Der TSV 1860 München ist handlungsfähig. Für einige Löwenfans heißt das vor allem: man könnte neue Spieler kaufen. Eine kleine Anekdote dazu und ein anschließender Kommentar.

Ein Kommentar

„Was die Löwen jetzt dringend brauchen, sind zwei Niederlagen“, meint meine Nachbarin Else süffisant lächelnd. Warum? Weil ihr Gatte irgendwie nicht so recht weiß, wohin mit seinen Gefühlen. Seit Tagen versucht er, an der medialen Löwentüre einen Hebelpunkt für sein Grantler-Brecheisen zu finden. Granteln, das ist nach den Löwen sein liebstes Hobby. Und beides passt auch irgendwie immer gut zusammen. Nur dann nicht, wenn sauber gearbeitet wird, erkennt die Gattin. Sie ist keine Löwin. Aber irgendwie weiß sie mehr über die Sechzger als ihr lieb ist. Nach dem 1:1 gegen den 1. FC Magdeburg kam er wieder ein wenig durch, der Grantler. Und prompt wurde der Ruf nach neuen Spielern laut, meint Else. Die Löwen seien handlungsfähig, so Marc-Nicolai Pfeifer. „Der Finanzier der Löwen“, erklärt sie mir, als wüsste ich nicht, dass Pfeifer der Geschäftsführer des TSV 1860 München ist. „Handlungsfähigkeit“, das ist für ihren Mann Klaus vor allem eines: die Chance auf neue Spieler. Das ist auch das einzige, was er während der Halbzeit aus dem Interview mit Pfeifer herausgehört hat. Else hingegen hat das anders gehört. Man könnte sich verstärken, sieht aber aktuell keinen Bedarf. Für 2 Jahre habe man nun Sicherheit, was den Etat angeht, habe Pfeifer gesagt. „Wäre doch schön, wenn Sechzig mal wirklich einen Geschäftsführer hat, der nicht auf ständigen Druck von außen gleich alles in einer Saison auf den Kopf haut“, meint Else. „Klaus macht das übrigens auch nicht. Privat ist er ganz anders. Das fordert er immer nur von seinen Löwen.“ Nein, zwei Niederlagen wünscht sie sich trotzdem nicht. „Gott bewahre“, meint sie. „Es ist schon gut so wie es ist.“ Auch wenn sie den Zwiespalt ihres Mannes durchaus sieht. Anstatt zu granteln muss er sich jetzt halt mal vermehrt auf den Sport konzentrieren.

Tatsächlich sind die Löwen handlungsfähig. Wobei sie das die letzten Jahre immer waren. Auch nach dem Doppelabstieg waren sie es recht schnell wieder. Ansonsten wären sie in die Insolvenz gerutscht. Handlungsfähig, das heißt für viele tatsächlich, dass genug Geld da ist, um weiter einzukaufen. Was Geschäftsführer Pfeifer allerdings wohl eher sagen wollte: die Löwen haben für die kommenden zwei Jahre finanzielle Sicherheit. Und sollte es nötig sein, kann man auch im Hinblick auf die Mannschaft noch reagieren. Zum Beispiel, wenn sich jemand verletzt. Dann könnte man im Winter jemanden verpflichten. Was es nicht heißt: dass man 50.000 Hobby-Trainern hinter dem Fernseher die teils utopischen Wünsche erfüllt.

Der ursprüngliche Spieleretat von 3 Millionen wurde um stattliche 50 Prozent erhöht. Auf immerhin 4,5 Millionen Euro. Und das nicht nur temporär in der aktuellen Saison wie in den Jahren zuvor. Sondern auf zwei Jahre ausgelegt. Man hat nun einen ordentlichen Kader geformt. Auf Grundlage der Entscheidungen der sportlichen Führung. Ob diese Entscheidungen richtig waren oder nicht, wird man auf dem Platz sehen. Wichtig ist jedoch vor allem, dass man keine Angst haben muss, dass man am Ende der Saison wieder bei Null anfängt. Oder man bereits im Winter wieder um ein Trainingslager oder eine Rasenheizung bettelt. Was stets auch für die Mannschaft Unruhe bedeutet. Eben weil langfristig geplant wurde. „Gorenzelt“ wird an der Grünwalder Straße in dieser Saison jedenfalls nicht. Zumindest ist davon auszugehen.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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Fränkischerlöwe78
Gast
Fränkischerlöwe78 (@guest_51021)
16 Tage her

So sind halt unsere Löwen grandler immer mit irgendwas unzufrieden und wen das mal nicht der fall ist fehlt ihnen was

coeurdelion
Gast
coeurdelion (@guest_50954)
20 Tage her

die schwäbische Hausfrau hat immer einen Notgroschen! bitte weiter so, endlich weg von diesem Zwngsverbrennen der Kohle

Alexander Schlegel
Alexander Schlegel (@a-schlegel)
21 Tage her

Wo soll denn eigentlich der große Bedarf sein? Erst hieß es, dass man im Sturm dünn besetzt sei, darauf wurden zwei Stürmer verpflichtet. Jetzt kamen ein Spiel lang etwas weniger Pässe und Flanken in den Strafraum als sonst und schon fordert man wieder einen guten Mann fürs Mittelfeld. Dabei hat man fürs offensive Mittelfeld schon zwei Spieler verpflichtet: Tallig und Neudecker. Und beide versprechen, wenn sie mal richtig eingespielt und integriert sind, einiges für die Zukunft. Gerade ein Neudecker kann noch viel mehr als er bislang gezeigt hat. Zudem hat man mit Dressel dann noch einen dritten, an guten Tagen überdurchschnittlichen Mittelfeldspieler, der entscheidende Pässe spielen kann und torgefährlich ist. Also, was soll die ganze Diskussion schon wieder? Wollte man da jetzt tatsächlich einen weiteren offensiven Mittelfeldspieler engagieren, wird in jedem Fall ein potentieller Stammspieler zum Bankdrücker degradiert. Das macht doch in der jetzigen Situation keinen Sinn …

Christoph Nadler
Gast
Christoph Nadler (@guest_50944)
20 Tage her

Tatsache ist, dass beide Gesellschafter und die Bayerische sich auf einen Etat von 4,5 Mio€ verständigt haben. Von dem sind bisher erst ca. 3,8 Mio verplant. Also ist damit zu rechnen, dass sich noch etwas tut….

jürgen
Leser
jürgen (@jr1860)
20 Tage her

Vielleicht sollte man sich das Geld erstmal aufsparen, damit man im NOTfall im Winter nachlegen kann.

Ich bin eigentlich mit der Mannschaft im Großen und Ganzen so zufrieden…

Und die Kicker-Meldung, dass Köllner vor der Vertragsverlängerung steht macht mich im Moment noch zufriedener 😊

Jetzt noch Dressel vorzeitig verlängern und evtl Greilinger, dann schau ich entspannt in die Zukunft

#ELiL

Christoph Nadler
Gast
Christoph Nadler (@guest_50949)
20 Tage her
Reply to  jürgen

Der Meinung kann man sein, die beiden Gesellschafter und die Bayerische sehen es anders…

Bine1860
Bine1860 (@bine1860)
20 Tage her

Ich glaube nicht, daß die Gesellschafter und die Bayerische das anders sehen.

Alexander Schlegel
Alexander Schlegel (@a-schlegel)
20 Tage her

Sehe es genau so wie Jürgen: man muss doch nicht gleich wieder raushauen. Mal angenommen, es verletzt sich jetzt ein Stammspieler auf einer anderen Position schwer, dann ist man um jeden Spargroschen froh im Winter.

Abgesehen davon sehe ich persönlich vor allem keinen Handlungsbedarf im offensiven Mittelfeld, worauf ja die meisten Forderungen derzeit hinauslaufen. Denn damit würde man sich ja eingestehen, dass man im Sommer falsch eingekauft hat. Und das ist doch definitiv nicht der Fall bzw. viel zu früh um da etwas zu korrigieren.

Natürlich, wenn ein Top-Spieler zu vernünftigen Konditionen plötzlich hier anklopft: warum nicht. Aber keine Aktionen nur deswegen, weil noch etwas im Sparstrumpf ist.

Last edited 20 Tage her by Alexander Schlegel
Christoph Nadler
Gast
Christoph Nadler (@guest_50948)
20 Tage her

Die Verträge von Dressel und Greilinger verlängern sich automatisch nach einer bestimmten Anzahl von Spielen.

Alexander Schlegel
Alexander Schlegel (@a-schlegel)
20 Tage her

Das freut mich zu lesen, aber was hat das mit der derzeitigen Debatte um Verstärkungen zu tun? Denn die Gehälter bei einer Verlängerung betreffen doch den Etat für die nächste Saison oder worauf wolltest Du hinaus mit dem Hinweis?

Snoopy.
Leser
Snoopy. (@snoopy)
20 Tage her

Du meinst also so ein „zugelaufener“ Spieler wie Rieder?

Hab’s ja schon mal geschrieben: für mich braucht man nicht noch unbedingt das vorhandene Geld rauswerfen, nur damit es ausgegeben ist. Der Kader passt soweit, es wird etwas Zeit brauchen, bis sich das Ganze eingroovt. Geht halt nicht von heute auf morgen und selbst bei einer weiteren zusätzlichen Verpflichtung wird das auch nicht von heute auf Morgen gehen.

Alexander Schlegel
Alexander Schlegel (@a-schlegel)
19 Tage her
Reply to  Snoopy.

Absolut richtig. Vor allem konterkariert man seine eigenen Aussagen, den jungen Spielern eine Chance geben zu wollen. Denn jede Verpflichtung von außen, nimmt unserem Nachwuchs auch wieder die Chance auf einen Platz im Team weg. Die Mischung stimmt jetzt.

Blue Power
Leser
Blue Power (@blue-power)
20 Tage her

Bin absolut Deiner Meinung. Nach jedem Spiel wird, wenn es mal in einem Mannschaftsteil nicht 100%ig rund läuft, gleich ein neuer Bundesliga-Spieler in einer Schlüsselposition gefordert.
Wirklich albern.

Snoopy.
Leser
Snoopy. (@snoopy)
21 Tage her

„Vielleicht hat man beim TSV jetzt auch mal erkannt, dass man kein 1. Liga Verein mehr ist und sich erst wieder diesen Status erarbeiten muss, statt davon zu träumen.“ sagte heute ein Arbeitskollege von mir. Und so unrecht hat er damit gar nicht. Was man in den letzten Wochen so hört und sieht, dürfte der eingeschlagene Weg ein guter sein, den man nicht verlassen sollte. Selbst in Hinblick auf Ismaik. Man hat eine gewisse Handlungsfähigkeit über längeren Zeitraum, konnte mit Hilfe des Hauptsponsors und weiteren Gönnern sich doch ganz gut aufstellen. Jetzt kann man nur hoffen, dass dieser Weg nicht verlassen wird, eher noch gefestigt wird, damit man vielleicht auch mal frühzeitig eine sichere Planung und damit Handlungsfähigkeit hat.

Reinhard Friedl
Reinhard Friedl (@reinhardfriedl)
21 Tage her

Endlich einmal nicht „Getriebener“ zu sein, eine ungewohnte Situation bei SECHZIG. Fuid si aba „sauguad“ oh.

Serkan
Leser
Serkan (@serkan)
21 Tage her

„Tatsächlich sind die Löwen handlungsfähig. Wobei sie das die letzten Jahre immer waren. Auch nach dem Doppelabstieg waren sie es recht schnell wieder. Ansonsten wären sie in die Insolvenz gerutscht.“ So ist es! Handlungsfähig zu sein, heißt eben nicht, sich sofort jeden (noch so depperten) Wunsch erfüllen zu können.