Ein Kommentar

“Es ist wie ein Autounfall”, sagt ein Fan im Giesinger Bräu zu mir: “Du weißt, du sollst nicht hinsehen und tust es trotzdem!” Die Rede ist von den zahlreichen negativen Kommentaren, die sich in manchen Bereichen im sozialen Netzwerk oder Plattformen wie eine giftige Substanz durch die Kommentarlisten durchfressen. Ich habe mir mal die Mühe gemacht und bin einigen Kommentatoren über zwei Wochen lang gefolgt. Jeden Tag, meist jedoch mehrmals am Tag, wiederholen sie gebetsmühlenartig immer wieder die gleichen Phrasen. Gefangen in ihrer eigenen Negativität. Im Strudel negativer Gedanken schreiben sie ihren Frust heraus. Sie zerstören damit jegliche Diskussionskultur und sinnvolle Unterhaltung. Weil ihre Sätze nicht nur schon tausend Mal wiederholt wurden, sie sind keine Grundlage für irgendeine Diskussion. Und trotzdem antwortet man. Liest sie. Und lässt sich herunter ziehen. Es ist eine negative Verstärkung, die uns alle heimsucht.

Wer über Wochen unter jeden sportlichen Beitrag einen Kommentar schreibt, der mit “Danke den Verantwortlichen für den Untergang” oder “Der Letzte im e.V. macht das Licht aus” endet, der muss zwangsläufig irgendwann depressiv werden. Aus dieser Spirale kommt man nicht einfach so wieder heraus. Man fängt an übertrieben zu Verallgemeinern, engt seine eigene Wahrnehmung ein, in dem man keine anderen Meinungen mehr zulässt, leugnet jegliches Positive und misst stets mit zweierlei Maß. So geht es vielen, die mit ihrer Einstellung zu einer Randgruppe gehören. Es muss nicht unbedingt etwas Negatives sein, einer selbst gewählten Randgruppe anzugehören. Aber in manchen Fällen kann es zu einem regelrechten Abkapseln von der Realität führen. Lebenszeit ist kostbar. Und der Effekt dieser Negativität führt sicherlich nicht zu einem positiven Leben.

Es ist eigentlich eine alte Erfolgsstrategie. Dass man seinen Fokus nicht auf den Zweiflern und Kritikern setzt, der einen herunterzieht, sondern auf die eigentlichen Ziele und auf die Befürworter dieser Ziele. Nur so kann man für sich neue Impulse finden. Aus einer negativen Spirale kommen in der Regel keine interessanten Innovationen. Konzentrierst du dich auf die Negativität, führt das zu Unsicherheit und irgendwann einmal zum Kollaps der eigenen Denkweise. Die Vereinsführung muss sich deshalb von den negativen Kritikern und Pessimisten distanzieren. Auf der anderen Seite muss sie, um neue Impulse zu bekommen, positive Kritiken erkennen. Das ist nicht einfach.

Wir als Fans müssen uns klarmachen, dass wir eines nicht können: Die Spirale der Negativität dadurch ändern, dass wir dagegen argumentieren. Es funktioniert einfach nicht. Es ist vollkommen klar und verständlich, dass wir meist mit Widerstand reagieren. Wir wollen dagegen halten. Ihr müsst Euch alle klarmachen, dass Ihr jemanden nicht ändern könnt, der über Wochen immer nur die gleichen Parolen bietet. Zum Beispiel, dass der e.V. für den Untergang zuständig ist, alles geplant war und es in Zukunft noch viel schlimmer kommen wird. Einige Sekten könnten sich von dieser Untergangsstimmung fast schon eine Scheibe abschneiden.

Wir dürfen uns nicht wehren. So seltsam das klingt. Wir als Fans müssen uns einfach davon distanzieren. Wir müssen anfangen es vollkommen zu ignorieren. Natürlich ist das schwierig. Aber seien wir doch mal ehrlich, eigentlich müssten wir für alle die Pessimisten eine gehörige Portion Empathie mitbringen. Sie können nicht anders. Sie sind gefangen. Und im Grunde sind sie wie Ertrinkende. Natürlich kannst du ihnen die Hand hinhalten. Du kannst versuchen sie ans rettende Ufer zu ziehen, raus aus ihrem See der Negativität. Aber da sie gar nicht gerettet werden wollen, werden sie dich Stück für Stück in ihre Negativität mit hinein ziehen. Und das willst du garantiert nicht. Du kannst ihnen meinetwegen auch zurufen, dass sie zum Ufer selbstständig schwimmen. Sie wollen nicht, akzeptiere es. Wer über so viele Wochen ständig jeden Tag mit negativen Parolen um sich geworfen hat, der wird sich nicht ändern. Und wenn doch, dann freut es uns. Aber das muss er dann schon selbst erkennen.

Nein, wir müssen einfach jegliche negative Spiralen ignorieren. Dann lesen wir es eben nicht, auch wenn es uns wie ein Autounfall vorkommt, wo wir nicht wegschauen können. Wir müssen an uns denken. An unser Seelenheil. Und an unsere Fangemeinschaft. Wir müssen den Hetzern und Pessimisten jegliche Aufmerksamkeit entziehen.

Für mich ist das der vorerst letzte Beitrag in dieser Form und zum Thema der ewig negativen Diskussionskultur. Wer mich auf den Straßen Giesings, in den Kneipen oder im Stadion anspricht und von mir eine Meinung zu der unsäglichen Negativität einiger Kommentatoren will, der bekommt sie nicht. Weil ich mich selbst retten will und weil ich einen Anfang machen möchte. Lasst uns über Sport sprechen. Auch gerne über sportpolitische Ideen und Vorschläge. Aber sobald jemand “Danke e.V. für den Niedergang” oder sonst irgendeinen polemischen Satz fallen lässt, schalte ich auf Durchzug. Und wenn ich es irgendwo zufällig lese, dann werde ich traurig, fahre meine Empathie auf hundert Prozent und sage: “Armer Kerl. Da kommt er so schnell nicht wieder raus. Ich habe Mitleid mit ihm. Aber ich lasse mich nicht von ihm dort reinziehen! Und ich reagiere auch nicht!”

Ab heute gilt: Gebt der negativen Streitkultur nicht auch noch Aufmerksamkeit!

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Tegernseer
Gast
Tegernseer

Es ist ein weltweites soziologisches Phänomen dass die Primitiven glauben die Deutungshoheit zu haben, insbesondere zu Themen die sie nicht verstehen weil sie intellektuell damit überfordert sind. Zum Ausgleich ist diese Spezies aber mit einem hochgradig ausgeprägten Sendungsbewusstsein gesegnet.

In der Anonymität des Informationszeitalters leben diese Kreaturen ihre Triebe ungeniert aus und rotten sich in dafür zur Verfügung gestellten Plattformen zusammen.

Dort werden selbst die banalsten Realitäten und Fakten ignoriert oder gar vorsätzlich verleugnet. In Bezug auf den TSV München von 1860 eV zum Beispiel die Tatsache dass ein sog. Investor die (seine) KgaA in die Niederungen des Amateurfußballs hinein und aus dem FC Bayern-Stadion hinaus getrieben hat.

Bei ersterem besteht die Möglichkeit diesen Status wieder zu ändern, bei letzterem gibt es kein zurück.

Wes Geistes Kinder es sind die nun die verblieben Verantwortlichen desavouieren welche die Scherben zusammenkehren müssen nachdem die Ratten das sinkende Schiff verlassen haben ist offensichtlich, werden jene doch nimmer müde sich wiederholend in ihrem Irrglauben gegenseitig zu suhlen.

Jedwede wie auch immer geartete Aufmerksamkeit oder Reflektion jener Protagonisten ist daher kontraproduktiv und sollte vermieden werden.

Landshuter Löwe
Leser

Sehr gute psychologische Darstellung in einer hier ungewohnten Wortwahl. 😉

Don Zapata
Gast
Don Zapata

Lieber Arik,
danke für deine Worte. Leider sind auf dem anderen Blog wirklich nur noch Beleidiger und Pessimisten unterwegs.
Ich lese die Artikel noch oder nehme sie zur Kenntnis, aber die Kommentare lese ich nicht mehr und ich werde auch auf diese nicht mehr reagieren.
Was mir am Löwenmagazin gefällt, die Objaktivität (ich hoffe, das wird so bleiben), die Gelassenheit und das fokussieren auf das “Fan sein”. Ich bin kein Vereinsoffizieller und auch nicht in der KGaA verbandelt, wie die meisten anderen auch. Deshalb sind negative Kommentare zum e.V., der KGaA-Geschäftsführung etc. auch nicht zeilführend, da wir nicht wissen, was hinter den Kulissen läuft. Also bringt mitschnabeln, und diesbezügliche negativer Stimmungsmache auch nichts.

Weiter so.
ELIL
Philip

tomandcherry
Leser

Ja, Arik, da hast Du m.E. vollkommen recht. Man muss es einfach ignorieren, denn “bekämpfen” durch Gegenargumente bringen, kann man es eigentlich nicht.

Ich bin weit davon entfernt, zu behaupten, bei 60 sei seit dem Doppelabstieg alles und jeder frei von Fehlern und es gäbe nur positive Seiten.

Andererseits erkenne ich das Bemühen der momentan Verantwortlichen diese Situation so weit und so schnell wie möglich zu beseitigen. Das es nicht einfach wird, ist mir klar. Und dass es nicht von heute auf morgen klappen kann, ist ebenfalls klar.

blau91
Leser

Genau aus dem Grund bin ich bei db24 raus. No klicks anymore. Think positiv. Bin schon gespannt, wie die Mannschaft den Ausfall vom Timo kompensiert. Wir sehen uns morgen im hoffentlich vollen Stadion.

niedabaya
Leser

“Jatz geht´s aufwärts”, hat da Spatz gsagt, wia Katz damid üba Treppn aufe is.

Tschuldigung! Bin zum ersten Moi da, aba scho interessant, woas da fia Ansichten zum Lesn gibt!

Banana Joe
Leser

Solange die das beim O. G. machen, ist mir das wurscht! Das meiste bei Facebook zu den Löwen les ich eh nicht, schon gleich gar nicht die Kommentare. Es gibt da diesen Begrifft “Deppenquote”, denen begegnet man täglich auf der Autobahn beim rechts überholen oder 30 cm an der eigenen Stoßstange dran, oder in der Stadt auf der falschen Seite des Radwegs oder beim Straßen überqueren bei rot vor einer Schule…. ja und bei Facebook rotten sich alle irgendwie zusammen, da musst teilweise schon lange suchen, überhaupt einen vernünftigen Kommentar zu finden. Aber so ist es mittlerweile auch bei “the other Blog”. Aber solange die unter sich bleiben… ich bin ja da drüben mehr oder weniger freiwillig raus und habe auch nicht die Absicht, gewissen Personen durch Klicks den Lebensunterhalt zu bezahlen. Diese ganze Negativität da finde ich zum K*tzen, das hat mich teilweise auch schon all die Jahre genervt. Hat ja jetzt – zumindest für mich – ein Ende. Und ich halte es wie du: an dieser Form der Diskussionskultur beteilige ich mich nicht mehr, denn: mein Leben ist absolut positiv! Und das soll es auch bleiben. Und ich sehe derzeit auch keinen Grund, mich über irgendwas bei den Löwen auzukotzen!

chkk3r
Leser

bin da auch seid 1,5 Monaten raus… war nicht mehr auszuhalten. Es war leider keine vernünftige Diskussion zu führen.

Ich bin für konstruktive Diskussionsführung, gerne auch mit einer anderen Meinung. Davor verschließe ich mich ja nicht, jedoch wurde bei “the other Blog” nur noch Hass und Hetze gepredigt

Alex64
Leser

Ah, ein alter Bekannter von “the other Blog” 😉
Ich bin auch immer noch auf dem anderen Blog unterwegs. Besserung ist dort leider nicht in Sicht. Traurig ist für mich nur, was aus dem anderen Blog geworden ist. Eine ernsthafte Diskussion ist nur noch mit ganz, ganz wenigen dort möglich. Alle anderen sind scheinbar nur dort um zu hetzen, zu meckern, zu nörgeln, alles schlecht zu machen und egal was, alles negativ zu sehen.
Selbst positive Meldungen werden von diesen Kommentatoren dort so total verdreht, damit sie auf gewisse Personen losgehen können.
Da ist diese Seite hier eine Wohltat.

Banana Joe
Leser

Ja kann man sich echt schenken da drüben. Sogar wenn ein Artikel nur über das Sportliche geht, ist ein Gros der Kommentare da drunter Nörgelei, Jammerei, Meckerei und Geschimpfe. Brauch ich nicht mehr. Lese zwar auch noch, was der O. G. da zusammenphantasiert, den Kommentarbereich spar ich mir mittlerweile gänzlich, zieht einen nur runter oder macht aggressiv.

Loewenfan66
Leser

schön wieder alte Bekannte zu lesen
und ja es ist hier eine Wohltat ohne Hetze auch mal über unsere große Liebe etwas zu lesen

Landshuter Löwe
Leser

Ich gebe Dir darin Recht, dass es keine Sinn macht, mit den Pessimisten zu diskutieren. Das führt zu nichts. Wiederkauen ist was für Rindviecher.

Wobei ich im Dauerpessimismus eine Art Abwehrverhalten sehe. Wenn es wirklich schief geht kann man sagen “Ich wusste es ja gleich.” ansonsten “Bin ich froh, mich geirrt zu haben.” Das ist mir selbst nicht ganz unbekannt.

Inzwischen ist es bei mir aber so, dass negativen Aussagen über den Verein (Präsidium, sportliche Entwicklung, …) meinen Optimismus eher stärken, zudem wird bei Angriffen auf Personen (wenn ich diese für unberechtigt oder zu bösartig halte) mein “Beschützerinstinkt” geweckt. Und dann kann ich mich nicht immer zurückhalten, wenn auch in einer ruhigen Art und Weise. Aber was mir aufgefallen ist, dass es mir nach einem (Gegen-)Statement trotzdem nicht besser geht. Ich werde jetzt mal versuchen, in diesen Fällen meine Klappe zu halten, ich bin gespannt, ob es klappt.

ELIL
Frank

Bluemuckl
Leser

Danke für den sehr guten Artikel. Diese Einstellung hilft übrigens auch bei ewig frustrierten Kollegen, nörgelnden Lebensabschnittsgefährten, maulenden Kindern und so weiter…