Der TSV 1860 München hat sein letztes Spiel verloren. In den Internetforen und sozialen Netzwerken macht sich Frust breit. Die Niederlage schmerzt einige Fans besonders. Warum? Ein Kommentar.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und eine Niederlage die Saison längst nicht kaputt. Bereits in der letzten Saison war in der Dritten Liga so gut wie alles möglich. Spannung pur bis zum Saisonende. Und auch heuer scheint es wieder spannend zu werden. Favoriten stolpern. Totgesagte machen Punkte. Eigentlich kann jeder irgendwie jeden besiegen. Zumindest solange er die Miete für die Heimspielstätte zahlen kann. Auch für die Löwen ist alles drin und so tut Michael Köllner gut daran, weiter mit seiner Mannschaft zu ackern, von Spiel zu Spiel. Doch Niederlagen, wie die vergangene gegen Köln, schmerzen einige Fans mehr als je zuvor. Zumindest mir geht es so. Die Löwen verlieren. Ich mache den Fernseher aus und sitze da. Ich starre auf mein Handy und sehe den Frust vieler Fans in den Netzwerken. Und irgendwie reißt es mich mit runter. Ich ärgere mich mehr als gedacht. Mehr als nötig.

Auch in der vergangenen Saison gab es Niederlagen. Und mir wird plötzlich bewusst, dass sie nie so schlimm waren wie heuer. Der Grund ist denkbar einfach. Es ist der fehlende soziale Kontakt. An normalen Spieltagen habe ich noch drei oder vier Stunden nach dem Spiel kein einziges Mal in die sozialen Netzwerke geschaut. Ich war unter Löwen. Und Niederlagen unter Löwen? Sind einfach besser verträglich. Egal ob bei einem abschließenden Bier im Giesinger Bräu, in geselliger Runde am Grünspitz oder gemeinsam auf der Heimfahrt im Fanbus. Gemeinsam schaut man eher nach vorne. Alleine damit fertig zu werden, das ist fast schon grausam.

Und mir wird eines mehr denn je bewusst: Siege lassen sich besser gemeinsam feiern und Niederlagen besser gemeinsam erdulden. Man kann nur hoffen, dass wir diese verfluchte Pandemie schnellstmöglich in Griff bekommen.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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Charly Sandner
Leser
Charly Sandner (@charly)
1 Monat her

Ja, das geht mir genauso!

Brunnenmeier66
Leser
Brunnenmeier66 (@brunnenmeier66)
1 Monat her

Niederlage hin oder her! Ich kann mir kaum vorstellen, das ein so emotionaler Verein wie der unsere, ohne Fans im Stadion auf dauer erfolgreich sein kann.
Es lässt sich bei Sechzig fast alles besser in der Gemeinschaft ertragen.
Mach mir noch keine Sorgen, da alles noch recht eng beisammen ist, aber auf dauer wird es ohne Stadionbesucher echt schwer.

United Sixties
Leser
United Sixties (@richard-ostermeiergmail-com)
1 Monat her

Das Los eines Löwenfan ( oder auch vieler anderer Fußballfans der weniger erfolgreichen Klubs) ist dieses ständige Auf und Ab, dieses real life. Als Löwenfan wird man meist geboren und daher ist es dann irgendwie erträglich, mal mehr mal weniger leicht. Ohne Zuschauer im Stadion und ohne seine Löwenfreunde an seiner Seite ist das halt noch weit schwieriger. Der Austausch in den Social Media oder in seinen WhatsApp-Gruppen macht es nur etwas ertragbarer. Platz 9 und nur 5 Punkte vom direkten Aufstiegsplatz aber auch nur 5 Punkte vom Abstiegsplatz entfernt ist halt der Fakt und gefühlt zu wenig. Wünsche mir ein Zeichen des Teams und heute den Heimsieg und dann zwei kluge Verpflichtungen für Innenverteidigung und Sturm, um in der Rückrunde eine deutliche Entwicklung nach vorne erkennen zu dürfen. Die nächste Saison wird dann Druck genug sein. Von uns Allen.

Snoopy.
Leser
Snoopy. (@snoopy)
1 Monat her

Niederlagen tun immer weh, man möchte erfolgreich sein. Trifft nicht nur auf den Sport zu, sondern im gesamten Leben. Die Frage ist, wie man mit Niederlagen umgeht – genauso auch, wie man mit Erfolg umgeht.

Beim TSV ist hier die Grenze manchmal (oft) sehr hart. Gewinnt man, spricht man vom Aufstieg, verliert man, ist der Weltuntergang sehr nah und die Liga eine Station tiefer ist so gut wie greifbar. Außer man holt für viel Geld wen auch immer, damit man die Hoffnung wieder hat, erfolgreich zu sein.

Die Tabelle ist im Moment nicht sehr aussagekräftig. Viele Mannschaften haben nicht die gleichen Spieltage, wie sie laut Spielplan haben sollten, Gründe sind bekannt. Und die Erwartungshaltung war nach dem Beginn der Saison sehr hoch, vielleicht zu hoch, aber das kennt man ja auch schon. Allerdings muss man schon auch aufpassen, dass man nicht zu sehr nach unten rutscht, gerade auch in Hinblick auf die Mannschaften, die keine 14 Spiele bisher gemacht haben. Und die Tabelle ist reichlich eng, zwei Niederlagen und du bist gleich mal nur noch Mittelmaß.

Siege in Gemeinschaft zu Feiern ist schön und toll, man erinnert sich gerne daran. Auch bei Niederlagen hilft es, unter den „gleichen“ zu sein. Schmerzt nicht so sehr, wie allein vor dem Fernseher, es heißt ja auch: geteiltes Leid ist halbes Leid. Aber wir werden noch lange darauf verzichten müssen, gemeinsam Erfolge zu feiern oder Niederlagen ertragen zu müssen. Ich glaube nicht, dass es in dieser Saison noch passieren wird, zumindest nicht in Bayern.

Und am Ende kommt es auch immer darauf an, wie man verliert, wie man sich dagegen stemmt. Nicht nur die Mannschaft, auch der Trainer mit seinem Reagieren von der Seite aus, wen er noch bringt (oder nicht), wie er taktisch reagiert.

1860 forever
Gast
1860 forever (@guest_52551)
1 Monat her

wohl wahr, sehr gut geschrieben bzw. die Situation beschrieben

BruckbergerLoewe
Leser
BruckbergerLoewe (@bruckbergerloewe)
1 Monat her

Bei der Auswechslung in der 90ten Minute bei einem 1:2 Rückstand war ich endgültig bedient.Wollte der Trainer Erdmann demütigen ?
Ich bin heute noch stinksauer !

Dennis312
Gast
Dennis312 (@guest_52548)
1 Monat her

Das stimmt arik:) aber ich kann Niederlagen von uns nie verkraften und bei Siegen bin ich immer auf Wolke 7 ☺️ Ich hoffe der nächste Aufstieg kommt 🙂
Auf die Löwen !

Alexander Schlegel
Alexander Schlegel (@a-schlegel)
1 Monat her

Das ist wirklich ein super Artikel und trifft mich auch selber. Wie oft bin ich nach einer Niederlage aus dem Stadion gegangen und sehe irgendeinen Blau-Weiß-Gewandeten neben mir auf den Weg zur U-Bahn schimpfen wie ein Rohrspatz und denke bei mir, wie vernünftig und abgewogen ich doch die Niederlage aufnehme dagegen. Mir tut dann nach einer halben Stunden Heimfahrt richtig die Schulter weh vom vielen Draufklopfen und Selbstbeweihräucherung. Und relativ entspannt, sperre ich dann zuhause die Tür auf.

Und kaum sitze ich daheim allein vor der Kiste und rufe Magenta Sport auf, ist die Verwandlung von Dr. Jeckyl zu Mr. Hide eine Sache von allenfalls 10 Minuten, bis ich spätestens in der 90. Minute mit rot angelaufenem Schwellkopf wie ein Dampfkochtopf unter Überdruck in die Löwenforen reinschaue. Und das macht dann das Ganze noch schlimmer … 😉