Seit 9 Punktspielen sind die Löwen jetzt ungeschlagen. Und das in einer Liga, die für ihre Ausgeglichenheit berüchtigt ist. In dieser sehr vielsprechenden Phase kommt es am Samstag im Grünwalder Stadion zu einem äußerst interessanten Vergleich zwischen der Überraschungsmannschaft der bisherigen Saison und der Mannschaft der Stunde, die sehr zur Freude aller aus Giesing kommt.

Es geht wieder los. Nächster Gegner Waldhof Mannheim

Beim kommenden Heimspiel gegen den SV Waldhof Mannheim 07 steht selbstredend eine Persönlichkeit im Fokus, die für beide Vereine sowohl als Feldspieler und später auch als Trainer tätig gewesen ist. Bernhard Trares, seit 2 Jahren erfolgreicher Trainer bei den Waldhöfern, war in den Jahren von 1991 bis 1997 bei 1860 München fester Bestandteil im defensiven Mittelfeld und ab 2004 für zwei Jahre Co-Trainer in der 2. Bundesliga unter Rainer Maurer und Walther Schachner.

Die große Stärke des Spielers Bernhard Trares lag nicht nur in der Defensive mit einem Kämpferherzen, das sich mit denen von Thomas Miller und Mani Schwabl vergleichen ließ. Bernhard Trares konnte im Zusammenspiel mit Peter Nowak das Spiel auch effektiv eröffnen und erwies sich zudem vor dem gegnerischen Tor als treffsicher. 14 Tore stehen auf der Habenseite von Trares. Für einen Defensivspieler zweifelsohne ein guter Wert.

Musterschüler von Werner Lorant: Bernhard Trares

Bernhard Trares führte zweitweise das Löwenrudel als Spielführer auf den Platz, bis ihm Werner Lorant nach einer gelb-roten Karte auf dem Bökelberg im Herbst 1994 die Kapitänsbinde aus disziplinarischen Gründen wieder entzog. Diese gelb-rote Karte in Gladbach war nicht der einzige Feldverweis seiner Karriere. In den Jahren bei Sechzig München musste Trares insgesamt sechsmal das Spielfeld vorzeitig verlassen. In der Saison 1994/95 war er sogar der erste Spieler der Bundesliga überhaupt, der in einer Saison gleich dreimal Rot sah. Unter Werner Lorant war Bernhard Trares in der Defensive als Stammspieler gesetzt. Abzüglich der Rotsperren kam Trares im Löwentrikot fast immer auf die maximal mögliche Anzahl an Einsätzen.

Am 7. November 1993 führte Bernhard Trares das Team von 1860 München als Spielführer beim bislang letzten Heimspiel gegen Waldhof Mannheim auf den Platz. 22.000 Zuschauer waren an diesem Sonntag in das Städtische Stadion an der Grünwalder Straße gekommen. Die Rahmenbedingungen im Jahr 1993 lassen sich durchaus mit denen im Februar 2020 vergleichen, jedoch mit vertauschten Rollen. Vor 27 Jahren war nicht Waldhof Mannheim, sondern der Aufsteiger von der Grünwalder Straße das große Überraschungsteam in der 2. Bundesliga.

Saison 1993/94: Durchmarsch in die Bundesliga

Nach dem ersten Spieltag fand sich 1860 München nach einer krachenden Auswärtsniederlage im Ostseestadion am Tabellenende wieder und nichts deutete darauf hin, was sich in den nächsten Wochen zutragen sollte. Ein nicht für möglich gehaltener Siegeszug durch die Liga. Vor allem in den Heimspielen kochte die Stimmung regelmäßig über. Nach einem 2:1-Sieg gegen Tennis Borussia Berlin verglich eine euphorische Presse die Atmosphäre im Sechzgerstadion mit der auf dem Betzenberg in Kaiserslautern. Über Monate konnten sich die Mannen von Werner Lorant in dieser Hochphase auf Tabellenplatz 2 halten. Vor dem Mannheim-Spiel betrug der Rückstand auf Spitzenreiter VfL Bochum 2 Punkte, während der Vorsprung auf die Verfolger aus Uerdingen und Wolfsburg drei Punkte betrug.

Die heimstarken Löwen begangen die Partie gegen Mannheim wie erwartet mit viel Druck und hatten von Beginn an ein spielerisches Übergewicht. Die Gäste aus dem Südwesten konnte die Anfangsoffensive der Löwen unbeschadet überstehen, aber nach 15 Spielminuten gelang es ihnen nach einer unübersichtlichen Spielsituation nicht den Ball weit genug aus dem Strafraum zu befördern. An der Strafraumlinie kam Nils Schlotterbeck unbedrängt an den Ball und schoss den Ball sehenswert in das linke Kreuzeck zur 1:0-Führung.

Niels Schlotterbeck

Schlotterbeck hatte bereits einige Stationen bei anderen Vereinen (Hansa Rostock, MSV Duisburg, SC Freiburg) durchlaufen, als er nach dem Zweitligaabstieg der Löwen im Jahr 1992 an der Grünwalder Straße anheuerte. Im Jahr 1987 stand Schlotterbeck mit den Stuttgarter Kickers sogar im Berliner Olympiastadion im DFB-Pokalfinale gegen den Hamburger Sportverein. Obwohl Niels Schlotterbeck in der legendären Saison 1993/94 mit 35 Einsätzen ein unumstrittener Stammspieler war, verzichtete Werner Lorant in der Folgesaison auf seine Dienste und Schlotterbeck wechselte zu Hannover 96. Derzeit spielen in der Bundesliga beim SC Freiburg und Union Berlin die Feldspieler Nico und Keven Schlotterbeck. Es sind die Neffen von Nils Schlotterbeck.    

Überraschenderweise kamen die Gäste aus Mannheim an jenem 7. November 1993 umgehend wieder ins Spiel zurück. Lediglich zwei Minuten nach dem Rückstand gelang ihnen der Ausgleich. Es entwickelte sich fortan eine umkämpfte Partie, bei der die Spieler vom Waldhof rustikal zu Werke gingen. Fünf Feldspieler sahen die gelbe Karte, ein sechster in der zweiten Spielhälfte sogar gelb-rot.

Leidenschaftlicher Kampf von beiden Mannschaften

In der zweiten Hälfte versuchten die Löwen das Spiel zu ihren Gunsten zu entscheiden. Mit 22.000 Zuschauern im Rücken konnte das Team von Werner Lorant im Grünwalder Stadion zu einem neuerlichen Sturmlauf ansetzen. Es zeigte sich nicht zum ersten Mal, wie ein motiviertes Heimpublikum ihr Team nach vorne peitschen kann. In der 58. Minute war der Widerstand der Gäste endlich gebrochen und Bernhard Winkler erhöhte in dieser Druckphase auf 2:1. Es entwickelte sich nach der erneuten Löwenführung eine klassische Abwehrschlacht, aber Sechzig konnte weiterhin gefährliche Konter fahren.
In der Schlussphase, als Mannheim alles nach vorne werfen musste, verwertete erneut Nils Schlotterbeck einen gut zu Ende gespielten Konterangriff zum 3:1-Schlusspunkt. Aufgrund günstiger Ergebnisse auf den übrigen Plätzen erhöhte sich der Vorsprung auf den ersten Nichtaufstiegsplatz (FC 08 Homburg) an diesem Spieltag auf 5 Punkte. Löwenfans, die an diesem Tag zum ersten Mal im Grünwalder Stadion ein Heimspiel von 1860 München erlebt haben, dürften ihr Kommen nicht bereut haben.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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Andreas
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Andreas (@andreas)
7 Monate her

Das war ne geile Saison. Leider war ich da bei keinem Spiel im Stadion. Dieses Spiel hab ich mit einem guten Freund (Glubberer) am Radio verfolgt 😄 war echt geil.
Nach dem Spiel wusste er,dass ich vom 60 Virus infiziert bin.

BruckbergerLoewe
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BruckbergerLoewe (@bruckbergerloewe)
7 Monate her

Da wird die Polizei wieder ordentlich was zu tun bekommen.Hoffentlich kommen die Deppen nicht wieder zum Pflastersteine werfen!

Loewen1860
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Loewen1860 (@loewen1860)
7 Monate her

An dieses eine Spiel kann ich mich nicht mehr im speziellen erinnern, aber an das letzte Heimspiel in dieser Saison gegen Chemnitz. Wir gewannen 3-1, und danach die Auswärtsfahrt nach MEPPEN! Es war schon eine geile Saison!

jürgen
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jürgen (@jr1860)
7 Monate her
Reply to  Loewen1860

Meppen war der Wahnsinn…
Da warst aber noch sehr jung 😎😎😎

#ohneHasan

Loewen1860
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Loewen1860 (@loewen1860)
7 Monate her
Reply to  jürgen

Bin i jetz no!

jürgen
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jürgen (@jr1860)
7 Monate her
Reply to  Loewen1860

 Loewen1860 wann kommst mal wieder zum Grünspitz?
Dad mi gfrein

Faktenchecker
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Faktenchecker (@faktenchecker)
7 Monate her

Natürlich war ich 93/94 dabei.

Mein erstes Löwenspiel war aber schon 76/77 gegen den SV Chio Waldhof (der Name des Kartoffelchipsherstellers als Sponsor im Vereinsnamen!!) und es gab einen 1:0 Heimsieg im GWS. Auch damals gab es am Ende der Saison einen Aufstieg (0:4 – 4:0 – 2:0)…

Überhaupt erinnere ich mich seit diesem Spiel vor 44 Jahren bei den seltenen Aufeinandertreffen im GWS gegen den Waldhof nur an Siege.

Also – macht’s es nochmal am Samstag. Wenn in der Folge wieder ein Aufstieg passiert – auch recht!

United Sixties
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United Sixties (@richard-ostermeiergmail-com)
7 Monate her

Eine unvergessliche Erinnerung an eine unvergessliche Durchmarschsaison 93/94.
Im Block L der Stehhalle begeistert dabei und Dank unseres (nachweislichen) Heimvorteils auf Giesings Höhen gelang das schier Unfassbare mit dem Wiederaufstieg in die erste Liga unter Werner Beinhart mit den folgenden zehn Jahren Bundesliga ( leider ab 1996 dann gänzlich im Oly statt in einem wie von KHW und Ude versprochenen umgebauten SECHZGER-Stadion… samt allen fatalen Folgen bis 2011 und 2017 in einer falschen und unbezahlbaren AA) . Lernen wir aus dieser Geschichte und verlassen NiE WIEDER unsere einzig wahre HEIMAT – wegen seines Heimvorteils, seiner Stimmung und Lage IN der Stadt unseres geliebten einzigartigen TSV München von 1860 !

Tami Tes
Tami Tes (@tamites)
7 Monate her

Danke Tom, ich mag Deine Rückblicke, insbesondere in eine Zeit, wo ich leider noch nicht in Deutschland war und diese Momente nicht erleben konnte.

Wie sieht’s aus Leute? Wer war dabei und kann sich an das Spiel erinnern? Das muss eine legendäre Saison gewesen sein – bin auf Eure Erinnerungen gespannt.

jürgen
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jürgen (@jr1860)
7 Monate her
Reply to  Tami Tes

Ich kann mich zwar nicht speziell an das Spiel erinnern, aber prinzipiell war das DIE SAISON der Löwen für mich…

Unvergesslich  :stadium:  :lol:  :lion:  :stadium:  :ball:

3und6zger
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3und6zger (@3und6zger)
7 Monate her
Reply to  Tami Tes

Zu dem Spiel kann ich nichts berichten. Erst am 19.03.1994 war ich, 1989 „zuagroast“, zum ersten Mal im Sechzgerstadion (vorher hatte ich Sechzig nur über Sportschau und Zeitung verfolgt). Gegner war damals Mainz 05 mit einem gewissen Herrn Jürgen Klopp im DM. Nachdem ich mir vorm Stadion eine Stehplatzkarte gekauft hatte, war ich mitten im Blog J. Mein Nebenmann war zuversichtlich „Heit geht wos, i merx scho!“, nachdem die Löwen in den vorherigen Spielen einen Durchhänger hatten. In der 3. Minute haut ein Mainzer aus 30 Metern aufs Tor, und der Ball „flattert“ über Reiner Berg unter die Latte ins Tor. Mein positiver Nachbar kommentiert das mit „Des werd heit wieda nix!“. Kurz vor der Pause kriegt Bernhard Winkler eine gelb-rote Karte und in der 60. Minute (was für eine Frechheit vom Schiri) Reiner Maurer die rote Karte. 8 Minuten später netzt ein eingewechselter, gewisser Herr David Wagner zum 2:0 ein und alle Löwenfans waren bedient. Auch ich, weil von dem Tag an war ich ein Blauer. Ich hab noch nie im Leben harte Drogen genommen aber bei Sechzig hat ein „Schuss“ gereicht. Von da an war ich öfters im Grünwalder, im Oly und in der Arena denn, „Ich geh mir dir wohin du musst, in jedes Stadion dieser Welt“. Aber die meisten Spiele war ich seit der „4“ im Stadion, inzwischen sogar mit Dauerkarte.

3und6zger
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3und6zger (@3und6zger)
7 Monate her
Reply to  3und6zger

Und glaubt bloß nicht, ich hätte die Details noch gewusst. Bis ich auf TM3 und Kicker nachrecherchiert hatte, war ich fest der Meinung, mein erstes Spiel wär gegen Waldhof gewesen. Das Tor, die beiden Platzverweise, die Atmosphäre und der Nachbar waren mir aber noch in Erinnerung als wär’s gestern gewesen.

Tami Tes
Tami Tes (@tamites)
7 Monate her
Reply to  3und6zger

Ich schmeiss mich weg :D:
„Heit geht wos, i merx scho!“
„Des werd heit wieda nix!

Sechzig, wie es leibt und lebt. Hat sich einfach nix geändert… Danke für den Bericht!

jürgen
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jürgen (@jr1860)
7 Monate her
Reply to  Tami Tes

Fehlt nur noch der Brasilianer 🤣🤣🤣