Manch einer fragt sich im Moment, ob der DFB nun endgültig den Realitätssinn verloren hat. Der Verband, der sich ohnehin schwer mit der Nähe zur Basis tut und immer wieder darum kämpfen muss, dass er auch für die Fans da ist und das Vertrauen seiner Mitglieder verdient, tut sich schwer. Einmal mehr, denn die aktuelle Regionalliga-Reform von Reinhard Grindel und seinem Präsidium sorgt für Aufregung. Aber vor allem für Kopfschütteln. Dr. Rainer Koch vom Bayerischen Fußball-Verband allerdings ist zufrieden.

Die Regionalliga Reform

Die Regionalliga-Reform gilt für insgesamt 2 Spielzeiten. Es gibt 4 Aufsteiger statt bisher 3. Zur Erinnerung: Wir haben insgesamt 5 Regionalligen. Für diese Regelung natürlich einer zuviel. Die Regelung sieht vor: Der Meister der Regionalliga Südwest ist automatisch aufgestiegen. Genauso wie der Meister der Regionalliga Nord-Ost. Bleiben 2 weitere mögliche Kandidaten sowie 3 Regionalliga-Meister. Und für viele Fans, aber auch Vereinsfunktionäre, wird es nun verrückt. Das 3. Aufstiegsrecht wird aus den anderen 3 Verbänden (Regionalliga Bayern, Regionalliga Nord und Regionalliga West) per Losverfahren ausgelost. Bleibt wiederrum ein letzter Platz für die 3. Liga übrig. Die beiden Verlierer der „Tombola“ ermitteln nun den letzten Platz für den Aufstieg, nachdem sie Meister geworden sind.

Interview mit DFB-Präsident Grindel

https://www.youtube.com/watch?v=ylUcr0eabTg

Sachsen droht mit Klage

Die Clubs sind sauer. Der Landesverband Sachsen droht dem DFB sogar mit Klage. Und auch unter den Fans werden in den sozialen Netzwerken viele kritische Stimmen laut. Was der Verband im Frankfurter Congress Center, im Saal „Harmonie“, beschlossen hat, stößt auf massiven Widerstand. Hermann Winkler, Präsident des Landesverbandes Sachsen lässt nach Informationen der „Bild am Sonntag“ juristische Schritte überprüfen.

Dr. Rainer Koch zufrieden

„…eine deutliche Verbesserung deR Ist-Situation …“

(Dr. Rainer Koch)

Dr. Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes und Vizepräsident beim DFB findet hingegen Kritik völlig unangebracht. Bei 11 Freunde wird er wie folgt zitiert: „Konsens zu finden, war nicht immer einfach. Deshalb ist Kritik auch nicht angebracht.“ Er spricht sogar von einer deutlichen Verbesserung. Der BR zitiert den BFV-Präsidenten mit den Worten: „In einer komplexen Fragestellung, in der sehr viele unterschiedliche Interessen berücksichtigt werden mussten, ist es uns gelungen, bis zum nächsten ordentlichen DFB-Bundestag eine Übergangslösung zu finden, die eine deutliche Verbesserung der Ist-Situation darstellt und die von allen Regionalverbänden mitgetragen wird!“ Das werden auch viele in seinem bayerischen Verband anders sehen.

Zitate

Marcus Uhlig, Vorstand Rot-Weiss-Essen

„Ist die Reform das Re­sul­tat dar­aus, dass der Osten sich in den ver­gan­ge­nen Tagen cle­ver po­si­tio­niert und mit Kla­gen ge­droht hat? Ob die Reform nun per Wür­feln, Arm­drü­cken oder Fla­schen­dre­hen fest­ge­legt wurde, weiß man nicht.“ (Zitat-Quelle: Bild)

Hajo Sommers, Rot-Weiß Oberhausen

„Dieses ganze Getue ist doch nur noch lächerlich, einfach albern und grenzt für mich an Volksverarschung. „Ich bin jetzt 59 Jahre alt und weiß nicht, was die Herren da beim DFB veranstalten.“ (Zitat-Quelle: Reviersport)

Franz Wunderlich, Vorstand Viktoria Köln

„Das ist alles einfach nur noch lächerlich und ein großer Witz. Ich gehe noch weiter und sage, dass das Ergebnis der Reform einfach nur die große Schwäche des Verbandes aufzeigt. Es fehlt einfach an einer klaren Linie. Ich kann das alles nicht nachvollziehen, will mich aber auch nicht mehr ärgern. Wir können das alles, was die Herren da oben entscheiden, nicht ändern.“ (Zitat-Quelle: t-online)

Hermann Winkler, Präsident Landesverband Sachsen

„Die beiden festen Aufsteiger könnten schon Spieler für die neue Saison verpflichten, während die anderen 3 Meister noch die Play-off-Spiele bestreiten müssten, bevor sie mit ihren Personalplanungen je nach Ligazugehörigkeit beginnen können. Sollte sich bei der juristischen Überprüfung bestätigen, dass es sich um Wettbewerbsverzerrung handelt, wäre der Gang vor das DFB-Sportgericht die logische Konsequenz.“ (Zitat-Quelle: Bild am Sonntag)

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Sechzig_Ist_Kult
Leser

Das Beste an der Reform ist, dass die Chance, für den Meister aufzusteigen, zukünftig zumindest größer werden. Wenn man davon ausgeht, dass die Chancen bei einem Relegationsspiel stets 50:50 stehen, dann steigt die Chance für den Meister aufzusteigen zumindest von 50 auf 67 Prozent.

Dass dabei ein Aufsteiger per Los entschieden wird, halte ich allerdings – dezent formuliert – für sehr eigenartig. Ich finde nicht, dass sportlicher Erfolg, und damit u.U. auch die Zukunft eines gesamten Vereins von einem Losverfahren abhängig gemacht werden sollte (auch wenn man, sofern man beim Los nicht gewonnen hat, den Aufstieg natürlich immer noch über den sportlichen Erfolg in der Relegation regeln kann). Trotzdem unglücklich, finde ich.

Dass alle anderen diskutieren Verfahren natürlich ebenfalls ihre Probleme mit sich bringen, ist mir bewusst. Für ein Übel musste man sich eben entscheiden. Aber grundsätzlich halte ich ein Losverfahren hier für unangebracht.

Stepanek
Leser

Hallo Arik, eine kleine Korrektur in Deinem Text möchte ich anregen. Es wird nicht nach dem Ende der Saison ein dritter Aufsteiger aus den drei Ligen ausgelost, sondern vor Beginn der Saison durch Los festgelegt aus welcher Liga der Meister direkt aufsteigt.

Das macht dann doch einen kleinen, aber feinen Unterschied.