Journalist und Buchautor Christof Ruf sowie BR-Fußballexperte Thomas Hitzlsperger in der Talkrunde des Bayerischen Rundfunk zum Thema „Fußball vs Kommerzialisierung“.

Kommerzialisierung verändert das Publikum

„In England hat sich das Publikum verändert!“, sagt Hitzlsperger in der Diskussion: „Die Stadien sind weiterhin voll, aber es ist ein anderes Publikum: Viele aus dem Ausland, die eben nicht dort verwurzelt sind! Das könnte in Deutschland auch passieren.“ Ändert sich in Deutschland die Fangemeinde? Wird Fußball zu einem Event fernab des bürgerlichen Grundgedankens?

Auch Hasan Ismaik und 1860 ein Thema

Ist es den Investoren egal, wer in die Stadien geht und für „Stimmung“ sorgt? Eine interessante Talkrunde des BR in zwei Teilen. Auch um den TSV 1860 München geht es. Der „Größenwahn hat bei den Löwen regiert“, meint Autor Ruf. Die Versprechen von Ismaik: „In 10 Jahren auf Augenhöhe mit Barcelona. Jetzt ist man auf Augenhöhe mit Pipinsried!“

1. Teil

https://www.youtube.com/watch?v=Z0J68cerkk4

2. Teil

https://www.youtube.com/watch?v=OLxUD88dZb4

Diskutiert mit:

Was ist Eure Meinung zur Thematik? Verändert sich der Fußball zwangsläufig? Wird es immer mehr zu einem Event und die aktuellen Fans aus den Stadien gedrängt?

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Tante Tornante
Leser

@ Tami Tes

Vieles aus Deinem Kommentar unterschreibe ich gerne, vor allem die extrem zunehmende Kommerzialisierung.

Ein paar Anmerkungen generell noch zu dem Thema:

Die Investoren kamen dann und werden noch kommen, weil der Fußball sich schon vorher kommerzialisiert hat: ein Fußballberichte-Overkill in den Medien, alles wird übertragen, wenn der Ball rollt. Live-Spiele aus der 4. Liga, das ist nüchtern betrachtet eigentlich Wahnsinn. Und viele wollen immer noch mehr davon.

Jeder braucht Devotionalien seines Klubs und gibt dafür ne Menge aus. Würde Ronaldo wieder in die Premiere League wechseln, sagen wir für 200.000.000 € wird die Hälfte davon relativ schnell wieder durchs Merchandising reingeholt. Solange die Leute mitmachen, wird das weiter so laufen.

Ketzerisch: solange die Leute dem Fußball wie einer Ersatzreligion hinterherlaufen, gehen sie nicht auf die Straße und protestieren z.B. gegen die sich immer weiter öffnende Schere „Arm/Reich“.

Richtig: die Stimmungsmacher in der Kurve sind nur noch Folklore, weil kein Verein von deren € 14,- Stehplatz existieren kann. Wenn man so böse wie UH wäre: wir geben Euch den billigsten Platz und ihr meckert noch, ihr undankbares Pack!

Es ist soviel Geld in dieser Welt, dass Milliarden im Fußball verbrannt werden können, manchmal einfach so ohne Sinn und Verstand, who cares? Gehälter und Ablösen sind pervers, wie soll ich das anders benennen?

Man könnte das so weiterspinnen, ewig…

Es gibt in meinen Augen nur einen Weg runter von der Kommerzialisierungs-Rennstrecke und das ist die Verweigerung: keine Stadionbesuche, keine Trikots kaufen, kein Fußball im TV schauen.

Nachdem wir das aber alle nicht wollen, sind wir eben auch ein Teil des Problems. Kein schöner Gedanke….

Tami Tes
Redakteur

Ich gebe Dir in allem Recht… Es ist alles so paradox, was in dieser Branche passiert. Man beschwert sich (und damit meine ich auch die Klubs) über die Verbände, deren korrupten Funktionäre, die unfaire Verteilung der Gelder, die Zerstückelung der Spieltage wegen TV-Übertragungen usw. usf. und dennoch macht keiner was dagegen. Im Grunde sind nur die Ultras diejenigen, die versuchen mit ihren Mitteln was zu bewegen. Wenn ich nach Kroatien schaue – da ist ein regelrechter Krieg zwischen den Ultras und dem Verband oder einzelnen Klubmanager ausgebrochen. Aber sie können keine große Veränderungen bewirken.
Da müssten schon die Klubs mitmachen… Wenn sie keine hohen Ablösesummen haben wollen und was Du alles noch aufgeführt hast, müssten sie gemeinsam mal einen Spieltag boykottieren… Stell dir vor, man schaltet TV ein und zappt durch und überall ist nur leeres Spielfeld zu sehen.
Aber das würde sich niemand trauen…
Nein man meckert, dass eine WM in dem Welt-Fußball-Land Katar im Winter ausgetragen wird, aber es abzulehnen, es zu boykottieren, nö … man bekommt ja viel Geld dafür. Und Geld regiert die (Fußball)Welt.

Tami Tes
Redakteur

Eine sehr gute Sendung bzw. Talk-Runde, die meine Meinung und Sorge der letzten Jahre nur verstärkt. Viele Diskussionen habe ich schon zu diesem Thema geführt und mir ist Angt und Bange, wohin sich der Fußball entwickelt. Nicht zu dem, warum ich Fan geworden bin.
Es gibt leider nichts, was es abwenden könnte und dennoch kann ich es innerlich nicht akzeptieren, dass es nur noch um Komerz, Event und Prestige geht.

Dass Hitzelsperger, der sich bis dato Richtung Ismaik, immer sehr kritisch geäußert hat, nun die Frage stellt, ob es nicht besser wäre die 50+1 zu kippen, nur um einem FCB mehr Konkurrenz machen zu können, hat mich erschüttert… Ja – es ist die globale Entwicklung im Fußball. Es passier überall, dass man ein Klub in die Hände eines Investors legt, aber ich kann mich ums verrecken nicht an den Gedanken gewöhnen, dass ich als Mitglied und jahrzehntelanger Fan nur noch dafür gut sein sollte, um im Stadion zu sitzen, Popkorn zu essen und meinen Mund zu halten.
Über die Entwicklung im Amateurfußball muss man garnicht reden. Man sieht wie es läuft und ich finde, es ist die falsche Richtung.

Fußball hat mit Emotionen zu tun, Gemeinschaft, Identifikation, Zugehörigkeitsgefühl … Es mag mit einem Retorten-Verein, wie RB oder Hoffenheim funktionieren. Aber dies eben nur, weil sie keine Fans davor hatten. Die Traditionsvereine bzw. Fans der Tradionsvereinen werden dagegen kämpfen, solange es geht – und das ist bis zum Fall der 50+1. Danach kann nur ein Zerfall in der Fangemeinde folgen. Die Erfolgsorientierten bleiben, die Traditionalisten und damit auch die Stimmungsmacher sind weg… Und dann kann Helene Fischer wieder singen kommen.

Banana Joe
Leser

Man braucht doch – sofern man DAZN hat (oder eine andere Quelle im Internet) – nur mal ein paar Premier League Spiele angucken. Stimmung ist da gleich Null, gerade bei den „großen“ Clubs wie City, ManU oder Arsenal! Da sitzt tatsächlich das Event-Publikum drin, die sich monatelang um Karten bemühen und aus aller Welt anreisen, nur um sich diesen Event zu geben. Bei Liverpool war’s auch schon mal deutlich besser und außer „You’ll never walk alone“ kommt da auch nicht mehr viel. Bei PSG, Marseille und Monaco doch mittlerweile das gleiche.

In Italien ist eh schon seit Jahren tote Hose in den Stadien, nur die heißblütigen Spanier gehen noch gut ab.

Für den Fall, dass auch in Deutschland den Investoren aus dem Nahen Osten, China, Russland und den USA Tür und Tor geöffnet wird, werden auch wir über kurz oder lang Ticketpreise jenseits der 100 € haben, was automatisch schon einen großen Teil der Fans ausschließt. Wer bitte kann denn für 17 Heimspiele je 100 € oder mehr nur für das Ticket berappen? Und für einen Besuch mit der ganzen Familie kannst das dann vollkommen vergessen!

Ja, der Fußball wird sich zwangsläufig verändern und immer mehr zu einem reinen TV-Sport, weil sich’s Otto-Normalbürger nicht mehr leisten können wird. England ist da das Musterbeispiel. Und irgendwann werden dann Premier League oder gar Bundesliga Ligaspiele in China, Russland und den Emiraten ausgetragen, weil irgendein Scheich oder Oligarch ein paar Millionen dafür bezahlt, weil sein Sprössling Geburtstag hat und die Freunde geladen hat. Wartet’s ab!

Dr. Klothilde Rumpelschtilz
Leser

wenns nicht so traurig wär würd ich jetzt loslachen 👍

Banana Joe
Leser

Ja NFL und NBA machen das ja schon, da werden reguläre Ligaspiele in Paris, Madrid oder London ausgetragen.