Der TSV 1860 von München ist nach 12 Jahren und 60 Tagen in seine alte Spielstätte zurückgekehrt. Ins Grünwalder Stadion – da wo das Herz zu Hause ist.
Diese Gelegenheit möchte ich nutzen und zum Anfang zurückkehren – ins Jahr 1926. Genauer gesagt zum 10.10.1926 und zu der Einweihung des neuen und einzigen Münchner Stadions.

Am 09. Oktober 1926 erschien in der Allgemeine Zeitung (unter oberen Überschrift) folgender Artikel, den ich nicht vorenthalten möchte, da er das heute fast 91 Jahre alte Stadion so schön würdigt.

Einweihung GWS 1926
Allgemeine Zeitung – 09.10.1926: >Stadion-Einweihung an der Grünwalderstraße<

Welch ungeheuren Aufschwung die Sportbewegung in den letzten Jahren in Deutschland genommen hat und wie stark das Interesse in alle Kreise des Volkes gedrungen ist, zeigen am deutlichsten die Besuchsziffern der sonntäglichen Sportveranstaltung. Am überzeugendsten wurde die Stärke dieser neuen Bewegung am Oktoberfesthauptsonntag demonstriert, wo bei den leichtathletischen Wettkämpfen mit Dr. Pelzer und Körnig am Start 50 000 trotz ununterbrochenen Regens begeistert aushielten.

Dass unter solchen Umständen die Frage nach der Schaffung einer großzügigen Münchner Sportanlage immer mehr in den Mittelpunkt gerückt ist, erscheint verständlich. Und der Initiative und Großzügigkeit des Turn- und Sportvereins von 1860 ist es zu verdanken, wenn bereits am morgigen Sonntag die Einweihung des Münchner Stadions an der Grünwalderstraße erfolgen kann.

Wer seit längerer Zeit den Sportplatz nicht mehr gesehen hat, wird erstaunt sein, in welch kurzer Zeitspanne diese gewaltige Anlage erstanden ist. Den Mittelpunkt bildet das 120 mal 70 Meter große Hauptspielfeld, um das eine Kurvenlaufbahn (400 Meter lang und 5 Meter breit) gelegt ist. An der Südseite ist die 50 Meter lange Haupttribüne erstanden, die für 1600 Besucher Sitzplätze enthält. Die kühne Eisenbetonkonstruktion (das weit vorspringende Dach wird von nur zwei Säulen getragen) wird berechtigtes Aufsehen finden. Im Unterbau sind Wohnungen, ein Gesellschaftszimmer, 5 große Umkleideräume, Bäder und andere Räumlichkeiten eingebaut.

Zur gegenüberliegenden Stehtribüne ziehen 3 Meter hohe und 6 Meter breite Zuschauerwälle um die beiden Bogen der Laufbahn. Die Stehtribüne hat eine Höhe von 13 Metern und fasst mit den Verlängerungen 25 000 Zuschauer. Vor dieser Tribüne sind noch 1500 ungedeckte Sitzplätze eingebaut worden.
Unterirdische Ausgänge ermöglichen den raschen Abzug der Massen. An beiden Seiten der Stehtribüne sind zwei Reklametribünen errichtet worden, die bereits in den Anfang der Kurven reichen. Mit dem Ausbau der Westkurve soll nächstes Jahr begonnen werden, so dass drei Seiten der Anlage vollkommen geschlossen sind. Eine Erweiterung in der Richtung der Grünwalderstraße ist allerdings nicht mehr möglich. Auch die Stehtribüne ist in Eisenbeton, und zwar von der Tiefbau- und Eisenbetongesellschaft in 2 1/2 Monaten errichtet worden. Natürlich wird auch der Unterbau der Stehtribüne eine zweckmäßigere Verwendung finden. Eine 110 Meter lange Aschenbahn für Winterübungen wird erstehen; Einstellhallen für mehrere tausend Fahr- und Motorräder werden errichtet.

Die Einweihungsfeierlichkeiten am Sonntag

  1. Ab 1/2 2 Uhr Musik
  2. 2 Uhr Einmarsch aller Abteilungen des Turnvereins München von 1860 und Sportvereins München v. 1860 (männl. und weibl. Jugend, Turner und Sportler, Frauenabteilungen, Männerabteilungen, Turner, Leichtathleten, Fußballabteilung, Schlagballabteilung, Schwerathleten, Hockeyabteilung, Faltbootabteilung, Kraftsportriege, Motorsportabteilung, Turner-Alpen-Kränzchen, Verein f. volkstüml. Schwimmen, Vertretung von FC Bayern und FC Wacker).
  3. Allgemeine Freiübungen unter Leitung von Professor Hacker.
  4. Eröffnungsakt: 1. Sängerchor, 2. Ansprachen, 3. Allgemeiner Gesang.
  5. Stillauf der Leichtathleten.
  6. Pferdturnen der Musterriege.
  7. Rhythmische Freiübungen der Frauenabteilungen.
  8. Gemeinsamer Abmarsch.
  9. Bezirksligaverbandspiel 1860 – VfR Fürth.
  10. Während der Halbzeit: Staffelläufe.

Die Eröffnung findet in dem festlich dekorierten Stadion statt bei gewöhnlichen Eintrittspreisen.

München hat nun sein Stadion. Gewiss war es höchste Zeit, aber nicht zu spät, um nicht dankbar des Vereins zu gedenken, der das Unternehmen entschlossen zum glücklichen Ende geführt hat.

1860 verlor übrigens das erste Spiel gegen VfR Fürth mit 2:4.

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