DER SPIEGEL und seine Medienpartner von der European Investigative Collaborations enthüllten in den vergangenen Wochen zahlreiche schmutzige Geschäfte aus der Welt des Fußballs. Auch 1860-Investor Hasan Ismaik wird in den Dokumenten erwähnt.

Arabtec und die Ausbeutung von Migranten

Manchester City hatte laut dem SPIEGEL einen Risikobericht im Hinblick auf einen potenziellen Deal mit Arabtec erstellt. Ein normales Vorgehen. Bei jedem strategischen Schritt wägen die Kommunikationsprofis die Risiken ab. Das gilt auch für die Auswahl potenzieller Sponsoren. Im Jahr 2014 stand der Baukonzern Arabtec zur Diskussion. Der Vorsitzende des Konzerns war zu dem Zeitpunkt der Jordanier Hasan Ismaik. Die Dokumente, die für den Risikobericht entstehen, warnen vor einem Deal mit dem arabischen Konzern. Die britische Tageszeitung THE GUARDIAN hatte in einem Bericht die katastrophalen Zustände und schlechten Arbeitsbedingungen für Migranten aufgedeckt. „In Abu Dhabi, they call it Happiness Island. But for the migrant workers, it is a place of misery“, lautet der Titel. Im Fokus dabei auch das Unternehmen Arabtec. Der Artikel von THE GUARDIAN deckte auf, wie der arabische Baukonzern massiv Migranten ausbeutet. „Sie betrügen uns“, sagte ein Arbeiter des Unternehmens, dessen Vorsitzender Ismaik ist. „Niemals würde ich jemanden empfehlen, dass er hierherkommen soll.“ Ein anderer Arabtec-Arbeiter erzählte, wie er sich bei der Polizei beschwert habe. Er wurde daraufhin von einem Vorarbeiter geschlagen und gewarnt: „Du gehst niemals zur Polizei. Auch nicht, wenn du getötet wirst.“ Im Mai 2013 gab es bei Arabtec einen Streik. Der wurde mit Gewalt niedergeschlagen. Die Millionäre und Milliardäre bauten ihre Macht-Metropole mit Hilfe der Arbeiter aus Indien, Pakistan und Bangladesch auf. Bereits 2009 hatte BBC gezeigt, wie unmenschlich Arabtec ihre Arbeiter behandle. Moderne Sklaverei im Fokus, schreibt THE GUARDIAN.

Trotz Risikobewertung: Der Deal mit Manchester City

Die Risikobewertung von Manchester City war deshalb recht eindeutig. „Die Partnerschaft mit Arabtec hat signifikantes Potenzial, die Wahrnehmung und das Standing des Klubs und seiner Besitzer zu beschädigen“, so die Unterlagen laut dem SPIEGEL. Man hatte Angst vor einem Konflikt mit den eigenen Fans, mit Menschenrechtsaktivisten und mit anderen Sponsoren. Die Pressesprecherin von Manchester City, Vicky Kloss, warnte explizit vor dem Sponsoring. Die Führungsriege des englischen Clubs nimmt es zur Kenntnis. Und unterschreibt den Deal dennoch. Vielleicht vor allem deshalb, weil der Hauptanteilseigner von Manchester City Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan ist. Der wiederrum pflegt mit Hasan Ismaik zum damaligen Zeitpunkt eine freundschaftliche Geschäftsbeziehung und hat zudem mit Finanz-Unternehmen zumindest indirekt Einfluss auf Arabtec. Man schließt einen Deal zwischen Manchester City und Arabtec. Die Verbindung zwischen den beiden Partnern soll lediglich regional in arabischen Staaten, in Russland und in der Türkei beworben werden, so die Unterlagen, die im Football Leak zu finden sind. Demnach in den Ländern, „in denen demokratische Werte und Menschenrechte nicht unbedingt die höchste Priorität genießen“, schreibt der SPIEGEL in seinem Bericht. Und tatsächlich ist der mediale Aufschrei recht gering in Europa. Den PR-Experten gelingt es, die Sache einigermaßen regional zu vermarkten. In dieser Zeit entsteht auch ein Bild mit Ferran Soriano, dem CEO von Manchester City, dem Vereinsboss Khaldoon Al-Mubarak und dem Boss von Arabtec, Hasan Ismaik. Presseanfragen westlicher Journalisten ignoriert man, berichtet die journalistische Vereinigung European Investigative Collaborations.

In der Zwischenzeit ist Hasan Ismaik nicht mehr bei Arabtec als Unternehmens-Vorsitzender tätig. Die Aktie fiel nur wenige Monate nach dem Deal mit Manchester City unter seiner Führung um 70 Prozent. Es gab Unstimmigkeiten mit seinen Anteilen am Unternehmen. Deals mit Ägypten warfen Fragezeichen auf. Laut FORBES verlor Ismaik damit auch den größten Teil seines Vermögens.


Quellen und weiterführende Informationen

DER SPIEGEL: Der Pakt mit den Scheichs (ausschließlich Spiegel+)

THE GUARDIAN: In Abu Dhabi, they call it Happiness Island. But for the migrant workers, it is a place of misery

MANCHESTER CITY: Arabtec Signs Regional Sponsor Agreement with Man City

TRADE ARABIA: Arabtec, Man City in sponsorship deal

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Serkan
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Vielen Dank für diesen Artikel und die damit verbundene Recherchearbeit. Auch die Links zu den Quellen. Sauber gemacht!

Kranzberg
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Und der Blogger wird vermutlich auf den roten Kaiser verweisen, der sowas da unten nicht gesehen hat.

Andreas
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Oder er schweigt darüber…
Wir werden sehen.

Konterhoibe
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Mir wird speiübel, noch mehr als sonst, wenn ich daran denke das wir von diesem Typ Geld genommen haben, das ist Sklavenhaltung, nichts anderes.