Ein Kommentar

Hand aufs Herz: Sollten wir Meister der Regionalliga Bayern werden, dann ist das zwar schön, wäre aber im Endeffekt nur die halbe Miete. Denn dann steht die Relegation aus. Die Aufstiegsrunde zur 3. Liga. Und nein, es macht im Moment überhaupt keinen Sinn, sich Gedanken darüber zu machen, wer nach dieser Saison unser Gegner sein könnte. Erst einmal müssen wir in der Regionalliga bestehen und vor allem uns durchsetzen. Wir führen zwar in der Tabelle, haben jedoch auch erst sieben Spiele hinter uns.

Und dennoch. Wenn wir aufsteigen wollen, dann müssen wir uns zwangsläufig mit dem äußerst schlechten Modus des DFB beschäftigen.

Die Meisten von Euch wissen vermutlich wie dieser Modus funktioniert. Ihr könnt in den Kommentaren über den Sinn oder Unsinn dieses Systems diskutieren. Allen anderen möchten wir erklären, wie man in die 3. Liga aufsteigt:

Aufstiegsmöglichkeit bis 2011/2012

Die 3. Liga ist die dritthöchste Spielklasse des deutschen Vereinsfußballs. Eingeführt wurde sie zur Saison 2008/09 als neue Profi-Liga zwischen der 2. Bundesliga und der Regionalliga. Damals gab es insgesamt drei Regionalligen. Das waren die Ligen Nord, Süd und West. In die 3. Liga stieg jeweils der Meister der entsprechenden Regionalliga auf. Dementsprechend wurde der jeweilige Meistertitel natürlich vor allem mit einem belohnt: mit dem Aufstieg.

Das waren:

2009

  • Holstein Kiel (Nord)
  • 1. FC Heidenheim (Süd)
  • Borussia Dortmund II (West)

2010

  • SV Babelsberg 03 (Nord)
  • VfR Aalen (Süd)
  • 1. FC Saarbrücken (West)

2011

  • Chemnitzer FC
  • SV Darmstadt 98
  • Preußen Münster

2012

  • Hallescher FC (Nord)
  • Stuttgarter Kickers (Süd)
  • Borussia Dortmund II (West)

Was änderte sich?

Von 2008 bis 2012 gab es also drei Staffeln der Regionalliga. Ab 2012 entschied der DFB die Verantwortlichkeit für die Regionalligen zu splitten, und zwar in insgesamt vier Regionalligaverbände des DFB sowie in den Bayerischen Landesverband. Die Problematik, die sich damit auftat, ist natürlich klar. Es gab anstatt drei Regionalligameister plötzlich fünf Meister. Diese kommen seitdem aus den folgenden Ligen:

  • Regionalliga Nord (Norddeutscher Regionalligaverband)
  • Regionalliga Nordost (Nordostdeutscher Regionalligaverband)
  • Regionalliga West (Westdeutscher Regionalligaverband)
  • Regionalligs Südwest (Süddeutscher Regionalligaverband & Regionalligaverband Südwest)
  • Regionalliga Bayern (Bayerischer Landesverband)

Ein neuer Modus

Der DFB entschied deshalb einen Modus einzuführen, bei dem die drei Aufsteiger für die 3. Liga aus den fünf Regionalliga-Meistern ausgemacht wird. Um Relegationsspiele zu ermöglichen, fehlte natürlich eine Mannschaft. Deshalb entschied man den Vizemeister der Regionalliga aus der Region mit den meisten Vereinen und Mitgliedern in den Modus mit einzubinden (Südwest). Die Relegationsspiele werden am Ende der Saison ausgelost. Gespielt wird eine Hin- und eine Rückrunde. Am Ende steigen die siegreichen Teams auf.

Verliert man die Relegation, dann ist man zwar Meister seiner Regionalliga, hat aber herzlich wenig davon. Denn sportlich ist die Meisterschaft im Grunde nicht viel wert. Was zählt ist der Aufstieg. Zumindest sehe ich das so. Das waren die Relegationgegner (fett = Sieger und Aufsteiger in 3. Liga):

2013

  • Holsteiner Kiel (Nord) – KSV Hessen Kassel (Südwest)
  • SV Elversberg (Südwest) – TSV 1860 München II (Bayern)
  • RB Leipzig (Nordost) – Sportfreunde Lotte (West)

2014

  • SG Sonnenhof Großaspach (Südwest) – VFL Wolfsburg (Nord)
  • SC Fortuna Köln (West) – FC Bayern München II (Bayern)
  • TSG Neustrelitz (Nordost) – 1. FSV Mainz 05 II (Südwest)

2015

  • 1. FC Saarbrücken (Südwest) – Würzburger Kickers (Bayern)
  • Werder Bremen II (Nord) – Borussia Mönchengladbach (West)
  • 1. FC Magdeburg (Nordost) – Kickers Offenbach (Südwest)

2016

  • VfL Wolfsburg II (Nord) – SSV Jahn Regensburg (Bayern)
  • Sportfreunde Lotte (West) – SV Waldhof Mannheim (Südwest)
  • SV Elversberg (Südwest) – FSV Zwickau (Nordost)

2017

  • FC Viktoria (West) – FC Carl Zeiss Jena (Nordost)
  • SV Waldheim Mannheim (Südwest) – SV Meppen (Nord)
  • SpVgg Unterhaching (Bayern) – SV Elversberg (Südwest)

Ein äußerst fragwürdiger Spielmodus in den Augen vieler Fans. Ein Aufstieg wäre natürlich eine deutlich größere Anerkennung eines Meistertitels statt erst einmal mit einer Relegation “beauftragt” zu werden. Und der DFB steht für diesen Modus auch in der Kritik.

Man kann nur hoffen, dass man sich rasch von diesem Modell verabschiedet und einen gerechteren Modus einführt. Sollte der TSV 1860 München in dieser Saison Meister werden, so wird er vermutlich in jedem Fall in die Relegation müssen. Dass der DFB bis dahin eine Änderung vornimmt, ist im Hinblick auf die laufende Saison recht unwahrscheinlich.

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[…] Fragwürdiger Modus: Die Aufstiegsrunde 3. Liga […]

Andi
Mitglied
Andi

Servus zusammen und zunächst einmal ein herzliches Dankeschön für deine tolle Zusammenfassung. Dass es die Relegation zum Aufstieg gibt, wusste ich natürlich, aber mir war z.B. unklar, dass der Zweitplatzierte aus Südwest ebenfalls nominiert wird. Für mich daher ein sehr wertvoller Beitrag, um sich damit auseinanderzusetzen, was dem Sieger der RLB am Ende der Saison bevorsteht.

Der Modus selbst ist extrem bitter, und es bleibt m.E. abzuwarten, ob die allgemeine Stimmung gegen Relegationsspiele – vgl. die mediale Berichterstattung nicht nur über unsere Löwen gegen Regensburg, sondern auch andernorts – zu einem Umdenken im Verband bzw. den Verbänden führt. Ich persönlich würde die Relegation ligenübergreifend abschaffen, da ja auch beispielsweise der Dritte Platz einer Liga (zB der 2. Liga) erheblich an Wert verloren hat. Gut ist dieser Modus logischerweise immer nur für den, der aus der höheren Liga kommt, weil der trotz mieser Spielzeit immer noch eine Rehabilitationschance bekommt. Mein Plädoyer: weg damit, und zwar überall.

Tegernseer
Gast
Tegernseer

Von der C-Klasse bis zur 2. Liga steigt der Meister immer auf, nur in der Regionalliga nicht, das ist Wahnsinn.

Da es nur Hin-und Rückspiel gibt ist man extrem von Glück, Pech und vor allem Benachteiligungen durch Schiedsrichterfehlentscheidungen (vgl. 1860 II -Elversberg 2013) abhängig.

Wenn man schon 6 Vereine an einer Relegation teilnehmen lässt, wäre der Gruppenmodus wie es ihn früher zu Bayernligazeiten gab gerechter.

Dann hätte jeder 5 Spiele in denen sich dann die ersten 3 für den Aufstieg qualifizieren. Das wäre gerechter weil sich dann o.a. Unwägbarkeiten relativieren würden.

Queeg
Gast
Queeg

Die RL Bayern existiert nur deshalb, weil die bayerischen Vereine mehrheitlich die geplante gemeinsame Staffel mit den anderen Süd-Verbänden abgelehnt haben.

Wer sich derart vor der Konkurrenz drückt, kann nicht auch noch mit einem direkten Aufstiegsplaztz belohnt werden.

bluwe
Mitglied
bluwe

Der Modus ist wirklich nicht prickelnd.
Das Wort Relegationsspiel ist jedoch überhaupt noch kein Thema.
Das war auch damals 2013 so. Erst als die Amas in Ingolstadt den Titel geholt haben wurde von der Relegation gesprochen. Das war auch gut so.
Da wird noch gaaanz viel passieren in den nächsten Wochen und Monaten.
Behalten wir es doch so bei, wie es auch Biero macht: Nur von Spiel zu Spiel zu denken 😉