Das Interview mit Manuel und Stefan

Jeder Fußballclub hat eine Stadionzeitung. Sie gehören zu einem Heimspiel einfach dazu. Aber kaum ein Verein hat auch eine Stadionzeitung für die Spiele ihrer Amateure. Der TSV 1860 schon und das seit nun 13 Jahren.

Wir haben mit den Ama-Lion-Gründern Manuel und Stefan gesprochen und sie ein wenig ausgequetscht. Es ist ein längeres Gespräch geworden – gerade richtig für die U-Bahn-Fahrt, die Mittagspause oder als Gute-Nacht-Lektüre.

Servus Jungs. Schön, dass Ihr Euch Zeit für ein Gespräch mit dem Löwenmagazin nehmt. Stellt Euch doch zu Beginn kurz vor und verratet mir, wie seid Ihr Löwenfans geworden und vor allem, wann habt Ihr beide Euch kennengelernt?

Manuel: Der Stefan ist mir das erste Mal im Münchner Rathaus über den Weg gelaufen, als eine ganze Menge Unterschriften für den Erhalt des Sechzgerstadions übergeben wurden. Muss so im Jahr 2000 gewesen sein, Gott ist das ewig her. Kurz drauf haben wir uns beim Amateure-Auswärtsspiel bei Jahn Regensburg wieder getroffen, geratscht und viele Gemeinsamkeiten festgestellt. So beginnen alle großen Liebesgeschichten; heute sind wir verheiratet und haben 4 Kinder. Nein. Aber im Ernst: Wir sind seit Jahren beste Freunde, ich bin Stefans Trauzeuge und er ist für mich wie ein Bruder. Mangels Heiratswillen wird es da für ihn nicht zum Trauzeugen langen.

Stefan: Zum Kennenlernen hat der Manuel ja bereits alles gesagt, deswegen nur ganz kurz, wie ich zu den Löwen gekommen bin: Mein Vater war schon ein Blauer und hat die Meisterschaft, den Pokalsieg und auch den Einzug ins Europapokalfinale live miterlebt. Der Weg war also geebnet, auch wenn ich meine ersten Stadionerlebnisse dann tatsächlich bei den Roten im Oly hatte. Seit dem ersten Besuch im Sechzger (1988 gegen Frohnlach) war dann aber alles klar. Danach dann immer öfter, später Dauerkarte, aber mit Umzug ins Olympiastadion immer weniger Enthusiasmus. Zur Kompensation habe ich 1995 die Amateure für mich entdeckt, dort auch die Macher des Fanzines „SDL“ kennengelernt und gemerkt, dass ich mit meinem Wunsch, die Löwen wieder in Giesing sehen zu wollen, nicht alleine bin. Kurze Zeit später stieg ich selber beim SDL ein, es folgten andere Fanzines wie die “staz” und der “Rotz im Schnauzbart” – stets kritisch, stets hinterfragend und nie konform mit der Vereinspolitik von Wildmoser. Später war ich dann maßgeblich an der Gründung des Ama-Lion beteiligt und vier Jahre ehrenamtlicher Redakteur, sowie Mitbegründer des TSV Weiß-Blau Sechzgerstadion (WBS) und dessen erster Kassenwart. WBS kennt man heute übrigens dank Spielgemeinschaft eher unter der Bezeichnung TSV 1860 München III und IV, wobei die Jungs auch noch immer unter dem ursprünglichen Namen in der Royal Bavarian Liga kicken.

“Kann ja nicht sein, dass in der Bayernliga jeder Verein eine Stadionzeitung hat, nur unsere glorreichen Löwen nicht.”

Jeder Löwe kennt Ama-Lion – die Homepage der Löwenamateure und deren Stadionzeitung. Ihr beide seid die Gründer. Wann war das genau und wie kam es zu der Idee überhaupt? 

Stefan: Wir waren ja zu dritt – den Alex dürfen wir dabei nicht vergessen, der sich hauptsächlich um das Layout gekümmert, aber hin und wieder schon auch mal nen Text rausgehauen hat. Nebenbei hat er unsere Homepage, die leider nicht mehr existente www.stadionwirtschaft.de, betrieben. Hm, wie kam es zum Ama-Lion? Eigentlich wurde die Idee im Suff geboren, denn nach dem Aufstieg der Amas in die damalige Regionalliga Süd waren wir mit der Mannschaft bis in die frühen Morgenstunden beim Feiern und am nächsten Morgen dachte ich mir: „Kann ja nicht sein, dass in der Bayernliga jeder Verein eine Stadionzeitung hat, nur unsere glorreichen Löwen nicht.“ Also rief ich Manuel und Alex an, was sie von der Idee hielten, das selbst in die Hand zu nehmen und die haben zugesagt. Den Namen steuerte dann übrigens Ernst Tanner, damaliger Leiter des NLZ, bei, der auch recht schnell von unserer Idee zu begeistern war. Ein seit Fanzinezeiten befreundeter Betreiber eines Copyshops in Unterhaching sagte uns auch seine Unterstützung zu und so konnte es losgehen.

Eine Idee zu haben und diese auch umzusetzen, sind zwei Paar Schuhe. Welche Hürden musstet Ihr überwinden, bis die erste Ausgabe gedruckt war oder der erste Bericht auf der Ama-Lion Webseite veröffentlicht wurde?

Stefan: Die Homepage kam ja erst sehr viel später, als Rainer und Bianca Kmeth den Ama-Lion übernommen hatten. Wir waren ein reines Printmedium und die Hürden waren zu Beginn erstaunlich niedrig. Ernst Tanner fand die Idee gut und war wahrscheinlich froh, dass er im Verein keinen suchen musste, der so ein Heft lieblos zusammenschreibt und auch noch Geld dafür haben möchte. Für uns wars ja ne Herzenssache und wir haben das immer ehrenamtlich und unentgeltlich gemacht. Wir haben uns also ein paar Kategorien ausgedacht, die immer im Ama-Lion enthalten sein sollten, ein paar Layout-Fragen geklärt und ansonsten einfach drauf losgeschrieben. Da der Ernst uns in der Regel freie Hand ließ, konnten wir mehr oder weniger tun und lassen, was wir wollten. Das war mitunter sogar vereinskritisch und auch Antipathien gegenüber anderen Vereinen oder dem DFB konnten unterschwellig ausgelebt werden. Sehr schön war natürlich auch, dass wir über den Tellerrand des Löwen-Universums herausschauen konnten, was vor allem Manuel mit seinen „Sonderspielen“ oder diversen Interviews tat.

Ama-Lion
Das Cover des allerersten Ama-Lion am 06.08.2004

Manuel: Es hat vorher alles leichter angemutet als es dann war. Vor allem war es zu Beginn echt schwierig, die Seiten voll zu bekommen. Was schreibt man, wenn 90 Minuten nichts passiert und es am Ende 0:0 steht? Die Seite will ja trotzdem voll werden. Oder wenn die Jungs Mist gekickt haben? Ich wollte nie ein schlechtes Wort über sie verlieren, geschweige denn irgendwen in die Pfanne hauen. Wie verpackt man Mist positiv? Oder Vereine vorstellen, die mich eigentlich nie interessiert haben und, wenn man ehrlich ist, mich auch heute nicht weiter jucken. Mit der Zeit habe ich dann diesbezüglich meine Erfahrungen gemacht und habe auch immer wieder versteckte und auch offene Spitzen darin untergebracht. Wenn ich die Legendenbildung weiter vorantreiben darf: Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals den richtigen Namen des witzigen Nachbarvereins geschrieben hätten. Auch die Jungs aus der südlichen Vorstadt wurden oft mit dem Spitznamen versehen. Der Ernst Tanner hat das immer für uns abgefedert. Persönliche Beleidigungen waren natürlich tabu, schließlich war es ja die offizielle Stadionzeitung. Der Stefan hat öfter meine Brandreden etwas entschärft und trotzdem gab es gelegentlich den Anruf vom Ernst, der dann gemeint hat „also so kannst du das nicht schreiben“. Meine Antwort war immer „doch das geht, siehst es ja“. Schlussendlich haben wir uns immer auf irgendwas in der Mitte geeinigt. Aber wir hatten immer einen großen Spielraum, vor allem, wenn der Ernst unserer Meinung war. Dafür bin ich ihm bis heute sehr dankbar.

Stefan: Bei ganz besonderen Sympathieträgern wie Rangnick und Copado fiel es aber echt schwer, die Contenance zu bewahren…

Manuel: Stimmt, aber einmal haben wir das durchgebracht, weil es keiner gemerkt hat. Da kam aber der Ernst extra in die Stehhalle, um mir den Kopf zu waschen. Großartig auch die kleinen Spitzen, wie z.B. die Augsburger als „Donaustädter“ zu bezeichnen, oder Regensburg als Hauptstadt von Niederbayern zu betiteln. Karlsruher als „Badenser“ satt Badener, da hatten sich die damaligen KSC-Allesfahrer „Kampftrinker“ bitter beschwert und dann haben wir es einfach so belassen. Die eine Hälfte fand das witzig, die andere hat sich vermutlich gedacht „Gott sind die dumm“.

Dies war doch mit finanziellen Ausgaben verbunden. Gab es ein Budget vom Verein dafür oder wie wurde das finanziert?

Stefan: Puh, das weiß ich gar nicht mehr so recht. Wir haben nichts bekommen und ich glaube mich zu erinnern, dass der Copyshop das auch als eine Art Sponsoring gemacht hat. Da wir die Hefte ja zudem auch immer vor den Spielen in Unterhaching abgeholt und dann am Stadion eigenhändig verkauft haben, sind für 1860 keine Kosten angefallen. Als Dankeschön durften wir umsonst ins Stadion und haben auch bei den Auswärtsspielen Freikarten erhalten – die Anreise erfolgte aber stets privat und auf eigene Kosten.

Manuel: Als höchste Hürde, vor allem finanziell, habe ich eigentlich nur den Druck in Erinnerung. Der Ama-Lion sollte dem Verein nichts kosten. Und wir wollten damals unter keinen Umständen Werbung drin haben. Es gab den Slogan „Ama-Lion, 16 Seiten ohne Werbung“. Der Repro-Ruppi hat dann den Ama-Lion quasi zum Selbstkostenpreis für uns gedruckt und somit war das Ding geritzt. Das war zum Beispiel auch der Grund, warum es eben von vorne bis hinten schwarz/weiß war. Ein farbiges Cover, vom Inhalt ganz zu schweigen, war finanziell einfach nicht drin. Und das trotz, wie der Stefan schon gesagt hat, ja der ganze Rest ehrenamtliche Arbeit für den Verein war.

Für den Ama-Lion zu schreiben bedeutete den kleinen Löwen überall nachzureisen. Da lernt man die Jungs selber sicher auch gut kennen. Jetzt will ich aber ein paar Anekdoten hören. Ihr habt sicher was auf Lager?  

Stefan: Klar lernt man die Jungs bei den Spielen und bei den Mannschaftsfesten, auf die man eingeladen wurde, etwas besser kennen, aber man fühlt sich da dann auch als Teil des Ganzen und deswegen möchte ich da nichts erzählen. Die Feiern (Weihnachten, Saisonabschluss, Aufstieg) waren aber durchaus legendär. Viel schöner und bemerkenswerter finde ich eigentlich, dass der Kontakt zu einigen Spielern aufrechterhalten werden konnte und die mich immer noch erkennen und ansprechen, wenn man sich mal über den Weg läuft – und das passiert schon recht häufig. Der Julian Baumgartlinger hat mich beispielsweise damals zur Stadioneröffnung des FSV Mainz 05 eingeladen, Philipp Hosiner hat mir sowohl zu seinen Zeiten in Sandhausen als auch bei Stade Rennes Tickets hinterlegt und der Gigi Holzer ist sowieso eine Weltmacht. Selbst mit Taylor Twellman, der nach seiner Zeit bei 1860 in den USA ganz groß rauskam, zum besten Spieler der MLS gewählt und Nationalspieler wurde, habe ich noch recht lange Kontakt gehalten. Leider konnte ich seiner Einladung zum Länderspiel der Amis in Dortmund arbeitsbedingt damals nicht nachkommen.

Manuel: Interna sollte man nicht preisgeben, das macht man meiner Meinung nach einfach nicht, richtig. Die witzigste Begebenheit war eigentlich, als ich vor einigen Jahren mit meiner damaligen Freundin ein langes Wochenende in Bamberg war und ihr beim Abendbummel vom Alex U-A-Deptalla erzählt habe, der zu der Zeit bei Eintracht Bamberg spielte. Da kam uns ein Pärchen entgegen, ich schaute, er schaute, war es der Alex, ich habe laut das legendäre U-A-Deptalla gesungen und wir sind wie die kleinen Kinder Arm in Arm im Kreis getanzt. Gut, dass Haar weit weg war. Ansonsten ist es natürlich schön, wenn man die alten Jungs irgendwo wieder trifft: den Erkan Atilgan damals in Pipinsried, den Manu Duhnke beim Hoppen, Marcel Maison um die ersten zu nennen, die mir grad einfallen. Als ich zu Beginn dieser Saison zufällig mit Dachau 65 in Kornburg war, ist mir der Marcel Richter über den Weg gelaufen. Der ist inzwischen bei Dachau Sportlicher Leiter. Und er hat seinem Kumpel ganz stolz erzählt, was das damals für eine irre Zeit war, Stehhallensupport, Stadionzeitung, quasi eine eigene Fanszene. Das freut einen dann ganz besonders. Sehr positiv in Erinnerung habe ich viele Trainer, die sich wirklich über die Interviews gefreut haben. Schöne Erinnerungen auch an den respektvollen Umgang mit uns von Größen wie Hermann Gerland und Bomber Gerd Müller, auch wenn das einige wohl nicht hören wollen, das hat mich schon beeindruckt. Kein Gefrotzel, sehr sympathisch, voller Respekt uns und den Löwen gegenüber. Weniger schön die Erinnerung an den Verband, dem ich wochenlang wegen einem Interview bezüglich der damaligen Regionalligareform hinterhergelaufen bin und es schlussendlich auch nicht bekam. Das ist also der Dank ans Ehrenamt, dachte ich mir damals und habe deswegen umso schöner die Interviews mit Verantwortlichen von Vereinen im Gedächtnis, die eben den Irrsinn Regionalliga trotz sportlicher Qualifikation, oder zumindest der möglichen Qualifikation, nicht mitgemacht haben und uns erzählt haben, wieso nicht und was sie von dem ganzen Irrsinn halten. Das waren schon tolle Zeiten.

Es gibt so viele Ama-Löwen, die Ihr „begleitet“ habt und die es später in die Profimannschaft des TSV schafften und hinterher auch eine gute Karriere aufgebaut haben. Die Meisten musste der Verein leider aus Not verkaufen. Darunter sind Spieler wie Marcel Schäfer, Fabian Johnson, Lars und Sven Bender, Julian Baumgartlinger aber auch Timo Gebhart … und viele andere. Wie waren die Jungs damals? Hat man schon sehen können, dass sie mal große Karriere machen und gab es den einen oder anderen, der Potenzial zu mehr hatte und es doch nicht schaffte? 

Manuel: Das ist Spezialgebiet Stefan. Ich kann da wenig dazu sagen. Es waren immer die Löwen-Amateure, die gezählt haben und gefühlt war für mich auch ein Aufstieg zu den Profis wie ein Wechsel zu einem anderen Verein. Meine großen „Lieblinge“ waren immer die, die es nie richtig gepackt haben. Eben ein Alex Deptalla, ein Manuel Schäffler, und natürlich der schon erwähnte Gigi Holzer. 

Stefan: Der Fabi Johnson hat an seinem 17. Geburtstag sein erstes Pflichtspiel für die Amas bei den Stuttgarter Kickers absolviert; dass das einer wird, war absolut klar. Auch bei Benny Lauth und Marcel Schäfer war absehbar, dass sie ihren Weg machen werden und das haben beide ja auch eindrucksvoll getan. Für mich ist der Schobi auch vom Sympathiefaktor her ein ganz Großer. Die Bender-Buam fand ich bei den Amateuren gar nicht so herausragend, aber die waren damals auch erst 17 und wurden schon viel zu sehr gehyped, als dass sie sich hätten ruhig bei den Amas entwickeln können. Es gab aber auch einige Spieler, deren Talent bei den Löwen scheinbar nicht erkannt wurde und die erst wechseln mussten, um entdeckt zu werden – Christian Träsch ist da ein gutes Beispiel. Ich fand den damals bei den Amateuren überragend, für nen Profivertrag hats aber nicht gereicht. Und dann gabs natürlich auch einige Spieler, die mit einem riesigen Talent gesegnet waren, die es aber trotzdem aus diversen Gründen (Verletzungen, Einstellung, zu früher Wechsel) nicht geschafft haben. Exemplarisch sind da Manuel Duhnke, Andi Rössl, Awudu Issaka oder Michael Schick zu nennen.

Manuel: Ach ja, Awudu Issaka Discodancer… Weil Du nach Anekdoten gefragt hast, Tami. Eine für mich sehr witzige fällt mir da gerade ein, der Stefan erinnert sich bestimmt auch noch dran und die kann ich auch erzählen: Es war kurz nach der völlig irren Rede des Herrn R., damals Hoffenheim, heute bei RB. Auf Grund dieser Rede wurden damals übrigens die Stehhallen-Rabauken ins Leben gerufen. Also kurz drauf spielten wir, also die Amateure, in Elversberg. Brent Goulet war da damals Trainer und zu ihm hatte ich einen sehr guten Draht. Wir wurden da auch immer sehr freundlich aufgenommen. Am Ende der Pressekonferenz kam dann die übliche Frage nach „weiteren Fragen“ und ich habe mich gemeldet. Der Ernst hat das gesehen und ist beim Zusammensacken fast vom Stuhl gefallen. Die Reaktion war grandios. Er kannte mich ja und hätte nicht mehr einschreiten können, wenn ich mal wieder etwas, nunja, über das Ziel hinausgeschossen wäre. Dabei wollte ich mich nur für die nette Aufnahme und die Gastfreundschaft bedanken. Für die Dankesworte gab es damals Applaus. Aber an die Reaktion vom Ernst werde ich bis zum Ende meines Lebens denken und schmunzeln.

Stefan: Ja, das war sehr geil. Der Gesichtsausdruck vom Ernst – unbezahlbar! Okay, eine Anekdote dann doch auch noch von mir: Wir hatten mal einen Stürmer namens Ralf Schmitt, den wir von der Stehhalle aus mit „You’re Schmitt and you know you are!“ anfeuerten. Er hat das auf dem Platz dann wohl leider falsch verstanden und uns eines Tages angesprochen, warum wir ihn denn scheiße fänden. Nachdem das aufgeklärt war und wir ihm versicherten, dass er sogar sehr beliebt bei uns sei, hat er sich umso mehr gefreut und war extrem zugänglich für die Fanszene. Super Typ.

Ama-Lion
Ein Bericht über Manuel und Stefan aus der SZ aus dem Jahr 2005.

 

Ihr seid dem Amateurfußball treu geblieben – als Groundhopper bzw. „Regiohopper“. Was reizt Euch dabei? Was ist das Besondere an den kleinen Klubs? 

Manuel: Hoppen ist zu einer Sucht geworden. Der Stefan hat ja vorhin schon die Sonderspiele erwähnt. Die, und somit das aktive Hoppen, haben begonnen, als ich mir unsere möglichen Gegner im Toto-Pokal angeschaut habe. Damals durften die Amateure noch mitspielen. Das fand ich so bereichernd für mein Leben, keine Ama-Lions abholen und verkaufen, nicht Stunden vorher da sein, nicht ständig dem Kollaps nahe Fußball schauen. Aber wer mich kennt weiß, dass ich dann doch auch Teile meines Herzens an andere Vereine verloren habe, an Herakles zum Beispiel, oder natürlich an den SC Gaißach. Aber zum Großteil schaue ich ganz entspannt die Spiele. Ich wollte auch nie die große Kiste aufmachen mit Länderpunkten und so. Ich wollte München haben, meinen Landkreis Dachau und etwas im schönen Bayernland rumschauen. Den Irrsinn, den ich heute abliefere, war so nie geplant. Aber Fußball im Bayerischen Wald, oder z.B. dem Wahnsinnsambiente bei Eibsee Grainau oder dem SC Hatlerdorf im Vorarlberg ist halt unfassbar geil. Dazu gibt es viele kleine Perlen in Bayern, in Schwandorf zum Beispiel oder das alte Stadion in Abensberg. Da kann man auch einige „normale“ Plätze verkraften, Hauptsache es wird gekickt. So sind inzwischen auch die Landkreise Fürstenfeldbruck und Aichach fußballtechnisch abgegrast.
Schlussendlich kann man sich einbilden, dass das noch der ehrliche, echte Fußball ist. Man steht zumindest neben der Linie, riecht den Rasen, kann aufmunternde Worte zurufen, oder eben auch nicht, den Ball zurückwerfen oder halt weiter wegschießen. Für mich ist das perfekt.

Stefan: Da kann ich mich Manuel nur anschließen. Man ist näher dran, bildet sich zumindest ein, von außen Einfluss nehmen zu können und es macht einfach mehr Spaß. Ich wohne nun ja wie gesagt am Bodensee und bin im Handumdrehen in Österreich (wo ich auch arbeite), in der Schweiz, in Liechtenstein und habe einige deutsche Landesverbände direkt vor der Haustür. Eine sehr reizvolle Ausgangsposition.
Nichtsdestotrotz finde ich es schon auch geil, zwischendurch im Ausland mal wieder ein Profispiel mitzunehmen oder so ganz abgefahrene Sachen wie Fußball auf Kuba zu erleben.

Nie war deutlicher zu sehen, wie wichtig die Nachwuchsarbeit bei den Löwen ist, wie in dieser Saison. Wo stünden wir heute, wenn wir keine gute U21 gehabt hätten?! Mach doch mal einen kleinen Aufruf an die Fans. Warum sollten sie zu den Spielen gehen? 

Stefan: Du meinst einen Appell, auch jetzt die 2. Mannschaft zu unterstützen? Mei, Du sagst es ja schon selber: Dort hat man die Chance, die Spieler schon in jungen Jahren zu sehen, die es später auf die große Fußballbühne schaffen können. Ich finde es allerdings schade (wenn auch nachvollziehbar), dass die Zweite nun nicht mehr im Sechzgerstadion spielt.

Manuel: Ein Appell für unsere 2. Mannschaft ist gleichzeitig ein Appell für den Amateurfußball. Bei all dem Irrsinn, der inzwischen vorgetragen wird, verlieren sich ja die Zuschauer selbst. Was DFB und DFL so anstellen, der Sicherheitswahn, die Aufmärsche der Staatsmacht, stundenlang anstehen für überteuerte Karten. Viele merken das scheinbar nicht. 200 Mio Euro Ablöse, das ist pervers, oder 150 Euro für ein Trikot. Dann lieber vorher dem Gegner sagen „pass mal auf, wir haben da grad eine Sau am Spieß und ein 50l-Fass Bier – und wir brauchen die Punkte“.

Also Leute, Glotze aus, Stadion an! Geht zu den Amateuren, feuert die Jungs an, auch das sind Herzblutlöwen! Und auch sie danken es Euch mit ihrem ganzen Einsatz und dem ganz besonderen Leuchten in den Augen, der mich seit Jahren gefangen hält.

Ama-Lion
Manuel Böhm und Stefan Kranzberg beim Damen-Rugby in Heidelberg

DANKE !!!

Manuel: Immer gerne, auf die Löwen!

 

 

 

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Luenchner Moewe
Leser

Super Interview – toll zu lesen!

LNHRT
Leser

Sehr schönes Interview. Hat wirklich Spaß gemacht zu lesen.

Flo
Gast
Flo

Super Interview, super Leute !!

Tom Vau
Gast
Tom Vau

Solche Fans braucht jeder Verein und jede Mannschaft. Danke für das Interview.