Jüngst meldete sich ein Journalist einer arabischen Zeitung bei unserer Redaktion. Er wollte wissen was es mit dem durchgestrichenen Konterfei von Hasan Ismaik (حسن إسميك) auf sich hat. Der Protest in der Westkurve zeigt Wirkung weit über die Grenzen des Löwenkosmos hinaus. Mit welcher Konsequenz? Ein Kommentar.

In den vergangenen Wochen ist sie immer wieder Thema gewesen. Die sogenannte Anti-Hasan-Ismaik-Fahne oder auch bekannt als das durchgestrichene Konterfei von 1860-Gesellschafter Hasan Ismaik. Es entwickelte sich ein kräftiges Ping-Pong-Spiel. Zwischen denjenigen, die den Protest ablehnen und kritisieren und denjenigen, die ihn verteidigen und sich auf die Meinungsfreiheit berufen. Mit weitreichenden Konsequenzen. Längst ist der Name Ismaik mit dem entsprechenden Bild verknüpft. Vor allem im arabischen Raum. Denn 1860-Gesellschafter Ismaik hat sich dort ein Netzwerk von Millionen Followern aufgebaut. 4,6 Millionen Accounts folgen den arabischen Social-Media-Kanälen des Herrn Ismaik.

Es ist schon fast ironisch. Den zwar sichtbaren aber eher stillen und zurückhaltenden Protest in der Westkurve würde im arabischen Raum keiner mitbekommen. Niemand sieht dort die Übertragungen der Drittligaspiele im Fernsehen. Und erst Recht schaut keiner in den wenigen Sekunden, wo die Westkurve im TV gezeigt wird, auf die dortigen Fahnen. Es ist der Protest gegen den Protest, der die Fahne so intensiv mit Ismaiks Namen verknüpft. Zuletzt äußerte sich Peter Pacult.

Ein Journalist aus dem arabischen Raum erklärt gegenüber dem Löwenmagazin: “In arabischen Ländern lässt sich der Klub aus München so definitiv nicht verkaufen. Es ist nicht nur eure strenge deutsche Regelung (gemeint ist 50+1/ Anmerkung der Redaktion). Niemand will sein Gesicht mit dem von Ismaik tauschen.” Zumindest für Käufer aus Saudi Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Katar sind die Löwen also wohl eher unattraktiv. Eben wegen diesem Protest.

Bleibt also die Frage an wen Ismaik stattdessen verkaufen könnte. “Das muss aus meiner Sicht ein europäischer Käufer sein, der die Fans von Anfang an für sich gewinnen kann und wo die Fans das Gefühl haben, dass sie ernst genommen werden”, so der Journalist. Er kennt übrigens die Löwen aus der Zeit in der 2. Bundesliga. “Da war Raed Gerges Geschäftsführer beim TSV 1860, den ich kenne und schätze.” Im arabischen Raum bekannt als erfolgreicher Sport-Analytiker. Von August bis Dezember 2016 arbeitete er im Auftrag des Gesellschafters Ismaik “ehrenamtlich” als Delegierter beim TSV 1860 München. Vorgestellt wurde er als “Head of Marketing & Corporate Communications” der Unternehmensgruppe von Ismaik. Lange blieb er nicht. Danach kam Anthony Power als Geschäftsführer.

Ob Ismaik überhaupt verkaufen will ist nicht bekannt. Im arabischen Raum wird es allerdings wohl tatsächlich sehr schwer einen geeigneten Käufer zu finden. Für einen potentiellen europäischen Käufer bedarf es einer sinnvollen Strategie. Mit einem klaren Leitbild, dass die Fans überzeugt. Fraglich jedoch, ob ein europäischer oder gar lokaler Investor bereit wäre so viel Geld auf den Tisch zu legen, wie Ismaik sehen möchte. Sofern er überhaupt an einem Verkauf interessiert ist.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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