“Von München über Köln bis Berlin und in ganz Deutschland: Wir sind überall Familie. Wie kein anderer Profi-Fußballclub verbinden wir Kulturen und leben dies durch unseren Kader, unsere Mitarbeiter und unsere Fans vor.” Damit wirbt Türkgücü für Anteile am einstigen Immigranten-Klub. Bis zu 8 Millionen Euro sollen so zusammen kommen.

Der Aufstieg in die 2. Bundesliga ist das klare Ziel, doch man schaffe es nicht allein. Deshalb will man bis zu 8 Millionen innerhalb der kommenden sieben Wochen zusammen bekommen und dann an die Börse gehen. Man möchte das aktuelle Momentum nutzen und mittelfristig in die 2. Bundesliga aufsteigen. “Mit dem Aufstieg würden sich uns völlig neue finanzielle Möglichkeiten erschließen. So würden sich alleine die TV Einnahmen im Falle des Aufstiegs von aktuell ca. 880 TEUR auf dann 9,4 Mio. EUR vervielfachen. Auch weitere Einnahmen, wie Ticket-Verkäufe und Sponsoring würden deutlich steigen. Insgesamt sollte Türkgücü München in der 2. Bundesliga einen deutlichen Jahresüberschuss erzielen”, schreibt Türkgücü seinen potentiellen Aktienkäufern in einem FAQ für den Aktienverkauf. 120 Euro Mindestanlage muss man bringen und bekommt dafür 10 Aktien. In einer Powerpoint-Präsentation stellt Türkgücü das Olympiastadion als primäre Heimspieltstätte vor. Mit 58.500 Plätzen, 2.Ligatauglichkeit und hoher VIP Kapazität.

Auf der Suche nach Fans

1975 wurde der SV Türk Gücü durch türkische Migranten gegründet. Zur Förderung einer besseren Integration in die Gesellschaft, schreiben die Verantwortlichen heute. Es ist “Deutschlands erfolgreichster Fußballverein mit Migrationsgeschichte”. Vor allem Fanpotential möchte man erschließen. In Deutschland Fans mit türkischem Migrationshintergrund, Fans allgemein mit Migrationshintergrund und auch deutsche Fans. Außerdem will man eine Fanbasis in der Türkei aufbauen. Durchaus ambitionierte Ziele. Aktuell in der Dritten Liga herrscht wenig Fan-Interesse bei Spielen von Türkgücü. Im Schnitt kamen in dieser Saison bislang nur 915 Zuschauer . Es ist also viel Luft nach oben.

30,4 Millionen Euro soll Türkgücü wert sein

Eine von der Türkgücü-Geschäftsführung in Auftrag gegebene Unternehmensbewertung von Sphene Capital habe am 12. Mai 2021 einen Unternehmenswert von 30,4 Millionen ergeben. In den sozialen Netzwerken sorgt dies überwiegend für Kopfschütteln. Denn noch hat Türkgücü keine eigene Infrastruktur. Mit den neuen Aktien will man allerdings nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit ausbauen, sondern auch eine eigene Infrastruktur aufbauen. Dazu benötigt Türkgücü jedoch ein Grundstück.

Pressekonferenz findet heute statt

Am heutigen Donnerstag findet eine Pressekonferenz statt. Um 15.30 Uhr. Maximilian Kothny, der Geschäftsführer von Türkgücü, steht den Medienvertretern Rede und Antwort. Mehr Informationen gibt es bereits jetzt unter:

Türkgücü München: Zeichenbar ab 26.08. – Jetzt registrieren und bei Start benachrichtigt werden

Titelbild: imago images/Oryk HAIST

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
Subscribe
Benachrichtige mich zu:
guest
10 Kommentare
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
View all comments

alexander-schlegel

Da gab es mal vor langer Zeit jemand, der wollte auch hoch hinaus: sein Name war Ikarus.

Und diese aufgewärmte Multikulti-Geschichte ist so was von künstlich und lebt inzwischen jeder deutsche Verein genauso vor. Wenn ich ins Grünwalder gehe, sehe ich wahrscheinlich inzwischen mehr Türkischstämmige als bei Türkgücü. Und das ist gut so. Ich glaube, die Leute merken ganz genau, dass das bei denen nur eine aufgesetzte Rhetorik ist, weil sie im Verein wahrscheinlich genau wissen, dass ihr toller Mäzen irgendwann mal aussteigen wird. Wahrscheinlich hat er ihnen sogar schon einen Termin genannt.

Meine Einschätzung: denen steht das Wasser Oberkante Unterlippe …

tsvmarc

Viel zu viele Eventualitäten. Die steigen eher ab als auf weil ein Präsidenteninvestor den Stecker ziehen wird, siehe KFC.

nofan

Der Börsengang der Türkgücü München Fußball GmbH & Co. KGaA ist ein spannender Vorgang.

Für die laufende Saison 2021/22 plant TG einen Bruttoumsatz von lediglich 1,6 Mio. €, wohl auch, weil kein Hauptsponsor gefunden wurde. Einem Vermögen von spärlichen 1,7 Mio. € stehen Verbindlichkeiten von 4,4 Mio. € gegenüber, somit wird mit einem Eigenkapitalfehlbetrag (bilanzielle Überschuldung) von 2,2 Mio. € gerechnet. Ausgewiesen werden Kennzahlen, die eher einem Dorfklub als einem Profi-Fußball-Unternehmen ähneln.

Die Planrechnung sieht vor, dass nach der Saison 2022/23 die Nettoschulden (Vermögen abzüglich Schulden) auf 13,5 Mio. € angewachsen sein werden und ein Saison-Verlust von 4 Mio. € auszuweisen sein wird. Zu diesem Zeitpunkt wird nach der Unternehmensbewertung ein negativer Eigenkapitalwert von (-) 39,6 Mio. € (!!!) zugrunde gelegt.

Für ein Profi-Fußball-Unternehmen ohne jede Substanz und mit negativen Zahlen sollen die Aktienkäufer jetzt 8 Mio. € auf den Tisch legen? Man hofft dabei, dass TG ab 2023/24 in der 2. Bundesliga spielt und der Wert des Eigenkapitals auf 30,4 Mio. € ansteigen dürfte. Dass, wie die Spielvereinigung Unterhaching und der FC Bayern II bewiesen haben, ein Abstieg im Fußballgeschäft eintreten kann, haben die Akteure von TG ausgeblendet.

Der Emissionswert von 8 Mio. € basiert auf dem zukünftigen Wert des Eigenkapitals nach einem Aufstieg von 30,4 Mio. €. Zugrunde gelegt wurden für die Wertermittlung des Eigenkapitals Bruttoumsatzerlöse von 19,9 Mio. € für die Saison 2024/25, die zu einem Nettoergebnis (Gewinn) von 5,3 Mio. € führen sollen. Nach meiner Einschätzung sind die Ertragswerte nicht das Ergebnis einer Bestcase-Betrachtung, sondern Best-Bestcase. Meiner Ergebniseinschätzung liegt der Vergleich mit den Finanzkennzahlen der Vereine der 2. Bundesliga für die Saison 2018/19 zugrunde. Die zwei Vereine, die ähnlich hohe Umsatzerlöse wie die von TG geplanten erzielt haben, konnten nur Nettoergebnisse von 0,8 bzw. 2,9 Mio. € vereinnahmen. Andere Vereine, die in der absoluten Höhe ähnliche oder höhere Nettoergebnisse wie der Planwert von TG realisieren konnten, weisen wesentlich höhere Umsatzerlöse aus.

Es kann also nicht ausgeschlossen werden, dass der Ermittlung des zukünftigen Wertes des Eigenkapitals bei TG eine ganze Portion (unrealistisches) Wunschdenken eingeflossen ist und somit der Ausgabepreis von 8 Mio. € überteuert sein könnte.

catwiesel

Ganz toll, dann können sich die gesamten 5 türckgücü Anhänger die ganzen Aktien im Wert von 8 Millionen teilen 👍🏻
Wer in sowas sein Geld investiert hat nix von Finanzen oder Investments verstanden 🤦🏼‍♂️

drew60

Das einzige was an Wert besitzt ist ihre 3 Liga Lizenz und die ist doch keine 30 Millionen Wert. Und das Olympiastadion ist eigentlich ein kostenfaktor und keine Einnahme Quelle auf lange Sicht , ich schätze mal das sie mindestens 25000 Zuschauer brauchen werden im Schnitt um die Ausgaben für das Olympiastadion zu decken und das ohne Fanbasis. Ich würde lieber darauf Wetten das die Aktie an Wert verliert wenn eine Bank ein solches Papier anbietet.

nofan

In einem Punkt ist den Aussagen von Türkgüzü vollkommen zuzustimmen:

“Der Erwerb dieses Produktes ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen.”

Bonmot von Carl Fürstenberg (1850 – 1933), deutscher Bankier, Inhaber der Berliner Handelsgesellschaft 1933)

“Aktionäre sind dumm und frech: Dumm, weil sie Aktien kaufen, und frech, weil sie dann auch noch Dividende haben wollen.” (und blauäugig, weil sie hoffen, das Geld zurück zu bekommen)

juergen

Was faseln die da dauernd von Gründung 1975 und nehmen das sogar in ihr Wappen auf… Das Türkgücü von 1975 wurde 2001 abgewickelt!

In Wikepedia steht Gründung 2001 als “Türkischer SV”, dann Fusion 2009 mit dem SV Ataspor als SV Türkgücü-Ataspor… Umbenennung in Türkücü erfolgte dann 2019…

https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkg%C3%BCc%C3%BC_M%C3%BCnchen

Das ist eine an den Haaren herbeigezogene Historie…

Last edited 8 Monate her by jürgen
juergen

1975 und Tradition 😂😂😂