TSV 1860 gg. FV Illertissen
Westkurve GWS

Ein Kommentar

“Scheiß DFB” klingt es durch die Stadien von der Bundesliga bis hin zur Regionalliga. Und auch beim Spiel gegen den FV Illertissen rollten die Fans des TSV 1860 München ein Spruchband mit der Aufschrift “Fick dich DFB” aus. Doch fragt man Fans, dann bekommt man nur selten eine Antwort, um was es geht. Die Meisten wissen es nicht. Wie so oft bemühen sich Gruppierungen darum, klare Feindbilder zu definieren. Und im Kern ist die Kritik am DFB durchaus berechtigt. Aber Sprüche wie “Fick dich DFB” oder “Scheiß DFB” sind wohl kaum in der Lage, ordentliche Konzepte zu entwickeln, um der Entwicklung beim DFB entgegen zu wirken.

Richtig, wenn es bei einem Verband durchaus gerechtfertigt ist, dass man ihn kritisiert, dann sicherlich der Deutsche Fußballverband. Aber an welchen Hebeln muss man ansetzen? Was sind die zu kritisierenden Punkte?

Aussetzung von Kollektivstrafen durch DFB: Es gibt kein Zurück!

Einer der Punkte ist in jedem Fall der Einsatz von Kollektivstrafen. Sie sind nicht hinnehmbar. Sie sind weder zeitgemäß noch gerecht. Und sie sind einer der wesentlichen Kritikpunkte. Allerdings hat der DFB, es ist noch keine Woche her, Kollektivstrafen ausgesetzt.

“Der DFB empfiehlt seinem Kontrollausschuss, bis auf Weiteres darauf zu verzichten, Strafen zu beantragen, die unmittelbare Wirkung auf Fans haben, deren Beteiligung an Verstößen gegen die Stadionordnung nicht nachgewiesen ist”, so heißt es in der Pressemitteilung des DFB vom vergangenen Mittwoch (wir berichteten). Leider zu spät im Hinblick auf unser Geisterspiel.

Im Endeffekt sind Kollektivstrafen damit Geschichte. Sie werden nicht mehr kommen. Für den DFB gibt es kein Zurück, auch wenn er sie “nur” vorerst ausgesetzt hat. Sie wieder einzuführen wäre im Hinblick der moralischen Grundfrage, ob Kollektivstrafen überhaupt zu rechtfertigen sind, ein Desaster. Deshalb bin ich der Meinung, dass es sie nicht mehr geben wird. Sie sind dauerhaft aus und vorbei. Ansonsten würde sich der DFB lächerlich machen.

Und es geht um noch viel mehr …

Die Aufweichung der 50+1-Regel ist eine der Sorgen, die viele Fans aller Vereine teilen. Dann sind da noch die Stadionverbote und die Spieltagszerstückelungen. Selbst Fans des FC Bayern Münchens schreien laut “Scheiß DFB”. Dabei passt der Münchner Rekordmeister eigentlich ganz gut in das Konzept des Verbandes. Allerdings hat der FCB auch am wenigsten zu verlieren. Er steht an der Spitze. Eine klare 50+1-Regel kann ihm nur recht sein, das festigt seine Alleinherrschaft, denn der FCB hat ausreichend eigene finanzielle Mittel. Bleiben dann noch Stadionverbote oder Spieltagszerstückelungen.

Aber nicht bei allen Punkten werden sich die Fans einig sein. Auch nicht die Fans in einem Verein. Das ist das Problem bei einem gemeinsamen Konzept “gegen” den DFB. Im Stadion lässt man sich schnell darauf ein und singt mit: “Scheiß DFB”. Vor allem aber ist das Problem, dass im Stadion zwar von fast allen Fangruppierungen mitgesungen wird, es jedoch ausschließlich Ultra-Gruppen sind, die mit dem DFB verhandeln.

Der DFB sagt, dass die Visionen und die Konzeptionen als einheitliche Orientierungspunkte im deutschen Fußball praxis- und wissenschaftsorientiert abgesichert sind. Große Worte von einem Verband, der die Basis nicht mehr hinter sich hat. Der Fan hat das Gefühl, dass der DFB den Fußball immer mehr zu einem event-orientierten Marketing macht. Man versucht mit aller Kraft, jeden Euro aus diesem Sport zu pressen. Und die Sorge ist durchaus gerechtfertigt. Event-Fans bringen nun mal mehr Geld ein. Sie sind eher bereit mehr Geld für Getränke und Essen auszugeben, ihnen machen höhere Eintrittspreise nichts aus und vermutlich kaufen sie auch mehr “unnötige” Fanutensilien.

Und dennoch frage ich mich, warum man mit Parolen wie “Scheiß DFB” kommt oder Spruchbänder mit “Fick dich DFB” ausrollt. Vielleicht, um in den Medien für Aufmerksamkeit zu sorgen. Um laut zu wirken und damit aufzurütteln. Viel bringen wird es vermutlich nicht. Vielleicht ist sogar das Gegenteil der Fall. In der Bevölkerung wird plötzlich das ganze Stadion als gröhlende Masse wahrgenommen. Man darf nicht vergessen, dass in unserer Gesellschaft nicht jeder Fußballfan ist.

Ich jedenfalls kann diesem “Scheiß DFB” überhaupt nichts abgewinnen. Ach ja, das kann man übrigens eindeutig zweitdeutig interpretieren.

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14 Kommentare auf "Kritik am Verband: “Scheiß DFB”"

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Andi
Mitglied

Guter Artikel, und schicke Schluss-Pointe im letzten Absatz 😉 Ich bin gerade erst seit einer Viertelstunde hier angemeldet und es ist eine Wohltat, Deine Berichte zu lesen! Weiter so.

Tami Tes
Editor
Aktionen gegen Fußballverbände werden immer mehr und betreffen viele Länder. Auch aus Kroatien kenne ich solche Aktionen gegen den Verband (von dem Davor Suker der Präsiden ist). Ihnen wird Korruption, Geldgier und so einiges mehr vorgeworfen. Ich kann bei einigen Themen den Frust verstehen, denn auch ich finde, dass vieles aus Geldgier passiert bzw nicht richtig ist, ob es um Spieltagzerstückelung, Relegationspiele, Ablösesummen oder auch Vergabe der Übertragungsrechte, gerechte Verteilung der Gelder an die Klubs usw. geht. Doch ob solche Aktionen fruchten, ist fraglich. Die Fans machen definitiv auf sich aufmerksam, aber mehr auch nicht, oder? An die Spitze treiben… Read more »
BruckbergerLoewe
Mitglied
Die Aktion war richtig , auch in dieser Deutlichkeit.Ich glaube nur in dieser “Sprache” versteht der DFB was die Fanszene bewegt.Es muss Schluss sein mit 3 stelligen Millionenablösesummen.Kein Mensch will,wird und kann 150 EUR oder mehr für ein Ticket wie in England bezahlen.In Amerika rudert man bereits wieder zurück, im Basketball wurden Höchstbeträge für Ablösen festgelegt. Kein Mensch will jedes Jahr die gleichen 5 Clubs oben sehen. Sponsoring ja, Investoren nein, die letzten Entscheidungen müssen IMMER beim Verein liegen. Man kann über den FCB in Sachen Geld sagen was man will, aber sie können mit Ihrem Geld umgehen und wirtschaften.Das… Read more »
Tami Tes
Editor
Ich frage mich nur, wie sehr juckt es den DFB was die Ultras wollen oder meinen? Wenn die Fans was anstellen, fließt die Kohle in die DFB Kasse, da die Vereine dafür Strafe zahlen. Stimmung interessiert die ggf. wenig, da es denen auch recht wäre, wenn nur Familien oder Geschäftsleute ins Stadion gehen und schön friedlich die Spiele anschauen und wieder Heim gehen oder sich die Spiele im sky anschauen. Oder geht der DFB in Diskussion mit den Ultras? Ich bin nicht in der Szene und kann dazu nichts sagen. Gibt es solche Treffen zwischen DFB und Vertretern der Ultras?… Read more »
BruckbergerLoewe
Mitglied

Wenn man die Reaktion des DFB auf die Proteste sieht , dann haben sie auf jeden Fall etwas gebracht. Man kann von DFB Seite die Themen jetzt nicht mehr totschweigen und eine negative Presse ist das letzte was der DFB haben will. Man wird sehen was daraus wird. Von Vereins- oder Spielboykott halte ich gar nichts , da bringt man im Gegensatz zu den ULTRAs nie alle unter einen Hut.

Tami Tes
Editor

Das ist mir klar… Wer traut sich seine Spieler zu Hause zu lassen und dann kommt der Gegner und du kriegst das Spiel als 2:0 gegen dich gewertet? Und ob sich die Vereine mit dem DFB verscherzen wollen, ist auch fraglich. Wäre aber mal so richtig coole Aktion.

Das mit der negativen Presse ist ein Punkt!

BruckbergerLoewe
Mitglied
Tami Tes
Editor

Cool. Danke…
Stimmt. An den offenen Brief kann ich mich aus dem Brunnenmiller erinnern.

Personix
Mitglied

Guter Artikel! Ich finde auch dass das “Fick dich DFB” zuweit geht. Dennoch ist Kritik angebracht.
Die Veramerikanisierung des Sports ist nicht gut. HalbzeitpausenShows, singende Stars und Sternchen braucht keiner im Stadion.
Auch die 50+1 Regel kann man kontrovers betrachten. Da es schon eine Aufweichung gibt, jedoch nur für einzelne, sehe ich hier schon Diskussionsbearf.
Für uns wäre die schlechte Aufstiegsregel aus den RegionalLigen in die DFB Ligen auch ein Thema.
Ich denke da gibt es schon genug Theman die man besprechen kann/muss.

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