Ein Kommentar

Eine Sendung, auf die wir mit Spannung gewartet haben. „Für immer unten, oder auf dem Weg zurück?“ Diese Frage stellt sich die ARD in ihrer Reportage. Und bringt einen Bericht, die dem TSV 1860 München nicht gerecht wird. Im Gegenteil. Er zeigt, mit welcher getrübten Brille man die aktuelle Lage des Traditionsvereins auch sehen kann. Aus der Sicht des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, die am TSV 1860 vermutlich nicht mehr viel abgewinnen kann. Die eigentlichen Spiele sind für die ARD uninteressant. Stattdessen stürzt man sich mit der Reportage auf den Niedergang. Und präsentiert eine schlecht recherchierte Berichterstattung. Tendenziös und erschreckend.

„Angeblich Münchens große Liebe“

„Der Club, angeblich Münchens große Liebe“, so beginnt die Reportage. Und erster Interview-Partner ist Franz Hell, Allesfahrer des Traditionsvereins und durchaus eine gewichtige Person. Eine glückliche Figur macht er dabei kaum. Er spricht von seiner Ehe. Die habe er vor zwanzig Jahren aufgegeben. Wegen Sechzig. Seine Frau stellte ihn vor die Wahl: Entweder Sechzig oder eine vernünftige Ehe. Glücklicherweise gibt es auch Fans, die nicht diese Entscheidung treffen müssen. Aber sei’s drum. Mit Sechzig hat das erst einmal wenig zu tun. Es ist seine private Angelegenheit. Was das in einer Reportage zu suchen hat, ich weiß es nicht.

Grünwalder Stadion – „deutlich stimmungsvoller“

Dann das Grünwalder Stadion. „Es ist deutlich stimmungsvoller als in den vergangenen Jahren in der großen Arena“, sagt der Reporter. Die ARD schwenkt kurz über die Westkurve. Zeigt dann ein paar Szenen aus dem Spiel und legt schließlich den Fokus auf Franz Hell. Der schreit gerade irgendetwas wie „… ja so ein Arschloch“. Und schimpft über den Schiedsrichter. Der sei eben auch nur Regionalliga-Niveau, so meint er. Meine Erfahrungen mit dem Grünwalder Stadion spiegelt das in jedem Fall nicht wieder.

„Für den hohen Besuch hübsch hergerichtet“

Als Nächstes das Spiel gegen Buchbach: „Zwei Stunden vor Anpfiff beginnt die blaue Invasion“, sagt die ARD. Anton Maier, Vorsitzender des TSV Buchbach, zeigt ein ganz anderes Bild als wir von anderen Gegnern wie zum Beispiel Garching oder Unterföhring gewöhnt sind. Garching empfing uns mit großer Freude. Wir vom Löwenmagazin hatten davor tolle Gespräche und wurden in Garching selbst freundlich empfangen. Unterföhring freut sich auf den kommenden Samstag. Erst heute hatten wir ein Interview mit einem aus dem Vorstand. Später hab ich dann noch mit Schweinfurt telefoniert.

Der Vorsitzende des TSV Buchbach wirkt in der Reportage, als wäre es eine Last. 1860 kommt. Das bedeutet Auflagen, Sicherheitsbestimmung und hohe Kosten. „Wir sind verdonnert worden zu 25 gewerblichen Ordnern“, sagt er. Kein Ton von den Mehreinnahmen des TSV Buchbach. Keine Silbe über den Mehrwert für den TSV Buchbach. Eigentlich seltsam. „Für den hohen Besuch aus München wird alles hübsch hergerichtet“, spottet der ARD-Reporter. Den Ultra-Block bezeichnet Anton Maier als den „Wellness-Bereich der Gäste“ mit „Wellness-Vorrichtungen“. Dabei zeigt er auf die Dixie-Klos. Unverschämt. Vielleicht wollte Anton Maier gar nicht so rüber kommen. Aber so wirkt es eben. Man kann nur den Kopf schütteln. „Fluchtartig verschwinden Trainer und Spieler in die Nacht“, sagt der Reporter. 1860 verlierte mit 0:1. Wir kennen alle das Regenspiel und natürlich auch die Niederlage.

„Werner Beinhart“ beim Kindertraining

Der Auftritt von Werner Lorant darf natürlich nicht fehlen. Ich respektiere seine Leistung. Doch erst Franz Hell, dann Werner Lorant. Da weiß man sofort wohin die Reportage führt. Beide sind für sich Unikate. Aber sie sind eben nur Teil des Vereins. Im Moment beide die wohl heftigsten Kritiker an der Vereinsführung.

Lorant ist eine Legende. Doch ganz ehrlich, die gezeigten Bilder zeigen ihn nicht so, wie man es sich wünscht. Fußballtraining auf dem Campingplatz für Kinder. „Ja wo ist denn dein Ball?“, fragt Lorant einen Jungen und wiederholt: „Ja, wo ist dein Ball? Hol ihn schnell, hol ihn schnell den Ball! Und dann kommst du wieder her! Schnell!“ Einem anderen Kind sagt er: „Du auch schnell!“ Werner Beinhart? Ich bin enttäuscht. Und die ARD sieht mehr. Oder interpretiert zumindest mehr hinein. „Keines der Kinder trägt ein Trikot des TSV 1860. Dem Verein fehlen jetzt schon die Fans der Zukunft“, sagt der Reporter. Wie er das an einem Training auf einem Campingplatz festmacht, das verstehe ich nicht.

Garching, Unterföhring, Eichstätt, Ostfriedhof …

Allesfahrer Fritz Fehling kommt vor dem Garching-Spiel zu Wort: „… und jetzt fahren wir nach Garching, Unterföhring, Eichstätt, Ostfriedhof …“ Eigentlich genial und mit tiefer Ironie, wie sie mir gefällt. Aber eben nicht in so einer Reportage, die daraus eine tendenziöse Berichterstattung macht. Die Allesfahrer sind gute Seelen im Verein. Aber sie werden von der ARD in den Mittelpunkt gerückt. Und das wird dem Verein einfach nicht gerecht. Ich verstehe die Wut und die Verzweiflung dieser altgedienten Fans. Die Gesamtheit des Vereins und der Fangemeinde spiegelt es jedoch nicht wieder. Die ARD versäumt es, auch nur einen jüngeren Fan zu befragen. „Die Allesfahrer, nach Jahrzehnten immer noch voller Leidenschaft“, sagt der Reporter. Die ARD zeigt müde Gesichter. Die Ultras werden kurz gezeigt, aber mehr auch nicht.

Der TSV 1860 gewinnt das Spiel. Endlich darf auch mal jemand „Jüngeres“ etwas sagen. Spieler Sascha Mölders, der „leicht übergewichtig bei den Sechzgern wieder anheuerte“, weil er keinen Job fand. Unverschämt. Respektlos. Einer Reportage nicht würdig. Fast so, als hätte es die ARD darauf angelegt.

Den gezeigten Allesfahrern und Werner Lorant darf man keine Vorwürfe machen. Sie sagen was sie denken, und das ist gut so. Was mich stört ist die Einseitigkeit der Berichterstattung. Die ARD war auf dem Trainingsgelände, beim Spiel gegen Buchbach, bei einem Heimspiel im Grünwalder Stadion und schließlich in Garching. Und auch Werner Lorant haben sie besucht. Mit großem Aufwand. Ganz ehrlich, aber da sind Rundfunkgebühren zum Fenster hinaus geworfen. Viele Sechzger-Fans werden wohl mit Enttäuschung den Aus-Knopf gedrückt haben. Ich in jedem Fall. Danke, ARD, danke für nichts.

 

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[…] uns die Berichterstattung nicht gefallen hat. Wir hatten über die Sendung unter dem Titel “ARD-Reportage: Garching, Unterföhring, Eichstätt, Ostfriedhof…” auch einen Beitrag […]

tesorino712
Leser

Dein Kommentar spricht mir aus der Seele. Vertane Zeit, sich dafür die halbe Nacht um die Ohren zu schlagen.
Als gebürtige Buchbacherin kann ich dir sagen, dass Anton Maier genau so rüberkommen wollte. Auf diesen Moment hat er lange gewartet, Sechzig vor der Kamera ins Lächerliche zu ziehen. Als “glühender Bayernfan“ (eigentlich ein Widerspruch in sich) lässt er keine Gelegenheit aus, zu hetzen. Er äußert auch gern mal, dass die Regionalliga für Sechzig eh noch zu hoch wäre und wenn es nach ihm ginge, hätten wir gleich in die C-Klasse gehört. Dass Buchbach ein “blaues Dorf“ ist, stinkt ihm dabei wohl am meisten. Ein Interview mit dem Fußball-Abteilungsleiter Grübl wäre weit euphorischer ausgefallen.

Landshuter Löwe
Leser

Danke für die „Insiderinfo“. Das bestätigt in meinen Augen die ganz bewusste Gesprächspartnerauswahl mit dem Ziel, 60 lächerlich zu machen und zu diskreditieren. Ich hoffe nur, dass sich der D.. das auch mal ansieht und erkennt, wie lächerlich er sich gemacht hat.

Tami Tes
Redakteur

Gut zu wissen. Es wird uns ein Vergnügen sein, vor der nächsten Begegnung mit den Herrschaften insbesondere Herrn Maier zu sprechen… Da müssen wir uns was ganz besonderes ausdenken ;).

Landshuter Löwe
Leser
Landshuter Löwe
Leser

Achtung Sarkasmus:
Wir können ja froh sein, dass die nicht das Nürnbergspiel gezeigt haben und dazu berichten, dass keiner 60 sehen will.

Banana Joe
Leser

Frei nach O.G.: Oh mei! 😀

hv0190
Leser

Danke Arik,
ich hab mich schon gefragt, ob ich der einzige bin, der den Beitrag bescheiden fand: 60 gegenüber in der Tendenz abwertend und immer mit einer eher überheblich wirkenden Attitüde, während Magdeburg und Essen alles toll machen und supi sind.
Naja, was erwarte ich schon vom ARD/ZDF Franz/Rudi/Jogi-Jubeljournalismus?

Landshuter Löwe
Leser

Wobei ich persönlich meine, dass es den meisten in Deutschland gefällt, dass ein Projekt mit einem ausländischen, insbesondere arabischen, Investor derart an die Wand gefahren wurde. Da stürzt man sich gerne drauf und hebt den Zeigefinger. Und es haben ja alle vorher schon gewusst. Das 60 selbst seinen Teil dazu beigetragen hat, dass alle mit dem Finger auf uns zeigen, ignoriere ich dabei nicht.

ELIL

Frank

Banana Joe
Leser

Was bei mir hängen geblieben ist: wir sind in Deutschland noch zu etwas gut, und zwar als negatives Beispiel, dass man sich am besten keinen planlosen Investor aus dem Ausland an Bord holt, der weder vom Verein, den Fans noch vom Fußball mit all seinen Gegebenheiten wie 50+1 irgendetwas versteht sondern das nur als Investment sieht. Das haben beide Präsis bzw. Vorsitzende von RWE und FCM auch so gesagt. Ist das nicht toll? *kotz*

Freilich war das alles sehr tendenziell… bei uns die alternden, teils naiven Allesfahrer, die schon mal ihre Frau wegen einem Fußballverein absägen, bei RWE der Ex-Zuhälter mit Goldkettchen und Knast-Tattoos im dicken Benz-SUV und als bester Freund des damaligen Mäzens und beim FCM der sympathische, gebildete Hipster, der von der eigentlichen Fanproblematik beim FCM mit hunderten erlebnisorientierten Krawallmachern ablenken soll, dazu noch sehr deutlich gegen das Investorenmodell mit Ismaik (was natürlich meine Meinung widerspiegelt), aber nicht das alleinige Problem war bzw. ist.

Wenn man’s nicht gesehen hat, hat man auch nicht wirklich was verpasst. Da war die Reportage im BR über den Löwenabsturz vor ein paar Monaten aussagekräftiger und besser. Vermutlich, weil die ein Fan gedreht hat und kein bezahlter Journalist ohne Einblick. Was rauskommt, wenn so einer etwas machen darf, sehen wir im Internet an anderer Stelle täglich! 😉

Landshuter Löwe
Leser

Typisch auch: bei RWE und Magdeburg dürfen die Manager sprechen, bei 60 lassen sie den Fauser nicht sprechen, der hätte ja eine gute Figur gemacht.

Landshuter Löwe
Leser

Wenn ich schon höre:
achtzehn sechzig ***grrrr..*** entweder 60, die Sechziger, oder Achtzehnhundertsechzig

HerkulesLöwe
Gast
HerkulesLöwe

Dann war noch dieser krasser Fehler, dass Sechzig gg. Fürth II 0:0 gespielt hat. Oder hab ich mich da verhört?

Landshuter Löwe
Leser

Ja hast Du, wenigstens das ist korrekt …

Thomas Freundlich
Gast
Thomas Freundlich

Genauso hab ich die Doku auch empfunden. Sehr einseitig, das Ganze. Über RWE wurde relativ neutral berichtet und Magdeburg nahezu in den Himmel gelobt.
Auch ich hab enttäuscht den Aus-Knopf gedrückt. Das einzig Positive an der Doku war, dass zwei Mitglieder aus unserem Löwenfanclub Frontenhausen kurz im Bild waren.