Ein Beitrag von Florian Bitt

“Alte Besen kehren gut”, so lautet ein gutbekanntes altes deutsches Sprichwort und anscheinend denken so mittlerweile auch die meisten Profifußballvereine. Egal ob Schalke, Frankfurt, Köln oder vor allem Dortmund. Überall werden Spieler zurück geholt und das teilweise mit großem Erfolg.

Der Spieler kennt Verein, Fans, Umfeld, kann die Erwartungen an sich und den Verein schon vorher abschätzen und der Trainer oder zumindest der Manager kennen den Spieler und wissen was sie an ihm haben, was er kann, wo seine Stärken sind. Die Gefahr eines “schlechten Transfers” wird für beide Seiten deutlich geringer und für die Fans hat das Ganze noch einen netten Nebeneffekt: Sie können ihr altes Trikot mit ihrem Liebling wieder aus dem Schrank holen.

So eine Rückholaktion ist also eine durchaus positive Geschichte und unsere Löwen sind in diesem Gebiet natürlich auch ganz weit vorne mit dabei. Nachdem in früheren Jahren Spieler wie Daniel Bierofka, Benjamin Lauth oder zuletzt Stefan Aigner zurück geholt wurden, scheint sich ersterer nun zu denken: “Was ich als Spieler konnte, kann ich als Trainer schon zweimal.”
Und so lotste Daniel Bierofka schon fast die Hälfte der Mannschaft zurück zum TSV München von 1860, um mit ihnen in eine der ungewissendsten Löwensaisons aller Zeiten zu starten.

Timo Gebhart (28), Markus Ziereis (25), Phillipp Steinhart (25), und Nono Kossou (25) haben den Weg zurück an die Grünwalder Straße schon gefunden, und nun wird auch noch von verschiedensten Medien, sowie mittlerweile auch unserem Trainer, davon gesprochen, Daniel Adlung wieder zurück an alte Wirkungsstätte lotsen zu wollen.

Auch wenn es aufgrund der jungen Saison noch sehr sehr schwer zu bewerten ist, lässt sich in Ansätzen schon erkennen, dass die bisherigen Rückholaktionen wohl eine Erfolgsgeschichte werden. Timo Gebhart spielt momentan gefühlt zwei Klassen über der Liga in der er spielt, Markus Ziereis netzte direkt in seinen ersten Einsatzminuten, Steinhart spielte direkt von Beginn an und zeigte, dass Jan Mauersberger nicht unersetzlich ist. Kossou hat sich leider schon vor der Saison verletzt, spielte aber in den Testspielen meiner Ansicht nach sehr überzeugend.

Spieler zurück holen also der Weisheit letzter Schluss ?! Nun, nicht ganz … leider mussten auch wir Löwen schon miterleben, dass nicht jeder Spieler zurück im heimischen Nest zu alter Stärke findet. Nsereko oder leider auch Stefan Aigner sind solche Beispiele. Und wenn man den Blick auf die gesamte Fußballwelt wirft, findet man da dann doch noch erschreckend viele weitere solche Fälle. Oftmals lassen sich Erfolg, Misserfolg, Durchstarten oder Scheitern eines Spielers ziemlich leicht erklären. Mancher Spieler hat im Verein schon erfolgreich gespielt, Spieler ist sportlich gerade im Höhenflug, und dennoch geht die Rückholaktion schief.
Er kann nicht an alte Leistungen anknüpfen. Ich denke neben den wie gesagt unzähligen möglichen Gründen ist auch vor allem der menschliche Aspekt der einzelnen Person nicht zu vergessen. Man liest immer soviel über alle möglichen Ursachen, dabei wird aber fast nie der Mensch an sich, die Persönlichkeit, in Betracht gezogen.

Vereine verändern sich von ihrer Art und Weise sowie ihrer Erwartung in der Regel in 4-5 Jahren nicht sonderlich. Der Mensch hingegen macht in einer solchen Zeitspanne einen deutlich größeren Wandel durch. Wenn ich mir zum Beispiel überlege, was ich mit 18 (zugegeben, mehr als 5 Jahre ;D) so getan, geschrieben oder gesagt habe, kann ich jetzt teilweise nur schmunzeln oder muss sogar den Kopf schütteln. Damals fand ich es gut.
Ein Spieler, welcher mit 23 nur an seine Karriere denkt, Gas gibt, voll dabei ist, motiviert bis in die Haarwurzel, kann natürlich mit 29 Vater von 3 Kindern sein, oder merkt, dass ihm eigentlich “World of Warcraft” viel mehr Spaß macht als Fußball zu spielen und anstatt, dass derjenige dann nachts schläft, um seinem Körper die Ruhe und Energie zu geben, die er als Fußballprofi so braucht. Und auch andersherum. Ein Spieler, welcher mit 23 nur an Partys, schnelle Autos und das nächste Tattoo denkt, kann einige Jahre später Vater von mehreren Kindern sein. Sein Leben hat sich einem Wandel unterzogen. Vielleicht für ihn ein Anreiz sportlich mehr zu tun.

Worauf ich hinaus will. Menschen ändern sich anders als Fußballvereine in 4-5 Jahren drastisch. Ziele, Erwartungen, die Einstellung zum Leben, zum Sport ändern sich. Alles kann sich ändern und somit entscheidenden Einfluss auf den Sport/Beruf nehmen, positiv wie negativ. Jeder von uns kennt es, weiß es und hat es selbst schon erlebt. Menschen ändern sich…

Daniel Bierofka hat sich speziell diese Komponente sehr genau angeschaut und genau deshalb einen Spieler wie Gebhart, welcher karrieremäßig am Boden lag, zurückgeholt. Gebhart hat an sich gearbeitet, er hat seine Einstellung zum Beruf überdacht, er trägt jetzt Verantwortung für eine Familie, er hat den Löwen im Herzen, und spielerisch hat er sowieso mal ganz locker das Zeug für die Regionalliga. Das macht natürlich Freude zu sehen und ist ein positives Beispiel.

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