Die Fanszene des TSV 1860 München setzt, wie auch viele andere Fans in ganz Deutschland, den Protest gegenüber dem DFB und der DFL durch. Das heißt: Im Auswärtsspiel gegen die Spielvereinigung Unterhaching wird es die ersten 20 Minuten ruhig bleiben und keinen Support geben.

Der Zusammenschluss zahlreicher Fußball-Fanszenen in ganz Deutschland hatte bereits vor einigen Tagen diese Aktion für die Bundesliga, die 2. Bundesliga und die 3. Liga angekündigt. Zentrale Forderung ist nach eigener Aussage, dass der Fußball wieder die Interessen der Fans in den Mittelpunkt rückt und nicht die Interessen von Investoren. Vor einem Monat gab der Zusammenschluss der Fanszenen bekannt, dass der Dialog mit DFB und DFL abgebrochen wurde.

Die Erklärung

Ihr werdet von uns hören – oder auch nicht!

,,Wir sind weiterhin bis in die Haarspitzen motiviert, uns für die Grundwerte des Fußballs und gegen eine weitere Entfremdung des Fußballs durch Korruption, Gutsherrenmachenschaften und Kommerzialisierung einzutreten. Wir sehen es mehr denn je als unsere Verantwortung gegen den DFB und die DFL aufzustehen und wissen zehntausende Unterstützer in den Kurven des Landes hinter uns.‘‘

So schlossen wir vor rund einem Monat unsere Erklärung zu dem Abbruch der Gespräche mit den Verbänden. Wir führten dabei aus, dass der Beitritt der Fanseite zu einem wie auch immer gearteten ,,runden Tisch‘‘ keine Verbesserung für jene Fanseite mit sich gebracht hat und wohl auch nicht bringen wird. Viel mehr handelte es sich bei den Gesprächen um eine für die Verbände gesichtswahrende Vorgabe von Dialogbereitschaft, ohne dabei jedoch gewillt zu sein, tatsächliche Verbesserungen im Sinne der Fußballfans durchzusetzen. Auch die geleakten E-Mails zwischen DFB-Präsident Reinhard Grindel und seinem Vizepräsident Rainer Koch haben uns gezeigt, dass der Abbruch der Gespräche ein richtiger Schritt war.

Diese Resignation bezieht sich dabei jedoch einzig und allein auf die besagten Gespräche, nicht jedoch auf unseren grundsätzlichen Kampf für einen anderen Fußball. Einen Fußball, der sich an der Basis orientiert, statt die Spirale in immer neue Höhen zu drehen. Der den Fokus auf die Fans legt, statt sich nur nach Investoren, Stakeholdern und dem großen Geld zu richten.

Wenn die Anliegen der Fans in Gesprächen kein Gehör finden, dann vertreten wir sie wieder dort, wo man uns nicht ignorieren kann: In unseren Stadien und Kurven. Wir haben angekündigt, dass man von uns hören wird und setzen das in der kommenden englischen Woche, dem 9. Spieltag, um.

In den ersten 20 Minuten der Spiele werden wir auf einen wie üblich organisierten Support verzichten. Stattdessen werden wir unseren Protest in die Stadien tragen und zeigen, dass die große Masse an Fans nicht damit einverstanden ist, was einige wenige Funktionäre mit unserem geliebten Fußball veranstalten.

Über die genaue Ausgestaltung des Protests werden die jeweiligen Fanszenen informieren. Schließt euch den Protesten an, um ein einheitliches und starkes Zeichen zu setzen! Zeigt denen da oben, dass die Fans in den Stadien nicht gewillt sind, immer neue Auswüchse der Kommerzialisierung und Entfremdung in Kauf zu nehmen!

Die Fanszenen Deutschlands im September 2018

 

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tomandcherry
Leser

Die m.E. einzige Möglichkeit tatsächlich einen “Denkanstoß” bei DFB/DFL zu erzielen wäre konsequentes Boykottieren.

Boykottieren von Sky-/DAZN-/Telekom Sport-/Eurosport Player-Abos bzw. deren regelmäßige Nutzung.

Boykottieren eines Spieltags. Und zwar so konsequent, dass an einem Bundesliga-/2. Liga-/3. Liga-Spieltag alle (!) Stadien komplett leer bleiben.

Boykottieren der jeweiligen Auswärtsfahrten an eben jenem Spieltag.

DAS würde einmal ein Zeichen setzen. Und zwar ein derartig gewaltiges, dass ich überzeugt davon bin, dass einigen Herrschaften ordentlich warm würde in ihren feinen Anzügen.

Wenn an einem Spieltag jedes (!) Spiel vor komplett leeren Rängen stattfinden würde, wäre es ein Donnerhall in den Büros der Wirtschaftsunternehmen, die sämtliche Profivereine de facto sind. Übrigens auch unser TSV 1860 München.

Mit zwanzigminütigen Schweige-Protestaktionen kann man keinen einzigen Verantwortlichen irgendeines Vereins oder einen Funktionär beim DFB nachhaltig beeindrucken. Im Gegenteil.

Wenn die Quoten bei den Übertragungen in den Keller fallen und x Spiele in menschenleeren Stadien, pardon: Arenen, stattfinden würden, bekommen die Geldgeber ganz schnell kalte Füße, weil sie den Gegenwert ihrer “Investments” davonschwimmen sehen. Und nur dann könnte es einen Umdenkprozess geben.

Mit kurzzeitigem Schweigen als Zeichen des Protests wird kein einziger Verantwortlicher zum Nachdenken über die Auswüchse des Turbo-Kapitalismus angeregt. Im Gegenteil. Das kratzt die doch nicht im Geringsten.

blau91
Leser

Was macht den Fußball in den Stadien aus? Die teuren Fußballer, das Grün des Rasens, die Qualität des Spiels? Es ist die Athmosphäre, es sind die Fans und ganz speziell die organisierte Fanszene. Deren Choreos, deren Support. Der DFB täte gut daran auf die Meinung derer etwas zu geben, die sich Spieltag für Spieltag auf den Rängen Ihres Lieblingsclubs zerreißen. Es geht nicht darum alles umzusetzen, was der Fan will. Es geht um Respekt. Ohne Fans, ohne Support ist der Fußball so, wie wir ihn lieben, nichts.
Ich denke das temporäre Aussetzen des Supports in allen deutschen Stadien wird sehr wohl wahr genommen. Bleibt konsequent. Verschafft euch das Gehör, das ihr verdient. Aber übertreibt es bitte auch nicht.🦁💪

Löwe
Leser

Hoffentlich ist das Schweigen nicht kontraproduktiv!

Außerdem ist die sog. „Fanszene“ nicht „die Fans“. Ich bin auch Fan, wie viele andere auch!

Da man die Zeit nicht zurück drehen kann, hätte ich auch nichts dagegen, wenn wir (TSV 1860) auch mal wieder im großen Fußball mitspielen. Wenn nicht anders möglich auch mit Investor und auch ohne GWS.

Serkan
Leser

Für jemanden mit deinen Präferenzen gibt es doch Angebote ohne Ende? Darunter wirklich attraktive in nächster Umgebung. Warum muss es ausgerechnet der TSV 1860 München sein? Oder du nimmst dir, wenn es denn so dringend ist, die Löwen als Zweitverein und stillst dein Bedürfnis nach “großem Fußball” an anderer Stelle. Auch eine Möglichkeit.

SechzgeMax
Redakteur

Erschreckend finde ich, dass es auch teils starke Kritik an der Aktion aus Reihen der Fans gibt. Manche sehen die Ultras als kostenlosen Dienstleister für Stimmung. Als wäre das eine Selbstverständlichkeit. Und natürlich kann die Mannschaft nix dafür, aber die Reisenden können auch nix dafür, wenn die Piloten streiken. Manche Fans denken halt sie zahlen für TV und dann haben sie einen Anspruch auf Unterhaltung durch Vereine und Ultras.

Tami Tes
Redakteur

Ich denke nicht, dass es den DFB oder die DFL groß interessiert, wenn Fans mal 20 Minuten die Klappe halten. Glaube nicht, dass solche Aktionen viel bewirken… aber jede Aktion ist besser als gar keine.

SechzgeMax
Redakteur

Das ist das einzige Druckmittel, das sie haben. Gerade jetzt wo sich der DFB für die EM 2024 bewirbt hat er wohl wenig Interesse an schlechter Presse.

Tami Tes
Redakteur

Das ist sicher ein Punkt. Aber eine Demo in Frankfurt wurde ggf. mehr Aufsehen erregen. Keine Ahnung. Jedenfalls interessiert sie die Stimmung in Stadien eh nicht wirklich, solange die Zuschauer ihr TV anmachen und die Quote stimmt.