Nach dem Derby ist vor dem Derby. In diesen seltsamen Zeiten ohne Fans in den Stadien geht es in der 3. Liga Schlag auf Schlag. Nach dem hochemotionalen Derby gegen den ungeliebten Nachbarn aus Harlaching, steht mit den Hachingern gleich das nächste brisante Highlight auf dem Spielplan. Die Vorstädter galten lange Zeit als Angstgegner für die Löwen, aber dieser Trend scheint seit zwei Jahren gebrochen zu sein. Von den letzten 4 Partien gegen die SpVgg Unterhaching verlor 1860 München kein einziges, gewann erfreulicherweise zwei Punktspiele und das Pokalspiel nach Elfmeterschießen.

Tor des Tages #2

Die Jubelpose darf bloß nicht einrosten – deshalb liefern wir weiter täglich Tore!Und heute gibt's ein ganz besonderes Tor des Tages – eins vom Geburtstagskind Sascha Mölders für den TSV 1860 München. 🎉 #BR24Fussball

Gepostet von BR24 Fussball am Freitag, 20. März 2020
Weil es so schön war, das Siegtor von Sascha Mölders beim Hinspiel kurz vor Schluss

Der legendäre Ruf von Sechzig gegen Haching resultiert aus den umkämpften Duellen während der Bayernligazeit, als die Vorstädter zum ebenbürtigen Konkurrenten aufstiegen. Punktspiele zwischen beiden Teams hatten in den 80er Jahren oft vorentscheidenden Charakter und blieben im Gedächtnis.

Von 1982 bis 1991 durchgehend Bayernliga

Im Mai 1982 entzog der DFB den Löwen angesichts von Schulden in Höhe von über 5 Millionen DM die Lizenz. Es folgte der jahrzehntelange Fall in die Bayernliga, der eine ganze Löwengeneration prägen oder besser gesagt traumatisieren sollte. Trotz großer Verbundenheit der Fans mit 1860 München, die sich vor allem beim allerersten Heimspiel in der Bayernliga gegen Landshut zeigte, reichte es im ersten Jahr in der Abschlusstabelle nur zu Platz 6. Auch in der Saison 1983/84 lief es anfangs überhaupt nicht nach Plan. Am 10. Spieltag wurde Bernd Patzke als neuer Trainer eingesetzt, der in der glorreichen Zeit Mitte der 60er Jahre 136-mal das Löwentrikot getragen hatte. In der Rückrunde griff dann endlich ein Rädchen ins andere und eine erfreuliche Siegesserie katapultierte Sechzig nach oben. Am Gründonnerstag des Jahres 1984 kam es in Giesing gegen die SpVgg Fürth zum Showdown der beiden Erstplatzierten vor 31.700 Zuschauern. Das Grünwalder Stadion bebte in seinen Grundfesten, als es bereits nach 36 Minuten 5:0 für die Löwen stand.

Aber das nächste Heimspiel am 36. Spieltag gegen die SpVgg Unterhaching war in Bezug auf die Qualifikation zur Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga ebenso wichtig wie das epische Heimspiel gegen Fürth. Die Hachinger waren in der Tabelle noch auf Schlagdistanz und wollten ihrerseits in die 2. Liga aufsteigen. Bei besten äußeren Bedingungen war das Grünwalder Stadion mit 28.000 Zuschauern nicht ganz ausverkauft. Im Schnitt besuchten in der zweiten Bayernligasaison 7.279 Zuschauer die Spiele an der Grünwalder Straße. In der 2. Bundesliga hatte lediglich das Trio an der Tabellenspitze in der Saison 1983/84 einen höheren Fanzuspruch als die Löwen im Amateurbereich.

Vor dem Derby sieben Siege in Folge

Am 5. Mai 1984 erwischten die Unterhachinger in weinroten Trikots, die mit einem Werbedruck von der Spaten-Brauerei beflockt waren, den besseren Start und gingen nach 18 Minuten in Führung. Sehr zur Freude von Löwenlegende Peter Grosser, der an diesem Tag als Trainer der SpVgg Unterhaching auf der Bank der Gäste im Grünwalder Stadion saß. Die Qualifikation zur Aufstiegsrunde war nun trotz einer überragenden Rückrunde wieder in Gefahr geraten. Erich Beer hämmerte nach der Gästeführung einen Freistoß aus vielversprechender Situation auf das Tor der Hachinger, aber der Torwart konnte diesen fulminant getretenen Freistoß gerade noch auf spektakuläre Weise über die Latte lenken.

Nach einer Ecke in der 46. Spielminute blieben die Löwen in Ballbesitz und durch eine sehenswerte Ballstafette kam Erich Beer unbedrängt zum Kopfball und nickte zum umjubelten Ausgleich ein.

Die Unterhachinger setzten in der verbleibenden Zeit natürlich alles daran, die erneute Führung zu erzielen, um so noch Chancen auf die Qualifikationsrunde zu haben, aber die Löwenabwehr rührte Beton an. Es blieb bis zum Schlusspfiff beim Remis und die Löwen erreichten die Aufstiegsrelegation. Der TSV 1860 München hätte in der anschließenden Aufstiegsrunde gegen den FC Homburg, den VfR Bürstadt und den Freiburger FC das Kapitel Bayernliga frühzeitig wieder schließen können und den Fans damit einiges erspart, aber die Mannschaft kam in der Relegation nicht richtig in Tritt.
In Erinnerung blieb das 0:0 gegen Bürstadt vor 38.000 Zuschauern im Olympiastadion. Aus kommerziellen Erwägungen hatte man das Grünwalder Stadion verlassen, sportlich nützte dieser Umzug eher dem Gegner. Bürstadt und Homburg stiegen am Ende der Aufstiegsrunde in die 2. Bundesliga auf.

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tomchen
Gast
tomchen (@guest_46165)
3 Monate her

Danke für diesen sehr schönen nostalgischen Bericht!
Rund 30000 im Sechzger-Stadion, das waren noch Zeiten! Vor allem das Spiel gegen Fürth ist unvergesslich.

Die jüngeren unter uns werden Freiburger FC für einen Tippfehler halten. Für mich war es damals mein erstes außerbayerisches Auswärtsspiel. Was ist eigentlich aus meinen damaligen Helden Jürgen Korus und vor allem Andi Löbmann geworden?
Beim Freiburger FC hat übrigens Christian Streich mitgespielt.

United Sixties
Leser
United Sixties (@richard-ostermeiergmail-com)
3 Monate her

Auch dieses Spiel im Sechzger gegen Grossers Hachingen bleibt mir als damals 16jähriger in der Westkurve unvergesslich, wie auch diese Aufstiegsrunde mit dem 4:2 Heimsieg gegen Freiburger FC nach 0:2 zur Halbzeit. Hätte man damals alle drei Aufstiegsrundenheimspiele auf Giesings Höhen spielen lassen, wäre uns die sportlich schlimme Heckl-Zeit zwischen 1984 -1991 erspart geblieben .
Lehre: Aufstiege gibt es nur in der einzig wahren Löwenheimat Giasing ! So wie 1991, 1993, 1994 und 2018 . Baut das Sechzger endlich so aus, dass wir dort in jeder Liga wirtschaftlich bestehen können.

jürgen
Leser
jürgen (@jr1860)
3 Monate her
Reply to  United Sixties

Die Zeit unter Frau Knecht war genauso 😎
Trotzdem war das mein „Anfang “ bei den Löwen…
Und schon damals galt
Einmal Löwe – immer Löwe

… hat sogar meine Ehe überstanden 🦁😀👍