Eine schnelle Drehung beim Fußball, ein explosiver Antritt beim Tennis oder ein kräftiger Zug beim Klettern – und plötzlich zieht es im Muskel. Eine Zerrung beim Sport gehört zu den typischen Verletzungen aktiver Menschen. Besonders häufig entstehen Muskelzerrungen bei schnellen Sprints, Sprüngen, abrupten Stopps, Richtungswechseln oder ungewohnt hohen Belastungen.

Dabei ist eine Zerrung keineswegs nur ein Problem von Fußballern oder Läufern. Je nach Bewegungsablauf können beim Badminton die Schulter, beim Boxen der Oberkörper, beim Radsport die Beine oder beim Klettern sogar Unterarme und Hände betroffen sein.

Dieser große Überblick zeigt, welche Zerrungen bei welchen Sportarten auftreten können, welche Körperteile besonders gefährdet sind, wie sich eine Muskelzerrung von einem Muskelfaserriss unterscheidet und was Sportler nach einer Verletzung beachten sollten.

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei starken oder anhaltenden Schmerzen, deutlichen Blutergüssen, ausgeprägter Schwellung, Kraftverlust oder erheblicher Bewegungseinschränkung sollte die Verletzung medizinisch abgeklärt werden.

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Was ist eine Zerrung?

Was ist eine Zerrung?

Bei einer Muskelzerrung wird ein Muskel stärker gedehnt, als es seine aktuelle Belastbarkeit zulässt. Dabei entstehen kleinste Schäden innerhalb der Muskelstrukturen. Typisch sind plötzlich einsetzende ziehende Schmerzen, eine Verhärtung des Muskels und eine eingeschränkte Belastbarkeit. Besonders häufig treten Muskelzerrungen beim Sport auf.

Eine Zerrung ist dabei von einem Muskelfaserriss zu unterscheiden. Bleibt es bei der Überdehnung des Muskels, spricht man von einer Muskelzerrung. Reißen einzelne oder mehrere Muskelfasern, handelt es sich dagegen um einen Muskelfaserriss.

Umgangssprachlich werden außerdem Begriffe wie „Bänderzerrung“ verwendet. Medizinisch muss genauer unterschieden werden: Bänder stabilisieren Gelenke; eine Überdehnung beziehungsweise Verletzung eines Bandes wird als Verstauchung oder Distorsion bezeichnet. Muskeln, Bänder und Sehnen sind unterschiedliche Strukturen und sollten deshalb nicht einfach unter dem Begriff Muskelzerrung zusammengefasst werden.

Welche Arten von Zerrungen gibt es?

Zerrungen lassen sich vor allem danach unterscheiden, welcher Muskel beziehungsweise welche Körperregion betroffen ist. Prinzipiell kann nahezu jeder Skelettmuskel überdehnt werden.

Besonders relevant im Sport sind:

  • Nacken- und Halszerrungen – beispielsweise bei Kampfsport, Turnen oder abrupten Bewegungen
  • Schulterzerrungen – unter anderem bei Schwimmen, Tennis, Badminton, Boxen und Krafttraining
  • Brustmuskelzerrungen – beispielsweise beim Krafttraining, Turnen, Boxen oder Klettern
  • Rückenzerrungen – möglich bei Kraftsport, Golf, Rudern, Klettern oder Turnen
  • Bauchmuskelzerrungen – unter anderem bei Tennis, Fußball, Turnen, Kampfsport und Fitness
  • Oberarmzerrungen – beispielsweise Bizeps oder Trizeps bei Kraft-, Wurf- und Schlagsportarten
  • Unterarmzerrungen – häufig relevant bei Klettern, Racketsport, Golf oder Krafttraining
  • Hand- und Fingermuskelzerrungen – möglich bei Klettern, Turnen und verschiedenen Schlägersportarten
  • Gesäßmuskelzerrungen – unter anderem beim Sprinten, Laufen, Fußball und Krafttraining
  • Hüftbeugerzerrungen – typisch bei explosiven Lauf- und Schussbewegungen
  • Adduktorenzerrungen – besonders bekannt aus Fußball, Eishockey und Sportarten mit schnellen Seitwärtsbewegungen
  • Oberschenkelzerrungen vorne – vor allem im Quadrizeps
  • Oberschenkelzerrungen hinten – insbesondere in der ischiocruralen Muskulatur beziehungsweise den Hamstrings
  • Wadenzerrungen – typisch bei Running, Tennis, Fußball, Basketball und anderen laufintensiven Sportarten
  • Muskelzerrungen an Fuß und Knöchel – seltener als Oberschenkel- oder Wadenzerrungen, aber grundsätzlich möglich

Die medizinische ICD-Systematik kennt Muskelzerrungen unter anderem für Schulterregion, Oberarm, Unterarm, Hand, Beckenregion und Oberschenkel, Unterschenkel sowie Knöchel und Fuß.

Zerrungen nach Sportart und Körperteil: große Übersicht

Welche Muskeln besonders beansprucht werden, hängt stark von der Sportart ab. Ein Fußballer belastet seinen Körper anders als ein Schwimmer, Boxer oder Kletterer.

Die folgende Tabelle nennt deshalb typische beziehungsweise grundsätzlich plausible Muskelregionen, in denen es bei den jeweiligen Bewegungsabläufen zu Zerrungen kommen kann. Die Tabelle bedeutet nicht, dass jede aufgeführte Verletzung bei der jeweiligen Sportart gleich häufig vorkommt.

SportartTypische oder mögliche Zerrungen/Körperregionen
FußballWade, hinterer Oberschenkel/Hamstrings, Quadrizeps, Adduktoren, Hüftbeuger, Gesäß, Bauch, Rücken
BasketballWade, Oberschenkel, Hamstrings, Adduktoren, Hüfte, Gesäß, Rücken, Schulter
HandballWade, Oberschenkel, Adduktoren, Hüfte, Bauch, Rücken, Brust, Schulter, Oberarm, Unterarm
TennisWade, Oberschenkel, Adduktoren, Hüfte, Bauch, Rücken, Brust, Schulter, Ober- und Unterarm
BadmintonWade, Oberschenkel, Adduktoren, Gesäß, Hüfte, Rücken, Schulter, Unterarm
PadelWade, Oberschenkel, Adduktoren, Hüfte, Rücken, Bauch, Schulter, Unterarm
TischtennisWade, Oberschenkel, Hüfte, Rücken, Schulter, Unterarm
SquashWade, Oberschenkel, Adduktoren, Hüfte, Gesäß, Rücken, Schulter, Unterarm
Running/JoggenWade, Schienbeinmuskulatur, Hamstrings, Quadrizeps, Hüftbeuger, Gesäß
SprintWade, Hamstrings, Quadrizeps, Adduktoren, Hüftbeuger, Gesäß
Marathon/LangstreckeWade, Oberschenkel, Hüfte, Gesäß, Fußmuskulatur
TrailrunningWade, Oberschenkel, Hüfte, Gesäß, Fuß- und Knöchelmuskulatur
LeichtathletikWade, Oberschenkel, Adduktoren, Hüfte, Gesäß, Rücken, Bauch, Schulter und Arme – abhängig von der Disziplin
TriathlonWade, Oberschenkel, Hüfte, Gesäß, Rücken, Nacken, Schulter, Ober- und Unterarm
RadsportWade, Oberschenkel, Hüftbeuger, Gesäß, unterer Rücken, Nacken
MountainbikeOberschenkel, Wade, Gesäß, Rücken, Nacken, Schulter, Unterarme
SchwimmenSchulter, Brust, Rücken, Nacken, Oberarm, Hüfte, Adduktoren, Wade
RudernRücken, Gesäß, Oberschenkel, Bauch, Schulter, Ober- und Unterarm
Stand Up PaddlingRücken, Bauch, Schulter, Oberarm, Unterarm, Hüfte
KitesurfenOberschenkel, Wade, Hüfte, Rücken, Bauch, Schulter, Unterarm
SurfenSchulter, Rücken, Nacken, Bauch, Hüfte, Oberschenkel
Ski alpinWade, Oberschenkel, Adduktoren, Hüfte, Gesäß, Rücken
SkitourenWade, Oberschenkel, Hüfte, Gesäß, Rücken, Schulter
LanglaufWade, Oberschenkel, Gesäß, Rücken, Bauch, Schulter, Oberarm
SnowboardWade, Oberschenkel, Hüfte, Gesäß, Rücken, Nacken
Bergsport/WandernWade, Oberschenkel, Hüfte, Gesäß, Rücken
KletternUnterarm, Oberarm, Schulter, Rücken, Brust, Bauch, Hüfte, Wade
BouldernUnterarm, Oberarm, Schulter, Rücken, Brust, Bauch, Hüfte, Oberschenkel, Wade
Fitnesspraktisch alle großen Muskelgruppen abhängig von der Übung
KrafttrainingBrust, Schulter, Rücken, Nacken, Oberarm, Unterarm, Bauch, Gesäß, Oberschenkel, Wade
CalisthenicsSchulter, Brust, Rücken, Oberarm, Unterarm, Bauch, Hüfte und Beine
HyroxWade, Oberschenkel, Hüfte, Gesäß, Rücken, Schulter, Arme
Cross-TrainingSchulter, Brust, Rücken, Arme, Bauch, Hüfte, Gesäß, Oberschenkel, Wade
PilatesBauch, Rücken, Hüfte, Gesäß, Oberschenkel, Nacken
YogaAdduktoren, Hamstrings, Hüfte, Wade, Rücken, Schulter, Nacken
Turnennahezu alle Muskelgruppen, besonders Schulter, Arme, Rücken, Bauch, Hüfte und Beine
Rhythmische SportgymnastikRücken, Hüfte, Adduktoren, Hamstrings, Wade, Schulter
BoxenSchulter, Brust, Rücken, Nacken, Bauch, Oberarm, Unterarm, Hüfte, Wade
KickboxenSchulter, Rücken, Bauch, Hüfte, Adduktoren, Oberschenkel, Wade
RingenNacken, Schulter, Brust, Rücken, Oberarm, Unterarm, Bauch, Hüfte, Adduktoren und Beine
JudoNacken, Schulter, Rücken, Arme, Bauch, Hüfte und Oberschenkel
Selbstverteidigungje nach System Schulter, Arme, Rücken, Hüfte, Oberschenkel und Wade
FechtenWade, Oberschenkel, Adduktoren, Hüfte, Rücken, Schulter, Unterarm
RugbyWade, Oberschenkel, Hamstrings, Adduktoren, Hüfte, Rücken, Nacken, Schulter
American FootballWade, Oberschenkel, Hüfte, Rücken, Nacken, Schulter, Brust und Arme
CricketWade, Oberschenkel, Hüfte, Rücken, Bauch, Schulter, Ober- und Unterarm
GolfRücken, Bauch, Hüfte, Gesäß, Schulter und Unterarm
VolleyballWade, Oberschenkel, Hüfte, Rücken, Bauch, Schulter und Oberarm
BeachvolleyballWade, Oberschenkel, Hüfte, Rücken, Schulter und Arme
HockeyWade, Oberschenkel, Adduktoren, Hüfte, Gesäß, Rücken und Schulter
Inline SkatingWade, Oberschenkel, Adduktoren, Hüfte, Gesäß und Rücken
RollsportWade, Oberschenkel, Hüfte, Gesäß, Rücken und Schulter
Nordic WalkingWade, Oberschenkel, Gesäß, Rücken, Nacken und Schulter
ReitenAdduktoren, Oberschenkel, Hüfte, Gesäß, Rücken und Wade
DartsZerrungen sind weniger typisch; möglich sind vor allem Schulter-, Nacken-, Rücken- und Unterarmbeschwerden
Esportsklassische akute Muskelzerrungen sind weniger typisch; muskuläre Beschwerden betreffen eher Nacken, Schulter, Rücken und Unterarme

Warum entstehen Zerrungen beim Fußball so häufig?

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Fußball vereint mehrere Bewegungen, die die Muskulatur stark fordern: Sprinten, Abbremsen, Schießen, Springen und schnelle Richtungswechsel. Gerade Oberschenkel und Waden werden dabei erheblich beansprucht.

Typische Regionen sind die Hamstrings auf der Rückseite des Oberschenkels, die Adduktoren an der Oberschenkelinnenseite, der Quadrizeps an der Vorderseite, die Wadenmuskulatur und die Hüftbeuger.

Sprints, schnelle Stopps und Richtungswechsel gehören generell zu den Bewegungen, bei denen Muskelzerrungen häufig auftreten. Fußball wird deshalb auch in medizinischen Patienteninformationen ausdrücklich als typische Sportart genannt.

Zerrung beim Running und in der Leichtathletik

Beim Laufen steht die Beinmuskulatur im Mittelpunkt. Besonders häufig denkt man deshalb an die Wadenzerrung und die Zerrung der hinteren Oberschenkelmuskulatur.

Beim Sprint kommen explosive Beschleunigungen hinzu. Die Hamstrings müssen dabei innerhalb kürzester Zeit große Kräfte aufnehmen und erzeugen.

Bei Langstreckenläufern können ebenfalls Zerrungen auftreten. Medizinische Informationen nennen insbesondere die Wade und weisen darauf hin, dass Bergauf- und Bergablaufen eine Überdehnung begünstigen kann.

Zur Leichtathletik gehören allerdings sehr unterschiedliche Disziplinen. Bei Sprintern und Springern stehen Beine und Hüfte im Vordergrund, während bei Wurfdisziplinen zusätzlich Schulter, Brust, Rücken und Arme stark beansprucht werden.

Zerrungen beim Tennis, Badminton und Padel

Racketsportarten kombinieren explosive Laufbewegungen mit Rotation und schnellen Armbewegungen. Dadurch können sowohl Ober- als auch Unterkörper betroffen sein.

Beim Tennis, Badminton und Padel sind insbesondere folgende Bereiche relevant:

Unterkörper: Wade, Quadrizeps, Hamstrings, Adduktoren und Hüftmuskulatur.

Rumpf: Bauch- und Rückenmuskulatur, die bei Drehbewegungen stabilisieren muss.

Oberkörper: Schulter-, Brust-, Oberarm- und Unterarmmuskulatur.

Beim Tennis können schnelle Sprints, Stopps und Richtungswechsel eine Muskelzerrung begünstigen.

Nicht jeder Schmerz am Ellenbogen oder an der Schulter ist allerdings eine Zerrung. Wiederholte Bewegungen können beispielsweise auch Sehnen reizen. Solche Beschwerden müssen von einer akuten Muskelzerrung unterschieden werden.

Zerrungen beim Basketball, Handball und Volleyball

Sprünge, Landungen, Sprints und schnelle Richtungswechsel machen Mannschaftssportarten zu einer besonderen Belastung für die Beinmuskulatur.

Beim Basketball stehen Wade, Oberschenkel, Hüfte und Gesäß im Vordergrund. Beim Handball kommt durch die intensive Wurfbewegung eine hohe Beanspruchung von Schulter, Brust, Rücken und Arm hinzu. Ähnliches gilt beim Volleyball, insbesondere beim Aufschlag und Angriffsschlag.

Basketball gehört ebenfalls zu den Sportarten, bei denen Muskelzerrungen durch Sprints, Sprünge, Stopps und schnelle Richtungswechsel auftreten können.

Zerrungen beim Krafttraining und Fitness

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Im Fitnessstudio kann grundsätzlich nahezu jede größere Muskelgruppe gezerrt werden. Entscheidend ist, welche Übung ausgeführt wird.

Bei Kniebeugen stehen beispielsweise Oberschenkel, Gesäß und Hüfte unter hoher Belastung. Beim Bankdrücken sind Brust, Schulter und Trizeps beteiligt. Kreuzheben fordert unter anderem Beine, Gesäß und Rücken.

Besonders problematisch können abrupte, unkontrollierte Bewegungen und eine Belastung sein, die nicht zum aktuellen Trainingszustand passt.

Mögliche Zerrungen beim Krafttraining betreffen daher:

  • Brustmuskulatur
  • Schulter
  • Nacken
  • oberen und unteren Rücken
  • Bizeps und Trizeps
  • Unterarme
  • Bauchmuskulatur
  • Hüfte
  • Gesäß
  • Quadrizeps
  • Hamstrings
  • Adduktoren
  • Waden

Zerrungen beim Klettern und Bouldern

Beim Klettern und Bouldern arbeitet der gesamte Körper. Besonders auffällig ist die hohe Beanspruchung von Fingern, Händen und Unterarmen. Gleichzeitig müssen Schultergürtel, Rücken und Rumpf den Körper stabilisieren.

Bei weiten Zügen oder dynamischen Bewegungen können auch Brust-, Schulter- oder Rückenmuskeln überdehnt werden. Hooks, Spreizbewegungen und hohe Tritte beanspruchen dagegen Hüfte, Adduktoren und Oberschenkel.

Wichtig ist auch hier die richtige Bezeichnung der Verletzung: Schmerzen an Fingern oder Händen können beispielsweise von Bändern, Sehnen oder anderen Strukturen ausgehen und müssen nicht automatisch eine Muskelzerrung sein.

Zerrungen beim Boxen, Ringen und Kampfsport

Kampfsport verlangt schnelle und explosive Bewegungen des gesamten Körpers. Ein Boxschlag beginnt beispielsweise nicht erst im Arm: Beine, Hüfte und Rumpf übertragen die Kraft bis in Schulter und Faust.

Beim Boxen können daher vor allem Schulter, Brust, Rücken, Nacken, Oberarm und Rumpf betroffen sein.

Beim Ringen oder Judo kommen Zug-, Halte- und Rotationsbewegungen sowie der direkte Körperkontakt hinzu. Dadurch werden insbesondere Nacken, Schultergürtel, Rücken, Arme, Hüfte und Oberschenkel beansprucht.

Bei Kontaktsportarten gilt allerdings besonders: Schmerzen können neben einer Muskelzerrung auch durch Prellungen, Verstauchungen, Sehnenverletzungen oder andere Verletzungen verursacht werden.

Zerrungen beim Radsport

Radfahrer bewegen ihre Beine zwar vergleichsweise gleichmäßig, eine Muskelzerrung ist trotzdem möglich.

Beansprucht werden insbesondere:

  • Quadrizeps
  • hintere Oberschenkelmuskulatur
  • Waden
  • Hüftbeuger
  • Gesäß

Durch die lange Sitzposition können zusätzlich Rücken- und Nackenmuskulatur stark beansprucht werden. Beim Mountainbike kommen schnelle Ausgleichsbewegungen und eine stärkere Belastung von Schultern und Unterarmen hinzu.

Zerrungen beim Schwimmen und Wassersport

Beim Schwimmen ist vor allem die Schulterregion stark gefordert. Je nach Schwimmstil arbeiten aber auch Brust, Rücken, Rumpf, Hüfte und Beine intensiv.

Beim Brustschwimmen spielen beispielsweise die Adduktoren eine größere Rolle, während beim Kraulen und Schmetterling Schulter und Rücken stark arbeiten.

Andere Wassersportarten verändern das Belastungsprofil deutlich. Beim Stand Up Paddling stabilisiert der Rumpf den Körper, während Schulter und Arme den Paddelschlag ausführen. Beim Kitesurfen werden zusätzlich Beine und Hüfte intensiv beansprucht.

Zerrungen beim Skifahren und Bergsport

Wintersport fordert vor allem Beine, Hüfte und Rumpf. Beim alpinen Skifahren wirken beim Kurvenfahren und Abfangen von Unebenheiten hohe Kräfte auf Oberschenkel und Gesäß.

Beim Bergsport und Wandern stehen dagegen wiederholte Belastungen über längere Zeit im Mittelpunkt. Besonders beim Bergabgehen müssen Oberschenkel und Waden viel Bremsarbeit leisten.

Bei Skitouren kommt neben dem Aufstieg die Abfahrt hinzu, sodass Ausdauer, Kraft und Koordination gleichermaßen gefordert sind.

Zerrung nach Körperteil: von Nacken bis Fuß

Eine weitere Möglichkeit, Muskelzerrungen einzuordnen, ist die Körperregion.

Zerrung im Nacken

Eine Nackenzerrung kann bei schnellen Kopfbewegungen oder hoher Haltearbeit entstehen. Relevant sind beispielsweise Kampfsport, Turnen, Ringen, Radsport und Sportarten mit längerer gebeugter Körperhaltung.

Zerrung an der Schulter

Schulterzerrungen können vor allem bei Wurf-, Schlag-, Schwimm-, Kletter- und Kraftbewegungen auftreten. Tennis, Badminton, Handball, Volleyball, Schwimmen, Boxen und Krafttraining sind typische Beispiele für Sportarten mit hoher Schulterbeanspruchung.

Zerrung an Brust und Oberkörper

Die Brustmuskulatur wird bei Druck-, Wurf- und Schlagbewegungen stark eingesetzt. Entsprechend können Beschwerden beispielsweise beim Bankdrücken, Boxen, Turnen oder Klettern entstehen.

Zerrung im Rücken

Rückenzerrungen sind grundsätzlich in verschiedenen Sportarten möglich. Rotation spielt etwa beim Golf oder Tennis eine große Rolle, während beim Krafttraining hohe Lasten hinzukommen können.

Der Rücken gehört neben Oberschenkel und Nacken zu den Körperregionen, die bei Muskelzerrungen häufig betroffen sind.

Bauchmuskelzerrung

Die Bauchmuskulatur stabilisiert den Rumpf und überträgt Kräfte zwischen Ober- und Unterkörper. Zerrungen können deshalb unter anderem bei Fußball, Tennis, Turnen, Kampfsport oder intensivem Krafttraining auftreten.

Zerrung im Oberarm

Bizeps und Trizeps werden vor allem bei Zug-, Druck-, Wurf- und Schlagbewegungen beansprucht. Krafttraining, Klettern, Rudern, Schwimmen und verschiedene Ballsportarten kommen daher als mögliche Auslöser infrage.

Zerrung im Unterarm

Unterarmmuskeln sind für Griffkraft sowie zahlreiche Bewegungen von Hand und Handgelenk verantwortlich. Besonders intensiv werden sie beim Klettern, Bouldern, Tennis, Badminton, Golf und Krafttraining eingesetzt.

Zerrung an Hüfte und Hüftbeuger

Die Hüftbeuger spielen beim Laufen, Sprinten und Anheben des Beins eine zentrale Rolle. Entsprechend sind Beschwerden besonders bei Fußball, Leichtathletik, Kampfsport und anderen laufintensiven Disziplinen möglich.

Adduktorenzerrung

Die Adduktoren liegen an der Innenseite des Oberschenkels und ziehen das Bein zur Körpermitte. Besonders schnelle Seitwärtsbewegungen, Spreizbewegungen und Richtungswechsel können diese Muskelgruppe stark fordern.

Fußball, Hockey, Tennis, Padel, Fechten und Kampfsport sind Beispiele für Sportarten mit entsprechender Belastung.

Zerrung im vorderen Oberschenkel

An der Vorderseite des Oberschenkels liegt der Quadrizeps. Er ist unter anderem beim Laufen, Springen, Schießen und Aufstehen aus einer tiefen Position beteiligt.

Zerrungen können daher bei Fußball, Sprint, Basketball, Handball, Ski, Radsport und Krafttraining auftreten.

Zerrung im hinteren Oberschenkel

Die hintere Oberschenkelmuskulatur wird häufig als Hamstrings bezeichnet. Gerade bei explosiven Laufbewegungen ist sie hohen Belastungen ausgesetzt.

Sprintsportarten, Fußball, Rugby und andere Disziplinen mit schnellen Beschleunigungen gehören zu den typischen Belastungssituationen.

Wadenzerrung

Die Wadenzerrung gehört zu den bekanntesten Muskelverletzungen im Sport. Die Wade arbeitet bei jedem Schritt und besonders intensiv beim Abdrücken, Springen und Sprinten.

Running, Fußball, Basketball, Tennis, Badminton und Leichtathletik sind typische Beispiele.

Auch bei Langstreckenläufern können Zerrungen vor allem in der Wade auftreten.

Zerrung an Fuß und Knöchel

Auch Muskeln im Bereich von Fuß und Knöchel können überlastet beziehungsweise überdehnt werden. Wichtig ist jedoch die Abgrenzung zur klassischen Sprunggelenksverstauchung.

Beim Umknicken sind häufig die Bänder des Sprunggelenks betroffen. Das ist dann keine klassische Muskelzerrung, sondern eine Distorsion beziehungsweise Verstauchung.

Woran erkennt man eine Muskelzerrung?

Typisch ist ein plötzlich auftretender, ziehender Schmerz im betroffenen Muskel. Häufig fühlt sich die Muskulatur zusätzlich angespannt oder verhärtet an.

Mögliche Beschwerden sind:

  • ziehender Muskelschmerz
  • Muskelverhärtung
  • Schmerzen bei Belastung
  • eingeschränkte Beweglichkeit
  • Muskelkrampf
  • Schwellung
  • Kraftverlust

Auch ein Bluterguss kann auftreten.

Ein stärkerer, plötzlich stechender Schmerz und eine deutlich eingeschränkte Belastbarkeit können dagegen unter anderem auf einen Muskelfaserriss hindeuten und sollten entsprechend abgeklärt werden.

Zerrung oder Muskelfaserriss: Was ist der Unterschied?

Die Begriffe werden im Alltag häufig durcheinandergebracht.

Bei einer Muskelzerrung wird der Muskel überdehnt. Bei einem Muskelfaserriss reißen dagegen einzelne oder mehrere Muskelfasern. Ein kompletter Muskelriss ist nochmals schwerwiegender.

Ein Muskelfaserriss äußert sich häufig durch einen plötzlich auftretenden stechenden Schmerz. Die betroffene Gliedmaße kann anschließend kaum noch belastbar sein. Auch Schwellungen und sichtbare Blutergüsse sind möglich.

Eine sichere Diagnose sollte insbesondere bei stärkeren Beschwerden medizinisch erfolgen.

Was tun bei einer Zerrung?

Die sportliche Belastung sollte zunächst beendet werden. Für die erste Phase wird bei einer Muskelzerrung häufig die PECH-Regel genannt:

P – Pause: Sportliche Belastung stoppen.

E – Eis: Die betroffene Region vorsichtig kühlen. Kälte sollte nicht direkt auf die Haut gelegt werden.

C – Compression: Ein elastischer Kompressionsverband kann helfen, eine Schwellung zu begrenzen.

H – Hochlagern: Wenn die betroffene Körperregion dies ermöglicht, kann Hochlagern ebenfalls gegen die Schwellung helfen.

Das deutsche Gesundheitsportal gesund.bund.de beschreibt diese Maßnahmen insbesondere für die ersten 48 Stunden nach einer Muskelzerrung. Anschließend kann – abhängig von Beschwerden und Diagnose – schrittweise wieder mit vorsichtiger, möglichst schmerzfreier Bewegung begonnen werden.

Wie lange dauert eine Zerrung?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Die Dauer hängt unter anderem von der betroffenen Muskelgruppe und dem Ausmaß der Verletzung ab.

Muskelzerrungen heilen häufig von selbst, allerdings kann es Tage bis Wochen dauern, bis der Muskel wieder vollständig belastbar ist. Leichtes Training kann je nach Verlauf nach einigen Wochen wieder möglich sein. Entscheidend ist nicht ein bestimmtes Datum, sondern dass Beweglichkeit und Belastbarkeit ausreichend zurückgekehrt sind.

Wer zu früh wieder mit voller Intensität trainiert, riskiert eine erneute Verletzung.

Welche Faktoren erhöhen das Risiko einer Zerrung?

Muskelzerrungen entstehen nicht ausschließlich durch „falsche“ Bewegungen. Häufig treffen mehrere Faktoren zusammen.

Zu den möglichen Risikofaktoren zählen unter anderem unzureichendes Aufwärmen, Ermüdung, eine für den Trainingszustand zu hohe Belastung und frühere Muskelverletzungen. Mit zunehmendem Alter können Muskelzerrungen ebenfalls häufiger auftreten.

Besonders interessant für Mannschafts- und Ausdauersportler: Ermüdung kann eine wichtige Rolle spielen. Verletzungen treten deshalb nicht selten gegen Ende intensiver Belastungen auf.

Wie kann man einer Zerrung beim Sport vorbeugen?

Eine Garantie gibt es nicht. Das Risiko lässt sich aber beeinflussen.

Ein sinnvolles Aufwärmen vor intensiven Belastungen ist eine wichtige Grundlage. Darüber hinaus können ein an den eigenen Leistungsstand angepasstes Training, ausreichende Regeneration sowie Kraft- und Beweglichkeitstraining dazu beitragen, die Muskulatur auf die jeweilige Sportart vorzubereiten.

Wer nach längerer Pause wieder einsteigt, sollte die Intensität schrittweise steigern. Das gilt insbesondere für Sportarten mit Sprints, Sprüngen oder abrupten Richtungswechseln.

Wann sollte man mit einer Zerrung zum Arzt?

Nicht jeder Muskelschmerz muss ärztlich behandelt werden. Stärkere Verletzungen lassen sich für Laien allerdings nicht immer zuverlässig voneinander unterscheiden.

Eine medizinische Abklärung ist besonders sinnvoll, wenn die Schmerzen sehr stark sind, eine deutliche Schwellung oder ein großer Bluterguss entsteht, der Muskel kaum belastbar ist, die Beweglichkeit stark eingeschränkt ist oder die Beschwerden nicht wie erwartet zurückgehen.

Bei schwereren Muskelverletzungen können beispielsweise Ultraschall oder MRT eingesetzt werden, um die Diagnose zu sichern beziehungsweise andere Verletzungen auszuschließen.

Zusammenfassung: Zerrungen können bei fast jeder Sportart auftreten

Eine Zerrung beim Sport entsteht, wenn Muskulatur über ihre aktuelle Belastbarkeit hinaus gedehnt wird. Besonders häufig betroffen sind Oberschenkel, Wade, Rücken und Nacken, grundsätzlich können jedoch viele Muskelgruppen verletzt werden.

Welche Körperregion besonders gefährdet ist, hängt stark von der Sportart ab. Fußball, Basketball, Tennis oder Running belasten vor allem Beine und Hüfte. Schwimmen, Handball und Badminton fordern zusätzlich die Schulter. Beim Klettern und Bouldern arbeiten Unterarme und Oberkörper besonders intensiv, während Krafttraining je nach Übung praktisch jede große Muskelgruppe beanspruchen kann.

Entscheidend ist außerdem die Abgrenzung: Muskelzerrung, Muskelfaserriss, Sehnenverletzung und Bänderverletzung sind nicht dasselbe. Gerade bei starken Schmerzen, deutlichem Kraftverlust oder ausgeprägter Bewegungseinschränkung sollte deshalb nicht allein anhand der Symptome eine Selbstdiagnose gestellt werden.

Aufwärmen, ein dem Trainingszustand angepasstes Belastungsniveau, Kraft- und Beweglichkeitstraining sowie ausreichende Regeneration können helfen, das Risiko von Muskelverletzungen zu reduzieren.

FAQ: Häufige Fragen zu Zerrungen beim Sport

  1. Welche Zerrung kommt beim Sport am häufigsten vor?

    Besonders häufig betroffen sind Oberschenkel und Waden. Auch Rücken und Nacken gehören zu den Körperregionen, an denen Muskelzerrungen häufig auftreten. Bei Sportarten mit Sprints und schnellen Richtungswechseln sind Verletzungen der Beinmuskulatur besonders relevant.

  2. Kann man an jedem Muskel eine Zerrung bekommen?

    Grundsätzlich kann eine Überdehnung verschiedene Skelettmuskeln betreffen. In der medizinischen ICD-Systematik werden Muskelzerrungen unter anderem für Schulterregion, Oberarm, Unterarm, Hand, Becken und Oberschenkel, Unterschenkel sowie Knöchel und Fuß erfasst. Welche Muskelgruppe besonders gefährdet ist, hängt von Bewegung, Sportart und Belastung ab.

  3. Wie lange sollte man bei einer Zerrung keinen Sport machen?

    Das lässt sich nicht mit einer festen Zahl für jeden Menschen beantworten. Je nach Verletzung kann es Tage bis Wochen dauern, bis der Muskel wieder vollständig belastbar ist. Mit leichtem Training sollte erst begonnen werden, wenn die Belastung entsprechend dem Heilungsverlauf möglich ist. Eine zu frühe Rückkehr zur vollen Belastung erhöht das Risiko einer erneuten Verletzung.

  4. Was ist der Unterschied zwischen Zerrung und Muskelfaserriss?

    Bei einer Muskelzerrung wird der Muskel überdehnt. Bei einem Muskelfaserriss reißen einzelne oder mehrere Muskelfasern. Ein Faserriss verursacht typischerweise einen plötzlich einsetzenden, stechenden Schmerz und kann die Belastbarkeit deutlich stärker einschränken.

  5. Bei welchen Sportarten ist das Risiko für Zerrungen besonders hoch?

    Muskelzerrungen treten besonders bei Sportarten auf, die Sprints, Sprünge, schnelle Stopps oder Richtungswechsel erfordern. Dazu gehören beispielsweise Fußball, Basketball und Tennis. Grundsätzlich können Zerrungen aber auch beim Running, Krafttraining, Klettern, Kampfsport, Wintersport und vielen anderen Sportarten entstehen.

Tommy Kleinen

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