Am 26. September 2021 ist es soweit. Die Frauenmannschaft des TSV 1860 München startet in der A-Klasse. Um 16 Uhr ist Anpfiff in Ottobrunn. Warum es sich lohnt beim Frauenfußball vorbeizuschauen? Ein Kommentar.

Es ist 16.20 Uhr in Vierkirchen. Testspiel der Frauen. Mein Navigationssystem führt mich auf einen Feldweg, der dann irgendwann endet. Noch 50 Meter muss ich zu Fuß gehen. Und tatsächlich sehe ich, hinter einer Baumreihe, einen Sportplatz. Ich steige aus. Hier kann ich nicht parken. Vermutlich wird hier auch die nächsten Tage niemand vorbei gehen, außer vielleicht ein Vierkirchner der seinen Hund spazieren führt. Aber stehen bleiben kann ich hier auch nicht. Umdrehen eigentlich auch nicht, viel zu eng ist der Feldweg auf den mich mein Navi geführt hat. Ich tue es trotzdem. Und suche dann die andere Seite des Sportplatzes. Dort sieht es dann schon besser aus. Ein kleiner Parkplatz, eine Gaststätte und eben der Sportplatz von Vierkirchen. Von der Gaststätte aus hat man einen guten Blick auf die Sportanlage. Ich bestelle ein alkoholfreies Franziskaner-Weißbier. Ist nun der Fußballplatz schräg oder sind es die Trainingsplätze im Hintergrund? Im Lot ist hier irgendwie nichts. Auch nicht die Linien.

Der TSV 1860 München hat eine neue Mannschaft. Und die spielt an diesem Tag in Vierkirchen. Die Frauenmannschaft, neugegründete, nachdem es viele Jahre kein Frauenfußball bei den Löwen gab. Es ist nicht das erste Spiel, dass ich mir anschauen werde, aber das letzte Spiel – vor dem Ligastart der Löwinnen in der A-Klasse. Ein Spiel auf das ich mich tatsächlich freue.

Die Frauenmannschaft des TSV 1860 München. Sie wird angeführt von Stefan Weishaupt. Er ist der Trainer. Ob er wirklich viel zu sagen hat? Das Löwinnen-Team hat einen ganz bestimmten Charakter. Einige Damen sind durchaus dominant. Anführerinnen, die auch mal dem Trainer widersprechen. Die ironischerweise ihn sogar auch entlassen könnten, weil sie teilweise die Sparte leiten. Der Löwinnen-Coach weiß durchaus, was er sportlich umsetzen will. Was er taktisch umsetzen will. Und sicherlich entscheidet er am Spielfeldrand. Doch ob es ein striktes hierarchisches System gibt? Wohl eher nicht. Da gibt es einige charakterstarke Anführerinnen. Alpha-Löwinnen. Auf dem Spielfeld, aber auch was Entscheidungen rund um den Frauenfußball betreffen. Das bringt eine interessante Dynamik.

“Ich muss mich noch mal einwechseln lassen”, meint eine Spielerin beim Testspiel und fügt dann hinzu: “Ich hab noch eine Rechnung offen”. Das wirkt, in still geschriebenen Worten, vielleicht etwas aggressiv. In der Realität kommt es unfassbar kämpferisch und ja, durchaus sympathisch rüber. Eine bissige Löwin, die auf dem Platz zeigen möchte wer hier regiert – “hier regiert der TSV”. Und auch sonst sind die Gespäche am Spielfeldrand interessant. Da gibt es durchaus nicht nur bissige, sondern äußerst zickige Löwinnen. “Ich hab hundert Mal gesagt, wir müssen das mal so machen”, schimpft eine. Trainer Weishaupt schweigt. Und verfolgt das Spiel.

Auch der eine oder andere Ruhepol ist dabei. Ruhige Löwinnen, die das ganze Team ausgewogener erscheinen lassen. Die ihre Umwelt durch eher tiefere Gedanken interpretieren. Darunter kann natürlich das Entscheidungstempo leiden. Das muss die eine oder andere Alpha-Löwin zumindest im Spiel ausgleichen. Ruhe, Konzentration und Detailorientierung strahlen jedoch stets auch auf den Rest der Mannschaft aus.

Die Mischung macht´s. Und das sieht man auf dem Platz. Es ist spannend zu sehen, wie verschiedene Charaktere auf dem Platz stehen und sich miteinander immer besser einspielen. Verschiedene Charaktere, die wiederum einen Gesamtcharakter ergeben. Den, der Frauenfußballmannschaft in der A-Klasse.

Am Sonntag ist es soweit. Da kann man sich den Charakter-Mix live anschauen. In Ottobrunn. Anpfiff ist um 16 Uhr. Gäste sind willkommen. Sportanlage Ottobrunn, Kunstrasen | Haidgraben 121 | 85521 Ottobrunn

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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alexander-schlegel
alexander-schlegel(@a-schlegel)
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2 Monate her

Das nenne ich mutig als männlicher Redakteur von Zicken zu schreiben. Du willst Dir wohl das nächste Mal ein paar blaue Augen einfangen … Zumindest bist Du jetzt wohl bei den Mädels als Macho abgestempelt … 😉

alexander-schlegel
alexander-schlegel(@a-schlegel)
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Reply to  ariksteen
2 Monate her

Ja, bei Männern würde ich Dir zustimmen, bei Frauen ist das leider oft umgekehrt: da fühlt sich dann plötzlich jede angesprochen. Aber du wirst es ja erleben, wenn Du das nächste Mal dort auftauchst … 😉

Last edited 2 Monate her by Alexander Schlegel
alexander-schlegel
alexander-schlegel(@a-schlegel)
Leser
Reply to  ariksteen
2 Monate her

Ja, könnte der entspanntere Nachmittag werden … 😉

anteater
anteater(@anteater)
Leser
Reply to  Alexander Schlegel
2 Monate her

Da fällt mir das mit den getroffenen Hunden ein, die dann bellen sollen, so sagt man…