gültige Kündigungen zu schreiben, dann würde ich sie fristlos entlassen. Hätte 65.000€ bei Lina Aubaumer gespart. Und der Vertrag einer solchen Pfeife soll auch noch verlängert werden. Ach ja, sie kommt ja vom Herrn Ismaik, da darf man nicht so kritisch sein.

Ich erinnere mich an einen SZ-Artikel vom 13.06, eine Woche nach Antritt von Herrn Fauser:
http://www.sueddeutsche.de/sport/fussball-irrsinnig-teure-suenden-plagen-muenchen-1.3543396

Man sollte nicht so tun, als ob die Verstärkung der Mannschaft nicht auch an den Altlasten aus der Ismaik-ich-bestimme-alles-Ära scheitert.

Zur Erinnerung die Pressekonferenz zum Fremdschämen:
http://www.sport1.de/fussball/2-bundesliga/2016/11/runjaic-entlassen-eichin-degradiert-ismaik-greift-bei-1860-durch

Dr. Klothilde Rumpelschtilz
Leser

Für mich schaut es so aus als hätte Ismaik auch nicht mehr soviel “zu verschenken”.
Wenn man nicht mal mehr seinen eigenen Übersetzer bezahlen kann, scheint man langsam rechnen zu müssen.
Die Faktenlage ist klar, innerhalb kürzester Zeit mehr wie die Hälfte seines Vermögens zu verlieren ist kein Spaß und es wird nicht mehr, eher deutlich weniger.

Sechzig_Ist_Kult
Leser

Was ich an der Diskussion so skurril finde, ist die Verhältnismäßigkeit, die stellenweise beim Diskutieren zu Grunde gelegt wird…

1. Die Vermeidung der Insolvenz und damit der Fortbestand der KGaA (und möglicherweise auch des e.V. mit seinen 22.000 Mitgliedern und seinen Abteilungen) steht über allem. Und das ist auch gut so. Dass ein fähiger Insolvenzexperte seinen Preis hat, ist ja klar. Das Geld war für mich bestens angelegt. Weil: Was hilft mir noch so viel Geld für Spielereinkäufe, wenn danach “Schicht im Schacht” ist??

2. Dass Ismaiks Übersetzer der KGaA 7.000 Euro im Monat (!) kostet, scheint für viele das Normalste der Welt zu sein. Ich finde das extrem! An sich bringt es unseren Profifußball nicht im Geringsten weiter. Da sehe ich es wie Sebastian Waltl : Sechs Jahre sind eigentlich genug Zeit, um eine neue Sprache zu erlernen. Wenn nicht, sollte ich halt zumindest selbst für einen Übersetzer aufkommen… Naja, meine Meinung.

Wenn die Infos von db24 stimmen und viele Spieler in der RL teils unter 2000 Euro verdienen, finde ich dieses Verhältnis schon sehr abenteuerlich. Demnach verdient Ismaiks Übersetzer über dreimal soviel als so mancher Spieler!!! Das Argument mit dem Budget für Transfers ist für mich an dieser Stelle viel relevanter.

Auch ich möchte mich an dieser Stelle nochmals herzlich bei Markus Fauser bedanken. Die Argumente dafür wurden ja – dankenswerterweise – schon weiter unten aufgeführt. 😉

L.A.
Gast
L.A.

Wie ich schon Mal erwähnte , man braucht eigentlich nur bei denn Facebook Profilen von unseren Verantwortlichen die Freundeslisten durchstöbern und dann findet man immer wieder Journalisten darauf von Bild TZ und AZ usw. Das sollte man schon kritisch sehen ob solche Verbindungen sinnvoll sind .

Sebastian Waltl
Redakteur

Zuerst mal: Mich ärgern weniger die Zahlen. Mich ärgert es viel mehr, dass diese Zahlen der Öffentlichkeit bekannt wurden. Das darf eigentlich nicht passieren. Leider ist anscheinend das Leck bei 1860 immer noch nicht vollständig geschlossen.

Diese Ausgaben resultieren aus den Geschehnissen der letzten Saison und möglicherweise auch den Jahren davor. Die Summe ist zwar sicherlich sehr hoch, allerdings waren diese Ausgaben wohl nötig, um das Chaos der letzten Jahre zu sortieren.
Dass die veranschlagte Summe deutlich höher fällt liegt, liegt hauptsächlich an dem zweiten Gutachten, dass Ismaik wollte. Da stellt sich durchaus die Frage, ob er diese Kosten nicht eventuell selbst hätte tragen sollen, wenn er als einziger an dem ersten Gutachten zweifelt. Ohne dieses zweite Gutachten wären die Kosten lediglich um 1,6 % (8.000 €) überschritten worden.

Zu den Ausgaben für Ismaiks Dolmetscher: Sechzig sind doch immer noch eine deutsche Firma. Deshalb sehe ich es so, dass es für einen Mann wie Ismaik nicht zu viel verlangt ist, wenn er in Deutschland Geschäfte machen möchte, dass er innerhalb von sechs Jahren Deutsch oder zumindest Englisch lernt. Wenn er das aus irgendwelchen Gründen nicht tut, dann sollte er meiner Meinung nach seinen Dolmetscher selbst bezahlen müssen.

Ich mich aufgrund dieses Artikels aber nochmal bei Markus Fauser für die Rettung bedanken. Auch diese Zahlen zeigen, was für eine große Aufgabe es für ihn war.
Außerdem wird in dem Artikel erwähnt, dass Fauser freiwillig (!!) ab Oktober auf die Hälfte seines Gehaltes verzichtet hat, weil ihm Sechzig so sehr am Herzen liegt.
Außerdem möchte ich mich bei Fauser dafür bedanken, dass er laut diesem Artikel in Zukunft den Löwen weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen wird. Laut seinen Worten könne sich der Verein falls er Hilfe benötigen sollte gratis (!!!) an ihn wenden.
Danke Markus Fauser für ihre Hilfe. Trotzdem hoffe ich, dass wir sie demnächst nicht mehr benötigen.

Ich möchte allerdings feststellen, dass es sich hierbei um Ausgaben aus der letzten Saison handelt. Wir haben zwar immer noch daran zu knabbern, aber es handelt sich doch Dinge, die irgendwie ein Stück weit hinter uns liegen.
I bin zuversichtlich, dass solche Kosten in nächster Zeit nicht mehr nötig sein werden.

Reinhard Friedl
Leser

Da im Bundesanzeiger nur die Bilanzen bis 30.6.2016 veröffentlicht sind, kann ich natürlich zur Bilanz zum 30.6.2017 noch nicht viel sagen. Aber da speziell Hasan Ismaik in der Saison 2016/2017 das Heft fest in der Hand hatte und wohl “Unsummen für neue Spieler (gerade nochmals im Winter) und Trainer und Geschäftsführer” ausgegeben wurden, wird die Bilanz noch “roter” geworden sein. Für mich daher ein Rätsel, wie die Gutachten auf ein Ergebnis kommen konnten, dass nicht zum Insolvenzgericht gegangen werden muss. Aber Papier und Absichtserklärungen sind ja geduldig. Auch Griechenland soll ja irgendwann mal in der Lage sein, seine Schulden zurück zu zahlen.
Mein Lösungsplan sieht wie folgt aus:
Ismaik muss seine Darlehen umwandeln in Genuß-Scheine. Das Gesamtpacket der Genuß-Scheine dann zu einem Preis von 25 % an einen neuen Investor (oder Investorengruppe) veräußern. Dann hat Ismaik nicht alles in den Sand gesetzt und kann sein Gesicht wahren und der neue Investor zahlt einen Preis, der trotzdem wirtschaftlich gerechnet zu hoch ist. Aber natürlich steckt im Namen TSV 1860 auch ein Wert, der durch seine treuen Fans gedeckt ist.

tomandcherry
Leser

Wahrscheinlich wird in dem “anderen Blog” gerade wieder die nächste Sau durch’s Dorf getrieben und die Kanonen ausschließlich auf die “e.V.ler” gerichtet, die alle nur das von Herrn Ismaik großzügig zur Verfügung gestellte Geld verschleudern, aber im Gegenzug keinen Alternativ-Geldgeber auftreiben können?

Dabei wird halt gerne “übersehen” oder “vergessen”, dass Alternativen erst dann zum Zug kommen werden, wenn sich “der größte Löwenfreund aller Zeiten” endlich zu einem Verkauf seiner Anteile zu markt-konformen Bedingungen entscheiden würde. Die angebl. 70 Mio. € (+/-), die dafür im Raum gestanden haben sollen, wird er wohl nur noch dann erzielen können, wenn 60 wieder Bundesligist wäre? Und ob er das noch erlebt? 😉

Was auch immer weiterhin passieren wird, eine Zusammenarbeit zwischen den beiden Parteien erscheint mir fraglicher denn je.

Die Mail des Dr. Drees scheint mich in meiner Vermutung zu bestätigen.

Landshuter Löwe
Leser

“unsere Beiträge wurden für das Gutachten verschleudert!”

Denke ich nicht. Besser beurteilen könnte man das natürlich, wenn das Gutachten öffentlich gemacht worden wäre. Ich gehen mal davon aus, dass das Gutachten dazu geführt hat, sich nicht in einen nicht zu gewinnenden Prozess zu stürzen, was sich deutlich teurer geworden wäre.

Eisenkolb
Gast
Eisenkolb

unsere Beiträge wurden für das Gutachten verschleudert!