Wie stellt sich die aktuelle Situation in diesen schweren, wenn nicht schwersten Zeiten, die es je beim TSV 1860 München gab, dar? Bernhard Leitner ist jahrelanger Fan der Löwen. Er hat einen Gastbeitrag geschrieben und die Redaktion des Löwenmagazins um Veröffentlichung gebeten. Der Beitrag wurde zum besseren Verständnis nach Rücksprache leicht geändert.
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In erster Linie bin ich, wie vermutlich viele andere auch, stolz ein Fan dieses einzigartigen Vereins zu sein. Ich bin schon zu Bayernligazeiten mit vielen Anderen in Nester wie Vestenbergsgreuth, Helmbrechts oder Plattling gefahren. Ich war bei Aufstiegsspielen in Neunkirchen, Pforzheim, Kassel, Meppen, oder in der Championsleague-Qualifikation gegen Leeds und vielem mehr dabei. Die älteren Leser werden ebenfalls, auf genau diesen Grounds die Mannschaft des TSV 1860 unterstützt und gefeiert haben, so es denn was zu Feiern gab. Und da wir im Gegensatz zu anderen Vereinen eher selten einen wirklichen Grund zum Feiern hatten, haben wir diese Anlässe meist exzessiv gefeiert. Genauso wie den Aufstieg aus der Regionalliga im Jahr 2018.
Ich liebe diesen Verein mehr als das Meiste andere in meinem Leben. Ich bin daher froh, daß nach vielen Jahren, in denen wir Vereinsführungen hatten, wo ein Luftschloßarchitekt dem Nächsten die Klinke in die Hand gab, endlich Menschen an der Spitze des stehen die, nicht das Blaue vom Himmel erzählen. Nur damit ihnen jeder wohlgesonnen ist. Sondern charakterstarke Personen, die nicht mit sich Schlitten fahren lassen. Die brav Männchen machen, bloß weil ein Investor aus persönlicher Eitelkeit heraus bockt wie ein Kind. Ohne dessen Einstieg im Jahr 2011 wir genau dort gelandet wären, wo er uns im Jahr 2017 hingeschickt hat. Weil er irrtümlich glaubte, in der Regionalliga gälte die 50+1 Regel nicht.
Wieder in Giesing Fußballfeste zu Feiern ist einerseits für mich ein in Erfüllung gegangener Traum. Den ich schon fast aufgegeben hatte. Das liegt weniger am Stadion, als an Giesing selbst. Ich fahre mit der S- und U-Bahn aus dem Dorf nach Giesing. Dort finde ich die belebten Strassen und Kneipen, die ich als Kind und Jugendlicher erlebt habe. Wer wie ich auch die Tristesse um die beiden anderen Spielstätten herum, nach den jeweiligen Umzügen ins Olympia Stadion und in die Allianz Arena, kennt, versteht vielleicht was ich meine. An das Flair von Giesing kommt in Fußballdeutschland nicht viel hin. Daß die Stadt das Stadion mit einer Kapazitätsbegrenzung belegt hat, und es teilweise kaputtrenoviert hat, daran kann man im Moment leider nicht viel ändern. Aber ich bin froh, daß es trotz der Abrißpläne, die ja schon vorhanden waren, immer noch steht. Hätten wir in der Allianz-Arena bleiben müssen, würden wir dort vermutlich vor höchstens 4000 -5000 Fans spielen, von denen aber wahrscheinlich 2000 – 3000 Gäste wären. Sind wir also froh, daß wir dort in Giesing spielen können und dürfen.
Der Investor hat durch seine unhaltbaren Forderungen, die vom Verein nicht umsetzbar waren, weil man gegen DFL-Regularien verstoßen hätte, uns nach unten geschickt. Mit einer recht hämischen SMS an die Süddeutsche Zeitung, deren Text aus genau einer Zahl bestand, nämlich der „4“. Ein aus sportlicher Sicht unfassbares Unglück. Man muss dennoch fast von Glück sprechen. Dies zu reparieren hat unter tatkräftiger Mithilfe von uns Fans genau eine Saison gedauert. Ironischerweise wären wir in die Dritte Liga, in der wir uns jetzt befinden, mit dem teuersten Trainer der 2. Bundesliga in der Saison 2016 / 2017 und zwanzig Millionen Euro mehr Schulden, eh abgestiegen. Sportlich.
Ich bin Robert Reisinger, Hans Sitzberger und Heinz Schmidt für den beharrlich verfolgten Kurs dankbar. Nie wieder darf es passieren, daß die Lizenz der ausgegliederten Fußballtochter in Gefahr gerät. Nach 1982 und 2017 darf so etwas kein Drittes mal passieren. Daß das nicht passiert, kann nur über vernünftiges Haushalten mit den vorhandenen Mitteln erreicht werden. Die Lizenzauflagen sind schwer genug einzuhalten.
Leider scheint der Investor oder der Ausichtsratsvorsitzende (oder beide) das anders zu sehen. Denn sämtliche Vorschläge der Geschäftsführung, in Persona Hr. Scharold, zur Verbesserung der finanziellen Situation der KGaA (Sponsoring, Genußscheine mit Sofortzahlung, temporäre Rückführung NLZ) wurden von dieser Seite anscheinend abgelehnt. Strafzahlungen für ein vom Investor nicht rechtzeitig in Genußscheine umgewandeltes Darlehen kommen erschwerend hinzu. Und nun scheint ein weiteres Sponsoring des Hauptsponsors, Die Bayrische, von Hr. Stimoniaris oder dem Investor ebenfalls abgelehnt zu werden. Das kann ich leider überhaupt nicht verstehen. Da will ein Sponsor, der das eigentlich nicht müsste, der KGaA Geld schenken, und anstatt „Danke“ zu sagen und das Geld zu nehmen, passiert von seitens HAM International gar nichts. Warum? Ich verstehe das nicht.
Die aktuelle finanzielle und sportliche Situation dem aktuellen Präsidium in die Schuhe zu schieben, wie es oft gemacht wird, schlägt hier dem Faß den Boden aus. An dem sogenannten Konsolidierungskurs haben die Vorgänger, allen voran das Duo Casalette (Präsident) / Power (Geschäftsführung) die Schuld.
Ich war, vor allem in der Zeit als Casalette Präsident war, oft so sehr mit Fremdschämen über handelnde Personen in der KGaA beschäftigt, daß es mir heute noch die Schamesröte ins Gesicht treibt, wenn ich daran zurückdenke. Erinnert ihr euch noch an den Presseboykott? Weil der Münchner Boulevard ja nur Lügen über den TSV geschrieben hat? Hinterher hat sich Rausgestellt, daß es tatsächlich nicht die Presse war die Blödsinn verzapft hat, sondern ganz jemand anders. Erinnert Ihr Euch noch an „We go to the Top“? Was ist tatsächlich passiert? We went to the bottom and beyond, my friends. Erinnert Ihr euch noch an die Versprechen vom eigenen Stadion und dem Löwenzoo? Darüber lacht heut noch jeder Nichtsechzger in meinem Freundeskreis.
Wenn wir den langen steinigen Weg, der Konsolidierung nicht konsequent weitergehen, knippst uns irgendwann der DFB das Licht aus, weil wir uns, nicht nur nicht weiter verschulden dürfen, sondern die Schulden sogar abbauen müssen. Den Versuch sportlichen Erfolg mit der Brechstange (sprich teure Spieler auf Pump) zu erzwingen, wird es beim TSV unter dieser, meiner Meinung nach weisen, Führung von Reisinger, Sitzberger und Schmidt nicht geben. Das muß jedem Klar sein.
Natürlich ist sportlicher Erfolg toll. Ihn aber um jeden Preis und mit Geld, daß man nicht hat, erzwingen zu wollen, was nun auch wieder viele fordern, hat uns doch erst in diese Situation gebracht. Denkt bitte darüber nach, worum es Euch wirklich geht. Ist es der Erfolg auf Pump, der ja gar nicht garantiert werden kann, egal wieviel Kohle fließt, und dessen Mißerfolg möglicherweise größere Risiken birgt als Konsolidierung, oder ist es eine gesundete KGaA, die vielleicht erst in ein paar Jahren wieder ernsthaft um die Aufstiegsplätze in die zweite Liga mitspielen kann.
Bernhard Leitner

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