Wer entscheidet über den Kader? Ein Kommentar zur aktuellen Situation

12

Es ist ein gefundenes Fressen für die Presse – Günther Gorenzel und Daniel Bierofka sind sich nicht einig. Zumindest in den Medien wird es so dargestellt. Ob es tatsächlich so ist, ist für Aussenstehende schwierig zu bewerten. Eine öffentliche Stellungnahme gibt es nicht.* Die Fans des TSV 1860 München müssen sich auf die Aussagen in der Presse verlassen. In einen möglichen Konflikt wird viel hineininterpretiert.

* Nachtrag: Offizielle Stellungnahme des TSV 1860 München

Ein Kommentar

Günther Gorenzel sagt gegenüber der Presse, dass man sich 100 Prozent einig sei. „Aus der Sicht des Sports sind sich Daniel Bierofka und meine Person zu 100% einig was die zukünftige Ausrichtung und Aufgaben anbelangen. Dass ich dann in meinem Verantwortungsbereich als Geschäftsführer noch andere Aspekte mit hinzuziehen und einfließen lassen muss, liegt auf der Hand. Wenn dadurch der Eindruck entsteht, dass Daniel Bierofka und Günther Gorenzel keine 100%ige Einheit sind und gemeinsam für den TSV 1860 Dinge vorantreiben wollen, liegt man völlig falsch.“ Mit den 100 Prozent ist das so eine Sache. Das soll natürlich unterstreichen, dass man komplett eine Linie fährt und die Presse auf dem „Holzweg“ ist. Aber es spiegelt nicht die aktuelle Situation wieder. Es gab durchaus Aussagen von Gorenzel, die darauf schließen lassen, dass er einen Aaron Berzel nicht möchte. Eine klare Aussage von Bierofka im Hinblick auf Marinkovic gab es nicht, wohl aber über Berzel. Das er ihn gerne halten möchte, daraus machte er keinen Hehl. Es wirkt also unglücklich, wenn Gorenzel von 100 Prozent Einigkeit spricht.

Daniel Bierofka und Günther Gorenzel scheinen sich eben nicht immer einig zu sein. Zumindest Bierofka gibt das offen zu. Das ist seine Art und das macht ihn sympathisch. „Wir müssen nicht immer dieselbe Meinung haben. Das ist doch ganz normal. Dass das nach außen gekommen ist, das ist nicht optimal. Aber dass es manchmal Reibungspunkte gibt, das ist in jeder Beziehung so.“ Für Entscheidungsprozesse ist das sogar enorm wichtig. Der Umgang des Trainers mit Dissens, Kritik und abweichender Meinung hat umgangfreichen Einfluss auf seine Entscheidungen. Konsensorientierte Entscheidungsfindungen, bei denen man unfiltriert seine Meinung vertritt und umsetzt, laufen häufig Gefahr Entscheidungsalternativen auszuklammern. Das kann zu einem starren Führungsprozess führen. In der Offiziersschule des Heeres war das für mich einer der wesentlichen Lernprozesse. In der Befehlsgebung hatte ich immer ein klares Ziel vor Augen. Im Führungsprozess missachtete ich als junger Offizier stets den Punkt „Möglichkeiten des eigenen Handelns“ und das anschließende „Abwägen der Möglichkeiten“. Ich übersprang die beiden Punkte und kam sofort zum Entschluss. Weil ich den vorgefertigt im Kopf hatte. Von den Stabsoffizieren wurde ich dafür oft kritisiert. Und in Einsätzen zeigte sich immer sehr schnell, dass die intensive Beschäftigung mit Alternativen durchaus wichtig ist. Dazu ist ein starkes Team notwendig. Leute, die durchaus mal anderer Meinung sind und diese auch kundtun. Am Ende ist natürlich klar – einer muss einen Entschluss fassen. Die Alternativen bleiben jedoch weiter bestehen und können grundsätzlich auch im operativen Geschäft noch einmal relevant werden. Richtig. Das eine ist Militär, das andere Sport. Führungsprozesse sind jedoch durchaus übertragbar.

Wer trifft die Entscheidungen im Hinblick auf die Kaderplanung? Zumindest die Leser im Löwenmagazin haben vor allem Vertrauen in Daniel Bierofka. Er ist eine Indifikationsfigur bei den Löwen. Welche Rolle Günther Gorenzel spielt, ist einigen unklar. So zumindest liest man es aus den Kommentaren heraus. Gerade die mediale Präsenz, die der Österreicher immer wieder an den Tag legt, irritiert. Kaum ein Tag vergeht, wo Gorenzel nicht der Presse einige Worte sagt.

Was ist eure Meinung zu diesem Thema?

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)

12
Hinterlasse einen Kommentar

Please Login to comment
avatar
  
smilewinklolsadballlionpretzelbeerstadiumlinkrollingheartzzzpolice
 
 
 
6 Comment threads
6 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
7 Comment authors
Florian BüchnerunvoreingenommenanteaterHarald ClarnerSnoopy. Recent comment authors

  Subscribe  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
Florian Büchner
Gast
Florian Büchner

Geteilt in der Meinung, geeint in der Sache, im Ziel, ein effektiver Löwen – Kader. Wo ist das Problem?

anteater
Leser

Na ja, in Deutschland entscheidet ja üblicherweise primär der Sportdirektor über den Kader. In unserem Falle Gorenzel. Je besser die beiden, also er und Biero, klar kommen, umso mehr kann es da zu einem größeren Einfluss des Trainers kommen. Allerdings ist insgesamt am Kader schon erkennbar, dass wir viele Spieler haben, die Biero von früher kennt oder kennen könnte. Stallgeruch ist da der positive Aspekt, mögliche Spezlwirtschaft der negative.

Insgesamt wäre natürlich ein auch medial fähigerer Sportgeschäftsführer wünschenswert.

Harald Clarner
Gast
Harald Clarner

Gorenzel, Du solltest nicht andauernd gorenzeln.

Snoopy.
Leser

Bierofka ist streng genommen nur ein Angestellter der KGaA, wenn auch in leitender und wichtiger Position. Gorenzel darf mittlerweile den Titel „Geschäftsführer Sport“ auf der Visitenkarten andrucken und somit sticht der Ober den Unter.

Klar, man muss sich auch mit anderen Dingen in dieser Position beschäftigten, wie z.B. eventuelle Strafzahlungen und ähnliches. Allerdings ist es der Trainer, der mit den Jungs auf der Wiese die Punkte einfahren sollte, damit es zum Klassenerhalt möglichst ohne nervlichen Stress reicht.

Schlussendlich müssen beide, Bierofka und Gorenzel, als Team funktionieren. Meinungsverschiedenheiten in diesem Falle sind von Haus aus nicht ausgeschlossen, warum diese Internas nach Extern kommen, steht dann allerdings auf einem anderen Blatt. Allerdings sind beide an dieser „Meinung der Medien“, dass es zwischen den beiden nicht so ganz stimmt, auch auf Grund ihrer Äußerungen bzw. Verahlten gegenüber den Medien selbst schuld.

Berzel hat den Vorteil, dass er den Laden kennt, also die Mannschaft, den Trainer. Er war bisher doch auch ein Baustein für das System Bierofka. Er kennt also die Abläufe, die Pass- und Laufwege (falls vorhanden) und wäre kein Fremdkörper im System, dass man erst „hinbiegen“ muss.

57-58-59-60
Leser

Ich denke, wenn jemand die Legitimation hat, mit der Presse zu sprechen, dann sind das Scharold und Gorenzel als Geschäftsführer. Und Gorenzel ist der Chef von Bierofka. Also alles gut. Da sich GG und DB aber nach Aussage DB sowieso einig sind, ist eh jedes weitere Wort darüber müßig. Die machen das schon!

anteater
Leser

Nach Aussage von GG sind sie sich einig, nicht nach Aussage von DB.

Baum
Leser

Also ich „vertraue“ weder Gorenzel noch Bierofka. In meinen Augen sind beide nicht die Richtigen. Beide sind nicht fähig das Konzept umzusetzen das jetzt von Nöten wäre. Bestes Beispiel, man hat 300000€ zur Verfügung, man will 2-3 neue Spieler und verbläst alles für einen Spieler, der einen gewissen Namen und Status hat. Ein typischer Gorenzel/Bierofka Transfer. Danach hinstellen und jammern das man ja noch mindestens einen Spieler, besser sogar zwei haben möchte aber kein Geld da ist.
Vereine die von Haus aus gewöhnt sind mit niedrigen Etats zu arbeiten handeln anders. Dort werden unbekannte Spieler geholt, es wird versucht diese besser zu machen und im günstigsten Fall schlagen sie ein und werden für teures Geld weiterverkauft. Bei uns läufts seit jeher anders rum. Das Resultat kann sich ja jeder anschauen.
Edith meint noch: Demut wäre angesagt, aber das ist bei den beiden Herren noch nicht angekommen.

unvoreingenommen
Leser

Welcher eine Spieler mit Namen verdient bei 60 300T p.A inkl. Lohnnebenkosten versteht sich?

anteater
Leser

Jetzt denk mal scharf nach. Baum hat es eigentlich auf dem Silbertablett für Dich präsentiert.

Man hat € 300.000 zur Verfügung, möchte 2-4 neue Spieler (je nach Lesart), verpflichtet einen (das ist das x in dieser „Gleichung“, mal so als Hinweis) und jammert dann rum, dass man kein Geld mehr hat für andere Spieler. Finde x!

57-58-59-60
Leser

Oder diese Vereine steigen ab, so wie Cottbus, Lotte, Köln und Aalen smile

anteater
Leser

Oder Großaspach, Zwickau etc. Kannst ja für jede Saison die Absteiger rauspicken und sagen, das ist so, weil sie nur Spieler entwickeln wollen. Die Gegenbeispiele gibt es halt auch. Braunschweig ist übrigens aufgrund eines einzelnen Tores nicht abgestiegen, Osnabrück hatte einen günstigen Kader und Leihspieler und die sind damit aufgestiegen. Ein Patentrezept scheint es also nicht zu geben.

Baum
Leser

Kann passieren, aber dann ist es halt so. Dann hat man schlecht gearbeitet oder es gab andere unwägliche Gründe. Aber den Cheat-Modus anwerfen und mit nicht nachhaltigen Krediten über den Verhältnissen zu leben, weil man ja die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA ist und eigentlich in höheren Sphären schweben sollte ist doch auch nicht der richtige Weg, wie man die letzten 15 Jahre gesehen hat.