Dr. Markus Drees ist seit drei Jahren bereits im Verwaltungsrat und kandidiert auch in diesem Jahr für das Amt. Der promovierte Chemiker ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität München.

Drees ist ein vielseitiger Unterstützer des TSV. Er gehört nicht nur dem Hauptverein an, sondern ist auch Miglied der Freunde des Sechzger Stadions, PRO1860, TSV Weiß-Blau Sechzgerstadion und Schriftführer der Wählergruppe Sechzgerstadion. Als Berater und Mitglied ist er in diversen Satzungs- und Stadionkommissionen beim TSV 1860 München.

Das Löwenmagazin traf sich mit dem aktuellen Vorsitzenden des Verwaltungsrates im Biergarten des Parkcafé.

Das Interview

Markus Drees, Du bist ja bereits im Verwaltungsrat und hast dort auch den Vorsitz. Welche Motivation hast Du, auch 2018 wieder für den Verwaltungsrat zu kandidieren?

Als ich vor drei Jahren gewählt wurde, war das für mich Neuland. Ich wollte dem Verein dienen, vor allem natürlich dem e.V.. Ich habe in den drei Jahren gesehen, dass wir mit dem modernen Breitensportverein vorankommen und das wollen wir natürlich weiterführen. Die gesamten Angelegenheiten mit der KGaA ist dabei ein Sonderfall. Ich trete nicht an, um das zu kitten was bislang passiert ist, sondern ich möchte für den e.V. da sein und dort fortführen, was wir bislang erreicht haben.

Gibt es spezielle Themen, die Dir da aktuell wirklich am Herzen liegen?

Ja, die gibt es. Was mir besonders wichtig ist, das ist das Vereinsmuseum. Das hatte ich damals, vor drei Jahren, auf der Agenda, dass wir das angehen müssen. Die Tradition muss bewahrt werden. Was ist ein Traditionsverein, wenn er kein Museum hat? Das ist ein großes Anliegen von mir. Und dann natürlich, dass man den Breitensport weiter fördert. Die Gründung weiterer Abteilungen zum Beispiel. Eine Dartabteilung ist schon im Gespräch. Wir möchten moderne und neue Sportarten im TSV etablieren. Ich möchte mich auch weiterhin dafür stark machen, dass der e.V. durch neue Mitglieder ein gutes Polster bekommt. Wir müssen uns weiterhin für eine starke Finanzkraft einsetzen, um die Jugendarbeit weiter fördern zu können.

Welche Abteilungen liegen Dir besonders am Herzen?

Meine Heimatabteilung ist die Fußballabteilung, das ist klar. Und die liegt mir auch besonders am Herzen. Im Rahmen meiner Tätigkeit als Verwaltungsrat hatte ich – wie alle Verwaltungsräte – Patenschaften. Zunächst bei den Ringern, die ich kennenlernen durfte, dann auch bei den Basketballern. Zudem habe ich eine zweite Mitgliedschaft in der Behindertensportabteilung. Die habe ich auch bislang am Häufigsten besucht.

Inwieweit unterstützt Du den Verein bisher?

Als Verwaltungsrat hatte ich, wie gesagt, die Patenschaft bei den Ringern. Die haben wir mit finanziellen Mitteln auch von den Freunden des Sechzger Stadions unterstützt (z. B. mit den Einnahmen der Stadtteilführungen). Dafür habe ich mich eingesetzt. Bei den Freunden des Sechzger Stadions nehmen wir Geld ein, das überwiegend an die Fußballabteilung geht. Aber eben auch an die Ringer. Privat habe ich auch ein wenig gespendet. Grundsätzlich ist meine Unterstützung jedoch in Form meiner Tätigkeit als Verwaltungsrat.

Wie wichtig ist die 50+1-Regelung?

1860 hat sich den Regeln und Regularien des DFB und der DFL zu unterwerfen und muss danach handeln. Das gilt auch für 50+1. Ich war dabei, als wir diese Regelung zum ersten Mal gezogen haben. Da saß ich im Beirat der Geschäftsführungs-GmbH und wir konnten durch sie den Geschäftsführer Markus Fauser durchsetzen. Ich finde, dass das eine gute und wichtige Entscheidung war. Es ist zudem eine Vorgabe von Herrn Koch vom Bayerischen Fußball-Verband gewesen, dass der e.V. handlungsfähig bleibt und die Zügel in die Hand nimmt. Um die Lizenz für die Regionalliga zu bekommen. Im Juni letzten Jahres ging es ja drunter und drüber.

50+1 wurde also bei Fauser gezogen, war es bei Scharold dann auch so?

Ja, bei Scharold war es genauso.

Soll sich der Verwaltungsrat in das Tagesgeschäft der KGaA einmischen?

Sicher nicht. Ich bin der Meinung, wir müssen klare Strukturen schaffen. KGaA als eine Gesellschaft und der e.V. als eine Gesellschaft. Es gibt einige gemeinsame Themen, aber grundsätzlich sollte der e.V. sich aus dem Geschäft der KGaA heraushalten. Übermäßige Spielertransfers oder Leihgeschäfte müssen vom Präsidium abgesegnet werden als Gesellschafter und Teil der Geschäftsführer-GmbH. Aber auch da sollte man dem Geschäftsführer soviel Vertrauen entgegenbringen, dass die Bestätigung nur eine Formsache ist.

Präsident Robert Reisinger ist nicht gerade der Medien-Hengst. Sollte er sich medienwirksamer als Präsident des TSV München von 1860 präsentieren?

Das war einer der großen Kritikpunkte bei Präsident Peter Cassalette. Der war im Endeffekt der zweite Pressesprecher der KGaA. Damals war Reisinger wie alle dagegen, dass Cassalette immer wieder vorprescht. Es wäre deshalb seltsam, wenn er es jetzt selbst tun würde. Ich finde er macht es sehr gut. Ich persönlich bin der Meinung, dass der Geschäftsführer der KGaA deutlich öfter in den Medien sich präsentieren sollte als der Präsident des e.V..

Was uns auffällt ist, dass die Mitgliederversammlung ja im Endeffekt das höchste Organ des TSV ist, man aber immer wieder nach einem großen starken Mann ruft.

Das ist historisch bedingt. Man hatte immer die starken Präsidenten und dann höchstens noch die Delegiertenversammlung, die das Präsidium berät. Alles war aufs Präsidium ausgerichtet. Das ist mit der Satzungsreform damals 2012 ein wenig umgeschrieben worden. Die Mitgliederversammlung ist das höchste Organ. Das sieht man halt oberflächlich nicht.

Als zukünftiger Verwaltungsrat kannst Du die nächsten Kandidaten für das Amt des Präsidenten vorschlagen. Welche Persönlichkeit wäre Dein Kandidat?

Ich wüsste aktuell nicht, warum ich Robert Reisinger nicht vorschlagen sollte. Wenn er denn zur Verfügung steht. Das ist ja auch seine Entscheidung, ob er erneut antreten möchte. Es benötigt eine 2/3-Mehrheit im Verwaltungsrat, um einen Kandidaten dann vor der Mitgliederversammlung zur Wahl zu stellen. Das muss man bedenken. Das ist keine Ein-Mann-Entscheidung.

Ist es denn sinnvoll, dass der Verwaltungsrat den Kandidaten castet und dann den Mitgliedern vorsetzt?

Ich habe mich ja damals dafür eingesetzt, als es in der Versammlung den Antrag von Herrn Lichtenauer gab. Die Idee ist, dass man über zwei verschiedene Wege auch zwei Kandidaten ins Rennen schickt. Einmal über den Verwaltungsrat und einmal über den Wahlausschuss, aus dem Volk heraus, sozusagen. Alternativ wäre die Möglichkeit, dass der Verwaltungsrat grundsätzlich zwei Kandidaten zur Wahl vorschlägt. Ich war damals Teil des Gremiums, das die Satzungsänderung dann ausgearbeitet hat. Aber unser Vorschlag fand dann leider keine satzungsändernde Mehrheit.

Sollte sich der e.V. oder auch die KGaA direkt um die Fans kümmern?

Bei der Betreuung durch den e.V. müssten ja alle, die dort betreut werden, Mitglied werden, da sonst Ressourcen des e.V. für Nichtmitglieder verwendet werden. Ein anderes Modell wäre, dass das von der Fußballfirma gemacht wird, dazu könnte man auch jemanden einstellen. Wie bei Hertha BSC, das wäre gut. Bei uns ist das Modell eines Dachverbandes sehr schwierig wegen der bisherigen politischen Einmischung.

Viele Fans stören sich aktuell daran, dass es indirekt wieder zu einer Blockwahl kommt. War es taktisch klug, als sogenanntes „Team Profifußball“ anzutreten?

Ob es taktisch klug war, möchte ich nicht bewerten. Aber klar ist, dass man die Wahl ad absurdum führt, wenn man nun wieder Listen hat. Gerade die neutralen Kandidaten werden dadurch benachteiligt. Es ist klar, dass PRO1860 in den kommenden Tagen auch eine Liste von neun Leuten als Wahlempfehlung veröffentlichen wird. Das ist leider als Antwort auf das Team Profifußball notwendig. Mir persönlich widerstrebt das.

Drees und das Sechzger Stadion. Wie wichtig ist für Dich die Stadionfrage?

Ich bin seit 2001 Mitglied bei den Freunden des Sechzger Stadions, auch wenn ich wegen meinem Amt als Verwaltungsrat dort nun kürzer getreten bin. Die Stadionfrage ist die Frage, die uns die nächsten Jahre auf dem Weg nach oben begleiten wird. Wer hätte gedacht, dass wir im Grünwalder spielen, als es in die Regionalliga ging? Jetzt dürfen schon 15.000 ins Stadion. Da muss man dranbleiben. Ich denke, dass die KGaA hier nun eine Kommission einsetzen wird und die Frage dann intern und von der rechtlichen Seite geklärt wird. Vor allem natürlich mit der Stadt, die Eigentümer ist.

Das Team Profifußball will bis Ende des Jahres eine Aussage von der Stadt zum Stadion bekommen. Meinst Du, es ist sinnvoll, der Stadt die Pistole auf die Brust zu setzen?

Wenn die Stadt unsere Satzung kennt, dann fragt sie natürlich erst einmal, welche Mannschaft des e.V. im Stadion spielt. Natürlich bietet der Verwaltungsrat der KGaA an, an dieser Problematik mitzuarbeiten und zu unterstützen. Aber der Mieter ist ganz klar die KGaA. Als Verwaltungsrat sollte man da nicht vorpreschen und deshalb ist diese Wahlkampf-Parole von Seiten der Kandidaten zweifelhaft. Wenn, dann geht es nur mit einem Gremium, das von der KGaA geführt wird.

Taktisch muss man ohnehin den Hebel vor der Stadtratswahl ansetzen. Im Moment geht es darum, auszuloten was geht. Vielleicht sind die von der SPD angesprochenen 18.600 Zuschauer bereits relativ rasch möglich, wenn man sich um den Lärmschutz kümmert. Dann muss man weiterschauen. 30.000 sind so ad hoc sicherlich nicht möglich. Meine Vermutung ist deshalb, dass man mit dieser Forderung des Team Profifußball ganz klar auf einen Neubau hinaus will. Für mich ist ein stetiger Ausbau die Lösung. Zum Beispiel im ersten Schritt die Westkurve als den ältesten Bauteil abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Oder man baut auf das jetzige Fundament der Westkurve Stahlrohrtribünen drauf, wie es lange Zeit auch bei St. Pauli war. Dadurch bekäme man mehr Sitzplätze. Über die Stahlrohrkonstruktion könnte man zudem ein Dach setzen. Diese Ideen muss man jetzt entwickeln.

Was wünschst Du Dir für die Versammlung am 22. Juli 2018 im Zenith?

Dass die Versammlung friedlich bleibt und dass sinnvoll diskutiert wird. Dass nicht Populismus siegt sondern Fakten. Das wäre mir wichtig.

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HHeinz
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Ich schätze an Dr. Markus Drees seine unglaublich starke Präsenz. Wann immer ich im Verein auftauche ist er schon da. Immer ansprechbar, immer freundlich und er arbeitet anscheinend gerne im Hintergrund und ist ein ausgesprochner Teamplayer. Schade dass das anscheinend manchmal auch ausgenutzt wird.

Ich habe trotzdem manchmal Kopfschmerzen wegen dem meiner Meinung nach arg verschlossenen Verwaltungsrat. Also hoffe ich dass der/die ein oder andere Kollege/Kollegin vielleicht ein paar Ideen mitbringen wie man die Arbeit dieses Gremiums zumindest für Mitglieder etwas transparenter gestalten könnte.

Dass er im Grünwalder Stadion unbedingt mit der schönsten (und größten) Kurve anfangen möchte sehe ich ihm nach.

Reinhard Friedl
Leser

Sollte auf alle Fälle wieder dem Verwaltungsrat des e.V. angehören.

Baum
Leser

Herr Dr. Drees wird auf jeden Fall meine Stimme bekommen. Nachdem was er im letzten Jahr einstecken musste (forciert von einem gewissen Blogger und seinem Anhang) kann man nur den Hut ziehen. Kopf hoch und weiter so!

Bluemuckl
Leser

Ich durfte Herrn Dr Markus Drees mal in der West kennenlernen. Ein sehr freundlicher, zurückhaltender, angenehmer Mensch.

Mit seinen gut gewählten Antworten kommt er bei mir auf die „wähle ich“ – Liste.

United Sixties
Leser

Gute sachliche Antworten vom Markus, so wie ich ihn über Jahre Kennenlernen und schätzen durfte. Meine Stimme bekommt Markus DREES, weil er besonnen und klar in seinen Ansichten bleibt.

unvoreingenommen
Leser

Zitat Drees „Übermäßige Spielertransfers oder Leihgeschäfte müssen vom Präsidium abgesegnet werden als Gesellschafter und Teil der Geschäftsführer-GmbH.“

War HI doch nicht allein Schuld?

Wolf
Leser

Nicht allein, aber doch überwiegend. Es wurde ihm insbesondere vom damaligen Präsidenten praktisch freie Hand bei den Verpflichtungen gelassen.

Serkan
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Woran schuld? Am sportlichen Abstieg? Das kann man ihm kaum vorwerfen. Er wollte „to the top“. Sport hat nun mal auch Verlierer. Dass er sich aber der Verantwortung für die Finanzierung „seiner“ Spieler und „seines“ üppigen Trainer- und Geschäftsführerstabs entzogen hat, nachdem die Sache schief ging, schon. HI hat die Party samt Liverpooler Zeremonienmeister bestellt und 60 am Ende mit der Rechnung dafür sitzen und in „4“ fallen lassen. Das ist seine Schuld.

bluwe
Leser

Wer war denn der Präsident im Abstiegsjahr? Hast die Marionette schon wieder vergessen?
Andersrum, jetzt im Konjunktiv:
Was wäre denn gewesen wenn der VR versucht, bzw. das damalige Präsidium das „go to the top“ blockiert hätte um die Spieltransfers in der Winterpause verhindern zu können? Bitte um Deine Erklärung.