Am gestrigen Donnerstag fand im Bezirk 18 (Untergiesing-Harlaching) die jährliche Bürgerversammlung gemäß Artikel 18 der Gemeindeordnung für den Freistaat Bayern statt. Zahlreiche Themen wurden hierbei erörtert. Kindergarten, Grundschulen, Seniorenwohnungen, eine Sicherheitsfirma, die Lärm macht, scharfe Bordsteinkanten und vieles mehr. 36 Anträge wurden abgegeben. Anfänglich anwesend waren rund 200 Personen, wobei viele leider nicht bis zum Schluss blieben.

Bürger-Diskussion zum Thema Grünwalder Stadion

Für Löwenfans dabei natürlich vor allem interessant, was die Bürgerinnen und Bürger über das Stadion an der Grünwalder Straße zu sagen haben. Der Tenor war dabei keineswegs einheitlich. Zwischen einem Antrag eines Bürgers, die Stadionkapazität wieder zu verringern, bis hin zum Antrag auf eine Erhöhung der Kapazität, gab es lebhafte Diskussionen beziehungsweise Meinungen und Wortbeiträge. Die Wahrnehmungen der einzelnen Bürger ist durchaus unterschiedlich. Während eine Bürgerin erklärt, dass sie bei Spieltagen das Fenster aufmacht und die Stimmung regelrecht genießt, während sie am Liveticker das Spiel verfolgt, stört sich ein anderer Bürger am Lärm vor allem durch die Stadionansagen. Ein anderer sieht es deutlich drastischer, spricht sogar von Ausnahmezustand bei Derbys. Und auch bei anderen Spielen kämen „hochaggressive Gästefans“. Der anwesende Sprecher der Polizei hingegen erklärt, dass man zufrieden ist. Die Sicherheitslage hätte man im Griff und Fußballfans seien äußerst ordentlich und vernünftig. Am Ende kam es dann zu einer Abstimmung für eine sogenannte „Empfehlung an den Gemeinderat“. Nur sehr wenige Anwesende stimmten für eine Reduzierung der Stadionkapazität. Gegen einen weiteren Stadionausbau sprachen sich geschätzt rund 60 Prozent der noch Anwesenden aus. Die Reihen hatten sich bereits deutlich gelichtet. Man hat vor allem Angst vor einer unkontrollierten Erweiterung, so eine Bürgerin nach der Abstimmung. Sie stimmte gegen einen Stadionausbau, kritisierte aber vor allem auch, dass das Sportreferat nicht anwesend sei und so Fragen der Bürgerinnen und Bürger zum Ausbau gar nicht gestellt werden konnten.

Weiteres Vorgehen

Das Abstimmungsergebnis geht nun als Empfehlung der Bürgerversammlung an den Gemeinderat. Dieser muss innerhalb von drei Monaten die Empfehlung behandeln. Die Empfehlung soll das Stimmungsbild der Bürgerinnen und Bürger wiedergeben und zum demokratischen Mitspracherecht beitragen. Leider ist die Beteilligung bei Bürgerversammlungen in der Regel stets sehr gering. Lediglich 0,37 Prozent der Bürger aus dem Bezirk 18 waren anwesend. Genau den gleichen Anteil an Anwesenden bei einer Bürgerversammlung hatte in diesem Jahr zum Beispiel Bad Tölz. Selbst ländlichen Gemeinden fällt es schwer, die Bürgerinnen und Bürger für derartige Aussprache-Versammlungen zu aktivieren.

Die Bürgerversammlungs-Empfehlungen findet Ihr nach Veröffentlichung im Ratsinformationssystem der Stadt München:

Ratsinformationssystem – Bezirksausschüsse – Empfehlungen Bürgerversammlung


Kommentar von Reinhard Friedl

Ein „subjektiver“ Bericht über die Bürgerversammlung des 18. Stadtbezirks „Untergiesing-Harlaching“ am 15.11.2018 ab 19.00 Uhr u.a. zum Thema Grünwalder Stadion.

Da es bereits im Vorfeld der Bürgerversammlung in den Medien zu lesen war, dass es bei dieser Bürgerversammlung bestimmt auch um das Grünwalder Stadion gehen wird, ging auch ich zu dieser Versammlung. In der Tasche hatte ich einen Antrag bezüglich Prüfung von Erweiterungsplänen. Allerdings war mir bereits klar, dass ich den Antrag nur einbringen werde, sofern ich das Gefühl habe, dass die Versammlung für diesen Antrag stimmen könnte.

So saß ich bereits eine halbe Stunde vor Beginn in der Städtischen Sporthalle an der nicht unbedingt von mir geliebten Säbener Straße und versuchte einzuschätzen, zu welchem Lager die ankommenden und bereits anwesenden Bürger aus Giesing wohl gehören könnten. Schnell war mir klar, dass ich meinen Antrag in der Tasche behalten werde und einfach abwarte, was für andere Anträge zum Thema Stadion gestellt werden.

Bereits im ersten Vortrag des Vorsitzenden des Bezirksausschusses, Herrn Baumgärtner, war mir klar, dass mein Entschluss, keinen Antrag abzugeben, richtig war. Herr Baumgärtner hat in seiner Einführung zur Bürgerversammlung (ca. 30 Minuten) sehr ausführlich über bisherige Beschwerden der Anwohner referiert und klar gemacht, dass der Bezirksausschuss die Situation mit dem Grünwalder Stadion nicht gut findet.

Allerdings beim zweiten Vortrag, gehalten vom Polizeichef für Giesing, dachte ich mir, na ja, so aussichtslos für das Stadion zu werben, könnte es doch nicht sein. Die Polizei war ausgesprochen zufrieden, sowohl was den Verkehr anbelangt wie auch die sonstige Sicherheitslage. Sätze wie: „Die Heimfans gehen sehr achtsam mit ihrer Umgebung um“, kamen bei mir sehr gut an. Selbst beim letzten Spiel gegen Halle, wo gerade in den Medien gegen das Stadion Stimmung gemacht wurde, war für den Polizeichef, der Einsatzleiter an diesem Tag war, kein Problem. „Die Sicherheitslage hatten wir jederzeit im Griff.“

Nach diesem positiven Votum war nun die letzte Gelegenheit, Anträge abzugeben. Aber ich schaute mir nochmals das Publikum an und mein Ersteindruck war bestätigt. Ich blieb sitzen und mein Antrag in der Tasche.

36 Anträge, davon 5 zum Stadion, wurden abgegeben. Bei einer Vortragszeit von max. 5 Minuten ganz schön viel „Holz“. Also ging`s um 20.00 Uhr mit den Antragstellern und ihren Vorträgen los. Sehr zähflüssig, wenn man bedenkt, dass über scharfkantige Bordsteinkanten, holprige Radfahrwege, schlecht ausgeschilderte Parkplätze an der Säbener Straße beim Schwimmbad und unzureichende Hinweistafeln auf die Parkgarage am FC Bayern-Gelände ausführlich referiert wurde. Beim Thema „Verschönerung des Wettersteinplatzes“ kam man schon näher an das Thema „Stadion“.  Wenn man bedenkt, dass dieses Thema bereits im letzten Jahr behandelt wurde und die Antragstellerin bereits vor der Versammlung in der Bürgersprechstunde die Zusicherung bekam, dass nun im Winter mit den Umbaumaßnahmen begonnen wird, kann man sich schon die Frage stellen, warum dann dem gesamten Publikum eine Präsentation über verrostete Müllbehälter, kaputte Bänke usw. 5 Minuten lang zugemutet wird.

Ungefähr mit dem 10. Antrag wurde nun der erste Beitrag zum Stadion aufgerufen. Dies war kein Antrag sondern eine Anfrage, wie es denn nun zum Stadion steht mit evtl. Ausbau und evtl. Zweitliga-Tauglichkeit. Aber eine Antwort konnte man an diesem Abend nicht erhalten, da kein Mitarbeiter des Schul- und Sportreferates, die für das Stadion zuständig sind, anwesend war. Scharfkantige Bordsteinkanten und zu dichte Bebauung konnten erläutert werden, da alle anderen Referate mit Behördenvertreter der Bürgerversammlung nicht ferngeblieben sind.

Nach dieser Anfrage trat ein 92-jähriger Anwohner des Stadions ans Mikrofon. „Mein Antrag ist kurz und bündig: kein weiterer Ausbau des Grünwalder Stadions.“ Dann stellte sich der Herr vor und erzählte aus dem ersten Weltkrieg, wo er sich etwas zugezogen hatte und daher nicht mehr Fußball spielen konnte. Er war dann jahrelang Schiedsrichter und wird nächste Woche geehrt für 65-jährige Zugehörigkeit der Schiedsrichtervereinigung. Ich stellte mir die Frage: „Ob der wohl noch Spiele pfeift“. Aber als er mit den Worten „ich will auch noch meinen 93. Geburtstag erleben“ seinen Vortrag über sein Leben beendete, dachte ich mir: „Was hatte das alles mit dem Grünwalder Stadion zu tun“.

Der nächste Antragsteller war ein Anwohner, der seinen Namen nicht nennen wollte, weil er befürchtete, von renitenten Fans Besuch zu bekommen. Denn er fürchtete sich schon beim letzten Spiel, als er Bilder von Halle Fans machen wollte, weil die ihn bedroht hätten. Er widersprach auch dem Polizeichef was Verkehr und Sicherheit angeht und stellte den Antrag, keinen Ausbau des Stadions in Erwägung zu ziehen und mit dem zweiten Antrag sogar die Kapazität von derzeit 15.000 Zuschauern auf 12.500 herunter zu fahren. Es sollten sogar Drittliga-Spiele ganz verboten werden.

Nun kam ein Antragsteller, der gleichauf den anonymen Kritiker eingehen konnte und stellte fest, dass zum Glück der Verein seine Heimat wiedergefunden hatte. Er brachte gute Argumente ein, die für einen Ausbau des Stadions am besten für 20.000 Zuschauer sprechen.

Die nächste Sprecherin war eine ältere Dame, die vorbrachte, dass sie die Spieltage genieße, denn wenn sie auf ihrem Balkon säße, dann freut sie sich etwas aus dem Stadion zu hören und kann dann schnell den Live-Ticker dazu lesen. Sie sagte zudem, dass es lächerlich sei, sich wegen zehn Spieltagen zu beschweren und es sicherlich eine Minderheit in Giesing ist, die dieses Stadion nicht will.

Nun folgten weitere gefühlte 100 Anträge, wobei es ja insgesamt nur 36 waren, die sich wieder mit Bordsteinkanten, zugeparkten Radfahrwegen und Lärmbelästigungen von Schülern, die an einem Platz in Harlaching öfters im Sommer feierten.

Bereits während der Vorträge lichteten sich die Reihen der Teilnehmer. Ich sah eine Antragstellerin, die nach ihrem Vortrag sofort mit ihren 2 Bekannten nach Hause ging und wohl gar kein Interesse hatte, wie die Versammlung über ihren Antrag abstimmen wird. Aber ja, sie hatte ja schon in der vorherigen Bürgersprechstunde eine positive Antwort erhalten. Warum hat sie eigentlich die Versammlung dann trotzdem mit ihrem Antrag beglückt? Muss man nicht verstehen, aber ich dachte mir, die war sowieso gegen das Stadion.

Allerdings sah ich auch Leute, die mit einem blauen Schal die Versammlung verließen, weil es sich tatsächlich hinzog wie ein Kaugummi. Nach den Antragstellern kamen dann die Behördenvertreter zu Wort. Außer natürlich dem Schul- und Sportreferat, das die Teilnehmer zum Stadion hätte aufklären können. Aber es war ja wie bereits erwähnt von diesem Referat niemand da.

Als es nun zur Abstimmung der einzelnen Anträge kam, war wohl schon fast die Hälfte der Zuhörer und Stimmberechtigten nach Hause gegangen. Als der Antrag zum Ausbau des Stadions mit über 50 % der Stimmberechtigten abgelehnt wurde, ging auch ich nach Hause und habe mein Votum zu den zu scharfen Bordsteinkanten für mich behalten.

FAZIT: Ein an diesem Tag erwarteter Beschluss von ausgewählten Protestlern, die das nötige Sitzfleisch für die Bürgerversammlung mit brachten. Aber zumindest auch diese waren nicht mit einer Reduzierung der Zuschauerkapazitäten einverstanden und waren auch nicht gegen Drittliga-Spiele. Eine Abschirmung gegen Lärm aus der Lautsprecheranlage durch z.B. Überdachung der Stehplätze würde mit Sicherheit wieder Ruhe ins Viertel, speziell für die direkt anliegenden Bewohner, bringen.

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Serkan
Leser

Empfehlung der Bürgerversammlung an den Gemeinderat? Gemeinderat? Sowas hat es bei uns heraußen. Aber doch nicht in München.

Kompliment für den persönlichen Bericht von Reinhard Friedl. Als wäre man selbst dabei gewesen!

Alexander Schlegel
Leser

Für mich gibts eigentlich nur eine logische Lösung des Problems: Aus- und Umbau des Stadions. Eine Alternative haben wir eh nicht. Und das Lärmproblem bekommt man nur mit einer Schallbegrenzung durch Überdachung in den Griff. Dann kann man ja auch gleich noch ein paar Plätze dazu nehmen, so dass wir irgendwann bei 20 – 25.000 Zuschauern wären.

LionsPack
Leser

Ich war dort. Es waren sehr viele Grüne dort. Solche Bürgerversammlungen sind so eine Sache für sich. Es sind vor allem Leute da, die einen Antrag gestellt haben und sich damit Gehör verschaffen wollen. Aussagekräftig ist das im Hinblick auf ganz Giesing definitiv nicht. Aber das ist dem Stadtrat auch bewusst. Es werden halt wieder einige nutzen um damit Stimmung zu machen. Argumente bringt so eine Bürgerversammlung für die Gesamt-Diskussion nicht.

Weiss-Blau
Gast

Man darf Bürgerversammlung keine allzu große Bedeutung zumessen. Im Grunde sollten sie dazu da sein, dass es zu Aussprachen kommt. Das war ja hier ohnehin nicht der Fall, denn es war niemand anwesend, der auch nur annähernd politisch etwas zum Grünwalder Stadion sagen kann oder Fragen beantworten kann. Leider übrigens auch niemand von der KGaA des TSV. Äußerungen gab es von Herrn Baumgärtner, das ist richtig. Aber er versucht eben als Bezirksausschuss-Vorsitzender die Anfragen der Bürger zu berücksichtigen, mehr nicht. Das geht nun an den Gemeinderat und die müssen darauf reagieren. Eine tatsächliche Abstimmung ist es nicht. Wie im Text ja schon steht, es ist eine Empfehlung an den Gemeinderat.