Das Löwenmagazin fuhr mit dem Zug um 10.35 Uhr von München nach Augsburg. Einen Zug später als die Münchner Löwen, die damit bereits am Hauptbahnhof vor Ort waren.

Am Bahnhof angekommen erfuhren wir, dass die Polizei den Bahnhof abgeriegelt hatte. Da wir den Nordausgang genutzt hatten, tangierte uns das nicht. Allerdings teilten wir uns auf. Während ich mich mit einigen anderen in Richtung Königsplatz aufmachte, ging Arik zu den Absperrungen und den dort eingesperrten Fans.

Absperrung des Weges zum Königsplatz

Auf dem Weg zum Königsplatz wurde uns schnell klar, dass es in diese Richtung kein Durchkommen gab. Auf der Straße zwischen Bahnhof und Königsplatz sind einige Lokalitäten, wo sich auch viele gemäßigte Fans befanden und sich auf das Spiel einstimmten. Ein Passant erklärte, dass die Polizeisperre wohl deshalb da sei, weil auf dem Königsplatz die Augsburger Ultras auf die Löwenfans warten. Hunderte sollen es sein. Er selber sah, wie aus der Tram einige Augsburger raussprangen und zwei Löwenfans die Schals runterrissen und auf sie einprügelten. Die Polizei griff schließlich ein.

Wartezeit am Bahnhof und in der Umgebung

Für uns ging es damit erst einmal nicht weiter. Auf eine Polizeieskorte hatten wir keine Lust, also entschied unsere Gruppe erstmal in der Umgebung zu bleiben und sich ein Bier im Lokal „San Remo“ zu gönnen, während Arik sich bei den Ultras befand.

Kurz vor 12 Uhr kam der nächste Zug mit weiteren Löwenfans an. Auch diese landeten schließlich überwiegend in der Absperrung. Auch ein paar ältere Damen und Herren waren darunter, die keinerlei Verständnis dafür hatten, dass sie zusammen mit den Ultras „eingepfercht“ wurden. Da drei Damen dringend auf die Toilette mussten, versuchte Arik bei der Polizei zu vermitteln. Die setzten jedoch konsequent durch, dass auch die älteren Leute nicht aus der Absperrung konnten. Arik führte die älteren Leute schließlich durch die Ultra-Gruppe Richtung Gaststätte beim Hauptbahnhof.

Fehler der Polizei

Die Polizei machte mehrere Fehler. Zum einen versuchte sie die Löwen-Fans zum Südausgang des Bahnhofes zu bringen, um von dort „loszumarschieren“. Eigentlich standen Sonderbusse bereit. Warum die nicht gleich genutzt wurden, ist uns nicht bekannt. Der verantwortliche Beamte erklärte stets, dass die Leitstelle noch keine Entscheidung getroffen habe. Dummerweise versäumte die Polizei die Löwenfans auch tatsächlich im Süden zu sammeln und so ging der gesamte Pulk einmal durch den Bahnhof und kam auf der anderen Seite wieder heraus. Auch dort wurde erneut abgesperrt.

Gespräche mit den leitenden Beamten vor Ort brachten nichts. Die Polizei war freundlich, aber vor allem überfordert. Informationen von der Leitstelle fehlten. Niemand konnte eine Entscheidung treffen. Fans zwei Stunden lang auf einem Platz einzusperren ist wohl definitiv die falsche Taktik im Hinblick auf Deeskalation. Die Sechzger-Fans blieben friedlich, wenn sie auch unruhig wurden. Von anderen Vorfällen hörten wir erst später. Mit dem großen Pulk der Ultras hatten die allerdings nichts zu tun.

Abmarsch zum Stadion – mit Bus und Tram

Schließlich kamen dann doch um 13.00 Uhr die Busse zum Einsatz. Sonderbusse, die alle eingeschlossenen Fans mit Polizeikonvoi zum Stadion brachten.

Am Königsplatz hatte sich die Lage beruhigt, die Fans schienen weg zu sein, denn auch die Polizeisperre in der Bahnhofstraße löste sich auf. Noch ein letzter Schluck und wir machten uns in guter Stimmung auf den Weg zum Stadion. Ohne Arik, der im vordersten Bus der Ultras mitgefahren war.

Am Königsplatz war unser Ziel schließlich die Tram. Normales sonntägliches Treiben, dachten wir. Doch dann lief ein junger Mann in Rot über den Platz, der von fünf oder sechs in schwarz gekleideten Männern gejagt wurde. Er stürzte zu Boden und wurde von einem Stuhl getroffen. Lange dauerte die Szene nicht, denn die Polizei war relativ schnell vor Ort. Nun waren sie die Gejagten und verschwanden in eine Seitenstraße.

Da wir die Lage in der Stadt noch nicht ganz einschätzen konnten, entschieden wir uns erstmals einen Überblick zu verschaffen und ein paar Tramstationen zu Fuß zu laufen. Einfach der Tramlinie 3 entlang … Unterwegs war nichts los, also stiegen wir am ‚Roten Tor‘ in die Tram ein, fanden sogar Sitzplätze.

Bereits die nächste Station war ‚Haunstetter Straße‘. Unter eine Brücke gelegen kam sie uns dunkel vor. Doch als wir dann die vielen Augsburger in Schwarz und Polizisten entdeckten, kam ein mulmiges Gefühl auf. Die Fans schlugen auf die noch geschlossene Tramtür ein, sie ging auf und schon waren wir mittendrin.

Kleine Bemerkungen waren zu hören, im Sinne „ich habe gerade Durst und Bock jemanden zu verprügeln“, doch wir taten gut daran, so was zu ignorieren. Ein beruhigendes Gefühl gab uns die Polizei, die mit zwei Bussen den ganzen Weg neben der Tram mitgefahren ist und jederzeit zum Stoppen und Eingreifen bereit war, sollte es in der Tram eskalieren.

An der Universität – dem eigentlichen Treffpunkt der Augsburger – stiegen fast alle Augsburger Fans aus und wir konnten ein wenig durchatmen. Es ging weiter Richtung Stadion, wo wir schließlich auf Arik trafen.

Fazit: Die Koordination der Polizeikräfte vor Ort war absolut mangelhaft. Männer und Frauen über 70 Jahre zusammen mit den Ultras am Bahnhof auf kleinstem Raum festzuhalten ist sicherlich nicht der richtige Weg. Und auch das Festhalten der Fans am Bahnhof über zwei Stunden kann nicht im Sinne einer deeskalierenden Vorgehensweise sein.

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Franke
Gast
Franke

Danke für Ihren Beitrag. Ich lese heraus, dass es für Nicht-Ultras nicht der richtige Weg sei, sie für 2 Stunden vor dem HBF festzuhalten. Sind denn Ultras Menschen zweiter Klasse oder warum sollte für diese Personengruppe dieser Zustand nicht weniger erträglich sein?