In diesem Jahr verlängert sich automatisch der Vertrag zwischen der TSV München von 1860 GmbH & Co KGaA und HI Squared International. Damit profitiert Hasan Ismaik auch die nächsten zehn Jahre vom Merchandising der Löwen.

Mit den Rechten an den Merchandising-Artikeln des TSV 1860 München hat man sich 2011 als Profifußball-Firma einer wichtigsten Einnahmequelle beraubt. Vor fast genau zehn Jahren kaufte Hasan Ismaik für eine Millionen Euro die TSV 1860 Merchandising GmbH. Im Gegensatz zur Profifußball-KGaA hatte der Fanshop damals schwarze Zahlen geschrieben. Und tut es bis heute. Für den 1860-Gesellschafter Ismaik deshalb ein durchaus lukratives Geschäft. Heute läuft das Geschäft mit Löwen-Fanartikeln besser denn je. Seine 1 Million Euro, die er für das Merchandising gezahlt hat, hat er längst wieder drin. Und macht mittlerweile guten Gewinn.

Für die Übernahme der Fanartikel-Firma hatte Ismaik, gemeinsam mit Mohamed Badawy Al-Husseiny, die HI Squared International gegründet. Mit dem Ziel, in Deutschland eine internationale Sportvermarktung zu etablieren. Bis heute wirbt die Firma mit dem Angebot einer Gesamtvermarktung auch für Sportler: „HI2 ist Partner des Sports, der zukünftig auch junge Sportler in Ihrer Entwicklung unterstützt und auf dem Weg zu Spitzenleistungen begleitet. Haben Sie Talent und das Ziel eine erfolgreiche Sportkarriere zu beschreiten? Kontaktieren Sie uns und wir zeigen Ihnen, wie Sie dieses Ziel gemeinsam mit HI2 erreichen können. Wir vermarkten Werbe- oder TV Rechte, sowie das Merchandising von Vereinen und Athleten und helfen so Einnahmen dauerhaft zu steigern.“ Es blieb jedoch nur bei der Vermarktung des Merchandising der Löwen.

Der damals 48-jährige Mitgesellschafter Al-Husseiny war zu dem Zeitpunkt Chief Executive Officer und Board Member der staatlichen Investmentgesellschaft Aaber Investments PJSC mit Hauptsitz in Abu Dhabi. Da Ismaiks Geschäftspartner allerdings in den Skandal um den 1MDB-Skandal verwickelt war, wurde er später von diversen Behörden verfolgt und schließlich zuletzt in den Abu Dhabi auch verurteilt. Er sitzt heute im Gefängnis. Die Betrügereien um den malaysischen Staatsfond sind einer der dreistesten Betrugskandale. 6,6 Milliarden US-Dollar verschwanden auf vielen verschiedenen Wegen. Fünf Jahre wird bereits ermittelt. Und man geht davon aus, dass in den kommenden Jahren weitere Verbindungen in der arabischen Geschäftswelt aufgedeckt werden. Eine enorme Geldwäsche-Industrie steckt hinter dem Skandal, der bis in den deutschsprachigen Raum Auswirkungen hatte.

Nach dem damals überraschenden und schnellen Ausstieg von Mitgesellschafter Al-Husseiny war Hasan Ismaik der einzige Gesellschafter von HI Squared International und damit alleiniger Eigentümer der TSV 1860 Merchandising GmbH. Lediglich einer seiner beiden Brüder scheint wohl noch Anteile in kleinerem Umfang zu haben. Mit dem Merchandising lässt sich, trotz zahlreicher Proteste oder Boykotts diverser Fans, gut Geld machen.

Nach nunmehr 10 Jahren könnte das Merchandising an die Fußball-Firma der Löwen zurückgehen. Dass die TSV München von 1860 GmbH & Co KGaA die Rechte am Marketing zurückverlangt, ist wohl eher ausgeschlossen. Es gibt zwar die Möglichkeit, aufgrund von hinreichenden Pflichtverletzungen oder unzureichendem wirtschaftlichem Handelns, eine Rückübertragung zu fordern. Die KGaA hätte diese aber zeitnah geltend machen müssen. In der aktuellen Lage auch klubpolitisch eher ausgeschlossen.

Ismaik könnte allerdings selbst aktiv werden und das Merchandising an seine Fußball-Firma zurück übertragen. Das wäre unter Umständen im Hinblick auf die Attraktivität für einen weiteren Gesellschafter oder sogar Verkauf von Anteilen sinnvoll. Die Rückgabe des Merchandising an die KGaA würde die Profifußball-Firma enorm stärken und damit auch die Anteile Ismaiks an der Fußball-Firma verbessern. Gerade für Ismaik ist die TSV München von 1860 GmbH & Co KGaA ein Draufzahlgeschäft.

Zum aktuellen Zeitpunkt ist jedoch davon auszugehen, dass unter der Führung von Anthony Power, die TSV 1860 Merchandising GmbH weiterhin im Besitz von HI Squared International bleibt. Im Jahr 2031 gehen dann die Vermarktungsrechte der Fan-Artikel an die Profi-KGaA zurück.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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Serkan
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Serkan (@serkan)
4 Tage her

Nochmal 10 Jahre ohne Einnahmen aus dem Merchandise? Kaufmännisch völlig unverständlich. Der FC St. Pauli war auch mal in einer Notsitation einen Scheißdeal eingegangen und hat später die Rechte zurückgekauft: https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/der-fc-st-pauli-kauft-rechte-zum-verkauf-von-fanartikeln-zurueck-13930034.html

Bine1860
Bine1860 (@bine1860)
4 Tage her
Reply to  Serkan

Katastrophe, wenn man bedenkt, wieviel mehr man an Umsatz hätte, wenn das Merchandising wieder in der KGaA wäre und gscheid aufgezogen würde. Notfalls hätte man halt Ismaik noch a paar Euro pro Jahr zusagen können. Alles besser als jetzt.

nofan
Leser
nofan (@nofan)
4 Tage her

Und was hätte die KGaA zahlen müssen, wenn sie die Merchandising GmbH von HI Squared International zurück gefordert hätte?

Hätte die KGaA dann ein Darlehen von H.I. erbitten müssen, um die Merchandising GmbH auszulösen?

Im Anhang zum Jahresabschluss per 30. Juni 2019 ist vermerkt: „Aus der Änderungsvereinbarung zum Vermarktungsvertrag mit der H.l. Squared International GmbH, München, entstanden der Gesellschaft Verpflichtungen für Beratungsleistungen bis zum 30. Juni 2020.“ Wer kann zu diesem Vertrag näheres beisteuern und welche Beträge hatte die KGaA an H.I. zu zahlen?

Landshuter Löwe
Leser
Landshuter Löwe (@landshuter-loewe)
4 Tage her

10 weitere Jahre Fan-Artikel nur vom e.V.

Kranzberg
Leser
Kranzberg (@kranzberg)
4 Tage her

2031 dann aber fix? Oder nur, wenn es die KGaA einfordert?

BlueBerry
Leser
BlueBerry (@blueberry)
4 Tage her
Reply to  Kranzberg

2031 Fix.
2021 wäre wmöglich gewesen wenn die KGaA der Fanartikel GmbH ein wirtschaftliches Fehlverhalten nachweisen hätte können. Was kein GF versucht hat.

Im löwenforum findest du dazu eine detaillierte Erklärung eines Insider:

https://loewenforum.de/t/fanartikel-bzw-merchandise-gmbh/10117/1470

Bine1860
Bine1860 (@bine1860)
4 Tage her
Reply to  BlueBerry

Allein dass jetzt das Auswärtstrikot ausverkauft ist und keines mehr nachbestellt wird ist geschäftsschädigend, glaub ich ja im Leben nicht, dass Nike keine nach produzieren könnte. Oder dass es seit Monaten, wenn nicht Jahren, keine Fahnen oder Rückenaufnäher gab oder gibt und die T-shirts von extrem schlechter Qualität sind. So kann man den Umsatz schon drücken