Es war wahrlich selten einfach ein Löwenfan zu sein, doch in den letzten Jahren musste man wohl auch eine Portion Masochismus besitzen, um weiterhin so ergeben die Liebe zum Geilsten Club der Welt am Leben zu halten.

Seit dem sogenannten schwarzen Freitag und dem Zwangsabstieg in die Regionalliga Bayern wurden die Löwen stark auf die Probe gestellt … wie die Fans so aber auch die Vereinsverantwortlichen. Geduld, Vertrauen, Hoffnung und Verständnis hieß die Devise.

Nach langem Hin und Her ist dann der Traum vieler in Erfüllung gegangen. Zurück in die Heimat, zurück ins heißgeliebte Grünwalder Stadion. Wohlwissend, dass die Kapazität begrenzt ist. Doch diese Gewissheit stand erst so knapp vor dem Saisonbeginn fest, so dass es kein Wunder war, dass es im Bereich Ticketing etwas chaotischer zuging.

Auch wenn die Mitarbeiter vom Ticketservice in den letzten Tagen viele Überstunden schoben und sich die größte Mühe gaben, war die Aktion der Jahreskartenvergabe mit einigen Pannen übersät. So hoch die Euphorie der Fans über die Rückkehr ins GWS war, so hoch war am Ende bei einigen auch der Frust, der zum Teil für Ernüchterung sorgte. Und damit sind nicht nur Dauerkartenpreise gemeint, denn um ehrlich zu sein, sind diese für die Regionalliga oder zumindest im Vergleich zu unserer letzten Saison in der Arena, auf einem hohen Niveau. Dafür sind aber die MVV-Fahrten inkludiert und das ist für Nicht-Münchner eine gute Sache.

Aber der Reihe nach…
Der Plan war, erst den Dauerkartenbesitzern der Vorsaison ein Vorverkaufsrecht einzuräumen – gerade Mal drei Tage hatten sie dafür Zeit – um hinterher die restlichen Plätze direkt im Kartenvorverkauf am Trainingsgelände im freien Verkauf anzubieten. Die Resonanz war enorm und so bildeten sich endlose Schlangen vor der Geschäftsstelle und stundenlanges Warten war angesagt. Sie waren die Glücklichen, denn vor Ort war es unkompliziert an die Dauerkarten ranzukommen – wenn man eben die Wartezeit außer Acht lässt.

Schwieriger war es jedoch für diejenigen, die es per Bestellformular oder ggf. über die Hotline bestellt haben. Bei der Hotline durchzukommen war gar nicht so einfach und wenn man es schaffte, ging es nur für Vollzahler. Also für ein Mitglied oder andere Ermäßigte keine Option. Blieb also nur der Versand des Bestellformulars übrig. Dies funktionierte per Mail oder per Fax. Funktionierte? Fast.

Ich persönlich befand mich zu der Zeit im Ausland und konnte das Formular nur per Fax versenden. Bei den meisten Versuchen ging es gar nicht durch. Wenn die Verbindung mal stand, kam „transmission error“ zurück. Verständlich, dass ich ziemlich unsicher wurde und äußerst nervös. Also fotografierte ich das Formular einfach ab und schickte es per Mail (über Smartphone), mit der Bitte um Bearbeitung.

So wie ich auf eine Antwort gewartet habe, so ging es vielen auch. Das Bestellformular war raus, eine automatische Antwort kam prompt an, aber eine konkrete Rückmeldung ließ teilweise tagelang auf sich warten. Wenn man aber bedenkt, dass schon am ersten Tag bis zum Mittag um die 2.000 Mails beim Ticketservice eingegangen sein sollten, war eine längere Wartezeit einfach unumgänglich.
Die Antworten kamen dann – meine sogar am Samstagnachmittag – doch oft mit einer weiteren Überraschung. Aus technischen Gründen konnten bei vielen die Beträge nicht über die Kreditkarte abgerechnet werden. Also musste man nun überweisen und zwar innerhalb der nächsten zwei Tage.

Wer auch diese Hürde genommen und überwunden hat, jedoch das Ticket per Post erhalten wollte, könnte auch hier Pech gehabt haben, denn (wie es unter dem Kästchen im Formular steht), war ein Versand nur bei Bezahlung bis zum Montag, dem 17.07.2017 möglich… Etwas ungünstig, wenn der Prozess davor so lange gedauert hat. Nun gibt es Fans, die ggf. 200 km fahren müssen, um ihre Jahreskarte abzuholen.

Doch auch das nimmt der Löwenfan für seine große Liebe in Kauf.

Der nächste große Aufreger war die mögliche zu bestellende Menge. An der Stelle wird es unübersichtlich und wirr, denn einige hatten als Mitglied schon immer eine Dauerkarte und noch eine oder mehrere zusätzlich als Vollzahler. Die einen bekamen die gleiche Menge wieder, die anderen leider nicht. Wieso und weshalb ist unklar. Wer definitiv kein Problem hatte, an die Jahreskarten ranzukommen, waren die Mitglieder der Fanclubs. Immerhin.

Dazu kam noch ein Luxusproblem für einige dazu. Sie bekamen zwar die Dauerkarten, aber wurden nun von ihren geliebten Nachbarn aus der Arena getrennt. Denn dem Wunsch, mehrere Leute wieder nebeneinander zu setzen, konnte der Verein bei den kleinen Blocks wirklich nicht nachkommen. So sind auch diese Fans etwas enttäuscht. Aber hey – sieht es als eine Möglichkeit, neue nette Nachbarn zu finden und kennenzulernen. Das ist wahrlich nicht so schlimm.
Auch die Tatsache, dass nicht jeder den Wunschblock bekam, müsste zu verkraften sein, denn es gibt viele jahrelange Dauerkartenbesitzer, die wirklich Pech hatten und einfach Nichts bekommen haben und das ist nun wirklich bitter.

Der Verkauf der Dauerkarten war – nach gerade mal 4 Werktagen – am Dienstag beendet. Alles was noch übrig war, waren die Tageskarten, allerdings (erst) nur für Mitglieder. Diese wurden im Online-Shop angeboten und die Schnellsten hatten am Mittwochvormittag Glück, welche zu ergattern. Nicht immer zusammenhängend, aber immerhin. Gleichzeitig pilgerten hunderte Fans zu der Geschäftsstelle, um noch Tageskarten zu bekommen, so dass sich der Ticketservice genötigt fühlte, den Onlineverkauf zu stoppen.

Das erste Heimspiel der Löwen in der Regionalliga 2017/18 ist restlos ausverkauft.

Wenn man nun bedenkt, dass der TSV 1860 über 20.000 Mitglieder hat und die Kapazität des Grünwalder Stadions 12.500 beträgt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein „einfacher“ Fan in dieser Saison ein Ticket ergattert, ziemlich gering. Und da unsere Mitstreiter noch weniger Zuschauer in ihren Spielstätten aufnehmen können, wird auch ein Besuch eines Auswärtsspiels für den gemeinen Fan zu einem Lotteriespiel.

Es ist sicherlich einiges bei dem Verkauf der Jahreskarten schiefgelaufen, doch hier sollten wir bitte in Betracht ziehen, wie wenig Zeit dafür zur Verfügung stand. Gerade mal eine Woche! Dass es nicht im vollen Chaos geendet hat, ist für mich ein Wunder. Die Mitarbeiter haben doch Großes geleistet und das sollte man auch würdigen.
Da für die nächste Saison eine Erweiterung der Kapazität auf 15.500 Zuschauer steigen sollte, bleibt an der Stelle die Hoffnung, dass die Fans, die heuer keine Dauerkarte ergattern konnten, dann mehr Glück haben.

Ich persönlich werde meine Dauerkarte – für die Spiele, die ich ggf. nicht besuchen kann – denen zur Verfügung stellen, die eben leer ausgegangen sind. Mein Platz soll nie leer bleiben. Das wäre in unserer Situation eine Verschwendung und schon fast eine Sünde.

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