Am kommenden Samstag um 14 Uhr treten die Löwen auswärts bei den Zebras in Duisburg an. Egal in welcher Liga 1860 München auch spielt, es dauert erfahrungsgemäß nicht allzu lange und es steht ein Punktspiel gegen den Meidericher Sportverein auf dem Spielplan. Lässt man die Konkurrenz aus dem süddeutschen Raum einmal außen vor, hat Sechzig gegen keine „nördliche“ Mannschaft öfters gespielt als gegen den MSV Duisburg. Zum 51. Mal wird am Wochenende ein Pflichtspiel beider Mannschaften angepfiffen, mit leichtem Vorteil für die Löwen in der Statistik.

Ein folgenreiches Punktspiel für Münchens große Liebe trug sich am 30. Spieltag der 2. Bundesliga in der Saison 2015/16 zu. Nach dem Abpfiff an einem Freitagabend vor 22.500 Zuschauern waren beide Mannschaften punktgleich. Während die Duisburger langsam wieder in die Nähe eines Nichtabstiegsplatzes kamen, traf 1860 München im Anschluss an die Partie eine Personalentscheidung, die Auswirkungen bis zum heutigen Tag hat.

Nachdem in der Vorsaison dank des Tores von Kai Bülow in der Nachspielzeit gegen Holstein Kiel der Abstieg sprichwörtlich in letzter Sekunde abgewendet wurde, sollte in der Saison 2015/16 alles besser werden. Aber das war leider nicht der Fall. Aufgrund von andauernden Streitigkeiten zwischen den beiden Gesellschaftern präsentierte sich 1860 München in der Öffentlichkeit als Chaosverein und aufgrund der Querelen konnte wochenlang auf dem Transfermarkt keine einzige Neuverpflichtung getätigt werden. Als Konsequenz trat das Präsidium um Gerhard Mayrhofer schließlich zurück und machte den Weg frei für den Übergangspräsidenten Siegfried Schneider und Karl-Christian Bay als Vizepräsidenten.   

Abstiegskampf vom ersten Spieltag an

Mit dieser schweren Hypothek belastet gingen die Löwen in die neue Saison und alle bösen Vorahnungen bestätigten sich umgehend. Der erste Sieg in der Saison 2015/16 gelang erst am 13. Spieltag. Der bei den Fans beliebte Trainer Torsten Fröhling war zu diesem Zeitpunkt längst entlassen und durch Benno Möhlmann ersetzt worden. Nach dem 22. Spieltag stand 1860 München mit lediglich 2 Siegen auf Tabellenplatz 17. Da der Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz bereits 9 Punkte betrug, wurde als einzig realistisches Ziel das Erreichen einer neuerlichen Relegationsrunde gegen den Drittplatzierten aus der 3. Liga anvisiert.

Trainer Benno Möhlmann
(c) xtranews.de

Mit einem Zwischensprint in der Folgezeit konnte 1860 München dann aber endlich Boden gutmachen. Trotz einer Heimniederlage gegen Greuther Fürth standen die Löwen vor dem Gastspiel in Duisburg auf dem Relegationsplatz und der Abstand auf Fortuna Düsseldorf betrug nur mehr 3 Punkte. Es war von Anpfiff an zu spüren, dass in diesem wichtigen Punktspiel keine Mannschaft den ersten Fehler machen wollte. Die Spielausrichtung beider Mannschaften war strikt auf die Defensive ausgerichtet, so dass es im ersten Durchgang praktisch keine gefährlichen Situationen vor den Toren gab. Auch nach dem Seitenwechsel änderte sich nichts am Spielgeschehen. Die Partie plätscherte weiter so dahin, bis Michael Liendl für einen genialen Moment sorgte. Der Spielmacher der Löwen fasste sich aus 25 Metern ein Herz und nagelte das Spielgerät in der 64. Minute traumhaft in den rechten oberen Torwinkel. Michael Liendl war im Sommer 2015 von Fortuna Düsseldorf nach Giesing gewechselt. Liendl eilte der Ruf eines „Alpen-Maradonnas“ voraus und in der 64. Minute in Duisburg bewies er, dass dieses Lob durchaus Berechtigung hatte. Michael Liendl blieb bis zum Zwangsabstieg an der Grünwalder Straße. Nach dem Schwarzen Freitag wechselte er zum FC Twente nach Holland. Derzeit spielt Liendl wieder in seiner österreichischen Heimat beim Wolfsberger AC.

Michael Liendl
(c) XaviYuahanda

Die Zebras mussten jetzt kommen und in der 71. Minute parierte Stefan Ortega glänzend die erste Chance der Heimmannschaft. Drei Minuten später köpfte ein eingewechselter Duisburger den Ball an den linken Innenpfosten. Von da aus tanzte das Leder auf der Linie, Ortega faustete das Spielgerät weg und was machte der Schiedsrichter? Zum Entsetzen des mitgereisten Löwenanhangs entschied er auf Tor. Es kam schließlich so, wie es kommen musste. Nach einer roten Karte für Milos Degenek erzielten die Zebras in Überzahl kurz vor Schluss noch das vielumjubelte Siegtor.

Klassenerhalt mit Daniel Bierofka

Vier Spieltage vor Saisonende stand 1860 München auf einem Abstiegsplatz. Es fehlten zwei Punkte zur Relegation und drei Punkte auf einen Nichtabstiegsplatz. Nach dem Spiel wurde Benno Möhlmann vom Präsidium gefeuert und ein Interimstrainer bis zum Saisonende präsentiert. Es war Daniel Bierofka. Aus den nächsten 3 Spielen (Eintracht Braunschweig, FC St. Pauli, SC Paderborn) holten die Löwen die maximale Ausbeute von 9 Punkten. Der phasenweise nicht mehr für möglich gehaltene Klassenverbleib war somit vor dem letzten Spieltag bereits gesichert. Daniel Bierofka hatte für den Umschwung gesorgt.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)

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Tami Tes
Redakteur

„Aufgrund von andauernden Streitigkeiten zwischen den beiden Gesellschaftern präsentierte sich 1860 München in der Öffentlichkeit als Chaosverein und aufgrund der Querelen konnte wochenlang auf dem Transfermarkt keine einzige Neuverpflichtung getätigt werden.“
Irgendwie klingt das bekannt und aktuell, vielleicht nicht ganz so drastisch… aber gewisse Sachen ändern sich wohl nie ganz. Sechzig hoid.

Danke Tom. War wieder sehr informativ und spannend. Merke immer wieder bei Deinen Berichten, wie gerne man Sachen vergisst oder verdrängt.

Loewen1860
Leser

Vielleicht hätten wir uns einiges erspart, wenn wir bereits damals oder bereits 1 Saison vorher abgestiegen wären. Aber wer weiß des schon

anteater
Leser

Vielleicht hätten wir uns dann nie getroffen!

tomandcherry
Leser

Meine Fresse…

Ich werde nie das letzte Saison(heim)spiel gegen den SCP vergessen, als uns „Mauer“ mit seinem 1:0 den endgültigen Klassenerhalt sicherte.

Danach sollte ja zum x-ten mal „alles besser werden“.

Und was kam?

Der „Doppelabstieg“ in Form des sportlichen Scheiterns an Jahn Regensburg in der Relegation und – als ob es noch nicht schlimm genug wäre – die „4“ unsere großzügigen Mehrheitsgesellschafters mit der Konsequenz des Absturzes in die Regionalliga Bayern.

Aber wer weiß? Vielleicht hat dieser Schrecken langfristig doch eine wesentlich positivere Auswirkung auf unseren geliebten Chaosverein, als die meisten von uns es sich damals vorstellen konnten?

Schauen wir erstmal auf die nächste Partie und drücken die Daumen, dass wir unsere eklatante Auswärtsschwäche mit dem Sieg in Chemnitz endgültig ad acta gelegt haben.

Schön wär’s.

Konterhoibe
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Wenn man sich die Tabelle mal so anschaut könnten wir, wenn wir uns irgendwie einen Sieg ergaunern könnten, ein gutes Stück absetzen von der unteren Tabellenhälfte (je nachdem wie die anderen Spiele ausgehen).

Duisburg wird schwierig, ich behaupte aber das wie auch schon letzte Saison, in der Liga jeder jeden Schlagen kann (mal abgesehen von den Bauernfreunden, die können scheinbar gar keinen schlagen).

anteater
Leser

Danke für diesen Rückblick!